Beitragvon Gustav der Bär » 31. Oktober 2002, 09:13
Wenn ich mal spekulieren soll, ob Brettspiele untergehen werden oder nicht, würde ich eher von der Vergangenheit in die Zukunkft extrapolieren, statt aus ein paar einzelnen Produkten etwas abzuleiten (neue Trends halten meist nur so lange, dass der "Spiegel" grade eben noch mal ein Titel-Thema daraus machen kann): Brettspiele (zugegebenermaßen sehr unterschiedlicher Art) werden seit tausenden von Jahren gespielt. Das deutet wohl darauf hin, dass Menschen dauerhaft eine gewisse Neigung zu Brettspielen besitzen und läßt für die Zukunft eher das Weiterbestehen als den Untergang der Brettspiele vermuten.
Die Brettspielwelt ist für mich persönlich eine angenehme Ergänzung zum Spielen am Tisch: Wenn ich abends um zehn Uhr daheim bin und noch Lust auf eine Partie "Puerto Rico" habe, kann ich mir die da erfüllen - zu diesem Zeitpunkt einen Kreis von vier oder fünf befreundeten Spielern, die in München, Ingolstadt und Augsburg verteilt wohnen und alle am nächsten Morgen früh aufstehen müssen, zu versammeln, ist zwar nicht VÖLLIG unmöglich, aber nur wenig alltagstauglich.
Zudem habe ich mich wiederholt mit Leuten, die ich in der Brettspielwelt kennen gelernt habe, zu "richtigen" Spielen getroffen; gerade die BSW-Community mit ihrem Auftritt in Essen und der Organisation von Spiel-Wochenenden fördert ja ausdrücklich das persönliche Beisammensein.
Natürlich kann ich über persönliche Bekannte von dir, lieber Heinrich, bei denen das völlig anders ist, nichts sagen: Zu jedem denkbaren Thema gibt´s halt für jede denkbare Einstellung, die man dazu haben kann, immer ein paar Leute, die sie vertreten.
WARUM aber Eagle Games PC-Spiele in Brettspiele umsetzt, ist - denke ich - ziemlich leicht zu erkennen:
Hier dürften Marketing-Überlegungen Ausschlag gebend sein (Ja, ich weiß: Für manchen ist der Gedanke, andere Menschen könnten durch ihr Handeln Geld verdienen, das Böse schlecht hin und vermutlich wird es in dieser Hinsicht noch einige Kommentare geben. Ich sehe das eben anders: Es ist angenehmer, reich zu sein als arm, und daher kann man es niemandem verdenken, wenn er die erste dieser beiden Alternativen für sich bevorzugt.)
Nun gibt es eine Menge Beispiele dafür, dass Stoffe, die in einem Genre erfolgreich waren, sich auch in einem anderen ganz gut verkaufen lassen: Aus Büchern werden Filme ("Von Winde verweht"), aus Filmen werden Bücher ("2001 - Odyssee im Weltraum"), aus Büchern und TV-Serien werden Spiele ("Herr der Ringe", "Xena"), aus Bildern einer Ausstellung werden Konzerte ("Bilder einer Ausstellung"), aus Bauwerken werden Puzzles ("Neuschwanstein"), aus Brettspielen werden PC-Spiele ("Diplomacy") - und bisweilen werden aus PC-Spielen auch mal Brettspiele.
Es besteht also durchaus eine gewisse Chance, dass es mit den Brettspielen in - zumindest näherer - Zukunft in etwa so weiter geht wie bisher, nur, dass es eben AUCH Brettspiele nach PC-Spielen gibt.
Auf Xuntheit!
Gustav der Bär
(Peter Gustav Bartschat)