Hi,
nachdem Michael unten die Stärke von Hospiz+Bauhütte in seinen Runden erläutert hat, möchte ich diesen Eindruck durch einen Spielbericht zu viert von heute relativieren, an dem eine sehr einfache Kontermöglichkeit ersichtlich wird:
1. Spieler nimmt Baumeister (3+1 Geld), damit Hospiz. 2.+3. die Bauhütte. Daraufhin kommt 3x der Siedler, bevor der 1. Spieler wieder Gouverneur ist - Ergebnis: 0 Steinbrüche für den Hospizspieler (Dies ist zu fünft noch viel einfacher zu realisieren sein, selbst wenn 2 Hospize weggehen, damit finde ich, dass die Hospiz+Bauhütte-Strategie eigentlich schon komplett vom Tisch ist). Konzentrieren wir uns auf's Relevante: der 2. Spieler mit Bauhütte baut danach als Startspieler in der 2. Runde eine kleine Markthalle (der 3. kl. Markthalle, aber egal). Danach kommen ein paar Verschiffungs-/Geldrunden, in denen der 2. Spieler aber quasi nichts verschifft, im Gegensatz zum 1. In den nächsten Bauphasen nimmt der 2. Spieler, da einzig mit Geld ausgestattet, eine Kafferösterei, um Geld zu machen, sonst wenig aufregendes. Im Anschluss gibt's eine Baurunde mit gr. Markthalle für den 1. und 2. Spieler. Warenverkauf mit Kaffee verläuft zugunsten des 2. Spielers, der damit viel Geld hat. 1. Spieler verschifft relativ viel Mais. Folgende Baurunden: 1. Spieler erwirbt Manufaktur (mit Mais, Indigo, Zucker fertig bislang), 2. Spieler Uni. Danach wieder Verschiffung zugunsten des 1. Spielers, Rest irrelevant. Danach folgen durch das viele Geld Hafen+Kontor für den 2. Spieler mit Uni, und gerade mal Tabak-Produktion als 4. Sorte für den 1. Manufaktur-Spieler. Endergebnis: der 2. Spieler mit Uni beendet das Spiel mit einem 2. 4er-Gebäude, das mit einem Kolonisten besetzt wird und erwirbt damit 50 Siegpunkte (14 Verschiffung + 36 Stadt), der 1. Spieler erreicht 41 Punkte (26 Verschiffung + 15 Stadt, wobei das 4er-Gebäude für Kolonisten inaktiv bleibt, da niemand mehr den Bürgermeister nehmen will). Die anderen (relativ ungeübten) Spieler bleiben bei 31 bzw. 36 Siegpunkten mit einigen Spielfehlern.
Bei all dem gab's viel, was im Handelshaus und beim Verschiffen passiert ist - aber defintiv nichts, was in Richtung Hospiz+Bauhütte oder auch Hospiz-Mais gedeutet hätte. Denn die Bauhütten sind zu schnell weg, und als Maisspieler jedesmal einen Mais in der Siedlerphase zu bekommen (und dann auch noch verschiffen zu können) ist nach meinem Dafürhalten schlicht unmöglich. Wohlgemerkt: das zu viert - und zu fünft passiert noch mehr.
Mein Augenmerkt richtet sich daher, wie schon öfter angedeutet, eher auf eine "Viel-Geld" Strategie, evtl. mit Uni. Mit zu wenig Geld scheitert man bei PR m. E. unweigerlich, was die Hospiz-Mais-Strategie ad absurdum führt, die zudem von Glück UND Wohlwollen der Mitspieler abhängt. Am meisten halte ich bisher von Mischstrategien, die viel Geld erwirtschaften (Manufaktor oder gr. + kl. Markthalle) und dabei noch passabel verschiffen (evtl. mit Hafen oder bei Monokultur Werft) oder einer Geld+Uni-Strategie, die auf rechtzeitiges Spielende durch Stadtausbau setzt, bevor zuviel verschifft wird. So oder so muss man immer im Auge behalten, was die Mitspieler tun und wann das Spiel endet... Bei Gebäudestrategie muss man es quasi selbst schnell beenden, sonst ist man chancenlos. Bei Vielverschiffung muss man darauf achten, dass die Mitspieler nicht zuviele Kolonisten verbrauchen oder die Stadt zubauen. Tja, und eine gute Mischung ist immer gut, wenn sich nichts zu deutlich herauskristallisiert.
Nach wie vor sehe ich keine eindeutige Siegstrategie, denn zuviel passiert bei Rollenwahl, Gebäudeknappheit, im Handelshaus und bei der Verschiffung. Die Blockademöglichkeiten dort sind doch sehr stark, wenn jeder aufpasst.
Und wenn ich etwas in naher Zukunft nochmal näher probieren würde, wäre es eine Geld+Uni-Strategie mit vorzeitigem, selbst herbeigeführten Ende durch Stadtausbau. Die Verschiffung ist noch geringfügig stärker zu blocken m. E., zudem entzieht man sich mit der Uni im Zweifelsfall dem 4er-Gebäude-Dilemma. So oder so halte ich 4 Geld für Hospiz und 8 für Uni bislang für gerechtfertigt - weder das Hospiz zu billig noch die Uni zu teuer. Kurzum als Lob: Puerto Rico bleibt auch nach der 20. Partie noch spannend... ;-)
Ciao,
Roman