Beitragvon Jost Schwider » 18. April 2002, 13:33
"Tyros" (Kosmos)
Spieler: 3-4
Angegebene Spieldauer: 60-70 Minuten
Preis: knapp 15 Euro
So, nachdem ich nun zwei "richtige" Tyros-Partien hinter mir habe, möchte ich endlich mal meine "fundierteren" ersten Eindrücke loswerden... ;-)
[b]Story[/b]
In Tyros übernimmt man die Rolle eines phönizischen Händlers, welcher im Mittelmeer mit den aufstrebenden Reichen Handel treibt und dort Städte gründet.
Wer am Ende des Spiels die meisten/wertvollsten Städte und Handelsposten (im Spiel "Schiffkontrolle" genannt) besitzt, gewinnt das Spiel.
[b]Start[/b]
Zu Beginn ist der Spielplan (eingeteilt in eindeutige Rechtecke) noch ziemlich aufgeräumt: Jeder Spieler hat gerade mal zwei Schiffe, die alle von Tyros (heutiges Libanon) starten. Auch die vier Mittelmeer-Reiche sehen noch winzig aus (deren Startpositionen werden im Prinzip zufällig gezogen). Jedes Reich wird durch eine bestimmte Farbe (entspricht einem Handelsgut) repräsentiert.
[b]Ablauf[/b]
Das Spiel findet in 5 Phasen statt:
1. Handelskarten-Nachschub
(10 Stück bei 4 Spielern, sonst 12)
2. Reiche vergrößern
(bei 3 Spielern und in der ersten Runde: zweimal)
3. Aktionen durchführen (kosten i.A. Handelskarten)
(wird solange wiederholt, bis der Letzte gepasst hat)
4. Überzählige (>3) Handelskarten abwerfen
5. Startspieler-Zeichen weitergeben.
Jede Phase wird erst von allen Spielern durchgeführt, bevor die nächste beginnt.
zu Phase 2:
Jeder Spieler hat i.A. 4 Landschaftskärtchen (definiert eine Region) zur Verfügung, wovon er eine aussuchen darf, die an ein bereits existierendes Reich orthogonal angrenzen muss. Dadurch wächst dieses Reich (wird mit einer Farbe markiert).
Grenzt eine Landschaft an zwei Reiche, so kann der Spieler entscheiden, welche "Farbe" diese Landschaft/Region bekommen soll.
Anschließend zieht ein Spieler ein neues Landschaftsplättchen. (Insgesamt gibt es 32.)
zu Phase 3:
Die Spieler führen Reihum genau eine der folgenden Aktionen durch, solange bis alle gepasst haben (Wiedereinstieg ist möglich):
[i]a) Schiff bewegen[/i]
Man zahlt soviele Handelskarten passender Farbe (d.h. Farbe des Reichs, wohin es gehen soll), wie das Ziel an Feldern entfernt ist. Man kann nur zu bereits farbig markierten Regionen reisen. Woanders darf ein Schiff folglich keinen Halt machen!
[i]b) Stadt bauen (benötigt alleinige Schiffkontrolle)[/i]
Man zahlt 5 Handelskarten passender Farbe und entfernt das Schiff. (Hat man zwei Schiffe vor Ort, so kostet es nur 4 Handelskarten.)
[i]c) Schiff bauen (nur in Tyros oder eigenen Stadt)[/i]
Man zahlt soviele Handelskarten passender Farbe, wie bereits Schiffe in der Stadt vorhanden sind, plus 1. (In einer leeren lila Stadt also eine lila Handelskarte.)
[i]d) Handel mit Bank[/i]
1:1, d.h. bis zu drei Karten ablegen und gleiche Anzahl neue ziehen (blind).
3:1, d.h. drei Karten ablegen, und vom Abwurfstapel eine beliebige raussuchen.
[i]e) Handel mit einem Spieler[/i]
Man darf alle Spieler fragen, aber nur mit einem tauschen.
Kommt kein Handel zustande, so darf ersatzweise eine der anderen Aktionen a)-d) durchgeführt werden.
[b]Ende[/b]
Hat ein Spieler sein letztes Landschaftsplättchen gelegt, so wird diese Runde noch zu Ende gespielt. Dann erfolgt die Wertung:
- Für jede Stadt erhält ein Spieler 12/10/9/8* Punkte.
- Für jede Schiffkontrolle (nur eigene Schiffe in einer Region ohne Stadt) 6/5/4/3* Punkte.
- Ggf. 7 Bonus-Punkte für Majoritäten in einem Reich.
- Ggf. 7 Bonus-Punkte für denjenigen, der zuerst in jedem Reich eine Stadt gegründet hat.
*[i]Abhängig von der Größe des Reiches (größer=wertvoller)[/i]
[b]Kommentar[/b]
Mein allererster Eindruck (vor dem ersten Spiel, direkt nach dem Lesen der Regeln) war:
Tolle Spielmechanik, tolles Material, interessantes Thema - dank kurzer Aktionen sollte es ziemlich schnell und kurzweilig zugehen.
Mein Eindruck nach der ersten Partie war dann folgender:
Die Spielmechanik setzt das Thema gut (sogar "realistisch") um, es gibt viele Möglichkeiten zu agieren und unterschiedliche Schwerpunkte zu setzen. Ein perfektes Spiel, wenn es nicht so lange gedauert hätte. Wir haben (zu viert) 2 Stunden gespielt! Hinterher waren wir uns einig, dass zwar alles stimmig ist, aber irgendwie (völlig unbestimmt) der letzte Pfiff fehlen würde.
Mein derzeitiger Eindruck (nach einer zweiten Partie mit zu 50% anderen Spielern und einer Spielhilfe für jeden, wo ich alle Phasen/Aktionen, Kosten und Wertungen auf ein Kärtchen zusammengefaßt habe) ist folgender:
Das Spiel macht mir unheimlich Spaß, schon bei dieser zweiten Partie hat man neue Strategien/Taktiken entwickelt, die man bei der ersten so noch gar nicht gesehen hatte. (Es gibt natürlich auch offensichtliches... ;-) )
Spannung herrschte bis zur allerletzten Runde!
Gut, es gibt einen gewissen Glücksfaktor durch den Handelskarten-Nachschub, aber gerade darin liegt die Kunst:
Je nach verfügbaren Handelskarten seine Ziele zu variieren, geschickt zu tauschen, und ggf. im letzten Moment noch durch gezieltes Reich-Wachstum an der Wertigkeit der Regionen zu drehen.
Trotz Spielhilfe dauerte auch das zweite Spiel aber immer noch deutlich länger als die angegeben 60-70 Minuten. (Dabei wurde hier im Forum schon von 45-Minuten-Partien berichtet! :-? )
Mit Grüblern unter den Mitspielern ist das Spiel eben nur was für Grübler.
Man kann es aber offensichtlich auch ganz locker und damit schnell spielen (eine Aktion in 5 Sekunden ;-) oder so) - dann ist Tyros ganz bestimmt auch etwas für "Wenig-Spieler"!
[b]Vorläufiges(?) Fazit[/b]
Bei dieser Ausstattung zu dem o.g. Preis kann man mit Tyros eigentlich nichts falsch machen: [i]Kaufen![/i] :-))
Viele Grüße
Jost aus Soest (sprich: "joost aus soost")