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undankbarer Job - Spielregel erklären

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Carsten Wesel | FAIRspielt.de

Re: Schöner Job - Spielregel erklären

Beitragvon Carsten Wesel | FAIRspielt.de » 24. März 2006, 09:13

Michael Andersch schrieb:
>
> Nach all dieser Verzweiflung möchte ich nun doch mal eine
> Gegenmeinung kund tun: Ich erkläre gerne Spielregeln.

Ich auch.

> "Angenehmen" Mitspielern, d.h. solchen, die wirklich an einem
> Spiel interessiert sind, liegt üblicherweise auch was daran,
> ein Spiel zu kapieren. Weswegen solche Mitspieler im
> Normalfall auch angenehme "Erklärtbekommer" und dadurch
> gleich doppelt angenehm sind.

Mist, da ich gern erkläre, bin ich - nach Michas Definition - nicht doppelt angenehm...

Gruß Carsten (der einfach angenehm ist)

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Wolfram Püchert alias WeePee

Re: undankbarer Job - Spielregel erklären

Beitragvon Wolfram Püchert alias WeePee » 24. März 2006, 09:53

Olivier Boss schrieb:
>
> Hallo WP,
>
> Laut vorlesen finde ich die schlechteste Moeglichkeit
> ueberhaupt Regeln zu erklaeren. Da loescht es mir schon in
> der Haelfte des ersten Satzes ab.

?

> Durch meist den
> komplizierteren Satzbau im Schriftlichen im Gegensatz im
> Muendlichen sind Regeln in der Regel voellig ungeeignet, um
> sie auf diese Weise den Hoerer zugaenglich zu machen.

Das sehe ich anders ..... meist nervt mich - wenn ich beim Regelerklären zuhöre - die besserwisserische Art der Regelerklärer, die meinen, sie wüssten besser eine Regel zu erklären als die gedruckte Form der Regel.

1) Sie vergessen wichtige Regeln/Details
2) Ihre Didaktik ist meist unter aller Kanone
3) Sie bauschen Details auf, die sich im Nachhinein als unwichtig erweisen
4) Sie erklären das Spiel aus ihrer Warte und nicht objektiv

> Da ist etwa so, wie ein Professor in einer Vorlesung ein
> Lehrbuch vorliest. Ich erwarte aber einen Vortrag ueber
> dieses Thema und keine kompliziert geschriebene Abhandlung.

Achso, der erklärende ich also der größere Fachmann für das Spiel als der Regelschreiber/Spieleerfinder. So, so ..... nette Einstellung.

> Fuer mich persoenlich lerne ich mit den Augen viel schneller
> als mit den Ohren. Das heisst, wenn ich es selber lese,
> verstehe ich es besser als wenn ich es vorgelesen hoere. Ich
> finde Regeln erklaeren muss in einem Erklaerstil wie in einem
> Vortrag erfolgen.

Das sehe ich vollkommen anders. Solche Regelerklärer kann ich ABSOLUT NICHT LEIDEN.

> Gruss
> Olivier

Gruß WP

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Wolfram Püchert alias WeePee

RE: undankbarer Job - Spielregel erklären

Beitragvon Wolfram Püchert alias WeePee » 24. März 2006, 09:55

Michael Andersch schrieb:
>
> Und wenn man nichts anderes
> kennt, dann ist vielleicht auch eine vorgelesene Regel mit
> anschliessendem Probespiel (das dann tatsächlich nötig sein
> dürfte, obwohl ich Probespiele normalerweise völligen Humbug
> finde, denn was soll ein "Probespiel" sein?

Du hast mal wieder nicht korrekt gelesen ... vielleicht brauchst Du wohl deshalb einen Regelerklärer?

Ich habe geschrieben, dass das Probespiel 1 oder 2 Runden dauert, bis der Mechanismus den Spielern eingängig ist. Danach wird abgebrochen und neu angefangen.

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Andreas Kwasniak

Re: Schöner Job - Spielregel erklären

Beitragvon Andreas Kwasniak » 24. März 2006, 11:32

Hallo Carsten,

ich denke Du bist einfach ein doppelt angenehmer Spieleerklärer und würde mir wünschen, dass ich ein doppelt so schneller Spielebegreifer wäre.

Bis demnächst Andreas

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Olivier Boss

Re: undankbarer Job - Spielregel erklären

Beitragvon Olivier Boss » 24. März 2006, 13:59

Hallo WP,

Ich habe nicht behauptet, dass ein einfacher Spieler das Spiel besser weiss als der Erfinder/Autor. Er weiss sicher am besten Bescheid, aber er ist meistens nicht anwesend, um das Spiel zu erklären.

Ich sage nur, dass ein Mensch ein Spiel besser erklaeren kann als der geschriebene Text, der dem Spiel beiliegt. Denn dieser Text ist i.d.R. nicht zum Vorlesen geschrieben, sondern informiert den LESER (nicht Hörer) wie das Spiel funktioniert. Deshalb braucht es m.E. jemanden, der den Text umgangssprachlich formuliert und auch didaktisch strukturiert, wie z.B. zuerst einen groben Umriss über das Spiel geben und erst später die Details erzählen.

Die meisten Spielregeln fangen gerade mit den Details an, so ist der Hörer total überfordert, um was es geht. Ein Leser hingegen kann sich Zeit nehmen und die Spielregeln studieren.

In diesem Sinn ein Gruss
Olivier

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Michael Andersch

RE: undankbarer Job - Spielregel erklären

Beitragvon Michael Andersch » 24. März 2006, 17:23

"Wolfram Püchert alias WeePee" hat am 24.03.2006 geschrieben:

> Du hast mal wieder nicht korrekt gelesen

Mal wieder? Wo noch?


> Ich habe geschrieben, dass das Probespiel 1 oder 2 Runden
> dauert, bis der Mechanismus den Spielern eingängig ist.
> Danach wird abgebrochen und neu angefangen.

Und Du schliesst MAL WIEDER von Dir auf andere. Wer sagt denn, dass jeder seine Probepartie nach 2 oder 3 Runden abbricht? Ich habe mich zu Probepartien im allgemeinen geäußert, nicht exklusiv zu denen von Dir. Von denen wissen wir ja, dass sie unbedingt nötig sind, selbstverständlich in genau der von Dir praktizierten Form.

Micha

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Kathrin Nos
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[Achtung: Lang!] Regel vorlesen <-> Regelerklären

Beitragvon Kathrin Nos » 24. März 2006, 17:46

Hallo,

zum Thema Regel vorlesen oder Regel frei erklären möchte ich meine Meinung hier auch gerne abgeben.

Vorweg: Ich erkläre gerne Spielregeln. Zum Hobby Spielen gehört für mich die Regellektüre dazu - am besten vor dem eigentlichen Spieletermin, also allein ohne die Mitspieler. Wenn ich dann ein Spiel erkläre, lege ich viel Wert darauf, während des Spiels nochmal Details aufzugreifen, an die evt. jemand nicht mehr gedacht hat.

Wenn ich die Spielregel lese, verschaffe ich mir zunächst einen Überblick über das Material und dessen Benennung. Damit lerne ich das "Vokabular", um die Spielregel zu verstehen. Dann lese ich den Ablauf von vorne bis hinten durch. Hierbei finde ich es gut, wenn die Erklärung auf gleichbleibendem Detailgrad bleibt. Ich kann für mich selbst ja das Tempo bestimmen, in dem ich all die wichtigen Details aufnehme. Häufig (je nach Komplexität des Spiels) lese ich die Regel nach dem Verständnis des grundlegenden Mechanismus, gleich ein zweites Mal durch, damit sich die Details festigen. Im Kopf läuft das wie ein Puzzle ab: Ich lese so lange, bis ich das Gefühl habe, ein rundes Ganzes zu haben.

Genau diese Vorgehensweise kann aber nicht greifen, wenn mir jemand die Spielregel vorliest, weil dieser typischerweise ein anderes Tempo vorlegt als ich bräuchte. Das führt zwangsläufig dazu, dass ich mehrfach nachfragen muss - genau so geht es meinen Mitspielern.

Wenn der Vorleser die Regel überdies nicht verinnerlicht hat, fällt es ihm schwer, diese Fragen zu beantworten - er weiss ja im schlimmsten Fall (= liest die Regel beim Vorlesen selbst das erste Mal) nicht, an welcher Stelle diese Information steht. Er kann auch nicht beurteilen, ob die Beantwortung der Frage an dieser Stelle wichtig ist, oder ob sie sich von selbst im weiteren Erklärungsverlauf ergibt.

Man muss also beim Vorlesen denselben hohen Grad an Aufmerksamkeit während der ganzen Zeit halten - und sich zudem vom Verständnis her an das Tempo des Vorlesenden anpassen. Das kann ziemlich anstrengend sein.

Aus diesem Grund wird niemand von uns eine Regel vorgelesen bekommen. Wenn die Situation da ist, dass ein Spiel auf den Tisch kommt ohne die Möglichkeit, die Regel in Ruhe vorher zu lesen, wird sich einer von uns die Zeit des Regellesens einfach nehmen, die Regel komplett durchlesen und erst dann anfangen zu erklären. Typischer Anwendungsfall: Spielemesse - dieses Verfahren ziehen wir auch gegenüber einer Erklärung durch einen Standmitarbeiter vor, den wir nicht kennen und der nicht der Autor ist.

Nun zum Regelerklären: Für mich ist das wichtigste überhaupt, zuerst in groben Zügen zu erklären, worum es geht und wie man das Spiel gewinnt. Meist geht das nach dem Schema "wir spielen in [Setting], und versuchen in [x Runden, oder bis das und das eintritt, oder wie immer man die Spielende-Bedingung knackig erklären kann] [die meisten Siegpunkte, oder was auch immer] zu erreichen". Auch die Information, ob das Spiel rundenbasiert, durch reihum stattfindende Züge, durch irgendwie festgelegte Reihenfolge, oder wie auch immer, abläuft, ist sehr wichtig (ebenfalls wieviele Runden etc.) und steht daher bei mir am Anfang der Erklärung. Bevor es ins Detail geht, sollten auch die Hauptmechanismen erwähnt werden - geht es um Versteigerungen? Oder um Aktionspunkte? Oder um das Sammeln von Karten? ...

Erst wenn diese grundsätzlichen Informationen da sind, beginne ich ins Detail zu gehen. Nun werden die einzelnen Phasen genauer erläutert. Wenn man vorher die wichtigen Eckpunkte gut herausgestellt hat, kann man sich mit der Erklärung daran orientieren, so dass während des Erklärens erstens immer klar ist, welcher Aspekt nun im Detail erklärt wird, und zweitens abzusehen ist, welche Punkte noch fehlen, die noch im Detail erklärt werden müssen. Mit der Einleitung gibt man also im Idealfall auch einen Leitfaden durch die bevorstehenden Stationen der Details.

Je nachdem, wie gut ich ein Spiel kenne, blättere ich zum Abschluss nochmal die Spielregel durch, um sicherzustellen, dass ich kein wichtiges Detail vergessen habe.

Wenn ich ein Spiel gut kenne und weiss, dass bestimmte Informationen erst später benötigt werden, lagere ich sie durchaus auch aus. Beispiel: Wie genau das Auswürfeln des Königs bei Um Krone und Kragen funktioniert, ist wirklich erst am Ende wichtig - bis dahin reicht die Information, dass es das Ziel ist, 7 gleiche Zahlen zu würfeln, wozu man am besten genügend oft auf Persönlichkeiten würfeln sollte, die einem mehr Würfel geben. Wenn dann das Spielprinzip verstanden wurde und der Spielfluss rund läuft, kann man allmählich die Zusatzinformationen geben - am besten also, wenn allmählich der eine oder andere Spieler 5 bis 6 Würfel hat. Natürlich hat man vorher darauf hingewiesen, dass später noch Infos kommen, und dass das "Ziel: Möglichst viele Würfel ergattern" bis dahin als Info ausreicht.

Ich kann natürlich nicht beurteilen, ob meine Mitspieler mit meiner Erklärmethode wirklich zufrieden sind - das Ganze klappt mal mehr, mal weniger gut und hängt auch von meiner Spielerfahrung mit dem zu erklärenden Spiel ab.

Soviel als kleiner "Essay" ;) von mir - danke an diejenigen, die ihn bis zum Schluss durchgelesen haben :)
Alles Gute und ein schönes und verspieltes Wochenende wünscht
Kathrin.

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Marten Holst
Kennerspieler
Beiträge: 1787

RE: [Achtung: Lang!] Regel vorlesen <-> Regelerklären

Beitragvon Marten Holst » 25. März 2006, 07:56

Moin Kathrin,

ich denke mal wieder, wat dem ihn sin Uhl, is dem annern sin Nachtigall. Genau das Szenario "neues Spiel, keiner kennt die Regeln" mag ich nur und nahezu ausschließlich durch Vorlesen lösen. Meine Erfahrungen mit Eurer Methode (einer liest in Ruhe die Regeln, die anderen snacken derweil ein bisschen auf dem Balkon) sind mit einem Wort grauenhaft. Ich kann häufig mit der Struktur nichts anfangen, die derjenige sich zurecht gelegt hat, es passieren erheblich mehr Spielfehler als beim Vorlesen und gemeinsam Erarbeiten (bei dem bei uns immer alle dann auch Aufpassen, Fragen im Hinterkopf behalten etc.) und die "Zwangskonzentration" scheint mir auch bei geschriebenen Regeln besser zu funktionieren, wenn sie verlesen als wenn sie unsicher und immer-mal-wieder nachschlagend erklärt werden.

Das ist nun meine Runde, und ich denke, hier ist jede anders. Und wenn ich nun bedenke, wie dogmatisch einige (nein, ich meine jetzt nicht Dich, Kathrin) ihre Methode als einzig wahre ansehen, dann wird mir schaudern - man sollte doch irgendwie auf die individuelle Runde eingehen, so zumindest meine Meinung.

Tschüß
Marten

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peer

Re: undankbarer Job - Spielregel erklären

Beitragvon peer » 25. März 2006, 11:10

Hi,
Wolfram Püchert alias WeePee schrieb:
> Das sehe ich anders ..... meist nervt mich - wenn ich beim
> Regelerklären zuhöre - die besserwisserische Art der
> Regelerklärer, die meinen, sie wüssten besser eine Regel zu
> erklären als die gedruckte Form der Regel.

Auch auf die Gefahr hin dein Weltbild zu zerstören: :-)
Die didaktik eines Buches muss eine andere sein, als die Didaktik eines Vortrages. Das hat was mit den verschiedenen Eingangskanälen zu tun, sowie den Möglichkeiten (Text kann bebildert sein und nicht verstandenes kann einfacher 2x gelesen werden, dafür ist ein Vortrag interaktiver, etwas kann demonstriert werden etc.). Insofern kann eine andere Vorgehensweise das Verständnis durchaus verbessern - selbst wenn die Regel optimal geschrieben ist.
Nur weil eine Sache auf ihrem Gebiet (Regel im Textformat) gut ist, heisst das noch lange nicht, dass sie überall 1:1 übernommen werden kann. (Hier ein hinkender Vergleich: Der beste Rennwagen der Welt ist kein gutes Familienauto und es niemand käme auf die Idee es als soclhes einzusetzen, weil "die Konstrukteure bei Ferrari (oder wo auchimmer, bin kein Formel-1-Fan) ja genau wissen was sie da tun")

Davon ab: Natürlich kann es schlechte Erklärer geben! Das sind schon zwei unterschiedliche Dinge.

ciao
peer

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Gerhard Passler
Kennerspieler
Beiträge: 554

Re: Regel vorlesen <-> Regelerklären

Beitragvon Gerhard Passler » 25. März 2006, 11:42

Hallo Kathrin!

> Soviel als kleiner "Essay" ;) von mir - danke an diejenigen,
> die ihn bis zum Schluss durchgelesen haben :)

Natürlich habe ich Dein Posting bis zum Ende durchgelesen :smile: ... und kann Deinem Beitrag nur voll zustimmen. Auch ich mache das immer so und bilde mir ein, dass das die idealen Erklärmethoden sind.
Ausnahme: Einer (meistens ich :smile: ) erarbeitet sich die Regeln immer schon vor dem eigentlichen Spieltermin und nicht erst, wenn schon alle auf das Spiel warten.
Zusatz: Nach dem ersten Spiel lese ich die Regeln grundsätzlich noch einmal schnell durch. Es ist schon des öfteren vorgekommen, besonders bei komplexeren Spielen, dass wir beim ersten Spiel ein paar kleine Details übersehen haben.

Verspielte Grüße an die Vorzeige-Erklärerin :razz:

Gerhard


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