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Spielanleitungen-Fehlen taktischer Hinweise

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Marc Gallus
Kennerspieler
Beiträge: 363

Spielanleitungen-Fehlen taktischer Hinweise

Beitragvon Marc Gallus » 15. April 2002, 19:45

Hallo!

Geht es Euch auch oft so, dass Ihr ein Spiel gerade neu erworben habt und Euch die Regeln angelesen habt und dennoch nicht wisst,
wie Ihr denn nun halbwegs zu agieren habt?

Beispiel Puerto Rico: Bei unserer ersten Partie haben wir fast
das Spiel an die Wand gefahren, so dass 2 Mitspieler fast keine Lust mehr hatten auf eine zweite Partie(die dann wirklich spannend verlief).

Ich denke, dass die Verlage, zumindest bei komplexen Spielen, den
einen oder anderen taktischen Hinweis geben sollten, damit auch bei einem "ersten Kennenlernspiel" kein Frust entsteht.


Ich möchte ehrlich gesagt nicht wissen, wieviele "scheinbar" schlechte Spiele, die aufgrund einer ersten schlechten Partie zur Seite gelegt wurden, doch erheblichen Spielspass bieten. Dass
solche ersten Negativerfahrungen natürlich unter Spielern weitergegeben werden, bleibt nicht aus, so dass oftmals ein Spiel
keine zweite Chance bekommt und Mitspieler für eine zweite Partie nur mehr schwer zu finden sind.

Vielleicht macht sich der ein oder andere Verlag ja mal Gedanken hierzu...:-)

Geht es Euch nicht ähnlich?

Gruss
Marc
Meine Promoliste zum Tauschen und Verkaufen: https://www.spiele-offensive.de/Liste/P ... 459-0.html

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Lars Velten

Re: Spielanleitungen-Fehlen taktischer Hinweise

Beitragvon Lars Velten » 15. April 2002, 21:09

Hi Marc,

grundsätzlich stimme ich Dir zu. Taktische Hinweise an den entsprechenden Stellen sind gewiß sehr hilfreich. Bei unserem ersten Puerto Rico Spiel lief zum Glück nichts schief und alle waren sofort sehr angetan. Allerdings frage ich mich, ob nicht viel mehr Spiele an einer schlechten Regel oder an einer schlechten Regelerklärung scheitern (ein gewisser jemand zB aus unserer Sonntagsspielerunde ---keine Namen--- hat die Tendenz alles viel zu breit und ausufernd zu erläutern, aber die wichtigsten Dinge oft zu vergessen). Man kommt schlecht rein ins Spiel und legt es enttäuscht beiseite. Oder natürlich schlechtes Material, wie zB Farben die man nur bei vollem Sonnenlicht unterscheiden kann.

Allerdings bin ich überzeugt, dass die meisten Spiele mit Recht nur einmal gespielt werden!
Spieler sind ganz schön anspruchsvoll.

Lars Velten

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Roman Pelek

Spieler und erste Partien

Beitragvon Roman Pelek » 16. April 2002, 02:24

Hi Lars,

>Man kommt schlecht rein ins Spiel und legt es enttäuscht beiseite.<

So wenig Ausdauer? Auf einer schlechten Regel kann man immer noch herumhacken bzw. auf einem schlechten Erklärer auch (wobei das dann nicht die Schuld des Spiels ist ;-) ). Aber bei komplexeren Spielen wundert mich immer wieder, wie schnell 'was bei eigentlich geübten Spielern untendurch fällt - obwohl die wissen müssten, dass der Einstieg nicht immer nur Zuckerschlecken ist.

>Allerdings bin ich überzeugt, dass die meisten Spiele mit Recht nur einmal gespielt werden!<

Das mag zutreffen, aber zum einen sind die Geschmäcker verschieden - und zum anderen kann man oft nach dem ersten Mal bei etwas komplexeren Spielen gar nicht so sicher sein, ob's nicht einfach nur ein dummer Verlauf war.

>Spieler sind ganz schön anspruchsvoll.<

...und manchmal von einer gewissen (Vor-)Eile und Ungeduld beseelt :-D

Ciao,
Roman

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Gustav der Bär

Re: Spieler und erste Partien

Beitragvon Gustav der Bär » 16. April 2002, 09:17

Ich persönlich gehe immer davon aus, dass die erste Partie eines neuen Spiels ohnehin nur zum Regeln erlernen gespielt wird. Das heisst, dass man sich nicht genieren sollte, selbst bei einem komplexen Strategie/Taktik-Spiel beim erstem Mal einfach "aus dem Bauch ´raus" irgendwelche Züge zu machen und zu sehen, was passiert.

Natürlich ist es vorteilhaft, wenn das Regelheft als zusätzlichen Service noch ein paar Tipps oder - im besten Fall - sogar eine Muster-Partie mit einigen Spielzügen enthält, die man einfach mal nachmachen kann. Ich würde mein Urteil über ein Spiel aber nicht davon abhängig machen, ob das jetzt so ist oder nicht.

Man braucht beim Spielen halt auch das Selbstbewusstsein, kühn eine völlig falsche Entscheidung zu treffen und daraus Lehren für zukünftige Partien zu ziehen.

Auf Xuntheit!
Gustav der Bär
(Peter Gustav Bartschat)

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Dirk Piesker
Kennerspieler
Beiträge: 950

Aus dem Bauch raus

Beitragvon Dirk Piesker » 16. April 2002, 09:41

Hallo Peter,

ich finde es ziemlich schade, wenn (Mit-)spieler sich nicht trauen, einfach
aus dem Bauch heraus draufloszuspielen (insbesondre in der ersten Partie).

Obwohl ich strategische und taktische Spiele liebe, lasse ich mich manchmal zu
einem "Spiel aus dem Bauch" hinreissen und gehe meist gnadenlos damit unter.
Trotzdem machen mir gerade auch diese Spiele dann Spass.


Dirk (der seine letzte Partie Puerto Rico sehenden Auges total in den Sand gesetzt hat :-))

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Volker L.

Re: Spielanleitungen-Fehlen taktischer Hinweise

Beitragvon Volker L. » 16. April 2002, 13:05

Marc Gallus schrieb:
>
> Hallo!
>
> Geht es Euch auch oft so, dass Ihr ein Spiel gerade neu
> erworben habt und Euch die Regeln angelesen habt und dennoch
> nicht wisst,
> wie Ihr denn nun halbwegs zu agieren habt?

Selten.
Ist vielleicht auch eine Erfahrungssache. Ich spiele bevorzugt
komplexe(re) Spiele und hatte da noch nie das Gefuehl, mehr
taktische Hinweise (oder ueberhaupt welche) haetten sein sollen.

> Ich denke, dass die Verlage, zumindest bei komplexen Spielen,
> den
> einen oder anderen taktischen Hinweis geben sollten, damit
> auch bei einem "ersten Kennenlernspiel" kein Frust entsteht.

Also, manchmal habe ich bei taktischen Tips im Regelheft das
Gefuehl [i]"aha, gut, dass die darauf hinweisen, das haette ich
sonst erst im Laufe der ersten Partie bemerkt"[/i] und manchmal
[i]"ist doch offensichtlich, warum schreiben die das, halten die
uns fuer Idioten?!"[/i]
Es koennte in meinem Spielerleben [i]vielleicht[/i] ein- oder
zweimal vorgekommen sein, dass ich das Gefuehl hatte, ein bestimmter
Hinweis haette zusaetzlich sein sollen, aber ich kann mich an
keinen konkreten Fall erinnern.

Gruss, Volker

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Ralf Arnemann
Kennerspieler
Beiträge: 2447

Taktische Hinweise können zwar manchmal nützlich sein ...

Beitragvon Ralf Arnemann » 16. April 2002, 13:58

... aber es besteht auch die Gefahr, daß man gleich von Anfang an in ausgetretenen Pfaden läuft und originelle Strategien übersieht.

Wie man an den Diskussionen hier immer wieder sieht, sind viele Tips ja auch sehr umstritten.
Beim speziellen Beispiel Puerto Rico wüßte ich nur wenige Banalitäten, die noch allgemein konsensfähig wären:
"Mindestens ein Steinbruch ist empfehlenswert".
"Plantagen ohne passende Fabriken oder umgekehrt sind nutzlos".
"Achte darauf, was Deine Mitspieler vorhaben".
Ich glaube nicht, daß alea den Käufern mit so etwas einen großen Gefallen getan hätte.

Schon die in Mode gekommenen "Beispiel-Spiele" haben so ihre Tücken. Bei den Musterstartaufstellungen von "Pfeffersäcke" oder "Siedler von Catan" hat m. E. mindestens ein Spieler klar suboptimal gesetzt - eigentlich nicht sehr empfehlenswert.

Da schließe ich mich eher den Empfehlungen von Romna, Gustav u. a. an: Das erste oder die ersten Partien sind zum Ausprobieren. Da sollte man auch keine Angst vor Nebenwegen haben, und sein Urteil noch zurückstellen.

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michael weber

Re: Spielanleitungen-Fehlen taktischer Hinweise

Beitragvon michael weber » 16. April 2002, 17:13


ich habe selten solche probleme, aber durch die redaktionsarbeit bin ich im anleitungslesen ja auch geübt. ich schätze, hier im forum werden so ziemlich alle solche zusätzlichen taktikhilfen überflüssig finden, aber was ist mit der viel größeren masse an gelegenheitsspielern, die ihre spiele zu weihnachten geschenkt bekommen?

ich denke, denen hilft ein kleiner tipp, auf was zu achten ist bzw. was man besser nicht tun sollte sehr, um größtmöglichen spielspass zu haben. die anderen können ja auf die tipps verzichten. (baukastensystem.) das immer mal wieder beispielaufstellungen oder einführungsspiele nicht optimal für alle spieler sind, ist doch nur natürlich. hier wäre dann entsprechend ein hinweis angebracht, dass es eben nur ein beispiel und keine sieganleitung ist.

überhaupt spiele ich doch eigentlich, weil ich spass haben will und wenn überhaupt erst in zweiter linie, um ein spiel zu gewinnen. deshalb möchte ich natürlich nicht nur wissen, wie die regeln sind, sondern wie ein spiel funktioniert. an diesen punkt hören aber leider viele anleitungen häufig auf. das erkunden eigener taktiken und strategien ist doch dennoch weiter möglich, wenn es ein paar tipps gibt.

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Jost Schwider

Taktiken für abstrakte Spiele

Beitragvon Jost Schwider » 17. April 2002, 10:43

"Volker L." hat am 16.04.2002 geschrieben:

> Ist vielleicht auch eine Erfahrungssache. Ich spiele
> bevorzugt komplexe(re) Spiele und hatte da noch nie
> das Gefuehl, mehr taktische Hinweise (oder ueberhaupt
> welche) haetten sein sollen.

Da kann ich im Prinzip zustimmen. ("90% ACK." ;-) )

Womit ich allerdings schonmal Probleme haben kann, sind abstrakte Spiele (sic, das mir als Informatiker).

Wenn ich mir etwas - im wahrsten Wortsinn - nicht vorstellen (bzw. thematisch einordnen/herleiten) kann, dann können [i]kleine[/i] Hinweise zum "richtigen Spielen" durchaus hilfreich sein.

Sonst kann es u.U. wirklich zu dem von Marc berichteten Phänomen des "Was soll das überhaupt?" kommen.

Viele Grüße
Jost aus Soest (braucht Themen)

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Jost Schwider

RE: Spieler und erste Partien

Beitragvon Jost Schwider » 17. April 2002, 10:43

"Gustav der Bär" hat am 16.04.2002 geschrieben:

> Ich persönlich gehe immer davon aus, dass die erste Partie
> eines neuen Spiels ohnehin nur zum Regeln erlernen gespielt
> wird.

Wenn man nur immer genug (Spieletreff-)Zeit hätte... :-/
Bei wirklich komplexen Spielen (ab 3h bzw. 10 Seiten aufwärts ;-) ) treffen wir uns dann schonmal zu einem extra Kennenlern-Abend, wo man dann ganz bewußt gemeinsam ein Spiel "erarbeitet".

Bei den "normalen" Spieletreffs wird aber zumeist erwartet, das "richtig" gespielt wird...

> Das heisst, dass man sich nicht genieren sollte,
> selbst bei einem komplexen Strategie/Taktik-Spiel beim
> erstem Mal einfach "aus dem Bauch ´raus" irgendwelche
> Züge zu machen und zu sehen, was passiert.

Das mache ich gerne, wenn ich ein (neues) Spiel alleine für mich ausprobiere, um es besser kennenzulernen. "Was passiert eigentlich, wenn ..." ist auch ein sehr schönes Spiel... ;-)

Viele Grüße
Jost aus Soest (sprich: "joost aus soost")


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