Beitragvon Marten Holst » 5. März 2002, 11:42
Moinle Benjamin,
ein letztes
> > Wenn man sich dann allerdings weigert, auf den Hinweis
> > "Achtung, hier liegt Fettnäpfchengefahr" dieses zur Kenntnis
> > zu nehmen, dann bewegen wir uns langsam im kritischen
> > Bereich. Man kann meiner Meinung nach sagen "Der Ausdruck ist
> > durch seine jüngere Geschichte verschandelt und zu
> > vermeiden", man kann sich auf die ältere Herkunft berufen,
> > oder den unzweifelhaften Status als geflügelten Ausdruck
> > berufen und die Meinung vertreten, man solle diesen Ausdruck
> > oft verwenden, um ihn zu "entdiskreditieren". Was man nicht
> > tun sollte, ist einfach "ich bin mir keiner Schuld bewusst"
> > in die Gegend zu patzen und nicht weiter darüber nachdenken.
>
> 1. Es gab keinen "Hinweis", sondern es fielen Stichworte wie
> "peinliche Entgleisung", "ärgerlich", "Fauxpas der kaum
> wieder gut zu machen ist". Und das in einem Zusammenhang der
> nun wirklich NICHTS mit dem zwischenzeitlichen Gebrauch des
> Satzes zu tun hatte (sprich "weithergeholt", wie viele
> Reaktionen hier zeigen, die den Satz NICHT mit der Nazizeit
> in Verbindung bringen) .
Wie schon oben erwähnt: die Formulierung von Poque empfand ich auch als unglücklich und übersteigert, aber dennoch hatte ich bei Dir und auch bei Rolanf (RoGo) das Gefühl, dass Ihr Euch auf eine Trotzreaktion "Wusste ich nicht und will ich daher auch nicht wissen" zurück gezogen habt - und das stieß bzw. stößt mir sauer auf. Es ist eben nicht so, dass nur weil viele diese Assoziation nicht hatten (ich ja auch nicht), der fortgesetzte Gebrauch [i]ohne[/i] weitere Gedanken in Ordnung ist. Es gibt auch völlig harmlose Äußerungen, die in bestimmten Kontexten nicht anzuempfehlen sind. Ein wirklich weit hergeholtes Beispiel zur Veranschaulichung: Mit jemandem, dessen Verlobte gerade vom Auto überfahren wurde, würdest Du eventuell auch nicht über die Vorzüge von kirchlicher Hochzeit diskutieren. Gut, wenn das Thema kommt und Du es nicht weißt, dann passiert das. Wenn er Dir aber seinen Hintergrund erzählt, dann sollte man das Thema nicht mit einem "Deine Geschichte ist mir doch scheißegal" abtun.
> 2. Ich habe das Fetnäpfchen durchaus zur Kenntnis genommen
> (sonst hätte ich hier nicht geantwortet), betrachte es aber
> nicht als solches und wehre mich weiterhin gegen bestimmte
> Auswüchse der um sich greifenden PC.
Es besteht ein ganz entscheidender Unterschied zwischen den "Auswüchsen" der (teils diktatorisch eingesetzten) PC, die in den späten 80ern und frühen 90ern ganz besonders übel um sich griff, und der Bitte, wenn auch unglücklich formuliert, sich einmal Gedanken zu machen.
> Ich gebrauche das Wort
> "Neger" nicht, weil ich um seine Vergangenheit und die
> direkte Bedeutung weiss.
...die nichts anderes ist als "Mensch schwarzer (dunkler) Hautfarbe"
> Gleiches gilt für andere Ausdrücke.
> Nun aber Aussagen zu stigmatisieren die mal von irgend
> jemandem missbraucht wurden widerstrebt mir zutiefst. Ich bin
> mir sicher dass Hitler, Stalin, Milosevic, meinetwegen sogar
> Napoleon (obwohl ich den bei weitem nicht auf die gleiche
> Stufe stelle) eine reihe weiterer historischer Zitate zu
> einer Vielzahl von Gelegenheiten "zum besten" gegeben haben.
> Werden die alle zum Fettnäpfchen wenn's irgend jemandem
> einfällt da mal nachzulesen? Die Frage beginnt nämlich, Salopp
> ausgedrückt, dort: Wann (durch wen?) wird ein Fettnäpfchen
> zum Fettnäpfchen?
Napoleon würde ich auch ausnehmen wollen, andere Namen kommen eher (Idi Amin, Pol Pot). Nein, nicht alles, was die gesagt haben, wird zum Fettnäpfchen. Wenn Hitler dereinst in einem Lokal sprach "Ich hätte gerne noch ein Bier", dann ist das ein immer noch verwendbarer Satz. Hier geht es aber nicht um [i]irgendetwas[/i], wie Günter Cornett schon zu erklären versuchte, sondern um das Motto, das Leitmotiv eines Konzentrationslagers. Die Frage, wo es beginnt, "Zitate" zu verwenden als "Fettnapf" anzusehen, ist damit nicht beantwortet, aber beim Leitmotiv eines KZ ist die Grenze in jedem Fall überschritten. Dennoch (und das habe ich ja auch in meinem vorigen Posting zum Ausdruck gebracht) will ich weder jemandem, der ohne Wissen um den Kontext diesen Ausdruck gebrauchte, noch jemandem, der sich aktiv dafür entscheidet, ihn ohne diesen Kontext verwenden zu wollen, einen besonderen Vorwurf machen. Nur die Art, wie hier teilweise die Fragestellung "unfragt" wurde, die gefällt mir gar nicht.
> > Ich hätte keine
> > Schwierigkeiten, ein "Endlich 18"-Hemd zu tragen (wenn ich
> > denn gerade 18 geworden wäre), darf mich dann aber auch nicht
> > über Leute beklagen, die mich darauf hinweisen.
>
> Du würdest dich aber über Leute beklagen die dich dann gleich
> als Nazi beschimpfen. Man könnte ja vielleicht erst mal
> nachfragen, wie's denn gemeint ist, und falls es sich
> herausstellt dass der Kontext (du bist gerade 18 geworden)
> nichts mit deren "Verdacht" zu tun hat, würdest du dich
> wahrscheinlich dann aufregen, wenn die gleichen Leute darauf
> bestehen dass du das Shirt nie wieder anziehst.
Es wäre durchaus denkbar, dass ich selber auf den Gedanken käme, es nicht mehr anzuziehen... und Poque machte der Spielbox-Redaktion nicht den Vorwurf des Nazi-Seins, sondern den der Gedankenlosigkeit - ein ganz anderes Kaliber, ich will ihn aber auch nicht unterschreiben. Dennoch bin ich aufgrund der "Gegenreaktionen" teilweise überrascht, enttäuscht und verärgert gewesen.
Tschüß
Marten