Beitragvon Volker L. » 22. Mai 2002, 13:33
Gustav der Bär schrieb:
>
> Mag schon sein, dass mal der Startspieler, mal der letzte
> Spieler ein wenig bevorzugt wird.
Sowas kommt in den meisten Spielen vor. Manchmal versucht man,
dies auszugleichen, indem der (un)erfahrenste Spieler anfaengt,
manchmal gibt es andere Effekte (mehr Startkapital fuer spaetere
Spieler). Diese Faktoren koennen natuerlich nie perfekt sein,
weil sie je nach Spielweise der jeweiligen Runde (vorsichtig oder
riskant, friedlich oder agressiv) zu stark oder zu schwach sein
koennen, aber man bemueht sich wenigstens um weithende Ausgewogenheit.
> Aber wirkt sich das
> wirklich auf jede Partie aus? Wenn der Startspieler beim
> Schach tatsächlich einen Vorteil hat, dann höchstens auf
> jener schwammigen, transzendenten Ebene, auf der sich auch
> Mondphasen, Geburtssternbilder oder die Tagesform des
> Feng-Shui-Drachen auswirken mögen - und ohne auch nur die
> geringste Konsequenz in der materiellen Welt des Brettspiels,
> wo es nur darum geht, den gegenerischen König Matt zu setzen,
> nicht, irgend einen (vielleicht sogar argumentativ
> belegbaren) Startspielervorteil zu haben.
Beim Schach wird der bessere Spieler gewinnen, das ist klar.
Aber wenn beide etwa gleich gut sind und ein gewisses
Mindestniveau haben (z.B. Grossmeister), dann wird Schwarz fast
nie geinnen. Daher wird bei Meisterschaften ja auch immer eine
gerade Anzahl von Partien gespielt, wobei jeder gleich oft mit
Weiss und Schwarz zieht.
> Wenn ich für mich persönlich definiere, was "Ausgewogenheit"
> bei einem Spiel bedeutet, dann bedeutet sie: "Grundsätzlich
> kann jeder gewinnen, egal, ob er schwarz oder weiß spielt,
> Mais oder Tabak anbaut, als erster oder als vierter seine
> Startsiedlung setzt." Ich glaube, dass beim Schach jeder
> gewinnen kann und bei den "Siedlern von Catan" auch. Der Rest
> ist wohl eher eine rein akademische Diskussion, die keinerlei
> Konsequenzen für das konkrete Spiel hat.
Selbst wenn der benachteiligte Spieler noch gewinnen [b]kann[/b],
jedoch mit deutlich geringeren Chancen, ist das Spiel
unausgewogen.
> > - Ist Unausgewogenheit eines Spiels ein Nachteil oder macht
> > es ein Spiel gerade reizvoll?
> > - Wie sieht das bei Spielen aus, die ein asymmetrisches
> > Regelwerk haben, z. B. Halali! ?
>
> Ich denke dabei jetzt mal an Spiele wie "Hannibal". Für eine
> historische, wirtschaftliche oder politische Simulation ist
> es von Vorteil, wenn für verschiedene Spieler
> unterschiedliche Bedingungen gelten: Das Spiel bildet ja
> einige Aspekte der Wirklichkeit ab - und in der Wirklichkeit
> sind die Ausgangssituationen nur selten gleich und nur selten
> haben alle Menschen, die bei einem Wettbewerb auf einander
> treffen, auch genau die selben Handlungsoptionen.
> Jeder aber muss aus seiner Situation das beste machen, daher
> betrachte ich ein asymmetrisches Regelwerk für
> Simulaitonsspiele als positiv. (Das ist aber nicht das selbe,
> was ich mir unter "Ausgewogenheit" vorstelle. Die Römer und
> die Punier können beide gewinnen, aber jeder muss sich dazu
> seinen eigenen Weg suchen - in sofern ist das Spiel nach der
> Bärendefinition "ausgewogen".)
weitgehend korrekt, allerdings ist es wesentlich schwieriger,
die verschiedenen Materialvorraete und Siegbedingungen fuer
beide Spieler so aufeinander abzustimmen, dass die [b][i]Chance[/i][/b],
laut Regeln einen Sieg zu erringen (was bei der schwaecheren
Seite in einem Cosim auch heissen kann, innerhalb einer
vorgegebenen Rundenzahl weniger als 60% des eigenen Teritoriums
zu verlieren) fuer beide Seiten etwa gleich sind.
> > - Ist Unausgewogenheit etwas, was besonders bei Spielen ohne
> > bzw. nur geringem Glücksfaktor auffällt; anders ausgedrückt,
> > kaschiert ein Glücksfaktor Unausgewogenheit?
>
> Sagen wir mal so: Wenn ein Spiel Spieler in bestimmten
> Startpositionen eindeutig bevorzugt oder benachteiligt, dann
> muss es das IMMER tun, egal, ob es einen Glücksfaktor gibt
> oder nicht. Ist der Spielgewinn vom Zufall abhängig, dann
> spielen die Startposition, die Spielfarbe ... oder was auch
> immer ja keine Rolle: Also gibt´s auch keine
> "Unausgewogenheit". Mit anderen Worten, wenn immer der
> gewinnt, der die meisten 6en würfelt (oder wie auch immer der
> Glücksfaktor sich konkret äußern mag), dann KANN es keine
> "Unausgewogenheit" im Spiel geben, egal, wie der Rest der
> Regeln aussieht.
Ganz simples Gegenbeispiel:
Beide Spieler wuerfeln abwechselnd einen W6
Der Startspieler bekommt fuer jede geworfene 5 oder 6 einen
Punkt, der andere Spieler nur fuer jede 6. Wer zuerst 10 Punkte
hat, gewinnt
Der zweite [b]kann[/b] durchaus noch gewinnen, wenn er sehr viel
Wuerfelglueck hat, dennoch wirst Du dieses Spiel doch wohl nicht
als ausgewogen bezeichnen wollen???
Gruss, Volker