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Spielbox contra Spiel des Jahres

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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peer

Re: Spielbox contra Spiel des Jahres

Beitragvon peer » 17. August 2002, 14:12

Hi,
Lukas Merlach schrieb:
> Im Deutschen Spielepreis haben nur sehr weit verbreitete
> Spiele überhaupt Chancen. (sprich die Bestseller aus den
> grössten Verlagen). Dieses Jahr gewinnt zweifellos Puerto Rico.
> (von wegen Spannung...!!!)

Aus großen Verlagen, na das müssen wir mal nachprüfen (jeweils nur die ersten drei Plätze) (hoffe ioch hab mich nicht zu oft verzählt, habe alle Spiele, kann daher die Verlage überprfen):

Groß:
FX Schmidt: 3
Ravensburger 3
Amigo 5
Kosmos 1
Goldsieber 5
Parker 1
Alea 4

Mittel
Hans im Glück 7
TM 1
Queen 1

Klein
Moskito 1
Fata Morgana 1
Doris + Frank 1

Das Verhältnis ist demnach 22:9:3; immerhin 1/3 aus nicht-grossen Verlagen... Natürlich muss ein Spiel in der Szene bekannt sein, aber das schließt oft auch auf Qualität (Ursuppe und a la carte z.B. sind nicht gerade Besteller, oder?). Das dieses Jahr Puerto Rico haushoher Favorit ist, loiegt eher an den Qualitäten des Spiels als an dessen Verbreitung (mal abgesehen davon, dass das eine das andere bedingt...)

> Vielleicht sollte man die Preise allesamt abschaffen.

Und? Was wäre damit gewonnen? Gut der DS ist genaugenommen nicht soo furchtbar wichtig - Gelegenheitsspieler kennen ihn nicht und Vielspieler kennen i.A. die Spiele schon (ich mag ihn abe dennoch ;-) )
Der SdJ ist aber für den Wenigspieler wichtig - siehe andere Postings...

> (Die Spiele sind wohl einfach zu verschieden, als dass man
> vernünftigerweise mit einem Preis eines als "bestes"
> herausstreichen könnte.)
Deswegen gibts ja auch Diskussionen bzw. mehrere Preise - dasselbe Argument gilt übrigens auch für Bücher, Filme oder Menschen - dennoch gibts da auch Preise :-)
ciao,
Peer (der heute in den Urlaub fährt, aber versucht in Thailand Internetcafes zu finden)

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Michael Andersch

OT: Spielbox contra Spiel des Jahres

Beitragvon Michael Andersch » 17. August 2002, 15:08

Maxi Heininger schrieb:
> Si tacuisses, philosophus mansisses!

Wenn Du geschwiegen hättest wärest Du ein Philosoph gewesen!

VG,
Micha (der leider nicht Latein LK nehmen konnte und gerne auch Lateinlehrer geworden wäre und findet, dass Dein Zitat auch sehr gut auf Deinen Vorredner passt ;-) )

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Maxi Heininger

Re: OT: Spielbox contra Spiel des Jahres

Beitragvon Maxi Heininger » 17. August 2002, 16:32

Boaahh, RICHTIG, der Kandidat bekommt 100 Punkte.
Hast du auch wirklich nicht irgendwo nachgeschaut ;-) ???

Maxi(Der in der 8. und 9. Klasse mal ungefähr 50 solcher "berühmter Worte" wissen musste)

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Franz-Benno Delonge
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Beiträge: 277

Re: OT: Spielbox contra Spiel des Jahres

Beitragvon Franz-Benno Delonge » 18. August 2002, 22:23

NEIN! Falsch!!
Richtig wäre gewesen: "...ein Philosoph GEBLIEBEN."
Seis drum... Jedenfalls keine 100 Punkte.
Benno

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Maxi Heininger

Re: OT: Spielbox contra Spiel des Jahres

Beitragvon Maxi Heininger » 18. August 2002, 23:06

Ohh, sorry,... stimmt ja,... manere = bleiben :roll:
Ich muß sagen ich hab das mir selbst richtig gelesen :roll:
Naja, seis drum
Maxi

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Jost Schwider

RE: Philosophie, Latein, Regeln

Beitragvon Jost Schwider » 19. August 2002, 11:03

"Michael Andersch" hat am 17.08.2002 geschrieben:

> [lateinische Selbst-Beweih-Räucherung ;-) ]

> Wenn Du geschwiegen hättest wärest Du ein Philosoph
> gewesen!
>
> Micha (der leider nicht Latein LK nehmen konnte und gerne
> auch Lateinlehrer geworden wäre und findet, dass Dein Zitat
> auch sehr gut auf Deinen Vorredner passt ;-) )

:-O Och, Mensch, was habe ich denn jetzt schon wieder falsches gesagt? :-? ;-)

Im Ernst:
Was gefällt dir an "Die Regeln machen das Spiel!" nicht?

Viele Grüße
Jost aus Soest (Regel-Fetischist)

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Michael Andersch

RE: Philosophie, Latein, Regeln

Beitragvon Michael Andersch » 19. August 2002, 11:31

Jost Schwider schrieb:

> Im Ernst:
> Was gefällt dir an "Die Regeln machen das Spiel!" nicht?

War nicht darauf bezogen. Siehe Mail!

VG,
Micha

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Roman Pelek

Re: Regelverständnis (unter Spielern)

Beitragvon Roman Pelek » 20. August 2002, 02:31

Hi Michael,

Michael Weber schrieb:

> Da würde ich dir Recht geben, aber bei den Rezensionen darf
> man grundsätzlich voraussetzen, dass ein Teil der Mechanismen
> so widergegeben wird, dass für einen Kundigen der Eindruck
> entstehen kann, dass (wegen Textlänge usw.) das Siel
> unvollständig und damit vielleicht missverständlich
> beschrieben wird. Aber es gibt natürlich auch die Fälle, in
> denen klar falsche Mechanismen oder "Tatsachen" beschrieben
> wird.

Ich meinte bei den Rezensionen nur die Fälle, in denen offenkundig fehlerhaft widergegeben wird. Aus Unvollständigkeit kann man eh nix schließen, da gilt in dubio pro reo ;-)

Was Goldland angeht: für mich ist es eine Abenteuerspielumsetzung (so wollte es auch Wolfgang Kramer haben), keine Aufbausimulation. Aufbausimulationen auf dem Brett wären für mich eher Puerto Rico oder Roads & Boats.

> So etwas passiert leider ab und zu auch bei wesentlicheren
> Bestandteilen einer Besprechung. Aber 75 % scheint mir doch
> enorm hoch gegriffen.

Das ist für mich die Quote, die auch vernachlässigbare und nicht unbedingt spielrelevante Kleinigkeiten miteinbezieht.

> Nicht zuletzt sollten sich hier aber die Verlage angesprochen
> fühlen, denn mitunter ist es kaum möglich, die schwachen
> Anleitungen gerade zu biegen.

Hm, ich meinte in der Diskussion eigentlich nur die Punkte, die anhand der Anleitung nachvollziehbar sind. Der Rest ist natürlich Pech: was in der Regel nicht oder missverständlich drinsteht, kann Spieler/Rezensent nicht richtig machen.

Ciao,
Roman

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Roman Pelek

Schöne Regelmissverständnisse und Anekdoten dazu

Beitragvon Roman Pelek » 20. August 2002, 03:12

Hi Brigitta,

Brigitta Lindemann schrieb:

["Unbekanntes" Problem Spielregelmissverständnisse]
> Wird es aber nicht deswegen nicht benannt, weil einem der
> Fehler gar nicht bewusst ist?

Denke ich auch. Deswegen wollte ich's gerne mal ansprechen, denn mir fällt es in letzter Zeit zunehmend auf - wenn man in vielen verschiedenen Runden spielt, die auch die Regeln gelesen haben, sind die Regeldiskrepanzen manchmal wirklich erschreckend und teilweise deutlich spielrelevant. Meine persönlichen Highlights der letzten Zeit (an die ich mich noch erinnere ;-) ):

- Puerto Rico: "Beim Siedler dachte ich, man darf eine extra Plantage nehmen?" Wozu also Hazienda - und wieso stehen die Privilegien eigentlich auf Karte und Tableau? ;-)
- Fürsten von Florenz: "Wie, man wählt jedesmal aus fünf Karten aus?" Wozu Strategiespiele spielen, wenn das Glück auch entscheiden kann? :-)
- Hekla: "Ach, wirklich, die Rillen haben was bei der Abrechnung zu bedeuten? Und man darf auch orthogonal ziehen bei Wertungsstein in der eigenen Reihe?" Ohne Kommentar :-)
- Funkenschlag: "Oh, die Eisinsel hat eine gesonderte Bedeutung... Ab Phase 3 gibt's nur 6 Karten, die alle ersteigert werden dürfen?" Hätte nur jemand nach einem Dreivierteljahr die Regel mal wieder von vorne nach hinten gelesen und die Sonderfälle nicht ausgespart... (selbst neulich beim Wiederspielen gründlich verbockt...)
- Fürsten von Florenz: "Auf der Siegpunktleiste darf man zurückgehen?" - Ja, genau wie bei Wildlife auch :lol:
- Puerto Rico: "Sortiert man wirklich Kolonisten aus je nach Spielerzahl? Ach, bei Uni oder Hospiz darf man am Ende auch notfalls vom Schiff nehmen?" Hm, so steht's in der Regel... 8-)
- Puerto Rico: "Ach, Hospiz gilt nicht für Hazienda-Plantagen? Was heißt hier 'ich muss ein Schiff wählen, das groß genug ist'?" Hm, vielleicht brauchen alea-Regel blindengerechte Schrift? ;-)
- Blokus: "Wie, man muss das Eckquadrat selbst belegen? Reicht's nicht, ein Teil 'irgendwie' in die Ecke zu legen?"
- Wallenstein: "Hm, bei Bauernaufständen kämpft man nur gegen die vorher anwesende Zahl an Unruhemarkern, nicht die neue mit +1? Ups, bei Eroberung unbesetzter Länder gibt's Unruhemarker rein?"
- Puerto Rico: "Mir hat noch nie jemand gesagt, dass das Spiel auch endet, wenn einer die Stadt voll hat..."
- Funkenschlag: "Ach, wir spielen das immer ohne Kraftwerkslimit" - Wieso spielt ihr es dann überhaupt?!? :-D

Ansonsten stimme ich Dir sowieso voll zu, deswegen spare ich das aus :-)

Ciao,
Roman

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Arne Hoffmann
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Beiträge: 497

[OT] Schöne Regelmissverständnisse und Anekdoten dazu

Beitragvon Arne Hoffmann » 21. August 2002, 23:24

"Roman Pelek" hat am 20.08.2002 ne Menge Anekdoten geschrieben

:lol: :lol: :lol:

Hmmm, wer wohl so manche Anekdote hervorgebracht hat... :-?

Tschö,

- Arne -

P.S.: Du hast die vergessen, daß bei Villa Paletti die Ebenen das gesamte Spiel über immer auf mindestens 3 Säulen aufliegen müssen ;-)

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Roman Pelek

Re: [OT] Schöne Regelmissverständnisse und Anekdoten dazu

Beitragvon Roman Pelek » 22. August 2002, 01:43

Moin Arne,

Arne Hoffmann schrieb:

> "Roman Pelek" hat am 20.08.2002 ne Menge Anekdoten geschrieben
> :lol: :lol: :lol:
> Hmmm, wer wohl so manche Anekdote hervorgebracht hat... :-?

Ich habe deswegen bewusst dezent den Mantel des Schweigens und namenlosen Amüsements darüber ausgebreitet :-D Aber wo Du's so unverhohlen provozierst gleich 'ne Fangfrage: Wieviele Rillen hat eine LP und wofür sind die gut? :lol:

> P.S.: Du hast die vergessen, daß bei Villa Paletti die Ebenen
> das gesamte Spiel über immer auf mindestens 3 Säulen
> aufliegen müssen ;-)

Damals hatte ich das nicht vergessen, aber ich habe ja prophylaktisch meine Vergesslichkeit heutzutage angebracht. Ich wusste doch genau, dass Du in diese Rille, äh, Kerbe haust... Außerdem haben wir ja den Palazzo gespielt, für den gelten ja bekanntlich andere Regeln :-)

Ciao,
Roman

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Roman Pelek

[OT] BILD, kurz mal ernsthaft

Beitragvon Roman Pelek » 22. August 2002, 03:01

Hi Benno,

>Zustimmung!! Tom hat extrem recht. Sich über BILD zu mokieren, ist jedenfalls noch etwas banaler als BILD selbst...<

Es kommt für mich immer darauf an, auf welche Art man sich mokiert. Kritik muss definitiv nicht banaler sein als das kritisierte Objekt, oft kann sie auch drüber hinaus reichen.

Allen BILD-Lesern chronischen Analphabetismus zu unterstellen, ist als einzeln betrachtete Aussage für mich überheblich und unrichtig. Dennoch gebraucht oder missbraucht (wie ich es deute) dieses Printmedium seine Stellung als führende meinungsmachende Publikation in der BRD allzu oft - wohlgemerkt wider besseres Wissen - auf unlautere Weise. Und da bin ich persönlich auch "intolerant". Ich lege keinen Wert auf Rufmord, halbgare Gerüchte oder auf einzelne Personen abzielende Hasstiraden von seiten irgendwelcher Printmedien (und generell nicht).

Die BILD ruiniert einzelne Existenzen und fungiert allzu oft als öffentlicher Pranger in einer vordergründig zivilisierten Nation. Damit befriedigt sie maximal Urinstinkte des Menschen auf Kosten anderer und huldigt viel zu häufig dem dumpfen Populismus. Das hat für mich weder etwas mit kritischem Journalismus noch mit unabhängiger Berichterstattung, geschweige denn mit Toleranz zu tun. Eher das Gegenteil ist für mich der Fall, man denke mal an die vorselektierten Miles&More-Geschichten oder die verzerrte Darstellung der Hunzinger-Affäre. Hier wurden für meine Begriffe einzelne Personen für die öffentliche Meinung "exekutiert", während andere, genauso oder sogar weit mehr betroffene, ausgespart wurden.

Insofern verbleibe ich mit Intoleranz gegenüber der Intoleranz. Wenn das für passionierte Bild-Leser überheblich sein mag, dann soll es so sein. Ich jedenfalls bin ebenso nicht gewillt, mit gewissen Auswüchsen des "Journalismus" konform zu gehen, und diese Unabhängigkeit behalte ich mir vor. Eine Zeit, zum Glück vor meiner Geburt, in der wir wie treudoofe Schafe einer Ideologie, brillanter Rhetortik eines einzelnen Menschen und der Meinungsmache der führenden Printmedien gefolgt sind, reicht mir. Ich lege absolut keinen Wert auf "history repeating".

Ciao,
Roman

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Udo G.

RE: [OT] Schöne Regelmissverständnisse und Anekdoten dazu

Beitragvon Udo G. » 22. August 2002, 08:41

"Arne Hoffmann" hat am 21.08.2002 geschrieben:

>
> P.S.: Du hast die vergessen, daß bei Villa Paletti die
> Ebenen das gesamte Spiel über immer auf mindestens 3 Säulen
> aufliegen müssen ;-)

Uups, echt?

Wir haben vor ein paar Wochen gespielt und diese Regel völlig ausser acht gelassen. Ganz unten und auf der dritten Ebene haben zwei Säulen gereicht, die Villa stand noch recht lange...


Grüßle,

Udo

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Arne Hoffmann

RE: [OT] Schöne Regelmissverständnisse und Anekdoten dazu

Beitragvon Arne Hoffmann » 22. August 2002, 10:05

Moin Udo!

Udo G. schrieb:

> Uups, echt?
>
> Wir haben vor ein paar Wochen gespielt und diese Regel völlig
> ausser acht gelassen. Ganz unten und auf der dritten Ebene
> haben zwei Säulen gereicht, die Villa stand noch recht lange...

Da habt ihr auch korrekt gespielt. Meine Bemerkung war ein ironischer Hieb gegen Roman - sorry, wenn ich Dich jetzt durcheinander gebracht habe. Die Ebenen müssen nur beim ersten Plazieren auf mindestens drei Säulen aufliegen. Im späteren Spielverlauf darf eine Ebene auch ruhig auf nur einer Säule liegenbleiben.

Tschö,

- Arne -

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Tom

Re: Spielbox contra Spiel des Jahres

Beitragvon Tom » 22. August 2002, 17:49

Hi Roland,
klar hab ich den Smilie gesehen, Du hast Dich zu Unrecht angesprochen gefühlt, wie kommt denn sowas?? :-))
Mein kurzer Einwand, der auch keine ausuferndern OT-Stellungnahmen bezwecken sollte, galt eher dem Beitrag von Markus. Aber merke: alles halb so schlimm, die Welt dreht sich ja noch.
Ciao,
Tom

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Marten Holst

[OT] Who watches the watchers (war: BILD, kurz mal ernsthaft)

Beitragvon Marten Holst » 22. August 2002, 18:15

Moinle,

ich möchte Roman weitest gehend zustimmen. Die Medien im allgemeinen reklamieren für sich nicht zu unrecht, die "vierte Gewalt" im Staate zu sein. Sie verbreiten Informationen, die für uns wichtig und/oder interessant sind (mit nach meiner subjektiven Meinung immer weniger Betonung auf "wichtig"), und sie beobachten die anderen "Säulen des Staatssystems", was eine verdienstvolle Aufgabe ist.

Aber als solche muss sich auch ein jedes Medium, Fernsehen oder Zeitung, Radio oder Zeitschrift, auch Internetseitenbetreiber, wenn sie einen entsprechenden Anspruch haben, "messen lassen". Natürlich kann keinerlei Berichterstattung "ausgewogen" sein, denn so etwas gibt es nicht wirklich. Und so nimmt es wenig Wunder, dass in letzter Zeit zum Beispiel zunehmend "Wahlkampfhilfe" geleistet wird (Bild, Sat.1, Focus für Blau-Gelb; Süddeutsche, Spiegel, RTL zumindest Rot, wenn nicht teilweise Rot-Grün, zum Glück niemand großes für bräunliche Schattierungen). Aber auch hier muss man sich fragen, wie weit "Meinungen" (die man auch als Wertvorstellungen sehen kann) den Journalismus beeinflussen dürfen. Die offenkundige Unausgewogenheit der Berichterstattung in der Miles&More-Affäre, von Roman bereits angesprochen, zum Beispiel ist meines Erachtens nicht mehr legitim. Und Bild ist diesbezüglich kein "Ersttäter". Von daher ist Kritik sicherlich massiv gerechtfertigt.

Ob eine Bezeichnung der Bildleser als Analphabeten oder ähnliches (die hier so aber auch erkennbar nie ernsthaft gefallen ist) dazu konstruktiv beiträgt, wage ich zu bezweifeln. Tatsache ist aber, dass jemand, der seine Informationsquellen auf eine reduziert hat, sich bewusst zum Manipulationsopfer macht, und eine überhöhte Formulierung dessen ist meines Erachtens nicht grundsätzlich verkehrt.

Auch der von Roman angesprochene "individuelle" Bereich, die teilweise falsche (meist wohl nicht unbedingt aus direkter Boshaftigkeit resultierend, sondern aus mangelnder Recherche, gerne billigend in Kauf genommen, um gute Storys nicht zu verlieren), Persönlichkeitsrechte verletzende Berichterstattung über Fehl und Tadel einzelner Prominenter jedweder Provenienz, wird meines Erachtens viel zu wenig gestraft. Und auch hier ist Bild vorne mit dabei, wenn auch meiner Meinung nach chancenlos gegenüber zum Beispiel der Bunten. Und auch hier müssen sich Leser fragen lassen, ob sie die behandelten Themen etwas angehen, und ob sie eine Zeitung, die ihre diesbezügliche Macht schon mehrfach zumindest massiv fahrlässig "missbraucht" hat, wirklich noch finanziell (durch den Kauf) und im Einfluss (durch Erhöhung der Auflagenzahl) unterstützen sollten.

Dass auch dem seriösesten Journalisten Fehler passieren, die teilweise massive Folgen nach sich ziehen können, ist natürlich unbestritten, denn wo Menschen etwas tun, da machen sie Fehler. Nichtsdestoweniger denke ich, dass die Geschichte der Bildzeitung nahe legt, dass sie nicht die notwendige Sorgfalt, die sie als Informationsquelle von Millionen walten lassen müsste, an den Tag legt. Und deswegen denke ich auch, dass eine pauschale Kritisierung von Bild und ihren Lesern durchaus legitim ist. Auch wenn derartige Auswüchse sich schon in Deutschland nicht auf diese Zeitung beschränken und in anderen Ländern (Großbritannien mit "The Sun" als Beispiel) teilweise noch extremere Blüten treiben.

Viele Grüße
Marten

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reinhard.pichler

Re: SdJ, kurze Regeln und die Allgemeinheit

Beitragvon reinhard.pichler » 23. August 2002, 14:45

Servus Roman,

wirklich eine interessante Darstellung mit dem Vergleich der Fast-Food Gesellschaft, der Spielergesellschaft - mit diesem Begriff ist bitte auch das Femininum der Spielenden gemeint - und die Verbindung mit dem realitätsbezogenen Wirken der SdJ Jury. Die Realität bezieht sich auf die Wirklichkeit, die Tatsächlichkeit und die Sachlichkeit. Das bedeutet, auf die "normalen Leute" umgelegt, dass jeder gerne Konsumation mit dem geringsten Aufwand betreiben möchte. Wir möchten gerne Spielen aber keine langen Erklärungen und schon gar nicht etwas lesen und denken. Auf dieser Basis und Deiner Erklärung über den Einfluß auf den Absatz der Spiele, hat die Jury SdJ eine noch größere Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft nach zu kommen, als jeglicher Kritiker in einem Printmedium. Darum verstehe ich auch nicht, warum gerade dieser Verein mit diesen Möglichkeiten, nicht daran interessiert ist, dem entgegen zu wirken.

Mit hat in diesem Zusammenhang von Peter Steinert ein Absatz ganz gut gefallen, den ich hier wiederholen möchte.

>Haben sie auch. Ich möchte noch weiter gehen als mein Vorredner. Die Kunst >wird zwar auch subjektiv wahrgenommen, folgt aber noch weit mehr objektiven >Regeln als ein Spiel. Spielen ist ein gruppendynamischer Prozeß, der von der >Konstellation der Spieler, Tagesformen, Einstellungen und Erwartungshaltungen >abhängt. Deshalb ist es auch möglich, daß Titel wie "Monopoly" sich immer >noch verkaufen. Weil Spiele für viele Menschen eher ein Katalysator für >Geselligkeit sind.

Wir setzen uns zusammen und spielen, weil wir gerne Zeit mit anderen verbringen möchten. Und um nebenbei auch die anderen ein wenig ärgern zu können. Der Zeitaufwand dafür spielt keine Rolle. Warum sollte jetzt der Zeitaufwand für das Erklären der Regeln eine so große Rolle spielen, dass sich der ganze Spielbereich dorthin ändern soll. Wäre das in anderen Bereichen auch der Fall, dann würde es zB keine Führscheinvorbereitung und -prüfung mehr geben, sondern jeder setzt sich sofort hinter das Lenkrad eines Kraftfahrzeuges und fährt los.

Persönlich gefällt mir die Entwicklung dieser "Diätspiele" nicht wirklich, aber das ist eben ein Einzelschicksal.

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Reinhard Pichler

Re: Spielbox contra Spiel des Jahres

Beitragvon Reinhard Pichler » 23. August 2002, 15:09

Roland G. Hülsmann schrieb:
>
> Reinhard Pichler schrieb:
>
> > So fern ich nicht ganz blind bin, gibt es neben dem
> > subjektiven Bericht auch Noten von anderen Kritikern.
>
> ... die ebenso subjektiv sind! Es gibt durchaus Spiele, die
> die volle Bandbreite der Besprechungsergebnisse auf sich
> vereinigen. Es gibt Leute die finden ein Spiel
> grottenschlecht und andere fiinden das gleiche hervorragend.
> Ist das schlimm?

Nein, das verschieden Leute unterschiedliche Meinungen haben ist nicht schlimm sondern sogar sehr wünschenswert. Das Bewertungen, Kritiken immer in die Subjektivität geschoben werden, das stimmt nicht. Den aus diesen subjektiven Meinungen, wie es zB in der Spielbox die unterschiedlichen Noten sind, bekommen wir ein objektiveres Bild, als Du meinst. Betrachte es doch wie ein Puzzle. Die Einzelteile ergeben erst zusammen bein Bild und genauso ist es mit den verschiedenen Bewertungen. Mehr Objektivität kannst man doch gar nicht verlangen.

> > Meine Präferenzen sind ganz einfach. Ich will mir, aus
> > verschiedenen Gründen, die Zeit, für die Vorselektion der
> > Spiele die ich kaufen möchte, verkürzen. Darum greife ich auf
> > Empfehlungen und Kritiken zurück.
>
> Da spricht nichts dagegen. Aber Du darfst nicht erwarten, daß
> diese alle einer Meinung sind. Du darffst auch nicht
> erwarten, daß die rezensenten Deinen Geschmack treffen.
>
Ich erwarte mir nicht, dass alle meiner Meinung sind, sonst würden wir hier im Forum nicht diskutieren. Ich kann und darf mir aber von Printmedien, wie der Spielbox, die ich käuflich beziehe, eine ordnungsgemäße Arbeitleistung erwarten. Die Empfehlungen und Bewertungen abgeben, die Hand und Fuß haben. Ob Sie jetzt meinen Geschmack treffen oder nicht, steht hier nicht zur Diskussion.

> > Das mag schon sein. Es geht darum warum beide Seite nicht ein
> > schlechtes Spiel erkennen können und als Erklärung für die
> > unterschiedlichen Bewertungen dafür einfach der Deckmantel
> > Subjektivität immer wieder verwendet wird.
>
> Wel es eben keine obkektiv guten und schlechten Spiele gibt.
> Ein Spiel, das Du für schlecht hältst, kann ein anderer
> durchaus für erstklassig halten, weil er leben sehr viel
> Freude damit hat. Der Subjektivität ist kein Deckmantel, sie
> ist die Wirklichkeit. Kein Spiel ist gut oder schlecht; aber
> es kann für Dich gut oder für Dich schlecht sein. Und erwarte
> nicht, daß ein anderer das für Dich herausfindet!

Weder in der Spielbox noch in der SdJ Jury sind Laien am Werk. Das sind für mich Profis. Die entweder das Spiel zu Ihrem Beruf oder zur Ihrer Berufung gemacht haben. Und nun Frage ich Dich wer, wenn nicht diese Leute, können ein schlechtes von einem guten Spiel unterscheiden. Mehr erwarte ich mir auch nicht von diesen beiden Seiten. Nur wenn beide Seite in unterschiedlichen Richtungen gehen bei ein und demselben Spiel, dann hat einer von beiden seine Hausaufgaben nicht gemacht.

>
> > Das es für Spiele keine genau definierten Leistungen gibt,
> > sehe ich nicht so. Selbst für die SDJ Jury gibt es genau
> > definierbare Leistungen, die ein Spiel zu erbringen hat.
>
> Natürlich haben die Mitglieder der Jury für sich selbst
> gewisse Regeln, ebenso wie jeder Rezensent , nach denen sie
> urteilen. Die habe ich auch, aber die sind durchaus bei jedem
> anders. Es gibt keine allgemeingültigen Bewertungskriterien
> für Spiele. Es ist eben ähnlich wie bei Büchern. Natürlich
> kannst Du beurteilen, ob es handwerklich ordentlich gemacht
> ist, die Rechtschreiberegeln eingehalten werden, bzw. die
> Spielregel verständlich und komplett ist, etc. Aber ob die
> Story dich berührt, dich das Thema begeistert, die Art der
> Schreibe oder des Spieles Dir zusagt, etc. das ist und bleibt
> subjektiv.
>
> Solltest Du aber herausfinden, daß Rezensent XY genau Deinen
> Geschmack hat, dann können seine Ausführungen für Dich
> natürlich eine große Hilfe sein ... aber vergiß nicht: es
> gibt ein vielfaches mehr Geschmäcker als Rezensenten.

In der Basis sollte jeder Kritiker und Co sagen können ob ein Spiel gut oder schlecht ist. Dazu können wirklich Bewertungskriterien für jedes Spiel verwendet werden. Genauso gibt es in anderen Bereichen diese Aussagefähigkeit. Wenn eine Suppe versalzen ist, ist sie versalzen. Unabhängig davon wieviele Sterne das Restaurant hat, oder welche Einlagen in der Suppe sind.

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Roland G. Hülsmann
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Re: Spielbox contra Spiel des Jahres

Beitragvon Roland G. Hülsmann » 23. August 2002, 20:53

Reinhard Pichler schrieb:

> ... aus diesen subjektiven
> Meinungen, wie es zB in der Spielbox die unterschiedlichen
> Noten sind, bekommen wir ein objektiveres Bild, als Du
> meinst.

Nein. Da jeder einen anderen Geschmack hat, hilft mir auch der Durchnitt aller subjektiven Wertungen nicht zu einer objektiveren Wertung. Selbst wenn der Querschnitt aller Rezensenten das Spiel als Durchschnitt oder gar ncht gefallend einstugft, kann es für mich und meinenSpielkreis trotzdem das beste Spiel des Jahrgangs sein!

> Ich kann und darf
> mir aber von Printmedien, wie der Spielbox, die ich käuflich
> beziehe, eine ordnungsgemäße Arbeitleistung erwarten.

Gewiß!

Un hier noch einmal der KERNSATZ meiner Meinung (natürlich auch subjektiv):

>> Weil es eben keine obkektiv guten und schlechten Spiele gibt.

> Und nun Frage ich Dich wer, wenn nicht diese Leute, können ein
> schlechtes von einem guten Spiel unterscheiden.

Wenn es, wie ich ja ausführte keine objektiv guten und schlechten Spiele gibt, weil jeder andere Spiele als gut oder schlecht empfindet und beschreibt, dann kann auch kein Profi zwischen gut oder schlecht unterscheiden. Wie sollte er einen Unterschied sehen, den es gar nicht gibt? Von einem Profi erwarte ich, daß er weiß, daß alle Meinung zum Spiel subjektiv ist!

> Nur wenn beide
> Seite in unterschiedlichen Richtungen gehen bei ein und
> demselben Spiel, dann hat einer von beiden seine Hausaufgaben
> nicht gemacht.

Nein, dann haben sie nur unterschiedliche Geschmäcker! Und das ist auch gut so!

> In der Basis sollte jeder Kritiker und Co sagen können ob ein
> Spiel gut oder schlecht ist.

Wie denn, wenn es - wie ich mehrmals ausführte - m.E. kein objektives gut oder schlecht gibt? Es gibt keine guten und schlechten Spiele, sondern nur welche die mir gefallen und welche die mir nicht gefallen? Auch ein Kritiker kann nur sagen, ob ihm ein Spiel gefällt oder nicht gefällt und was ihm daran gefällt oder nicht gefällt. Und ich als Leser mag erkennen, welche seine Bewertungen ich mir zu eigen mache und welche nicht.

Es gibt eine ganze Menge Leute, die würden "Mensch ärgere Dich nicht" für ein schlechtes Spiel halten. (Auch ich spiele es nur wenn man mich ganz lieb darum bittet.) Und trotzdem gibt es eine ganze Menge Menschen, die es mit Begeisterung spielen und denen es viel Freude und Unterhaltung beschert. Ist es nun schlecht oder gut?

(Ok: Eine Ausnahme mögen Spiele sein, die einfach nicht funktionieren, weil die Regel nicht zum Spielmaterial paßt und es nach der Regel nicht spielbar ist. So ein Spiel schafft es in aller Regel aber niemals zur Veröffentlichung.)

Subjektive Grüße
Roland


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