Beitragvon Roman Pelek » 14. April 2002, 00:51
Hi Gerhard,
Gerhard Passler schrieb:
> Welche könnt ihr mir da besonders empfehlen und in
> Stichworten/Schlagworten warum??
> Welche Neuheiten (außer Puerto Rico :-D ) sind in diesem
> Spielejahrgang ein absolutes "muß"?? Nachdem ich hier im
> Forum regelmäßig mitlese, scheint mir das eine recht
> knifflige Frage zu sein, da bisher kaum ein Spiel durch die
> Bank überzeugen konnte. :cry:
Hm, nuja, die Geschmäcker sind zum Glück verschieden. Da Puerto Rico ja schon auf Deiner Liste steht, will ich mal versuchen, im Hinblick auf große, anspruchsvollere Spiele (so deute ich Deine Anfrage), ein paar Worte zu meinen Lieblingen verlieren (wobei ich davon ausgehe, dass Thema/Spielbeschreibungen Dir bekannt sind):
Mexica:
Pro: einfach zu erlernen, durchaus taktisch und anspruchsvoll, aber ebenso gut flüssig aus dem Bauch heraus zu spielen. Thema und Material sprechen zumindest mich an.
Contra: erneuter Rückgriff auf das Aktionspunktekonzept (->Trilogie), hoher Preis für das Material und die einfarbige Spielregel. Zu zweit etwas viel Platz auf dem Plan, evtl. ist da Peter Steinerts Vorschlag zur Startplatzierung einer dritten eine sinnvolle Abhilfe.
Dschunke:
Pro: bis auf die Sonderkartenaktionen einfacher Zugang. Schöne Bietelemente, m. E. eine gelungene Mischung aus Glück und Strategie, was die Vorausplanung der Sonderkartenaufträge und Platzierung der Ladungsstreifen angeht.
Contra: es liegt ein abstrakter Mechanismus zugrunde, was Liebhabern rein thematischer Spiele nicht unbedingt gefällt. Die harte Bietrunde (Verlust der gebotenen Karten unabhängig vom Ausgang) erfordert entweder bewusstes Kalkulieren (z. B. Nachzählen der ausliegenden Karten) oder eine etwas gehobene Frustschwelle bei den Mitspielern.
Wildlife:
Pro: Thematisch erstaunlich gut eingekleidetes Mehrheitenspiel. Variable Verteilung unterschiedlicher Startfähigkeiten, Interaktion durch Versteigerung während des Zugs eines Spielers auch bei mehr Mitspielern. Günstiger Preis.
Contra: Mit Redundanzen behaftete Spielregel (Gleichstandsregelung wird z. B. jedes Mal neu erklärt). Materialqualität und Grafik entsprechend des niedrigen Preises auch auf etwas niedrigerem Niveau: Standardholzmaterial, "flusende" Stanzbögen, Spielkarten sind auf der Rückseite nicht sehr resistent gegen Handschweiß (Beschichtung neigt bei längerem Halten in der Hand etwas dazu ,"pickelig" zu werden) und leicht zu knicken, Übersicht auf dem Spielplan bei liegenden Stanzteilen leidet etwas durch nicht immer ganz klare Grenzen der Regionen. Farbwahl nicht immer optimal, siehe auch die hellgrün/dunkelgrün-Problematik in Thomas' Ersteindruck. Alles in allem aber nichts, was das Spiel selbst betrifft oder die Spielbarkeit wesentlich beeinträchtigen würde.
Clippers:
Pro: einfach zu erlernendes, taktisches Legespiel. Spielt sich flüssig und ohne Grübelphasen, aber trickreich. Ständiges, positives Spieldilemma, was man mit seinen wenigen Aktionen nun ausrichten mag.
Contra: Niederlassungsmarker viel zu klein und anfällig für spontanen Verlust und mangelnde Sichtbarkeit ;-) Recht trockenes Spiel, zudem aufgrund des frühen Urteils noch ungeklärte Spielbalance.
Pueblo:
Pro: einfachste Regeln, schönes taktisches und dreidimensionales Bauspiel, gelungene Varianten sorgen für Abwechslung. Schönes Material.
Contra: Eigentlich rein abstrakt, Dreidimensionalität erfordert räumliches Vorstellungsvermögen (kann deshalb grüblerisch werden), Versteigerung der Spielerreihenfolge mitunter etwas zu schwach, vor allem zu Spielbeginn ohne Anhaltspunkte über die Nützlichkeit. Hoher Preis (und da wären wir wieder beim schönen Material...).
So, und jetzt habe ich wieder die Hälfte vergessen, hoffe aber trotzdem, subjektiv im Hinblick auf große, anspruchsvolle Spiele meine Lieblinge etwas besser erläutert zu haben :)
Ciao,
Roman