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PC - "Jedem das Seine"

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Poque

Ich sehe es positiv, denn

Beitragvon Poque » 1. März 2002, 09:18

1. jetzt wissen viel mehr Menschen um die Bedeutung der Redewendung „Jedem das Seine“. Auch gerade jene, die sich über meine Aufregung aufgeregt haben. Jetzt kann hier niemand mehr sagen, sie hätten es nicht gewußt.

2. jetzt werden ein paar Menschen mehr diese Redewendung aus ihrem Vokabular streichen, weil sie wissen, dass „Jedem das Seine“ in dieselbe Reihe gehört wie „Arbeit macht frei.“

3. jetzt wird die Spielbox hoffentlich nie wieder solche Redewendungen verwenden, mag es sich dieses Mal nur aus Unkenntnis ins Heft geschlichen haben.

Jeder sollte sich diese beiden Tatsachen vor Augen halten:

1. Über dem Tor zum Konzentrationslager Buchenwald stand „Jedem das Seine.“

2. Jeder, der durch das Tor schritt, erwartete Folter oder sogar den Tod, nicht nur während der NS-Zeit, sondern auch in der anschließenden stalinistischen Ära.

Was allerdings noch aussteht, ist eine Stellungnahme der Spielbox. Ich wünschte sie mir nicht um meinetwillen, sondern wegen der unglaublich vielen Opfer im Konzentrationslager Buchenwald.

Gruß

Poque

(der seinem Gewissen verpflichtet, auf diese Tatsachen hinweisen musste und zum Rufer in der Wüste wurde.)

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Philipp Klarmann

Re: Ich sehe es positiv, denn

Beitragvon Philipp Klarmann » 1. März 2002, 09:50

...gut, dass du auch die Opfer des real existierenden Sozialismus erwähnst, die ein schreckliches Ende in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg in Buchenwald gefunden haben. Man sollte sich durchaus in diesem Zusammenhang vor Augen halten, dass die offizielle Nachfolgepartei der KZ-Betreiber heute in Berlin, Meck-Vorpommern und Sachsen-Anhalt an der Regierung beteiligt ist..Neues Deutschland!

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Matthias Hardel

Stellungnahme der spielbox

Beitragvon Matthias Hardel » 1. März 2002, 11:24

> Was allerdings noch aussteht, ist eine Stellungnahme der
> Spielbox. Ich wünschte sie mir nicht um meinetwillen, sondern
> wegen der unglaublich vielen Opfer im Konzentrationslager
> Buchenwald.

Bei allem Respekt für das Thema und die hierzu Diskutierenden erfolgen Stellungnahmen zur Printausgabe der spielbox grundsätzlich nur in der Printausgabe der spielbox.

Matthias Hardel - Chefredakteur spielboxPoque schrieb:

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Harald Schrapers

Wer ist L.U. Dikus?

Beitragvon Harald Schrapers » 1. März 2002, 11:48

Hallo,
das Rätselraten geht weiter. Unten auf Seite 12 der Spielbox steht sein realer Name jedenfalls nicht.
Auch wenn die Überschrift zum Monopoly-Artikel offensichtlich etwas unpassend war (und ich verstehen kann, dass mancher LeserIn sie missfällt), solch ein Lapsus ist an dieser Stelle verzeihlich. Außerdem weiß ich nicht, wer die Überschrift verfasst hat: in den meisten Zeitschriften und Zeitungen ist dafür der Redakteur verantwortlich, der Autor macht bestenfalls einen Vorschlag oder liefert einen Arbeitstitel.
L.U. Dikus ist so eine Art Integrationsfigur der Spieleszene. Er schreibt nicht nur für die Spielbox, sondern hat auch seit vielen Jahren regelmäßig für die Pöppel-Revue geschrieben und hat eine eigene Kolumne „Ausschachtungen“ in der Fairplay. Außerdem ist er auch noch Mitglied der chronisch umstrittenen Spiel des Jahres-Jury. Das ist – wer die Konkurrenzen und Eifersüchteleien kennt – schon ein reichlich breites Spektrum, das L.U. Dikus alias … abdeckt.
Gruß
Harald

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Marten Holst

RE: PC - "Jedem das Seine"

Beitragvon Marten Holst » 1. März 2002, 12:20

Moinle,

> > Ich habe bisher nicht gewusst, dass die Nazis diesen
> > harmlosen Spruch so mißbraucht haben und ich schäme mich
> > auch nicht dafür, dass ich dies bisher nicht wusste - man
> > kann nicht alles wissen. Und anfür sich sind diese Worte
> > aus meiner Sicht wirklich harmlose Worte.
>
> 100% ACK.

Ja, das sind sie. Wie wohl die meisten hier, habe ich um die Assoziationen auch nicht gewusst (obwohl eine Spontanumfrage an der Uni mich da als so ziemlich einzigen outete).

Vielleicht sind Poques erste Reaktionen sehr harsch ausgefallen, aber was mich ehrlich gesagt stört, ist nicht, dass kaum einer es wusste und daher "gedankenlos" im positiven Sinne verwendete, sondern dass sich gegen die Information und die Möglichkeit, dass Leute damit Assoziationen haben, gewehrt wird. Denn...

> > Gibt es denn eine Liste "reservierter und beschmuddelter"
> > Worte und Redewengungen. Was darf ich denn noch sagen,
> > ohne in ein Fettnäpfchen zu treten?
>
> Eine berechtigte Frage...

...wer nicht alles weiß (und das schließt uns hier alle ein), der erwischt auch "Fettnäpfchen", das ist nicht zu vermeiden. Wenn man sich dann allerdings weigert, auf den Hinweis "Achtung, hier liegt Fettnäpfchengefahr" dieses zur Kenntnis zu nehmen, dann bewegen wir uns langsam im kritischen Bereich. Man kann meiner Meinung nach sagen "Der Ausdruck ist durch seine jüngere Geschichte verschandelt und zu vermeiden", man kann sich auf die ältere Herkunft berufen, oder den unzweifelhaften Status als geflügelten Ausdruck berufen und die Meinung vertreten, man solle diesen Ausdruck oft verwenden, um ihn zu "entdiskreditieren". Was man nicht tun sollte, ist einfach "ich bin mir keiner Schuld bewusst" in die Gegend zu patzen und nicht weiter darüber nachdenken.

Ein anderes Beispiel: viele junge Leute tragen ein "Endlich 18"-T-Shirt, um ihre jüngst erreichte Volljährigkeit zu "präsentieren". Wenige wissen, dass auch dieser Spruch als Code in der rechten Szene gilt (wegen 18=1. und 8. Buchstabe des Alphabetes=AH=Adolf Hitler). Oder man trägt Kleidungsstücke der Firma "Lonsdale" (die meines Wissens für ihr "Renommee" im rechten Sektor auch nur wenig kann, obwohl geringe Designänderungen hilfreich wären). Fern steht es mir, das zu kritisieren, denn es ist kein "Fehlverhalten". Aber die Information, wenn sie einen denn erreicht, sollte man zur Kenntnis nehmen und sich dann auf dieser Grundlage entscheiden, wie man sich zu verhalten hat. Ich hätte keine Schwierigkeiten, ein "Endlich 18"-Hemd zu tragen (wenn ich denn gerade 18 geworden wäre), darf mich dann aber auch nicht über Leute beklagen, die mich darauf hinweisen.

Tschüß
Marten

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Günter Cornett

RE: PC - "Jedem das Seine"

Beitragvon Günter Cornett » 1. März 2002, 13:35

Jost Schwider schrieb:
>
> "Günter Cornett" hat am 28.02.2002 geschrieben:
>
> > wenn ich 'Jedem das Seine' höre, assoziere ich zunächst
> > einmal auch nur die Antike
>
> Ich muß zugeben, dass mir selbst die antike
> Bedeutungs-Schwere unbekannt war! (:schäm:)
>
> > Nun, mein Besuch ist in der DDR aufgewachsen und da war das
> > Zitat ebenso bekannt wie 'Arbeit macht frei'.
>
> Nicht alles in der DDR war besser... ;-)
> *SCNR*

hallo Jost,
'in der DDR war es besser' habe ich damit keinesfalls sagen wollen. Es ist einfach nur so, dass das Zitat nicht überall unbelastet ist.

(Interessant in diesem Zusamenhang ist übrigens, dass die spontane Antwort zunächst war *ist das nicht verboten?* und nicht *Das stand über dem KZ von Buchenwald*, was auf eine andere aber durchaus auch kritikwürdige Art des Umgangs mit der Vergangenheit hindeuteten kann. Aber vielleicht interpretiere ichda jetzt zuviel.)

> > Ich halte es für richtig, dass es den gleichen Stellenwert
> > hat. Denn schliesslich ist es nicht irgendein Zitat,
> > sondern stand über dem Eingang eines KZ.
>
> M.E. hat es eben nicht den gleichen Stellenwert, da das eine
> von den Nazis "erfunden" worden ist, das andere eben nicht.
> Und [i]jedes[/i] Wort ist wahrscheinlich schonmal irgendwo
> mißbraucht worden!

In diesem Fall eben nicht 'irgendwo'...

> Extremes Beispiel (nur leicht übertrieben): Während der
> Kreuzzüge sind viele Greueltaten begangen worden, alles im
> Namen der Kirche/Bibel. Soll jetzt die Bibel auch verboten
> werden? Und alle Sprüche daraus? Sicher nicht!

Die Kirche sollte angesichts ihrer Vergangenheit auf jeden Fall nicht die Stellung haben die sie hat. Aber das ist eien andere Diskussion.

Ein Bibel-Zitat über einem KZ-Eingang wäre IMHO ebenso diskreditiert.

> > 'Jedem das seine' ist doch ganz erheblich vorbelastet -
> > nur eben nicht in unseren Köpfen.
>
> Und das ist gut so! Ich sehe dies ähnlich wie Volker: Laßt
> uns solche Worte/Redewendungen immer wieder benutzen, so dass
> der ggf. vorhandene Mißbrauch in Vergessenheit gerät! So
> bekommen die Nazis auch ihren gerechten Stellenwert
> zugewiesen, und werden nicht ständig durch solche
> Diskussionen aufgewertet...
>
> > Natürlich ist man nicht automatisch Nazi, wenn man das
> > Zitat benutzt
>
> Vorsicht! Man könnte das jetzt mißverstehen: "nicht
> automatisch, aber tendenziell doch!"

So habe ich das ganz bestimmt nicht gemeint.

> > Für manche andere Beiträge in diesem Forum fehlt mir
> > jedoch das Verständnis.
>
> Der Hauptkritikpunkt dieser Beiträge ist [i]nicht[/i] die
> negative Bedeutung von "Jedem das Seine" selbst, sondern die
> Art und Weise, wie aggressiv "Poque" das Thema aufgetischt
> hat! Petra hat das sehr gut formuliert:
> http://www.spielbox.de/phorum4/read.php4?f=1&i=38145&t=38054

Die Haltung kann ich durchaus nachvollziehen, auch wenn ich sie nicht teile. Ich meine speziell Beiträge von RoGo und Benjamin Spicher. Ich wünschte mir aber auch von anderen etwas mehr Sensibilität gegenüber Poque. Er hat seine berechtigte Empörung doch ausreichend begründet.

Und ich unterstelle dabei weder der Spielbox noch L.U. Dikus Unseriösität. Ich gehe davon aus, dass es in der nächsten Spielbox einen angemessenen Beitrag dazu geben wird.

Mir ist auch erst durch Poques Beitrag und die damit verbundene Diskussion klar geworden, das solch eine Überschrift nicht sein darf - und das obwohl ich um den Mißbrauch dieses Zitates durchaus wußte. Ich habe es in der Spielbox zunächst nur so gelesen, wie es gemeint war, und das Zitat sicherlich auch in diesem Zusammenhang benutzt.

Gruß, Günter

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Günter Cornett

Re: PC - "Jedem das Seine"

Beitragvon Günter Cornett » 1. März 2002, 14:08

Benjamin Spicher schrieb:
>
> Ich gebe mein bestes und erkläre meine Meinung möglichst
> langsam und ausführlich, aber es gibt auch leute die nicht
> verstehen wollen...

O-Ton Benjamin Spicher: *Ausserdem bin ich eben auch schon ab und zu mal mit meiner Israel-Haltung "angeeckt", und dann kann ich doch keinen so offen rumliegenden Fehdehandschuh einfach liegen lassen, oder?*

> Sag mir mal eine Textstelle
> in der ich ein VORURTEIL GEGEN JUDEN hätte. Ich kritisiere
> den Staat Israel, ich habe KEIN WORT gegen Juden persönlich
> gesagt. Ich unterscheide sehr wohl zwischen Menschen und
> Politik. Lies vielleicht EINMAL was ich schreibe, und
> antworte nicht auf was du gerne HÄTTEST, das ichs geschrieben
> habe, damits in dein Weltbild passt.

O-Ton Benjamin Spicher: *Wenn man sie [die Zeit] schon nicht vergisst sollte man allerdings auch seine Lehren daraus ziehen und nicht als ehemals "geschundenes" Volk nun ebenfalls als Unterdrücker auftreten*

Den Statt Israel gab es 1945 nicht. Du machst KZ-Opfer für das verantwortlich, was später in Israel pasiert und ziehst die Verbindung über den Begriff Volk. Das ist eine Schweinerei.

(oder was meinst du denn mit ehemals "geschundenes" Volk wenn nicht 'die Juden' ? Das 'Volk der Sinti und Roma', das 'Volk der Kommunisten', das 'Volk der Schwulen', das 'Volk der Zeugen Jehovas'...)

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RoGo

RE: PC - "Jedem das Seine"

Beitragvon RoGo » 1. März 2002, 14:10

Hallo Marten,
Du hast Recht.
Und Poques wie meine Einseitigkeit ist unangebracht.
Sowohl bezüglich des Zitats als auch bezüglich des Artikels, da L.U. Dikus - soweit ich ihn verstehe - weder die eine noch die andere Sichtweise bevorzugt, vielleicht nicht einmal kennt.
Gruß
Roland

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Benjamin Spicher

Re: PC - "Jedem das Seine"

Beitragvon Benjamin Spicher » 1. März 2002, 14:49

> O-Ton Benjamin Spicher: *Ausserdem bin ich eben auch schon ab
> und zu mal mit meiner Israel-Haltung "angeeckt", und dann
> kann ich doch keinen so offen rumliegenden Fehdehandschuh
> einfach liegen lassen, oder?*

Sarkasmus ist ein Fremdwort, oder? Liegt wahrscheinlich an der um sich greifenden PC. Deshalb habe ich dann aber im nächsten Satz (nur zur Sicherheit) auch geschrieben: "Im Ernst:..." (O-Ton Benjamin Spicher).

> O-Ton Benjamin Spicher: *Wenn man sie [die Zeit] schon nicht
> vergisst sollte man allerdings auch seine Lehren daraus
> ziehen und nicht als ehemals "geschundenes" Volk nun
> ebenfalls als Unterdrücker auftreten*

Wo ist da das Vorurteil? Der Staat Israel ist eine Folge des zweiten Weltkrieges und seiner Vorkommnisse. Die jetzigen Vorkommnisse in den Palästinensergebieten sind ebenso real und haben nichts mit Vorurteilen zu tun. Ich mache NICHT die KZ-Opfer für die jetzigen Vorkommnisse verantwortlich (woher hast du diesen Schwachsinn nur wieder), sonden ich prangere die jetzigen Machthaber und jene die sich immer wieder gerne an die Leiden "ihres Volkes" (das sind ja nur noch in den seltensten Fällen "reale" Opfer) erinnern UND gleichzeitig diese anderen Geschehnisse unterstützen/verantwoerten an.

> Den Statt Israel gab es 1945 nicht. Du machst KZ-Opfer für
> das verantwortlich, was später in Israel pasiert und ziehst
> die Verbindung über den Begriff Volk. Das ist eine Schweinerei.

Wie gesagt, ist es nicht, weil ich das nicht tue. Aber wenn man irgendwo Schweinereien sehen will dann kann man das auch. Wie genau ist denn deine Palästina-Diskussion mit deinen Lehrern verlaufen?

> (oder was meinst du denn mit ehemals "geschundenes" Volk wenn
> nicht 'die Juden' ? Das 'Volk der Sinti und Roma', das 'Volk
> der Kommunisten', das 'Volk der Schwulen', das 'Volk der
> Zeugen Jehovas'...)

Ihnen allen gehört (ebenfalls) mein Mitgefühl. Keines davon ist aber in Palästina engagiert, also schiesst du wieder mal am Thema vorbei.

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Jost Schwider

RE: PC - "Jedem das Seine"

Beitragvon Jost Schwider » 1. März 2002, 14:58

"Günter Cornett" hat am 01.03.2002 geschrieben:

>> Nicht alles in der DDR war besser... ;-)
>> *SCNR*
>
> 'in der DDR war es besser' habe ich damit keinesfalls sagen
> wollen.

Das war mir schon klar, daher Smiley und SCNR!

> Es ist einfach nur so, dass das Zitat nicht überall
> unbelastet ist.

100% ACK.

> (Interessant in diesem Zusamenhang ist übrigens, dass die
> spontane Antwort zunächst war *ist das nicht verboten?* und
> nicht *Das stand über dem KZ von Buchenwald*, was auf eine
> andere aber durchaus auch kritikwürdige Art des Umgangs mit
> der Vergangenheit hindeuteten kann. Aber vielleicht
> interpretiere ichda jetzt zuviel.)

Kann gut sein... ;-)

>> M.E. hat es eben nicht den gleichen Stellenwert, da das eine
>> von den Nazis "erfunden" worden ist, das andere eben nicht.
>> Und [i]jedes[/i] Wort ist wahrscheinlich schonmal irgendwo
>> mißbraucht worden!
>
> In diesem Fall eben nicht 'irgendwo'...

[b]Grmmph!!![/b] (So, das hast du jetzt davon...) :LOL:

Überspitzt formuliert: Wenn jetzt über einem KZ "Frieden!" gestanden hätte,
dürfte man dieses Wort dann auch nie mehr benutzen?

> Die Kirche sollte angesichts ihrer Vergangenheit auf jeden
> Fall nicht die Stellung haben die sie hat.

ACK.

>> Vorsicht! Man könnte das jetzt mißverstehen: "nicht
>> automatisch, aber tendenziell doch!"
>
> So habe ich das ganz bestimmt nicht gemeint.

Das war mir klar, andernfalls hätte ich überhaupt nicht geantwortet!

> Mir ist auch erst durch Poques Beitrag und die damit
> verbundene Diskussion klar geworden, das solch eine
> Überschrift nicht sein darf - und das obwohl ich um den
> Mißbrauch dieses Zitates durchaus wußte.

Das verstehe ich jetzt nicht so ganz: Wenn dir die negative Bedeutung schon vorher klar war, und du [i]jetzt[/i] eine solche Überschrift falsch findest, warum fandest du sie vorher OK?

Andersrum gesagt: Ob Poque davon (indirekt) persönlich betroffen war, sollte doch sicher keine Relevanz bei der moralischen Einordnung der Redewendung haben.

Viele Grüße
Jost aus Soest (sprich: "joost aus soost")

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Benjamin Spicher

RE: PC - "Jedem das Seine"

Beitragvon Benjamin Spicher » 1. März 2002, 15:22

Da ich mich von dir durch den folgenden Abschnitt ebenfalls angesprochen fühle:

> Wenn man sich dann allerdings weigert, auf den Hinweis
> "Achtung, hier liegt Fettnäpfchengefahr" dieses zur Kenntnis
> zu nehmen, dann bewegen wir uns langsam im kritischen
> Bereich. Man kann meiner Meinung nach sagen "Der Ausdruck ist
> durch seine jüngere Geschichte verschandelt und zu
> vermeiden", man kann sich auf die ältere Herkunft berufen,
> oder den unzweifelhaften Status als geflügelten Ausdruck
> berufen und die Meinung vertreten, man solle diesen Ausdruck
> oft verwenden, um ihn zu "entdiskreditieren". Was man nicht
> tun sollte, ist einfach "ich bin mir keiner Schuld bewusst"
> in die Gegend zu patzen und nicht weiter darüber nachdenken.


1. Es gab keinen "Hinweis", sondern es fielen Stichworte wie "peinliche Entgleisung", "ärgerlich", "Fauxpas der kaum wieder gut zu machen ist". Und das in einem Zusammenhang der nun wirklich NICHTS mit dem zwischenzeitlichen Gebrauch des Satzes zu tun hatte (sprich "weithergeholt", wie viele Reaktionen hier zeigen, die den Satz NICHT mit der Nazizeit in Verbindung bringen) .

2. Ich habe das Fetnäpfchen durchaus zur Kenntnis genommen (sonst hätte ich hier nicht geantwortet), betrachte es aber nicht als solches und wehre mich weiterhin gegen bestimmte Auswüchse der um sich greifenden PC. Ich gebrauche das Wort "Neger" nicht, weil ich um seine Vergangenheit und die direkte Bedeutung weiss. Gleiches gilt für andere Ausdrücke. Nun aber Aussagen zu stigmatisieren die mal von irgend jemandem missbraucht wurden widerstrebt mir zutiefst. Ich bin mir sicher dass Hitler, Stalin, Milosevic, meinetwegen sogar Napoleon (obwohl ich den bei weitem nicht auf die gleiche Stufe stelle) eine reihe weiterer historischer Zitate zu einer Vielzahl von Gelegenheiten "zum besten" gegeben haben. Werden die alle zum Fettnäpchen wenn' sirgend jemandem einfällt da mal nachzulesen?Die Frage beginnt nämlich, Salopp ausgedrückt, dort: Wann (durch wen?) wird ein Fettnäpfchen zum Fettnäpfchen?

> Ein anderes Beispiel: viele junge Leute tragen ein "Endlich
> 18"-T-Shirt, um ihre jüngst erreichte Volljährigkeit zu
> "präsentieren". Wenige wissen, dass auch dieser Spruch als
> Code in der rechten Szene gilt (wegen 18=1. und 8. Buchstabe
> des Alphabetes=AH=Adolf Hitler). Oder man trägt
> Kleidungsstücke der Firma "Lonsdale" (die meines Wissens für
> ihr "Renommee" im rechten Sektor auch nur wenig kann, obwohl
> geringe Designänderungen hilfreich wären). Fern steht es mir,
> das zu kritisieren, denn es ist kein "Fehlverhalten". Aber
> die Information, wenn sie einen denn erreicht, sollte man zur
> Kenntnis nehmen und sich dann auf dieser Grundlage
> entscheiden, wie man sich zu verhalten hat. Ich hätte keine
> Schwierigkeiten, ein "Endlich 18"-Hemd zu tragen (wenn ich
> denn gerade 18 geworden wäre), darf mich dann aber auch nicht
> über Leute beklagen, die mich darauf hinweisen.

Du würdest dich aber über Leute beklagen die dich dann gleich als Nazi beschimpfen. Man könnte ja vielleicht erst mal nachfragen, wie's denn gemeint ist, und falls es sich herausstellt dass der Kontext (du bist gerade 18 geworden) nichts mit deren "Verdacht" zu tun hat, würdest du dich wahrscheinlich dann aufregen, wenn die gleichen Leute darauf bestehen dass du das Shirt nie wieder anziehst.

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Benjamin Spicher

RE: PC - "Jedem das Seine"

Beitragvon Benjamin Spicher » 1. März 2002, 15:48

> > > Natürlich ist man nicht automatisch Nazi, wenn man das
> > > Zitat benutzt
> >
> > Vorsicht! Man könnte das jetzt mißverstehen: "nicht
> > automatisch, aber tendenziell doch!"
>
> So habe ich das ganz bestimmt nicht gemeint.

Da müsste ich jetzt mal leise Zweifel anmelden...

> Die Haltung kann ich durchaus nachvollziehen, auch wenn ich
> sie nicht teile. Ich meine speziell Beiträge von RoGo und
> Benjamin Spicher. Ich wünschte mir aber auch von anderen
> etwas mehr Sensibilität gegenüber Poque. Er hat seine
> berechtigte Empörung doch ausreichend begründet.

Nein. Für "Empörung" gibts nach wie vor keinen Anlass - höchstens vielleicht für einen "Hinweis". Aber da sind eben nicht alle gleicher Meinung.

> Und ich unterstelle dabei weder der Spielbox noch L.U. Dikus
> Unseriösität. Ich gehe davon aus, dass es in der nächsten
> Spielbox einen angemessenen Beitrag dazu geben wird.

Ich hoffe nicht. Für die meisten Nicht-Spielbox-Online-Leser wäre so was völlig unverständlich und in einer Spielezeitschrift fehl am Platz. Es wird sich aber wohl nicht vermeiden lassen.

> Mir ist auch erst durch Poques Beitrag und die damit
> verbundene Diskussion klar geworden, das solch eine
> Überschrift nicht sein darf - und das obwohl ich um den
> Mißbrauch dieses Zitates durchaus wußte. Ich habe es in der
> Spielbox zunächst nur so gelesen, wie es gemeint war, und das
> Zitat sicherlich auch in diesem Zusammenhang benutzt.

So zieht eben jeder seine Schlüsse aus dem Ganzen. Für den einen wird ein unbelastetes (historisches) Zitat (dass er auch so verstanden hat) über Nacht zum Unding, andere sehen das etwas pragmatischer.

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Günter Cornett

RE: PC - "Jedem das Seine"

Beitragvon Günter Cornett » 1. März 2002, 15:53

Jost Schwider schrieb:
>
> >> M.E. hat es eben nicht den gleichen Stellenwert, da das eine
> >> von den Nazis "erfunden" worden ist, das andere eben nicht.
> >> Und [i]jedes[/i] Wort ist wahrscheinlich schonmal irgendwo
> >> mißbraucht worden!
> >
> > In diesem Fall eben nicht 'irgendwo'...
>
> [b]Grmmph!!![/b] (So, das hast du jetzt davon...) :LOL:
>
> Überspitzt formuliert: Wenn jetzt über einem KZ "Frieden!"
> gestanden hätte,
> dürfte man dieses Wort dann auch nie mehr benutzen?

Hm, Frieden als ein einzelnes Wort natürlich schon. Aber "Frieden!" als isolierte Überschrift nicht.

> > Mir ist auch erst durch Poques Beitrag und die damit
> > verbundene Diskussion klar geworden, das solch eine
> > Überschrift nicht sein darf - und das obwohl ich um den
> > Mißbrauch dieses Zitates durchaus wußte.
>
> Das verstehe ich jetzt nicht so ganz: Wenn dir die negative
> Bedeutung schon vorher klar war, und du [i]jetzt[/i] eine
> solche Überschrift falsch findest, warum fandest du sie
> vorher OK?

Weil ich nicht genug darüber nachgedacht hatte. Weil diese Bedeutung eben irgendwo im Hinterkopf versenkt war, während die ursprünglichere Bedeutung bei mir sehr viel präsenter war. Ich habe mich sogar mal dahingehend geäußert, dass das Zitat ok ist, wenn der Zusammenhang eindeutig ist. Ich denke auch jetzt, dass man keinen Anstoss daran nehmen muss, wenn es in einem Text irgendwo heist: *Getreu Platons Motto 'Jedem das Seine'...* Aber als Überschrift zu einem Artikel liest man es zunächst einmal, ohne den Inhalt des Artikels zu kennen. Auch wenn es in einer Spielezeitschrift steht, wird der Satz erstmal isoliert wahrgenommen.

Wenn es da so alleine steht, kommen Assoziationen und die sind bei unterschiedlichen Menschen unterschiedlich. Das wurde nicht berücksichtigt. Daher ist Poques Reaktion absolut ok.

> Andersrum gesagt: Ob Poque davon (indirekt) persönlich
> betroffen war, sollte doch sicher keine Relevanz bei der
> moralischen Einordnung der Redewendung haben.

Doch: dass Poque und viele andere Menschen davon betroffen sind, ist wichtig. Wenn ich damit rechne, dass jemand die Zeitschrift aufschlägt und bei der Überschrift an das KZ Buchenwald denkt, verwende ich dieses Zitat nicht. Ich habe selbst nicht damit gerechnet und verurteile auch niemanden wegen dieses Fehlers, den ich genauso gut hätte begehen können. Aber es bleibt eben ein Fehler.

Gruß, Günter

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Jost Schwider

RE: PC - "Jedem das Seine"

Beitragvon Jost Schwider » 1. März 2002, 18:23

"Günter Cornett" hat am 01.03.2002 geschrieben:

>> Überspitzt formuliert: Wenn jetzt über einem KZ "Frieden!"
>> gestanden hätte, dürfte man dieses Wort dann auch nie
>> mehr benutzen?
>
> Hm, Frieden als ein einzelnes Wort natürlich schon. Aber
> "Frieden!" als isolierte Überschrift nicht.

:LOL: :LOL: :LOL: mann ey! :LOL: :LOL: :LOL:
OK, wenn denn nun nur "Frieden" obendrüber gestanden hätte? ;-)

>> Andersrum gesagt: Ob Poque davon (indirekt) persönlich
>> betroffen war, sollte doch sicher keine Relevanz bei der
>> moralischen Einordnung der Redewendung haben.
>
> Doch: dass Poque und viele andere Menschen davon betroffen
> sind, ist wichtig.

Da hast du den Unterschied genannt ("viele andere"): Ein einzelner ist hier nicht wichtig ( :-O nicht polemisch gemeint!) - viele Menschen (um nicht "die Gesellschaft" zu sagen) schon.

Viele Grüße
Jost aus Soest (sprich: "joost aus soost")

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Günter Cornett

RE: PC - "Jedem das Seine"

Beitragvon Günter Cornett » 1. März 2002, 18:50

Jost Schwider schrieb:
>
>
> >> Überspitzt formuliert: Wenn jetzt über einem KZ "Frieden!"
> >> gestanden hätte, dürfte man dieses Wort dann auch nie
> >> mehr benutzen?
> >
> > Hm, Frieden als ein einzelnes Wort natürlich schon. Aber
> > "Frieden!" als isolierte Überschrift nicht.
>
> [smilies zensiert]
> OK, wenn denn nun nur "Frieden" obendrüber gestanden hätte?

Dann gilt das gleiche: keine Verwendung als isolierte Überschrift, wohl aber bspw. 'Wir wollen Frieden'.
Das wesentliche ist hier doch die Verwendung des Zitates als Überschrift. Das Wort Frieden im Text wäre als Zitat überhaupt nicht zu erkennen. Wenn es irgendwo im Text heissen würde: *er gab jedem das seine zurück* hat das IMHO auch keinen Bezug zum Zitat.


> >> Andersrum gesagt: Ob Poque davon (indirekt) persönlich
> >> betroffen war, sollte doch sicher keine Relevanz bei der
> >> moralischen Einordnung der Redewendung haben.
> >
> > Doch: dass Poque und viele andere Menschen davon betroffen
> > sind, ist wichtig.
>
> Da hast du den Unterschied genannt ("viele andere"): Ein
> einzelner ist hier nicht wichtig ( :-O nicht polemisch
> gemeint!) - viele Menschen (um nicht "die Gesellschaft" zu
> sagen) schon.

Meinst du das im Ernst ?

Es ist bei einem Zeitschriftenartikel weder möglich vorwegzunehmen, was ein Einzelner bei einem bestimmten Zitat assoziiert, noch sämtliche persönlichen Befindlichkeiten Einzelner zu berücksichtigen, wohl aber die von Gruppen und auch die eigene Geschichte. Damit ist aber doch nicht gesagt, dass der Einzelne unwichtig ist.

Gruß, Günter :???:

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Helmut Lehr

Re: Ich sehe es positiv, denn

Beitragvon Helmut Lehr » 1. März 2002, 19:11

Poque schrieb:
> Was allerdings noch aussteht, ist eine Stellungnahme der
> Spielbox. Ich wünschte sie mir nicht um meinetwillen, sondern
> wegen der unglaublich vielen Opfer im Konzentrationslager
> Buchenwald.

Ich lese gerade etliche Literatur über das 3. Reich, über Hitler und seine Helfer, habe Augenzeugenberichte über Auschwitz gelesen, finde, dass dieses Thema nie unaktuell wird, muss aber sagen, dass ich den Bezug zwischen einer Rezension über verschiedene Monopoly-Ausgaben und dem Konzentrationslager Buchenwald nicht nachvollziehen kann. Eine ganz allgemeine, harmlose Redewendung des täglichen Sprachgebrauchs zu geiseln, nur weil sie als zynisches Vernichtungsmotto gebraucht worden ist, kann ich auch nicht nachvollziehen.
Wann kommt die nächste Diskussion, dass sich einer beschwert, weil in einem Spiel einer umgebracht worden ist, z. B. "Gang of Four"?
Leute, Leute, Leute, wie kann aus so einer harmlosen Rezension so eine "Staatsaffäre" werden? Total überzogen! Dann darf ich in keinem Spiel mehr Gegner oder Mitspieler eliminieren, weil das in Auschwitz auch passiert ist!
Spiele Grüße
Helmut (kopfschüttelnd)

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RoGo

Re: Wer ist L.U. Dikus?

Beitragvon RoGo » 1. März 2002, 19:27

UUUuuups,
hab ich mich glatt von S. Pieler veräppel lassen.
Die Runde geht auf mich.
Roland

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Jost Schwider

RE: PC - "Jedem das Seine"

Beitragvon Jost Schwider » 1. März 2002, 19:44

"Günter Cornett" hat am 01.03.2002 geschrieben:

>> [smilies zensiert]

Buuuh! ;-)

>> OK, wenn denn nun nur "Frieden" obendrüber gestanden hätte?
>
> Dann gilt das gleiche: keine Verwendung als isolierte
> Überschrift, wohl aber bspw. 'Wir wollen Frieden'.

Mensch, [i]das[/i] nenne ich konsequent, dafür Hut ab vor dir!
Trotzdem kann ich nicht deiner Meinung sein.
OK, eine hier gibt es wohl keinen gemeinsamen Nenner...

>> Da hast du den Unterschied genannt ("viele andere"): Ein
>> einzelner ist hier nicht wichtig ( :-O nicht polemisch
>> gemeint!) - viele Menschen (um nicht "die Gesellschaft" zu
>> sagen) schon.
>
> Meinst du das im Ernst ?

Ja.

> Es ist bei einem Zeitschriftenartikel weder möglich
> vorwegzunehmen, was ein Einzelner bei einem bestimmten
> Zitat assoziiert, noch sämtliche persönlichen
> Befindlichkeiten Einzelner zu berücksichtigen, wohl aber
> die von Gruppen und auch die eigene Geschichte.

Genau das habe ich doch gesagt.

> Damit ist aber doch nicht gesagt, dass der Einzelne
> unwichtig ist.

Genau das habe ich auch nicht behauptet!
Ich habe doch nur gesagt, dass ([i]hier![/i]) eine Überschrift nur wegen eines einzelnen nicht als "falsch" beurteilt werden kann (oder m.E. sogar darf!). Wenn es aber für die Gesellschaft eine gewisse übertragene Bedeutung hat, sieht es anders aus.

> Gruß, Günter :???:

Ah, ein Rätsel: Hmmm, hinter dem Vornamen folgt meistens ein Nachname. Also tippe ich mal: :???: = Cornett
Ist das richtig? Habe ich was gewonnen? :LOL:

Viele Grüße
Jost aus Soest (sprich: "joost aus soost")

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Günter Cornett

RE: PC - "Jedem das Seine"

Beitragvon Günter Cornett » 1. März 2002, 19:54

Jost Schwider schrieb:
>
> "Günter Cornett" hat am 01.03.2002 geschrieben:
>
> > Es ist bei einem Zeitschriftenartikel weder möglich
> > vorwegzunehmen, was ein Einzelner bei einem bestimmten
> > Zitat assoziiert, noch sämtliche persönlichen
> > Befindlichkeiten Einzelner zu berücksichtigen, wohl aber
> > die von Gruppen und auch die eigene Geschichte.
>
> Genau das habe ich doch gesagt.
>
> > Damit ist aber doch nicht gesagt, dass der Einzelne
> > unwichtig ist.
>
> Genau das habe ich auch nicht behauptet!
> Ich habe doch nur gesagt, dass ([i]hier![/i]) eine
> Überschrift nur wegen eines einzelnen nicht als "falsch"
> beurteilt werden kann (oder m.E. sogar darf!). Wenn es aber
> für die Gesellschaft eine gewisse übertragene Bedeutung hat,
> sieht es anders aus.

Ja, aber sie wurde nicht wegen eines Einzelnen als falsch beurteilt, sondern ein Einzelner hat darauf hingewiesen.


> > Gruß, Günter :???:
>
> Ah, ein Rätsel: Hmmm, hinter dem Vornamen folgt meistens ein
> Nachname. Also tippe ich mal: :???: = Cornett
> Ist das richtig? Habe ich was gewonnen? :LOL:

Du siehst dort Fragezeichen und nicht den Smily ?
Oder wilst du mich veräppeln :cry:

Nun gewonnen hast du womöglich an Erkenntnis...

Gruß, Günter

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Günter Cornett

Re: Ich sehe es positiv, denn

Beitragvon Günter Cornett » 1. März 2002, 20:13

Helmut Lehr schrieb:
>
> Wann kommt die nächste Diskussion, dass sich einer beschwert,
> weil in einem Spiel einer umgebracht worden ist, z. B. "Gang
> of Four"?

Eine Diskussion darüber, was im Spiel ok ist und was nicht, ist nicht verkehrt.

Sowohl rigorose Zensur im Sinne von political correctness als auch völlige Ignoranz gegenüber der Welt ausserhalb des Spiels sind sicherlich gleichermassen unangenmessen.

Siehe dazu auch:
http://www.gamesweplay.de/krieg_un.html

Gruß, Günter

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Roman Pelek

Belastung sowie Belastbarkeit der Sprache

Beitragvon Roman Pelek » 3. März 2002, 03:47

Hi Pque,

Poque schrieb:
> 1. jetzt wissen viel mehr Menschen um die Bedeutung der
> Redewendung „Jedem das Seine“. Auch gerade jene, die sich
> über meine Aufregung aufgeregt haben. Jetzt kann hier niemand
> mehr sagen, sie hätten es nicht gewußt.

Die Diskussion war sicherlich interessant, zumindest ich habe sie mit Interesse verfolgt, aber bezüglich der Konsequenzen bin ich mir unschlüssig. Ich weiß nicht, ob es in diesem Fall ein wesentlicher Schritt nach vorne ist, zu wissen, dass "Jedem das Seine" durch die Nationalsozialisten in zynischster Weise missbraucht wurde, denn es oktroyiert diesem Spruch wieder einen Ballast auf, den es eigentlich nicht verdient hat.

Was mich persönlich betrifft, meide ich jegliche Begriffsbildungen, die von den Nazis geprägt wurden, sträube mich aber innerlich dagegen, jedes in dieser dunklen Zeit missbrauchte sprachliche Gut als belastet zu sehen. Auch Sprache unterliegt Limitationen bezüglich ihres Umfangs, und wenn wir in Zukunft alles ausklammern, was jemals missbraucht oder in anderem als unserem Sinne verwendet wurde, könnten wir eines Tages in einer Kaskade von Altlasten ohne Sprache dastehen...

> 2. jetzt werden ein paar Menschen mehr diese Redewendung aus
> ihrem Vokabular streichen, weil sie wissen, dass „Jedem das
> Seine“ in dieselbe Reihe gehört wie „Arbeit macht frei.“

Es gehört m. E. nicht in die selbe Kategorie, denn auch die Verankerung im allgemeinen Bewusstsein prägt entscheidend die Semantik. Ich empfinde es als deutlich unsensibler und kritischer, Redewendungen zu verwenden, die allgemein geächtet sind, als welche, um deren Missbrauch kaum jemand weiß.

> 3. jetzt wird die Spielbox hoffentlich nie wieder solche
> Redewendungen verwenden, mag es sich dieses Mal nur aus
> Unkenntnis ins Heft geschlichen haben.

Mit Absicht wird dies sicherlich niemand tun, und ich denke, eine solche Intention steht auch gar nicht zur Diskussion. Die Frage ist nur, ob man eine Wendung wie "Jedem das Seine" als so belastet einstuft, dass man sie in dieser Form nicht mehr "unschuldig" verwenden darf. Also ob man im Jahre 2002 diesen Ausspruch nunmehr wieder dem eigenen aktiven Sprachschatz hinzufügen darf oder nicht. Ich denke, dass man es in diesem Fall darf.

> Jeder sollte sich diese beiden Tatsachen vor Augen halten:
> 1. Über dem Tor zum Konzentrationslager Buchenwald stand
> „Jedem das Seine.“
> 2. Jeder, der durch das Tor schritt, erwartete Folter oder
> sogar den Tod, nicht nur während der NS-Zeit, sondern auch in
> der anschließenden stalinistischen Ära.

Das ist Fakt, absolut korrekt und für mich persönlich unverzeihlich. Die entscheidende Frage ist jedoch die der "Halbwertszeit" solcher historischen Ereignisse und der damit verbundenen Belastung. Muss man wirklich alles in jüngerer Vergangenheit missbrauchte aus dem Alltag verbannen? Oder ist es nicht besser, durch allgemeine Verwendung solchem neues, unschuldigeres Leben einzuhauchen?

Im übrigen gibt's dafür noch viel mehr Beispiele, z. B. wurde auch der Muttertag von den Nazis als übelste Propagandomaschinerie missbraucht. Stört's heute jemanden? Denkt jemand daran, wie viele "deutsche" Söhne für idiotische Ideologien ihr Leben lassen mussten, wenn sie ihrer Mutter Jahr für Jahr einen Blumenstrauss für die Mühen überreichen?

> (der seinem Gewissen verpflichtet, auf diese Tatsachen
> hinweisen musste und zum Rufer in der Wüste wurde.)

Wobei zu hoffen bleibt, dass der Rufer in der Wüste nicht nur eine Fata Morgana in Form eines Pseudonyms bleibt, sondern seine - von mir persönlich trotz kontroverser Positionen sehr hoch angerechnete - Zivilcourage auch durch Nennung des Namens belegt, wie all die anderen, die hier für ihre angreifbaren und kritischen Positionen persönlich haften!

Ciao,
Roman

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Roman Pelek

[OT] Oi, Skinheads und die Ursprünge

Beitragvon Roman Pelek » 3. März 2002, 04:23

Hi RoGo,

RoGo schrieb:
>
> Füher grüßte ich gerne mit Moin.
> Erinnerte mich an meine Herkunft.
> Aber seit ich weiß, dass oi eine Losung der rechten Szene
> ist, lasse ich es.

Neben der Ironie bliebe vielleicht anzumerken, dass "Oi!" ein Ausruf/Losung der Skinhead-Szene ist, die keineswegs rein rechtsradikal ist, sondern ihre Ursprünge in der britischen Arbeiter- und Arbeitslosenschaft sowie der Ska/2Tone-Szene hat. Ska oder 2Tone als Musikrichtung entspringt dem Reggae und man findet somit ihren Ursprung in Jamaika... Womit wir wieder ein Beispiel für den Missbrauch von Kulturgut durch Rechtsradikale hätten, der sich unglücklicherweise im allgemeinen Bewusstsein verankert.

Ursprünglich ging's Skinheads "nur" um vielleicht verständliche, unpolitische Vergnügungen wie "Saufen, Feiern, Fußball" und gelegentliche Prügeleien, also Dinge, die man von "jungen Wilden" nunmal erwartet. Das war zu dieser Zeit noch unbelastet von Fragen der Nationalität oder irrigen Rassedefinitionen.

Die rechtsradikale Belastung ist somit jüngeren Ursprungs und nebenbei der allumfassenden Dummheit der rechten Szene anzurechnen, zuvor ging's da mal neben dem proletarischen Spaßverständnis später auch primär um eher linksliberale Arbeiterbelange...

Aber so leicht können Begriffe umdefiniert werden...

Ciao,
Roman (so langsam sollten wir ins OT-Forum wandern, denn es ist m. E. zu interessant, um's im Interesse der Spielebezogenheit fallen zu lassen)

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Roman Pelek

Wandel der Semantik passiert...

Beitragvon Roman Pelek » 3. März 2002, 04:51

Hi Poque,

Poque schrieb:
>
> denn ab heute plädiere ich dafür, dass sich alle fortan nur
> noch mit "Du Arschloch" anreden, auf dass der Inhalt dieses
> Schümpfwortes vergessen wird und ebensolches bedeutet wie
> "Guten Tag".

Was Du als ironischen Kommentar anbringst, passiert ja tatsächlich. Man nehme mal die afroamerikanischen Einwanderer in den USA, die sich die ursprünglich diskreditierende Bezeichnung "Nigger" mittlerweile zum Motor der Emanzipation und zu einer Ehrbekundung gemacht haben. Es ist nicht allzu selten, dass Despektierlichkeiten Einzug in Szenejargon finden und damit sogar zum Ausdruck eines gewissen Selbstbewusstseins werden. Was ein Glück - untergräbt es doch wunderschön solche rassistischen Tendenzen und führt Schwarz-Weiß-Malereien bezüglich der Sprache ad absurdum.

Ciao,
Roman (ein "Arschloch" und stolz darauf :-D )

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Christian Spohr

Re: [OT] Oi, Skinheads und die Ursprünge

Beitragvon Christian Spohr » 4. März 2002, 08:38

Alles sehr richtig, bleibt noch zu erwähnen, daß unter den ersten Skinheads meines Wissens sehr viel Schwarze waren.

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Hans-Ottokar Möhring

Re: [OT] Oi, Skinheads und die Ursprünge

Beitragvon Hans-Ottokar Möhring » 5. März 2002, 00:11

So ist es. Außerdem war erst Ska, dann Reggae, dann 2Tone, glaube ich.
Gruß,
Hans


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