Beitragvon Roman Pelek » 23. April 2002, 16:40
Hi David,
David Haupt schrieb:
> Nach unserer ersten Partie Puerto Rico zu Fünft und dem
> denkbar knappen Ausgang (alle fünf Mitspieler waren nur duch
> vier Siegpunkte voneinander getrennt) stellt sich mir die
> Frage, ob es nicht immer auf solch enge Wertungen hinausläuft.
Immer? Nein. Es gibt einige Wege, auf verschiedene Art und Weise Punkte zu machen, so dass es in ausgewogenen Runden durchaus zu engen Ergebnissen kommen kann - die hatten wir auch häufiger.
Aber Spielfehler können auch hart bestraft werden, gerade wenn man seine Planungen zu langfristig anlegt und übersieht, dass die Mitspieler bewusst das Spiel verkürzen können - oder umgekehrt, wenn man z. B. auf Gebäude spielt und die anderen Mitspieler einem die Einnahmequellen (Handelshaus) blockieren, sieht man sehr alt aus, wenn diese dann die Zeit zum Verschiffen nutzen.
> Kann es sein, daß mir das Spiel einen Einflußreichtum
> "vorgaukelt", den ich in Wirklichkeit gar nicht besitze ?
Dass man, egal wie man spielt und was passiert, gut dasteht, kann ich aus meinen Runden nicht bestätigen. Die interessantere Frage ist für mich eher: wie stark bin ich vom Verhalten meiner Mitspieler abhängig (Spielende, Handelshaus, Verschiffung, Rollenwahl) bzw. wie stark muss ich darauf reagieren und wie weit kann ich mein eigenes Ding durchziehen. Das ist aber m. E. gerade das Spannende: weil es zum einen keine feste Siegstrategie deswegen geben dürfte und zum anderen ich immer, das ganze Spiel über, wachsam sein muss, um Entwicklungen, die mir schaden, entgegenzuwirken. Mein letztes Spiel habe ich z. B. ziemlich (zu) stur auf Hospiz+Manufaktur+Hafen gespielt - nur haben mir dann die lieben Mitspieler einen Kolonistenregen beschert (zeitweise 5-6 "Arbeitslose" in San Juan), munter mit Steinbrüchen/Markthallen gebaut und das Spiel beendet, bevor ich richtig in die Pötte kam. Ergebnis: 34:37:41:42 verloren. Und eine Spanne von 8 Punkten empfinde ich bei einer so kurzen Partie schon als recht deftig... Umgekehrt hatten wir jüngst auch mal eine Pro-Vielverschiffer-Partie mit 62:62:41:36, wo die beiden Gebäudespieler untergingen, da sie das Spiel nicht zeitig beenden konnten (wg. zu langer Handelshaus-Blockade, da hat sich das Prinzip "Irgendeiner wird schon verkaufen, aber ich will nicht" nicht bewährt :) ).
Kurzum: ich würde Deine Frage, s.o., in Abwandlung eher als interessant betrachten, um mal die Gewichtung "Eigene Strategiewünsche" zu "Adaptive Spielweise" zu beleuchten. Und wie weit man z. B. auch mal ein "schlecht spielender" Mitspieler einem anderen den Sieg schenken kann, ohne dass dieser sich besonders mühen muss.
Ciao,
Roman