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Regelfragen zu Civilization

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Stefan-spielbox

Regelfragen zu Civilization

Beitragvon Stefan-spielbox » 16. März 2002, 23:18

Ich habe 5 Fragen zum Spiel Civilization (deutsche Version):

1) In der Regel steht unter 52.5 (Bürgerkrieg), dass bei Besitz von PHILOSPHIE 15 Einheiten abtrünnig werden und bei Besitz von DEMOKRATIE ohne PHILOSOPHIE 45 Einheiten.
Dagegen steht unter 53.14, dass DEMOKRATIE die Auswirkung von Bürgerkrieg verringert und unter 53.15, dass PHILOSOPHIE die Auswirkung von Bürgerkrieg verändert (so wie auf den Karten selbst angegeben), was ein Widerspruch zu 52.5 ist.
Was stimmt nun und wieviele Einheiten werden abtrünnig ?
2) Regel Punkt 53.8: Kann bei Besitz von LANDWIRTSCHAFT tatsächlich in jedem Gebiet ein zusätzlicher Spielstein mehr stehen als erlaubt, also auch in Gebieten mit einer Stadt ?
3) Regel 43.13 und 44: Hier steht, dass die Gesamtanzahl der Punkte sich aus der Summe der Zivilisationskarten, Handelskarten und Staatsschatz errechnet. Dagegen steht unter 21, dass ein Stein auf dem Brett 1 Punkt bringt.
Zählen die Steine und Städte auf dem Brett für die Gesamtpunktzahl oder nicht ? Falls ja, wieviel Punkte bringt eine Stadt ?
4) Regel 43.12: Dürfen hier auch mehr Handelskarten als nötig abgelegt werden, auch wenn ein Spieler nach dem Ablegen weniger als 6 Karten hat ?
5) Regel 65.1: Wenn ein Spieler nicht genug Steine im Vorrat hat, um eine Stadt aufzulösen, kann er dann wenigstens die Stadt durch soviele Steine ersetzen, wie er noch hat, oder muss er sie ersatzlos entfernen ?

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Gustav der Bär

Re: Regelfragen zu Civilization

Beitragvon Gustav der Bär » 17. März 2002, 00:48

1.1. Der betroffene Spieler besitzt weder DEMOKRATIE noch PHILOSOPHIE: 35 Einheiten werden abtrünnig (Regel 52.5, 1. Absatz).
1.2. Der betroffene Spieler besitzt DEMOKRATIE, aber keine PHILOSOPHIE: 45 Einheiten werden abtrünnig (Regel 52.5, 3. Absatz).
1.3. Der betroffene Spieler besitzt PHILOSOPHIE, aber keine DEMOKRATIE: 15 Einheiten werden abrünnig (Regel 52.5, 2. Absatz)
1.4. Der betroffene Spieler besitzt PHILOSOPHIE und DEMOKRATIE: 15 Einheiten werden abtrünnig (Regel 52.5, 2. Absatz)
Der Hinweis unter 52.14, dass DEMOKRATIE die Auswirkungen des BÜRGERKRIEGS verringert, ist kein Widerspruch, obwohl die Anzahl der abtrünnigen Einheiten sicht erhöht, da aus Regel 52.5, 1. Absatz ja hervorgeht, dass der vom BÜRGERKRIEG betroffene Spieler entscheidet, mit welcher Gruppe von Einheiten er weiter spielt. Er wird am besten die größere Gruppe wählen. Da er maximal 56 Einheiten auf dem Brett haben kann, kann er nicht mehr als 11 Einheiten verlieren, während er ohne DEMOKRATIE immerhin 21 Einheiten verlieren kann.
Zudem hat man im Normalfall weniger als das Maximum von 56 Einheiten auf dem Brett und verliert so mit DEMOKRATIE nur die Anzahl, die über 45 hinausgeht - das werden meist nur wenige Marker, oft sogar gar kein Marker sein: Wenn ALLE Einheiten abtrünnig werden, entscheidet sich der Spieler logischerweise für die aus ALLEN Einheiten bestehende Gruppe, um mit ihr weiter zu spielen.

2. Nein, denn Regel 43.7, Abschnitt 3 besagt, dass nach dem Ende der Städtebau-Phase, die es ja in jeder Spielrunde gibt, keine Einheiten (runden Spielsteine) zusammen mit Städten im selben Gebiet stehen dürfen. Da Regel 53.8 diese Regel nicht explizit aufhebt, muss sie auch weiterhin gelten.

3. In Regel 43.13 steht
3.1. dass man, um in die 5. Epoche vorzurücken, ZIVILISATIONSKARTEN im Wert von 1.000 Punkten benötigt - nichts von irgend welchen anderen Punktequellen
3.2. dass man auf den letzten Feldern die jeweils im Feld aufgedruckte Punktzahl besitzen muss, wobei man AUCH Handelskarten und Staatsschatz mitzählen darf. Es steht nichts davon da, dass die Einheiten bei dieser Zählung NICHT berücksichtigt werden dürfen, also zählen sie selbstverständlich gemäß Regel 21 mit.
3.3 In Regel 44 steht, wie der Sieger des Spiels ermittelt wird, und dabei zählen NUR - da sie alle einzeln genannt werden - Zivilisationskarten, Handelskarten und Staatsschatz. Somit gilt bei DIESER Punktezählung Regel 21 NICHT.

4. Ja, du darfst mehr Karten ablegen, da dort eindeutig steht, dass du MAXIMAL sechs Karten behalten darfst. Es ist somit erlaubt, WENIGER als sechs Karten zu behalten, es ist lediglich untersagt, MEHR als sechs Karten zu haben.

5. Die Anzahl der Einheiten, die in einem Gebiet ernährt werden können, ist eine OBERGRENZE. Du kannst eine Stadt bei der Auflösung also durch HÖCHSTENS so viele Spielsteine ersetzen, wie das entsprechende Gebiet ernährt. Es wäre somit kein Regelbruch, sie durch weniger Spielsteine zu ersetzen.
Die entsprechende Formulierung in Regel 43.65 berücksichtigt diese Möglichkeit in der Tat nicht, aber wir können davon ausgehen, dass die Regel zum Vorteil des betroffenen Spielers formuliert ist: Er soll bei der Auflösung einer Stadt so wenig Verluste wie möglich erleiden. Diese Absicht wäre durchkreuzt, wenn eine Stadt ganz entfernt werden müsste, statt sie durch eine geringere als die höchst mögliche Zahl an Einheiten zu ersetzen. Lediglich, wenn gar keine Einheiten mehr zur Verfügung stehen, muss die Stadt ersatzlos entfernt werden.

Auf Xuntheit!
Gustav der Bär

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michael weber

bravo

Beitragvon michael weber » 17. März 2002, 10:53

ähm, bravo!

gustav, unser regelkenner ;-)

aber: bezüglich 4)
warum sollte man denn mehr karten als nötig ablegen? das ist doch spielerisch blanker unsinn!

ich kann deiner ausführung zwischen 3.2. und 3.3 nicht ganz zustimmen. einheiten sind ja kein staatsschatz. da sie auch in 3.2 nicht aufgeführt werden (habe jetzt aber die regel nicht noch einmal nachgelesen), gehlören sie auch nicht zur punktzahl, oder?


michael

(der sich auf die ostereierschnitzeljagd zum einjährigen jubiläum seiner seite freut - heute abend geht es los!)

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Gustav der Bär

"regelkonform" oder "sinnvoll"?

Beitragvon Gustav der Bär » 17. März 2002, 14:00

Ob das Ablegen von Handelswarenkarten sinnvoll ist, ist doch eine ganz andere Frage, lieber Michael. Die Frage von Stefan war doch nur, ob so etwas regelkonform ist. Man darf in einen Spiel ja durchaus Züge machen, mit denen man sich selbst das Wasser abgräbt - aber den Regeln sollten sie schon entsprechen. In Stefans persönliche Vorstellungen, was eine gute Strategie ist, will ich mich nicht einmischen - es sei denn, er fragt danach, was er aber hier nicht getan hat.

Dass Einheiten einen Punkt zählen, steht in Regel 21, auf die Stefan und ich eingegangen sind. Hier kurz die entsprechende Textpassage:

21 Spielziel und -thema
(...) Zu Beginn besitzt jeder Spieler nur einen Spielstein, der einen Volksstamm darstellt und einen Punkt zählt. (...)

Diese Regel gilt also für alle die Punktzählungen weiter, für die sie nicht ausdrücklich ausgeschlossen ist - und ausdrücklich ausgeschlossen ist sie da, wo steht, dass NUR die Punkte von Zivilisationskarten, Handelswaren und Staatsschatz gezählt werden. Dort aber, wo steht, dass AUCH die Punkte von Handelswaren und Staatsschatz gezählt werden, gilt der einmal in der Regel festgelegte Punktwert natürlich weiter.

Ich weiss natürlich, dass das im Avalon Hill-Civilization anders geregelt ist - aber Stefan bezog sich ja in seiner Frage ausdrücklich auf die deutsche Fassung und da steht´s nun mal so, wie zitiert.

Auf Xuntheit!
Gustav der Bär
(Peter Gustav Bartschat)

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michael weber

unschlagbar

Beitragvon michael weber » 17. März 2002, 14:30

tja, der logik muss ich mich wohl geschlagen geben (aua) ;-)

michael

(gewinnspiel läuft ab jetzt!)

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Stefan-spielbox

Re: Regelfragen zu Civilization

Beitragvon Stefan-spielbox » 18. März 2002, 00:58

Wow, was für eine Antwort, staun...

zu 1: Man kann bei einer Katastrophe mehr als 56 Einheiten auf dem Plan haben, da eine Stadt bei einer Katastrophe 5 Einheiten zählt und damit auch umgedreht werden kann (steht unter 52.1 in der Regel).

zu 4. Also hier wollte bei unserer Runde keiner unnötig eine Handelskarte ablegen, sondern lediglich eine handelbare Katastrophenkarte, die ihn selbst als führenden wahrscheinlich auch getroffen hätte.
War wohl nicht so gut formuliert, die Frage...

zu 3: Die Städte zählen aber nicht mit bei den drei Sorten der Punktermittlung (nur Zivi-Karten, Punkte in 5. Epoche, Spielende) oder doch ?
Wie sind denn die Punktewertungen eigentlich in der englischen Version geregelt ?
(Immerhin scheiterte in unserer ersten Partie der führende Spieler knapp daran, dass er zuwenig hochwertige Zivilisationskarten gesammelt hatte, und somit nicht mehr auf der Entwicklungstabelle weiter kam...)

Stefan

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Gustav der Bär

Re: Regelfragen zu Civilization

Beitragvon Gustav der Bär » 18. März 2002, 20:59

Stefan schrieb:
> zu 1: Man kann bei einer Katastrophe mehr als 56 Einheiten
> auf dem Plan haben, da eine Stadt bei einer Katastrophe 5
> Einheiten zählt (...)

Stimmt. Mein Fehler! Rechnerisch kann man beim Maximum von neun Städten tatsächlich 101 Einheiten auf dem Plan haben.

> zu 4. Also hier wollte bei unserer Runde keiner unnötig eine
> Handelskarte ablegen, sondern lediglich eine handelbare
> Katastrophenkarte, die ihn selbst als führenden
> wahrscheinlich auch getroffen hätte.

Die Frage heisst hier also: Hatte er die handelbare Katastrophenkarte selbst gezogen oder sie von einem Mitspieler bekommen?
- Hatte er sie selbst gezogen, darf er sie auch wieder ablegen -> Regel 43.11, Absatz 2: "Möchte ein Spieler eine Katastrophenkarte nicht handeln, so kann er sie in Phase 12 abgeben oder für eine der nächsten Runden aufheben."
- Hatte er sie von einem Mitspieler bekommen, darf er sie keinesfall ablegen, sondern muss sie offenlegen -> selbe Regel, selber Abschnitt: "Ein Spieler, der eine solche Katastrophenkarte in der Handelsphase erhält, muss sie offen vor sich auslegen. Eine Katastrophe darf auf keinen Fall mehr als einmal gehandelt werden!"

> zu 3: Die Städte zählen aber nicht mit bei den drei Sorten
> der Punktermittlung (nur Zivi-Karten, Punkte in 5. Epoche,
> Spielende) oder doch ?

Städte werden in der Deutschen Regel an keiner Stelle mit einem Punktwert in Verbindung gebracht, also zählen sie auch nicht mit.

> Wie sind denn die Punktewertungen eigentlich in der
> englischen Version geregelt ?

Für ADVANCED CIVILIZATION in der Avalon Hill-Ausgabe gilt:
- Um die Felder mit den aufgedruckten Punktzahlen zu betreten, zählen nur die Punkte der Zivilisationskarten.
- Zur Ermittlung des Siegers zählen die Punkte aus Zivilisationskarten, Handelskarten, Marker aus dem Staatsschatz, Position auf der Entwicklungstabelle (100 Punkte je zurückgelegtem Feld) und Städte (50 Punkte je Stadt). Hier ist der Sieg also nicht daran geknüpft, als erster das Ende der Entwicklungstabelle zu erreichen; die Erreichung des Endes der Tabelle durch einen beliebigen Spieler markiert nur das Ende des Spiels.

Auf Xuntheit!
Gustav der Bär


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