Beitragvon torben » 2. Februar 2007, 10:30
Hi.
Also, mein Standardeinführungsspiel ist Puerto Rico. Anfangs dachte ich, das Spiel wäre ein bisschen zu heftig zum Einstieg. Aber interessanterweise ist dem überhaupt nicht so. Ich habe das Spiel mit Leuten gespielt, deren letztes Brettspiel vor 20 Jahren stattgefunden hat, und es war überhaupt kein Problem. In einer Runde letzten Sommer habe ich das Spiel sogar mit 3 Nichtspieler-Bekannten gespielt, nachdem wir schon eine Kiste Astra geleert hatten.
Ich hab die Erfahrung gemacht, dass PR aus folgenden Gründen hervorragend als Einsteigerspiel geeignet ist (aber nur dann, wenn man jemanden dabei hat, der das Spiel kennt und erklären kann!):
- Der Spielablauf ist sehr einfach: Rolle auswählen und Aktion durchführen
- Das Spiel dreht sich anfangs weniger ums Gewinnen, weil man den Fortschritt der Mitspieler ohnehin als Anfänger schlecht einschätzen kann. Sondern es geht vielmehr darum, etwas aufzubauen. Das scheint mir ein Grundbedürfnis zu sein, welches attraktiver ist als zu gewinnen.
- Man kann das Spiel beim Spielen entdecken. Ich erinnere mich an meine ersten PR-Spiele, bei denen ich halt einfach mal eine Rolle gewählt hab, um sie auszuprobieren. Und das Entdecken macht vielen Leuten Spass. Zumal die zur Verfügung stehenden Aktionen ja recht intuitiv wählbar sind: "Ich hab nun viele Plantagen, da soll doch mal was angebaut werden..."
- Man kann bei PR so viel oder so wenig Hirnschmalz reinstecken wie man möchte. Ich glaube, das ist einer der Hauptgründe für den Erfolg von PR: Wer Lust hat, alles mögliche durchzurechnen, den Fortschritt der Mitspieler zu bewerten und Überlegung darüber anzustellen, wer wann welche Rolle wählt, kann das tun. Wer aber lieber einfach aus dem Bauch heraus eine Rolle wählen möchte, die ihm zusagt, kann das ebenfalls tun. Das macht das Spiel für verschiedene Spielertypen gleichzeitig interessant.
- Viele Nichtspieler haben meiner Meinung nach eine Abneigung gegen Spiele, weil sie das Gefühl haben, sie würden damit Kinderkram betreiben oder auch unterfordert sein. Bei PR kann man ohne viel komplizierten Schnickschnack erleben, dass Spielen mehr sein kann als Malefiz. Ich finde, "Vielspieler" sollten "Nicht- und Wenigspieler" nicht unterschätzen oder gar für dumm verkaufen.
PR funktioniert auf jeden Fall prächtig als Einsteigerspiel, soweit der Erklärer das Spiel gut kennt.
Torben