Beitragvon Andreas Epplée » 15. Mai 2002, 10:06
> > > > nein, nicht naiv. genau richtig. kritiken können niemals
> > > > etwas anderes als subjektive eindrücke sein.
Warum nicht, ganz einfach gefragt (und mal übersehen, dass die Frage mindestens seit Aufkommen der "ästhetischen" Diskussion im 18. Jh. heiß diskutiert und unentschieden ist ;-))? Je mehr ein Kritiker sich bemüht, seine subjektiven Wahrnehmungen durch objektive Überlegungen zu klären, desto mehr können sie auch Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben. Setzt natürlich voraus, dass es auf dem entsprechenden Gebiet so etwas wie allgemeine ästhetische, kulturelle, qualifizierende Normen gibt - und dafür ist die "Spieleszene" noch ein bisschen zu jung (bei den "großen" Spielen wie Schach oder Go existiert das Problem praktisch nicht, da gibt es eine über Jahrhunderte reichende Tradition), und auch von der Sache her nicht ganz einfach zu erreichen (kann doch jeder spielen/erfinden/meinen was er will, oder?). Ein Großteil der gerade hier im Forum gemachten Äußerungen beweist immer wieder, dass bis jetzt kaum allgemeine Kriterien existieren, der Bedarf aber deutlich da ist - und mit der allgemeinen spielerischen Fruchtbarkeit und gesellschaftlichen Rezeption wächst.
> Wie Gustav auch hat mir die Argumentation in diesem Thread
> gegen Michael Knopf ad hominem (eine Strategie, die man gerne
> dann verfolgt, wenn man keine sehr guten Argumente hat)
> missfallen: Wenn man im Auge behält, dass auch Leute wie
> Knopf teilweise hier mitlesen (muss er ja als mit
> Brettspielen befasster Journalist), scheint mir der Ton hier
> für meinen Geschmack etwas in eine zu steile Richtung zu
> gehen: Niemand wird gerne als Flachmann bezeichnet. Und mal
> ehrlich: Was soll der Scheiß denn auch?
Um das mal vorweg zu sagen: meine (gern wiederholten) Angriffe gegen Knopf richten sich nicht gegen den Menschen, sondern gegen die "veröffentlichte Person". (Wenn ich hier einen Autor kritisiere, meine ich ja auch nicht den Menschen - den ich ja "eigentlich" nicht kenne, sondern nur, was er mir von sich freiwillig und absichtlich (!) in seinen Spielen zeigt.) Als solche wird er, denke ich, aus Erfahrung damit umgehen können. Denn privat wird er (das beweisen auch seine "privaten" Äußerungen z.B. zur Jury-Krise) solchen Kram, wie er ihn teilweise glaubt, schreiben zu müssen, hoffentlich nicht zu halten versuchen. Ganz zu schweigen davon, dass seine provozierende Schreibe Gegenprovokation auslösen MUSS (dass sie es so erstaunlich wenig tut, ist für mich einerseits ein Zeichen für eine noch nicht besonders sensibilisierte Leserschaft, zum Anderen - und daher bezieht Knopf natürlich seine Rechtfertigung, wie auch z.B. der "Fairplay-Stil" - für den Wunsch vieler Leser, "witzig", "provokant", "locker" unterhalten zu werden. Das es mit Hintergrund und Inhalt geschieht, ist dann oft weniger wichtig.
Und genau da setzt meine Kritik an. Das jemand keinen großen Horizont hat, sei ihm unbenommen. Dass er dieses Manko zum allgemein anzustrebenden Ziel erhebt (warum spielen wir eigentlich noch was anderes außer "Siedler"?) oder mit solcher Selbsgefälligkeit wie Knopf darauf herumreitet, kann nicht unwidersprochen bleiben. Wenn er mehr wirklich kennen, und nicht so verdammt laut sein Schrebergarten-Glück verteidigen würde, würden seine sogenannten "Verrisse" sicherlich bald gegen Null wandern. Das Problem ist ja nicht seine "Ironie", sondern der fehlende Boden, von dem sie sich abheben könnte. Deswegen muss man ernsthaft glauben, dass er Worte, die jeder normale Spieler mit drei Smilies versehen würde, tatsächlich ernst meint! "Flachmann" ist in diesem Zusammenhang gerade durch die Assoziation ohne "l" der ideal charakterisierende Begriff für die Haltung, die Knopf (oft aus reiner Gewohnheit und Bequemlichkeit) immer wieder einnimmt. Und gerade für Leute, die Journalisten und ihre Produkte kennen und beurteilen können, haben seine Äußerungen zu Spielen (andere kenne ich nicht) oft etwas Tragisches in dem Bemühen, "feulletonistische" Qualitäten auf der Grundlage von simpelsten persönlichen Befindlichkeiten zu entwickeln (empfehle die Lektüre von "Spielen. Kleine Bibliothek der Passionen" - aber nur, wer meine Meinung überprüfen will, die Anderen: bloß nicht ;-))...
Und natürlich - sonst lohnte es auch kaum darüber zu schreiben - könnte Knopf nicht auf solche Weise vom Leder ziehen, wenn diese Art Oberflächlichkeit nicht im "Material" selbst gegründet läge. Wieviele Menschen habe ich schon gehört (zuletzt wieder - sehr erhellend - A. Randolph in der Wiederveröffentlichung des KMW-Interwiews) die Arbeit und Spiel, Verantwortung und Spiel, Ernst und Spiel, Erwachsensein und Spiel einfach nicht zusammendenken, geschweige denn zusammenleben können oder wollen. Die das Spielen immer wieder als Gegenwelt zu einer als hart, langweilig, kalt oder sonstwie unbefriedigenden Realität erleben möchten. Denen ist natürlich jeder Anschein von Alltag, von Konkurrenz, von "Arbeit" im Spiel ein Gräuel. Und möglicherweise freuen sie sich, wenn einer wie Knopf kommt und ihnen vortrompetet, dass ein bekennender Siedler einem Schachprofi doch durchaus ebenbürtig ist. Wer macht sich denn die Mühe, diese heillos verwirrten Begriffe wieder auseinander zu sortieren? Aber leider funktioniert die eigene Aufwertung oft nur über die Abwertung der Anderen.
Jämmerlich.
Und da die Spielekritik leider allgemein noch in keiner Weise auf dem Niveau angekommen ist, das für ein "Kulturphänomen", die fantastische Produktivität der Autoren und Verlage und diese wunderbare menschliche Möglichkeit "Spielen" wünschenswert wäre, lohnt es sich doch, von Spielerseite die mögliche Weiterentwicklung zu skizzieren, bzw., wie im Falle von Knopf, aus dem Ruder gelaufene, weil unwidersprochene, Oberflächlichkeit in ihre Schranken zu weisen.
Das ein Autor noch nicht in jeder Hinsicht befriedigende Spiele vorlegt, ist eine Sache - eindeutig vorhandenes Potenzial aus reiner Lust an der Provokation (noch dazu grundsätzlich) zu verwerfen, eine andere. Über Hardel müssen wir ja wohl nicht mehr sprechen - der (hoffentlich) Ausrutscher erklärt sich vielleicht mit der gestiegenen Verantwortung und Leserzahl und ist deutlich genug "abgewatscht" worden :-)
Andreas