Beitragvon Roman Pelek » 7. Juni 2002, 03:55
Hi Thomas,
Thomas Jereczek schrieb:
> Was ist ein Spielefreak??
Hm, einer, der nachts von seinem Puerto Rico-Sieg am nächsten Tag träumt? ;-)
> Die Auszeichnung heißt "Spiel des Jahres" und nicht "bestes
> und empfehlenswertestes Spiel für Familien oder Wenig-Spieler".
Ja, in bezug auf ersteres heißt sie so, ihr Ziel mag aber zu Recht mitunter letzteres sein. Denn es geht um die Verbreitung des Spiels und nicht um den größtmöglichen Konsens innerhalb einer (vielleicht aufgrund dieser Ansicht) schwindenden Szene.
> Es geht ums Spielen, und wenn ein Spiel wie Puerto Rico in
> seiner Gesamtheit neue Maßstäbe setzt und Spielbegeisterte in
> den Bann zieht, dann hat es die Auszeichnung mehr als verdient.
So, wie Du es siehst: ja, ja, ja, 100% Zustimmung, Beifall. Aber darum geht es (leider) nicht. Die realen Aspekte sind andere.
> Was nutzt ein Trans America, wenn von den 1.000.000
> Exemplaren 999.999 nach drei Monaten im Regal verstauben und
> nicht mehr gespielt werden, weil es langweilig geworden ist
> und den Spielreiz verloren hat.
> Dann sind 999.999 Leute und noch mehr enttäuscht vom "Spiel
> des Jahres", daß sie im nächsten Jahr wieder die Finger davon
> lassen.
Widerspruch. Von "El Grande", "Tikal", "Torres" verstauben etliche Exemplare im Regal. Alles exzellente Spiele - die zu wenige erreicht haben. Und im nächsten Jahr kauft sich dann Otto-Normal-SdJ-Käufer (kann man diesen Ausdruck schützen lassen?) eben 'ne DVD vom Flippers-Christmas-Concert zu Weihnachten. Trans America oder Villa Paletti können wesentlich mehr erreichen, aber sicher weniger als Carcassonne, da anspruchsloser (ja, Wenigspieler sind durchaus zeitweilig anspruchsvoll) und Puerto Rico mag ein Vabanquespiel sein (Wenigspieler sind stinkefaul, was Regeln angeht). Enttäuschung - wie in der Vergangenheit - geht für mich aber von keinem der Titel aus.
> > Ihr wünscht Euch also ein Spiel des Jahres quasi unter
> > Ausschluß der Öffentlichkeit???
> Nein, nur einen würdigen Preisträger.
> Das Thema Spiel verbreiten ist nicht Sache der Jury oder des
> SdJ-Preises, sondern der Vielspieler. :-) Es ist wie
Die Jury steigert den Absatz eines einzigen Spiels teilweise um bis zum Hundertfachen, damit können Vielspieler beim besten Willen nicht mithalten.
> Missionsarbeit. Die Bibel wurde auch nicht erst gedruckt, mit
> einer Auszeichnung versehen und dadurch unters Volk gebracht.
> Die Verkündung des Inhalts erfolgte vorher. Meiner Meinung
> nach ist es Aufgabe der Vielspieler, immer wieder nach neuen
> "Opfern" zu suchen und sie zum Spielen zu bekehren/zu
> infizieren mit den entsprechenden Spielen und unter Anleitung.
Wieviel können wir damit wirklich erreichen, ist es nennenswert? Noch nicht einmal der DSP (geschweige denn eine andere Vielspielerumfrage) hat eine relevante Wirkung, einzig und allein das SdJ. Es geht hier um Grundsatzthemen: wie verkaufen wir unser Hobby möglichst effizient. Eine spannende, aber diffizile Frage, die nach neuen Ideen jenseits üblicher Platitüden verlangt.
Ciao,
Roman