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SDJ-Jury nutzt wem?

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Martin

SDJ-Jury nutzt wem?

Beitragvon Martin » 26. Juni 2002, 16:16

Alle Jahre wieder...
die Spiele auf und nicht auf der Liste heiß diskutiert...
Bsp.: Queens wieder rmit 2... vielleicht als Signal: drauf ja, aber...
Frage: Wem nutzt der Preis? Der Familie?...wohl kaum und vor allem welcher...?
Der Branche, den Verlagen? Denen fügt er mit Ausnahme eines doch wohl vor allem Schaden zu...
Den Machern/Kritikern... auf die Gefahr polemisch zu klingen und mit Walser in einen Topf geworfen zu werden (schlag nach bei Ranitzki): Die in erster Linie Herren der Jury genießen als Kritiker in erster Linie die Macht über den Wert zu entscheiden... habe ich bei einem Psychologen nachgelesen...
Also alte Männer entscheiden über junge/neue Spiele und junge Männer haben doch irgendwie im Streit die Jury verlassen (müssen)...war4 das nicht so?

Ich empfehle eher die Variante, wie bei dem selbstgefälligen Egomanen Ranitzki:
Abschalten - gebt diesen Selbstdarstellern doch nicht das Forum, das sie Euch abverlangen - ignoriert diesen Preis, der so subjektiv und eitel erarbeitet wird...

Jetzt werde ich wohl wieder verbannt hier...

Dennoch: Für die guten Spiele, die von der Jury mißachtet werden erhebe ich gern mal wieder meine Stimme...für alle die, die nicht auf der Liste sind ein Hurra und ein Dankeschön an die wahre Leistung der Verlage und Autoren...

Martin

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Michael Weber

Re: SDJ-Jury nutzt wem?

Beitragvon Michael Weber » 26. Juni 2002, 16:39

Die Auszeichnung nutzt vor allem dem Spiel als soclhes. Über Details kann man diskutieren. Natürlich gibt es eine Auswahlliste und nur einen Hauptpreis, alles andere wäre Quatsch. Deshalb trifft es eben auch viele andere Verlage und Autoren in der Hinsicht, dass sie die Auszeichnung nicht bekommen.
In dem Zusammenhang wäre es meiner Meinung nach wünschenswert, wenn es bei einer Nennung der Auswahlliste und Nominierungsliste bleiben würde, ohne dass alle Spiele darauf auch den Pöppel mit den Hinweisen tragen dürfen. Ganz abgesehen davon, dass es für die Leute, die die Zielgruppe der ausgezeichneten Spiele sind, etwas übersichtlicher werden würde. (Zumindest könnte man für die Spiele auf den beiden Listen ja eine andere Pöppelfarbe benutzen - grau oder so)

Michael
(findet die Entscheidungen der Jury eigentlich ganz ok)

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Volker L.

Re: SDJ-Jury nutzt wem?

Beitragvon Volker L. » 26. Juni 2002, 16:51

Michael Weber schrieb:
>
> Die Auszeichnung nutzt vor allem dem Spiel als soclhes. Über
> Details kann man diskutieren. Natürlich gibt es eine
> Auswahlliste und nur einen Hauptpreis, alles andere wäre
> Quatsch.

Naja, es gibt ja seit letztem Jahr eine separate Liste mit
Auswahl, Nominierung und Preistraeger in der Kategorie
"Kinderspiel".
IMHO sollte noch eine dritte (wirklich nur eine dritte, nicht
noch mehr!) Kategorie eingefuehrt werden, naemlich fuer die
komplexeren Spiele (oder Vielspieler-Spiele oder Freakspiele
oder wie-immer-man-die-nennen-will-Spiele).

> In dem Zusammenhang wäre es meiner Meinung nach
> wünschenswert, wenn es bei einer Nennung der Auswahlliste und
> Nominierungsliste bleiben würde, ohne dass alle Spiele darauf
> auch den Pöppel mit den Hinweisen tragen dürfen.

Dann koennte man auf die Auswahl- und Nominierungslisten gleich
komplett verzichten, denn die typischen Gelegenheitskaeufer
informieren sich doch erstmalig dann, wenn sie den Laden zwecks
Kauf eines Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenkes betreten.
(Oder man muesste die Laeden gesetzlich zum Aufstellen einer
grossen Werbetafel mit den Listen drauf verpflichten ;-) )

> Ganz
> abgesehen davon, dass es für die Leute, die die Zielgruppe
> der ausgezeichneten Spiele sind, etwas übersichtlicher werden
> würde.

Das ist gewiss ein Argument, aber...

> (Zumindest könnte man für die Spiele auf den beiden
> Listen ja eine andere Pöppelfarbe benutzen - grau oder so)

... so ist's schon besser. Allerdings wuerde ich eher vorschlagen,
fuer die 3 Kategorien (Kinderspiel, Familienspiel, Freakspiel)
jeweils eine andere Farbe zu nehmen (gelb, rot, blau) und
bei den Nicht-Siegern den Lorbeerkranz wegzulassen oder die
Groesse des Poeppels zu variieren oder aehnliches.

> Michael
> (findet die Entscheidungen der Jury eigentlich ganz ok)

kein Kommentar :-D

Gruss, Volker

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friedemann

Re: SDJ-Jury nutzt wem?

Beitragvon friedemann » 26. Juni 2002, 16:56

Wenn man im Vergleich mal die Filmszene betrachtet, kann man auch leicht zu dem Urteil kommen, den Oskar zu ignorieren, weil z.B. vorher schon klar ist, daß keine Komödie gewinnen kann, aber da die Filmszene groß genug ist, ist jedem klar, daß es auch noch andere Preise gibt, die andere Aspekte bewerten.

Da sollten wir froh sein, daß Puerto Rico ziemlich sicher beim Deutschen Spielpreis gewinnt. Es ist für Spieler sicherlich das bessere Spiel, aber das hat sie Jury des Spiels des Jahres nicht zu interessieren, da sie schauen müssen welches das beste Spiel ist, welches Leute ungesehen zu Weihnachten verschenken können und dann zu Weihnachten allen Freude bereitet.

Mit El Grande traf es ja mal so ein Spiel, wo alle Spieler gesagt haben: "Das ist eine gutes Spiel" und als Spiel des Jahres ist es nicht angekommen und wurde von vielen nicht mal gespielt; das kann nicht im Sinne dieses Preises sein.

Ich selber warte ja noch darauf, daß es irgendwann mal sowas wie einen Independent-Preis gibt, weil es endlich mal klar gestellt werden muß, daß es auch in der Spielszene unterschiedliche Strömungen gibt, wie z.B. in der Musik mit z.B: Hip Hop, Punk oder Dancefloor, die es unterschiedlich zu bewerten gilt.

Mich stört immer noch die Tatsache, daß es viele Spieler und Spielerezensenten gibt, die glauben, daß jedes Produkt für sie produziert wurde und sich dann ärgern, wenn es ihnen nicht gefällt.

Also lieber mehr verschiedene Preise, denn wie in der Musik zu sehen: Ein breiter Mainstream fördert auch einen belebten Underground!

Friedemann

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Michael Andersch

Re: SDJ-Jury nutzt wem?

Beitragvon Michael Andersch » 26. Juni 2002, 16:59

Volker L. schrieb:

> IMHO sollte noch eine dritte (wirklich nur eine dritte, nicht
> noch mehr!) Kategorie eingefuehrt werden, naemlich fuer die
> komplexeren Spiele (oder Vielspieler-Spiele oder Freakspiele
> oder wie-immer-man-die-nennen-will-Spiele).

Für wen? Wen sowas interessiert, der informiert sich anderweitig (z.B. hier).
Und "die Familie" weiss dann höchstens: Finger weg - zu kompliziert für uns!


> Dann koennte man auf die Auswahl- und Nominierungslisten gleich
> komplett verzichten

Als Kaufargument sicher.
Ich sehe diese Listen eher so, dass man den betroffenen Verlagen signalisiert: Ihr wart gut dabei, aber gereicht hat's nicht ganz.


Viele Grüße,
Micha (sind die Entscheidungen der Jury eher egal)

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Volker L.

Re: SDJ-Jury nutzt wem?

Beitragvon Volker L. » 26. Juni 2002, 17:03

Michael Andersch schrieb:
>
> Volker L. schrieb:
>
> > IMHO sollte noch eine dritte (wirklich nur eine dritte, nicht
> > noch mehr!) Kategorie eingefuehrt werden, naemlich fuer die
> > komplexeren Spiele (oder Vielspieler-Spiele oder Freakspiele
> > oder wie-immer-man-die-nennen-will-Spiele).
>
> Für wen? Wen sowas interessiert, der informiert sich
> anderweitig (z.B. hier).
> Und "die Familie" weiss dann höchstens: Finger weg - zu
> kompliziert für uns!

siehe unten

> > Dann koennte man auf die Auswahl- und Nominierungslisten
> gleich
> > komplett verzichten
>
> Als Kaufargument sicher.
> Ich sehe diese Listen eher so, dass man den betroffenen
> Verlagen signalisiert: Ihr wart gut dabei, aber gereicht
> hat's nicht ganz.

Und genau aus diesem Grund waere es auch schoen, wenn die
entsprechenden Verlage bzw. Autoren komplexerer Spiele auch
geehrt wuerden - und zwar mit einem in der Oeffentlichkeit
wahrgenommenen Preis (was der DSP ja eben leider nicht ist)

Gruss, Volker

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Hanno Schwede
Kennerspieler
Beiträge: 392

UNS allen

Beitragvon Hanno Schwede » 26. Juni 2002, 17:10

Auch wenn es für viele Vielspieler nie das persönliche Spiel des Jahres ist, nutzt die Jury grade den Vielspielern. Warum??

Nachwuchs, nur wenn es Nachwuchs gibt, sowohl bei den Spielern als auch bei Autorenkann unsere Szene wachsen. Damit nutzt die Jury natürlich auch dem Fachhandel, dem Normalhandel und den Verlagen, die ohne Kundschaft also den Spielern nicht leben konnten.

Ausserdem gehen die Auswahllisten der Jury, als auch die Preisträger bestimmt in die zukünftige Planung der Verlage ein. Grade dieses Jahr gibt die Jury mit der 3er Liste deutliche Zeichen hin zu familientauglichen Spielen und hin zu komplexeren Spielmechanismen, die sich aber gut und relativ einfach Spielen lassen.

Ciao

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peer

Re: SDJ-Jury nutzt wem?

Beitragvon peer » 26. Juni 2002, 17:57

Hi,

Martin schrieb:

> Frage: Wem nutzt der Preis? Der Familie?...wohl kaum und vor
> allem welcher...?

Meiner Z.B. Ich (und viele aus meinem Bekanntenkreis) sind vonm SdJ zum Brettspielen gekommen. Und wir haben uns explizit am SdJ orientiert - und wurden nur 2x enttäuscht (Bluff und Adel verpflichet kam bei uns dnicht an). Da wierd sein 79 dabei waren, heisst das schon was. Vom SdJ "gelöst" habe ich mich erst so 94, 95...
Und so gehts vielen.

> Der Branche, den Verlagen? Denen fügt er mit Ausnahme eines
> doch wohl vor allem Schaden zu...

Wieso? Ein Verlag (und das ist ja nicht immer derselbe) bekommt hohe Einnahmen. Den anderen wird aber doch keineswegs geschadet! Ich wüsste jedenfalls nicht wie.
Durch zunehmende Einahmen sind auch qualitätssteigerungen und eine grössere Vielfalt (jenseits von Modetrends und MÄDN-Varianten) möglich.

> Ich empfehle eher die Variante, wie bei dem selbstgefälligen
> Egomanen Ranitzki:
> Abschalten - gebt diesen Selbstdarstellern doch nicht das
> Forum, das sie Euch abverlangen - ignoriert diesen Preis, der
> so subjektiv und eitel erarbeitet wird...

Ich glaube , das tun sowieso viele hier ;-)


> Jetzt werde ich wohl wieder verbannt hier...

Wieder? Warst dus schon mal? ;-) Wer sachlich diskutiert und auch auf Argumente eingeht und nicht beleidigend wird, hat hier nix zu befürchten... Meistens :-)

ciao,
Peer

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Manuel

Re: SDJ-Jury nutzt wem?

Beitragvon Manuel » 26. Juni 2002, 18:09

Die Jury nutzt eigentlich niemandem direkt aber sie schafft es durch den Preis und den Event "Spiel des Jahres" der ganzen Spielebranche zu nutzen.

Das Firmen schaden nehmen, weil sie nicht auf der Liste sind, oder auf der Auswahlliste aber dann nicht nominiert werden, kann ich nicht nachvollziehen.

Viel mehr ist es so, dass wir nur so lange eine reiche und vielfältige Spielelandschaft haben, wie genug Leute spielen und sich für Spiele interessieren. Wenn man mal in eine normale Tageszeitung schaut, dann findet man kurz vor Weihnachten ein paar Zeilen zu den neuesten Spielen und einmal im Jahr wird etwas größer berichtet, wenn das SDJ ansteht.

Das ist wichtig, vielleicht sogar essentiell wichtig auch für uns. Wenn kein Mensch mehr erfährt was es für Spiele gibt, dann sinken die Verkaufszahlen und somit werden weniger abwechslungsreiche Spiele produziert, weil alle Firmen nur die Sicherheits-Schiene fahren.

Nur weil die Jury nicht jedes Jahr den Favoriten der Fans und Spielekenner wählt, sollte man ihre Arbeit nicht klein reden oder gar anfeinden. Die Jury macht sich in erster Linie keine Gedanken über Fans wie man sie hier im Forum trifft und sollte es auch gar nicht machen. Nach den Oscar-Verleihungen weiss auch jeder Cineast, dass der beste Film des Jahres wieder mal gar nicht erwähnt wurde. Darum geht es auch gar nicht. Mit einem solchen Event wird Publicity erzeugt und auf die Industrie aufmerksam gemacht, Stars werden so gemacht und Namen mit einem Qualitätssiegel versehen. Das muss nicht alles 100% Zustimmung finden oder allen gefallen, aber ich sehe keine Alternative um Gesellschaftsspiele auch zu einem gesellschaftlichen Thema zu machen.

Preise in denen der Insider-Favorit des Jahres gekürt wird, sollten auch immer von der Gemeinschaft der "eingeschworenen" Fans initiiert und organisiert werden. Niemand nimmt uns das Recht, selber etwas zu organisieren und deshalb sollte man die Arbeit der SDJ-Jury zwar kritisch doch auch nicht ganz ohne Wohlwollen betrachten.

take care
Manuel

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Roland G. Hülsmann
Kennerspieler
Beiträge: 2598

Re: SDJ-Jury nutzt wem?

Beitragvon Roland G. Hülsmann » 26. Juni 2002, 19:41

Volker L. schrieb:

> IMHO sollte noch eine dritte (wirklich nur eine dritte, nicht
> noch mehr!) Kategorie eingefuehrt werden, naemlich fuer die
> komplexeren Spiele (oder Vielspieler-Spiele oder Freakspiele
> oder wie-immer-man-die-nennen-will-Spiele).

Meiner Meinung nach überflüssig, da z.B. meiner Einer eh nicht zum Kauf von weiteren Spielen animiert werden muß. (Eher das Gegenteil würde vielleicht meinen Platz- und Geldproblemen gut tun. ;-) )

Die typischen Abnehmer komplexerer Spiele bedürfen keiner zusätzlichen Kaufanreize.

Gruß
Roland

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Michael Schramm

Extrapreis für komplexe Spiele unnötig!

Beitragvon Michael Schramm » 26. Juni 2002, 19:54

Hi Roland,

da kann ich Dir nur voll und ganz zustimmen, Liebhaber von komplexen Spielen braucht man normalerweise nicht mehr auf die Perlen des Jahrgangs hinzuweisen. Ein Extrapreis für solche Spiele hätte daher IMHO keinerlei Einfluss auf etwaige Verkaufszahlen, hier sehe ich den entscheidenden Unterschied zur Prämierung eines "Kinderspiels des Jahres", wo von einer hohen Nutzung dieser Prämierung durch die potentionellen Käufer ausgegangen werden kann.

Nice dice

Michael

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Petra Schmidt
Kennerspieler
Beiträge: 231

Re: SDJ-Jury nutzt wem?

Beitragvon Petra Schmidt » 26. Juni 2002, 22:09

Hallo Martin,

warum die Aufregung?!

Ja, auch ich bin mit der Entscheidung nicht zufrieden, aber es war voraus zusehen! Bei dem Trend zum Einfachen, konnte man kaum etwas anderes erwarten. Und so wie die Auswahlliste dieses Jahr war, wo einige interessante Spiele fehlten, wie z.B. Pueblo (genial einfache Regeln!), steht für mich fest, dass das Spiel des Jahres für mich nicht DIE Richtlinie schlechthin ist.

Aber, es gibt doch noch den deutschen Spielepreis! :-) Da stimmt die breite Masse ab und das sind sicherlich zum größten Teil Vielspieler. Ich denke das diese Auszeichnung für die Vielspieler eher Maßgebend ist, wenn es sowas überhaupt geben kann.

Petra

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Brigitta Lindemann

Re: SDJ-Jury nutzt wem?

Beitragvon Brigitta Lindemann » 26. Juni 2002, 22:22

Grüß Gott an alle in diesem Thread,
SDJ-Jury nützt wem? Mir! Genauer gesagt der Bücherei! Denn nach diesen Spielen wird gefragt, sind ein Anreiz - und dann werden auch andere Spiele ausgeliehen. Für mich ist daher die SDJ-Liste ein wichtiger Anhaltspunkt im Rahmen der Anschaffungs"politik".
Brigitta

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Franz-Benno Delonge
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Beiträge: 277

SdJ für Freakspiele?

Beitragvon Franz-Benno Delonge » 26. Juni 2002, 23:32

Hallo an alle,
in dieser ganz speziellen Diskussion möchte ich Friedemann, Hanno und Manuel uneingeschränkt zustimmen. Genau das sind die wesentlichen Argumente.
Die Diskussion um einen "Sonderpreis Komplexes Spiel" verstehe ich nicht: Diesen Sonderpreis gibt es ja bereits in Form des Deutschen Spielepreises, der im Wesentlichen von Vielspielern vergeben wird. Dieser Preis ist heuer so gut wie sicher an Puerto Rico vergeben, und das völlig zu Recht - PR ist heuer das Spiel, das einem erfahrenen Vielspieler mit Freude an tiefschürfender Spielstruktur mit Sicherheit das meiste Vergnügen bereitet.
Nur: Dieser Kreis ist eben relativ klein. Und deshalb hat der "Deutsche Spielepreis" kommerziell nicht annähernd die gleichen Effekte wie das SdJ. Was aber ja wohl gerade für den Freak, der einfach nur sein Freak-Spiel ausgezeichnet sehen möchte, überhaupt keine Rolle spielen sollte.
Das SdJ versucht demgegenüber, die Basis des Brettspiels zu verbreitern, und zwar ganz gezielt die kommerzielle Basis. Also: den Kreis der potentiellen Spielkäufer. Und dafür sind komplexe Spiele allenfalls dann geeignet, wenn sie so jahrhundertgenial sind wie die Siedler von Catan. Das kann man - bei allem Respekt - von keinem einzigen Spiel des laufenden Jahrgangs behaupten, auch nicht von Puerto Rico. Wer so ein Spiel als Seltenspieler kauft, weil SdJ draufsteht, und es dann nicht von einem Kenner gut erklärt bekommt, sondern aus der Regel lernen muß, verzweifelt und kauft ab dann nicht einmal mehr das "SdJ". Und wenn sich das häuft, dann wars das mit unserer Spielelandschaft. Dann sperren reihenweise die Verlage zu - oder produzieren nur noch Harry Potter-Spiele, Herr der Ringe-Spiele oder Fernsehquizshownachbauten.
Viel Spaß dabei wünscht
Franz-Benno Delonge

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Ronald Novicky

Re: Extrapreis - warum eigentlich nicht?

Beitragvon Ronald Novicky » 27. Juni 2002, 07:47

Michael Schramm schrieb:
>
> Hi Roland,
>
> da kann ich Dir nur voll und ganz zustimmen, Liebhaber von
> komplexen Spielen braucht man normalerweise nicht mehr auf
> die Perlen des Jahrgangs hinzuweisen. Ein Extrapreis für
> solche Spiele hätte daher IMHO keinerlei Einfluss auf etwaige
> Verkaufszahlen, hier sehe ich den entscheidenden Unterschied
> zur Prämierung eines "Kinderspiels des Jahres", wo von einer
> hohen Nutzung dieser Prämierung durch die potentionellen
> Käufer ausgegangen werden kann.
>
> Nice dice
>
> Michael

Warum eigentlich nicht? Es gibt z.B. den C.Roberts Award, welcher jährlich das beste Wargame auszeichnet - auch dieses erfreut sich dadurch erhöhter Aufmerksamkeit und besserem Umsatz.

Wenn man mit einem 'Spiel des Jahres für Fortgeschrittene' (blöder Name :-) ) auch nur ein wenig Publicity mehr für Spiele an sich bekommt, so halte ich das sicher nicht für falsch. PR wäre z.B. ein gutes Beispiel für heuer - es hätte so einen Preis durchaus verdient. Vielleicht würde es auch andere Verlage ermutigen, sich über komplexere Mechanismen d'rüberzutrauen.

Selbst auf die Gefahr hin, Inflationär zu werden, je mehr Preise, desto mehr Presse. Ich erinnere mich an die geteilten Meinungen und Diskussionen, als die Cassans voriges Jahr den österreichischen Spielepreis "Spiel der Spiele" vergaben - das hat dem SdJ sicherlich nicht geschadet, aber durchaus in manchen Medien Aufmerksamkeit erregt. Und das kann für das Spiel an sich nur positiv sein!

In diesem Sinne: Warum nicht?

lg
Ronald.

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Roland G. Hülsmann
Kennerspieler
Beiträge: 2598

Re: Extrapreis - warum eigentlich nicht?

Beitragvon Roland G. Hülsmann » 27. Juni 2002, 08:06

Ronald Novicky schrieb:

> Warum eigentlich nicht?

Weil es m.E. nichts positives berwirken würde.

> Vielleicht würde es auch andere Verlage ermutigen, sich über
> komplexere Mechanismen d'rüberzutrauen.

Da hilft kein Preis, da braucht es mehr Spieler, die komplexe Spiele mögen. Und diese erreicht man eben nicht durch Ausschreibung eines Preises, sondern - soweit ich das beurteilen mag - nur durch persönliche Überzeugung, in dem erfahrene Spieler die unerfahrenen mit hineinziehen. Ein - sicherlich recht einfaches - Beispiel mag Puerto Rico sein: Eine Wenigspielerfamilie, die es von einer gut meinenden Oma gekauft, unterm Weihnachtsbaum findet, wird kaum etwasa damit anfangen können und es bals verkaufen, versteigern oder verstauben lassen. BVringt es derselben Familie einer mit,. der es kennt, so wird diese Familie - befreit vom Regelstudium - dieses Spiel bald mit Vergnügen spielen, wenn sie dem Spielen an s ich nicht abgeneigt ist. Da helfen keine Preise.

Andererseits: Es gäbe einen Preis mehr, über den sich hier im Forum trefflich streiten ließ ... ;-)

Wiederum andererseits: Es gibt ja noch den DSP (oder?).

Roland

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Attila
Kennerspieler
Beiträge: 4715

Re: SDJ-Jury nutzt wem?

Beitragvon Attila » 27. Juni 2002, 08:23

Martin schrieb:

> Ich empfehle eher die Variante, wie bei dem selbstgefälligen
> Egomanen Ranitzki:
> Abschalten - gebt diesen Selbstdarstellern doch nicht das
> Forum, das sie Euch abverlangen - ignoriert diesen Preis, der
> so subjektiv und eitel erarbeitet wird...

Lustig wie Ranintzki von sich selber spricht !


Atti

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Frank Jaeger (AMIGO)

Den Verlagen schadet es nicht

Beitragvon Frank Jaeger (AMIGO) » 27. Juni 2002, 10:20

Auf der Liste sein und nicht gewinnen schadet den Verlagen nicht, im Gegenteil. Auch *nur* auf der Liste zu sein ist bereits ein Ein- und Verkaufsargument im Handel. Der Poeppel ist eine Entscheidungshilfe und steigert die Auflage.
(ohne Poeppel wuerden sicher Cafe International und Heimlich und Co, obwohl sie sehr schoene Spiele sind, die Entscheidung fuer eine Neuauflage schwieriger gemacht haben).

Also, wir haetten uns bestimmt nicht beschwert, wenn die Jury eines unserer Produkte ebenfalls beruecksichtigt haette... Aber, das werden sicher andere Verlage bestaetigen, es ist nahezu unmoeglich, darauf hin zu arbeiten, schliesslich weiss niemand, was die Mitbewerber so veroeffentlichen und welche Prioritaeten die Jury im kommenden Jahr setzen wird (waere ein Puerto Rico letztes Jahr auf der Liste gewesen? Wuerde jemand einem Bluff in diesem Jahr Chancen einraeumen? Wuerde die Jury nochmal ein Mississippi Queen zum SDJ machen? Waere Mexica auf der Liste und SDJ, wenn Tikal nicht bereits den Preis erhalten haette? Hat Guillotine Chancen auf das SDJ 2003 ;-) ;-) ;-) ? Fragen ueber Fragen. Ausserdem: waere ein roter Poeppel auf einem dunkelblauen Piratenbucht aesthetisch ueberhaupt vertretbar gewesen? Vielleicht sollten wir beim Design da mal mehr drauf achten ;-) )

Im uebrigen bin ich sicher, dass Villa Paletti ein sehr erfolgreiches Familienspiel werden wird und dem SDJ keinen Schaden bringt. Ich persoenlich spiele zwar auch lieber Puerto Rico, aber irgendwie sind die hier postenden Vielspieler, die den Poeppel zur Auswahl der Weihnachtsgeschenke eh nicht brauchen, dann ja doch nicht die richtige Zielgruppe, oder? Das SDJ muss noch 299.000 weitere ansprechen.

Jedenfalls freuen wir uns fuer den Zoch Verlag.

Frank Jaeger
AMIGO Spiel + Freizeit GmbH

P.S.: Vielen Dank all denen, die hier beim SDJ Toto Piratenbucht zugetraut haben, den Preis zu erringen.

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peer

Re: Extrapreis - wieso?

Beitragvon peer » 27. Juni 2002, 10:30

Hi,
Roland G. Hülsmann schrieb:
>
> Ronald Novicky schrieb:
>
> > Warum eigentlich nicht?
>
> Weil es m.E. nichts positives berwirken würde.

Genau! Dioe Vielspieler haben ihn im allgemeinen schon und Neulinge sind nun mal keine Fortgeschrittenen. Die Diskussion kommt ja jedes Jahr auf und ich habe immer de Eindruck, der wird gefordert, damit das eigene Lieblingsspiel (hier: PR) auch mal was gewinnt. (Was etwas komisch ist, da die Jury hier ja auf ach so große Ablehnung stösst und viele sichn Nie, nie, nie wieder dafür interessieren wollen).
Ein Problem bei mehr Preisem sehe ich zu dem bei einer zunehmenden Verwirrung der "uninformierten" Käuferschicht. Viele Leute haben (in meiner Gegenwart aber auch bei ebay z.B.) z.B. die Sonderpreise für Spiel des Jahres gehalten (Ich muss fast jedesmal erklären, dass Carabande KEIN Spiel des Hahres war...)


> Andererseits: Es gäbe einen Preis mehr, über den sich hier im
> Forum trefflich streiten ließ ... ;-)

Eben! Und dann gibts noch mehr Zoff :-)

> Wiederum andererseits: Es gibt ja noch den DSP (oder?).

Dummerweise kann man über den nicht streiten, denn über de wird ja abgestimmt. Und wenn VP unter den ersten dreien sein sollte, meldet sich hier auch keiner der enttäuschten zu Wort ;-)
ciao,
peer

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Volker L.

Re: Extrapreis - wieso?

Beitragvon Volker L. » 27. Juni 2002, 14:02

peer schrieb:
>
> Hi,
> Roland G. Hülsmann schrieb:
> >
> > Ronald Novicky schrieb:
> >
> > > Warum eigentlich nicht?
> >
> > Weil es m.E. nichts positives berwirken würde.
>
> Genau! Dioe Vielspieler haben ihn im allgemeinen schon und
> Neulinge sind nun mal keine Fortgeschrittenen. Die Diskussion
> kommt ja jedes Jahr auf und ich habe immer de Eindruck, der
> wird gefordert, damit das eigene Lieblingsspiel (hier: PR)
> auch mal was gewinnt. (Was etwas komisch ist, da die Jury
> hier ja auf ach so große Ablehnung stösst und viele sichn
> Nie, nie, nie wieder dafür interessieren wollen).

Die Entscheidungen der Jury stossen (auch) deshalb auf viel
Ablehnung, weil die gutinformierten - auch wenn sie wissen, dass
die Zielgruppe jemand anders ist ;-) - sich rein emotional eben
wuenschen, dass ein wirklich gutes Spiel die verdiente Annerkennung
bekommt - und dafuer ist der DSP eben viel zu unbekannt.

> Ein Problem bei mehr Preisem sehe ich zu dem bei einer
> zunehmenden Verwirrung der "uninformierten" Käuferschicht.
> Viele Leute haben (in meiner Gegenwart aber auch bei ebay
> z.B.) z.B. die Sonderpreise für Spiel des Jahres gehalten
> (Ich muss fast jedesmal erklären, dass Carabande KEIN Spiel
> des Hahres war...)

Daher macht der Vorschlag mit der unterschiedlichen Farbe der
Poeppel bzw. dem Weglassen des Lorbeerkranzes durchaus Sinn.
Ein unterschiedliches Design des Aufdrucks wuerde gerade den
weniger informierten Leuten naemlich viel eher auffallen als
ein etwas anderer Schriftzug auf ansonsten identischem Emblem.

Das hier mehrfach genannte Argument, der Seltenspieler waere mit
dem komplexeren Spiel sowieso ueberfordert spricht IMHO sogar
[i]fuer[/i] die Trennung.
Auch in Wenigspieler-Familien wird vielleicht mehr als ein Spiel
pro Jahr gekauft (Geburtstag [i]und[/i] Weihnachten), und wenn
dann auf der Auswahlliste oder der Nominierungsliste ein Spiel
vie PR steht, dann entsteht das gleiche Problem wie bei einem
PR als SdJ-Sieger.
Eine solche Trennung wuerde also bewirken, dass komplexere Spiele
[i]gar nicht mehr[/i] in die SdJ-Hauptkategorie aufgenommen
wuerden, waere also unter dem Aspekt, Wenigspieler zum Spiel zu
bringen, positiv.
Und wenn die Existenz eines separaten Preises (mit eigener
Auswahlliste) im Bewusstsein breiterer Bevoelkerungsschichten
staerker verankert wuerde, waere es auch moeglich, dass ein
(Familien-)SdJ-beschenkter Spielskeptiker, dem jenes Spiel zu
banal ist, weiss, dass es auch anspruchsvolleres gibt, vielleicht
probiert er ja davon mal etwas aus.
Gruss, Volker

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Volker L.

Re: SdJ fr Freakspiele?

Beitragvon Volker L. » 27. Juni 2002, 14:11

Franz-Benno Delonge schrieb:
>
> Die Diskussion um einen "Sonderpreis Komplexes Spiel"
> verstehe ich nicht:

[i][b]NEIN!!![/b][/i]
Keinen [i]Sonderpreis[/i], sondern analog zum Kinderspiel dJ
ein komplexes/anspruchsvolles SdJ mit eigener Auswahl- und
Nominierungsliste.

> Diesen Sonderpreis gibt es ja bereits in
> Form des Deutschen Spielepreises, der im Wesentlichen von
> Vielspielern vergeben wird.

Jein. Der DSP ist ausserhalb der Spieleszene praktisch unbekannt.
Sogar Leute, die vom Spielen ueberhaupt nichts halten, wissen,
dass es das SdJ gibt, aber selbst wohlwollende Gelegenheitsspieler
haben oft noch nie etwas vom DSP gehoert.
Wenn Du das aendern kannst, wenn Du dafuer sorgst, dass weite
Teile der Bevoelkerung "schonmal davon gehoert" haben, dass es
einen Preis fuer komplexere Spiele gibt [b]und[/b] zugleich
beim SdJ eine obere Grenze eingefuehrt wird, d.h., die Jury
sagt: fuer Spiele oberhalb eines gewissen Komplexitaetsgrades,
Regelumfang etc. sind wir gar nicht zustaendig, das ueberlassen
wir dem DSP,
dann waere das genausogut wie eine weitere SdJ-Kategorie.

(etwas detaillierter habe ich es noch dort formuliert und begruendet:
http://www.spielbox.de/phorum4/read.php4?f=1&i=46380&t=46294 )

Gruss, Volker

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Roman Pelek

Sinn des SdJ

Beitragvon Roman Pelek » 29. Juni 2002, 19:21

Hi Martin,

Martin schrieb:

> Frage: Wem nutzt der Preis? Der Familie?...wohl kaum und vor
> allem welcher...?

Wieso nicht? Familien kaufen zu Weihnachten das SdJ und erwarten einfache, aber gute Unterhaltung. Und die sollen sie m. E. auch bekommen, dann werden sie sich vielleicht auch wieder ein Brettspiel zulegen.

> Der Branche, den Verlagen? Denen fügt er mit Ausnahme eines
> doch wohl vor allem Schaden zu...

Hm, Schaden? Ich weiß nicht so recht... Aber er bevorzugt natürlich einen Titel/Verlag pro Jahr überproportional. Aber wie soll man das anders lösen? Das wäre die sinnvolle und berechtigte Frage. Bei einer Auswahl von guten Spielen gibt sich der nicht kundige Käufer vermutlich eher irritiert. Sowas erfordert vor allem auch fachkundige Beratung, die allzu häufig nicht zu finden ist.

> Ich empfehle eher die Variante, wie bei dem selbstgefälligen
> Egomanen Ranitzki:
> Abschalten - gebt diesen Selbstdarstellern doch nicht das
> Forum, das sie Euch abverlangen - ignoriert diesen Preis, der
> so subjektiv und eitel erarbeitet wird...

Auch die Jury wird sich erneuern über kurz oder lang, das ist ein ganz normaler Prozess. Und wer von den Vielspielern richtet sich nach dem SdJ? Der ist doch für ganz andere Zielgruppen gedacht: Otto-Normalverbraucher. Und da hat er Gutes zu leisten, dass da nicht notwendigerweise das herausragendste, komplexe Spiel gekürt wird, halte ich für vollkommen nachvollziehbar.

> Jetzt werde ich wohl wieder verbannt hier...

Ach Quark, wieso auch? Kritik ist notwendig, auch wenn ich persönlich Deine nicht nachvollziehen kann, denn ich denke, hier geht es um andere Zielsetzungen als die, die Du im Blickfeld hast.

> Dennoch: Für die guten Spiele, die von der Jury mißachtet
> werden erhebe ich gern mal wieder meine Stimme...für alle
> die, die nicht auf der Liste sind ein Hurra und ein
> Dankeschön an die wahre Leistung der Verlage und Autoren...

Für mich ist es Sinn des SdJ, der breiten Masse Zugang zu Spielen zu bescheren. Dass dabei nicht unbedingt die schiere Klasse ungeachtet des hohen Anspruchs ausgezeichnet wird, ist für mich selbstverständlich - dafür haben wir den DSP. Ich muss gestehen, dass ich arg verwundert bin, dass "Villa Paletti" als SdJ so viel Überraschung hervorruft. Es wäre mein Tipp gewesen in Anbetracht der Tatsache, dass es ein Spiel für Familien sein soll, welches einfache Regeln besitzt, einen guten Wiederspielreiz hat, von der Art her anders ist als das letzte SdJ. Insofern waren die Ansprüche der Jury auch im Vorfeld transparent formuliert.

Ciao,
Roman


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