Beitragvon Roman Pelek » 21. September 2002, 02:29
Hi Benno,
Franz-Benno Delonge schrieb:
> erstens: Weiter oben, Monopoly/VW-Käfer.
Ja, treffend wie ich denke. Das breite Interesse an Fachpublikationen im Spielebereich ist vergeichsweise gering im Gegensatz dazu, dass sich Leute vorm (deutlich teureren) Autokauf zumindest mal eine Zeitschrift mit Tests zulegen und sich genauer informieren, um beim Beispiel zu bleiben. Spielekäufe sind häufig von Unwissenheit geprägt... Aber Preis von Spielen im Vergleich zu Fachzeitschriften (und deren Verbreitung) ist auch zu gering, um Gelegenheitskäufer anzusprechen.
> Zweitens: Es gibt überhaupt kein objektives
> Qualitätskriterium für Spiele außer dem, daß man sich dabei
> gut unterhalten fühlt. Demzufolge mag der, der nur wenig
Hm, und genau das ist doch auch rein subjektiv. Insofern können wir die Objektivität quasi ganz zu Grabe tragen, oder? ;-) Oder formulieren wir's mal so: in der Spieleszene intern mag's vielleicht einige breiter akzeptierte Kriterien geben, die man gerne anführt, aber eigentlich interessiert das kaum einen, schon gar nicht jenseits der Szene. Wenn ein Spiel schlichtweg nicht funktioniert, okay, wenn eine Regel einer Vielzahl von Lesern schier unbegreiflich bleibt, dann hat man vielleicht so etwas wie einen Hauch von objektiven Kriterien, aber jenseits dessen?
> Spiele kennt, in der Regel ganz andere (simplere) Spiele als
> du und ich, der wir zigtausend Spiele kennen und bezüglich
> gewisser ausgelutschter Reize einfach abgestumpft bzw.
> übersättigt sind. Nur, andere haben sie eben noch nicht
Und genau da muss man m. E. differenzieren: was ausgelutscht erscheint, darf man in meinen Augen ruhig klar als solches darstellen und deshalb persönlich niedriger einstufen. Das ist dann mitunter eine Hilfe für diejenigen, die sich ebenso intensiv mit dem Thema beschäftigen. Ob man das nun als objektives oder qualitatives Kriterium sieht ist dabei eher nebensächlich, eigentlich komplett egal. Und man sollte sich da vollkommen von dem Anspruch fernhalten, denen, die ebendiese zigtausend Spiele nicht kennen, irgendwie eine Hilfe zu sein. Denn wie Du richtig sagst: für die, für die's neu ist, mag's ein Riesenspaß sein, während Freaks vor Langeweile vielleicht am liebsten die Tapete von der Wand kratzen würden :-D
> ausgelutscht - weil sie eben nicht zwei oder drei Abende pro
> Woche spielen, sondern zwei oder drei Abende pro Jahr (oder
> Jahrzehnt).
Eben drum! Genau so sieht's aus.
> Wir sollten nicht die extensive Quantität unserer
> Spielbegeisterung mit irgendwelchen objektiven
> Qualitätskriterien verwechseln. Daß dem nicht so ist, zeigt
Nach meiner Einschätzung sollte man deshalb genau gut begründen, weswegen man etwas wie beurteilt, um damit genau die Zielgruppe zu adressieren bzw. den Andersdenkenden klar mitzuteilen: für Euren Geschmack gilt dann evtl. genau das Gegenteil. Wie schon gesagt: das mit der "Objektivität" ist doch ein arg heißes Eisen, eine ausführliche Begründung ist mir da lieber als ein mitunter arg egozentrischer Objektivitätsanspruch.
> ja gerade die Tatsache, daß 99 % der von den Vielspielern
> hochgelobten Spiele am breiten Publikum völlig unerkannt
> vorbeigehen. Das unterscheidet sie eben von Phänomenen wie
Wobei das ja auch eine Vermarktungsgeschichte ist. Es gibt sicher auch etliche Spiele, die ein Publikumsrenner sein könnten, wenn das breite Publikum sie nur wahrnehmen würde... :-(
> dem VW-Käfer, den Beatles oder den Siedlern von Catan, die
> wirklich ganz große Würfe sind. Im Spielbereich hat es sowas
> m.E. seit Catan nicht mehr gegeben.
Catan traf m. E. exzellent auch den Nerv der Zeit. Ein relativ friedliches Aufbauspiel mit großer Variabilität und kurzer Spieldauer, das durch den Glücksfaktor niemanden am Tisch vollkommen ausschloß und zudem noch zur Zeit des Booms der Computerspiele in diesem Bereich kam. Und danach schiebt man Erweiterungen nach, die das sukzessive komplexer machen, aber ohne dass jemand damit gleich von Anfang an überfahren wird. Aber wer kann sowas planen? Wer kennt Kriterien, wie man sowas hinbekommt?
Nuja, wir können froh sein, dass wir immerhin wieder ein "Carcassonne" hatten und mal abwarten, wie die "Villa" beim Publikum ankommt... Und derweil im Elfenbeinturm genüßlich darüber palavern, wie objektiv oder subjektiv unsere eigenen Ansprüche denn zu werten sein mögen ;-) Den Luxus, uns unsere eigene Meinung zu bilden oder Ansprüche zu haben, sollten wir uns m. E. dennoch nicht verleiden lassen - solange man die Realitäten sieht :-)
Ciao,
Roman