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Einfache Spiele haben sich durchgesetzt!?

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Michael Weber

Einfache Spiele haben sich durchgesetzt!?

Beitragvon Michael Weber » 20. Mai 2003, 08:09

Zitat Jury Spiel des Jahres:
"Spiele mit einfachem Einstieg und klaren Strukturen haben sich durchgesetzt"

Na, ob hier zuerst die Henne oder das Ei war?

Aber grundsätzlich ist es natürlich schon zu begrüßen ...

Michael
(lässt sich auch von 20 Seiten Aleitung abschrecken)

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Matthias Staber

Re: Einfache Spiele haben sich durchgesetzt!?

Beitragvon Matthias Staber » 21. Mai 2003, 10:09

Michael Weber schrieb:
>
> Zitat Jury Spiel des Jahres:
> "Spiele mit einfachem Einstieg und klaren Strukturen haben
> sich durchgesetzt"
>
> Na, ob hier zuerst die Henne oder das Ei war?
>
> Aber grundsätzlich ist es natürlich schon zu begrüßen ...
>
> Michael
> (lässt sich auch von 20 Seiten Aleitung abschrecken)

Was ist zu begrüßen? Dass einem seit ein paar Jahren seitens der Jury hysterisch dieser widerliche Hass-Satz um die Ohren gebretzelt wird? Und seither die meisten Spiele-Diskussionen sich besinnungslos taumelnd um das Mantra "hm, dieses oder jenes Spiel ist ja schon irgendwie toll, ob es aber auch für Wenigspieler..., und nicht zu komplex oder so..." drehen?

Ich kenne kein anderes Hobby, wo seitens Fachjournalisten, aus denen die SDJ-Jury ja wohl besteht, ständig den leidenschaftlichsten Liebhabern genau dieses Hobbys gegen das Schienbein geholzt wird - das ekelhafte Wort "Vielspieler" scheint sich ja mittlerweile zum veritablen Schimpfwort gemausert zu haben (was immer "Vielspieler" eigentlich auszeichnen soll - ausgezeichnete Spiele wie "Puerto Rico" laden jeden zum Zocken ein).

Die Traumvorstellung der SDJ-Jury scheint es ja zu sein, dass die Verlage endlich an den Kundenwünschen dieser lästigen Vielspieler-Freaks vorbeiproduzieren sollen, die ja ohnehin nur die traute Familienspiel-Idylle stören. So eine Stoßrichtung müsste man sich mal in einer Computerspielzeitschrift vorstellen (oder in einer Rezension über klassische Musik - à la "was für einen überambitionierten Mist spielen die Philharmoniker hier denn wieder- will das der Wenighörer überhaupt hören?" oder in einer Buchkritik - "Der neue Botho Strauß: Für Wenigleser ungeeignet, dieser verblasene Quatsch, greifen Sie lieber zum neuen Effenberg - denn Bücher mit einfachem Einstieg und klaren Strukturen haben sich durchgesetzt!")

Völlig undenkbar: Irgendwie scheinen in allen anderen Genres die Meinungen der Hobbyisten ("Liebhaber", "Kenner" usw., je nachdem, ob es sich um Popmusik, Kunst, Kochen, Literatur, Architektur usw. handelt) ernst genomen zu werden. Nur beim Hobby Brettspiel scheinen sie so eine Art Aussätzigenstatus innezuhaben.

Matthias

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Jürgen Karla
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Beiträge: 725
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Re: Einfache Spiele haben sich durchgesetzt!?

Beitragvon Jürgen Karla » 21. Mai 2003, 10:40

Hallo Matthias,

es war eine Wonne Deinen Beitrag zu lesen!

Viele Grüße
Jürgen Karla
http://www.spielbar.com und vieles mehr...

:at: Wer weiß heute schon noch, dass KMWs Spielplatz seinerzeit für das Ende von de.rec.spiele.brett+karten (hierarchisch) verantwortlich war... :at:

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Marten Holst

RE: Einfache Spiele haben sich durchgesetzt!?

Beitragvon Marten Holst » 21. Mai 2003, 11:19

Moin Matthias,

nun ja, ich denke, es gibt zwei Arten, wie ein Preis vergeben werden kann:

- tendenziell eher an populäres (siehe Oscar, SdJ). Bin ich nicht damit einverstanden, dann kann ich immer sagen, die meinen nur dem Volk nach dem Maul reden zu müssen, dabei würde das auch gerne mal anspruchsvolles sehen, es ist ja gar nicht wahr, dass alle so doof sind, u.s.w.

- tendenziell eher an anspruchsvolles (Siehe Anneliese-Kleinschmidt-Literaturpreis Bad Salzuflen). Wird in der Fachpresse zur Kenntnis genommen, interessiert aber sonst mit Verlaub keine Sau.

Wie man's macht, ist es verkehrt...

Denkt der Marten

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peer

Re: Einfache Spiele haben sich durchgesetzt!?

Beitragvon peer » 21. Mai 2003, 11:40

Hi,
die Jury sieht ihren Preis als Einstiegspreis in die Spieleszene, NICHT als Preis für die Spieleszene. Es wird immer komplexere Spiele geben und die Verteilung wird natürlich von Jahr zu Jahr unterschiedlich ausfallen.
Wenn du ein Spiel empfehlen müsstest, dass für die normale Durchschnittsfamilie spielbar ist und Spass machst - und das sie sich alleine beibringen muss - würdest du wohl kaum ein kompliziertes Spiel vorschlagen, oder?
Leider ist es nun mal so, dass sich kompliziertere Spiele tatsächlich nicht durchsetzen (siehe z.B. Torres). Die "Vielspieler"-Spiele Medina, Tadsch Mahal, Java, Müll & Money usw. werden nach kaum 2 Jahren verramscht und daran ist schwerlich die Jury schuld. Währenddessen verkauft sich Carci wie Wucht in Tüten.
Wie Marten schon treffend sagte: Man hätte auch einen Friedhelm-Merz-Gedächnispreis ausgeben können, für die spielerische Güte eines intellektuell herausfordernen Spieles, aber ob das die selbe Verbreitung hätte...
Nur kann man leider der Mehrheit der Spieler schlecht die Schuld geben, dass sie lieber einfacheres mögen, also ist die Jzry schuld. Und insofern erfüllt sie irgendwie schon ihren Zweck in der Szene :-)

ciao
Peer

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Michael Weber

Re: Einfache Spiele haben sich durchgesetzt!?

Beitragvon Michael Weber » 21. Mai 2003, 18:12

Matthias Staber schrieb:
>
> Michael Weber schrieb:
> >
> > Zitat Jury Spiel des Jahres:
> > "Spiele mit einfachem Einstieg und klaren Strukturen haben
> > sich durchgesetzt"
> >
> > Na, ob hier zuerst die Henne oder das Ei war?
> >
> > Aber grundsätzlich ist es natürlich schon zu begrüßen ...
> >
> > Michael
> > (lässt sich auch von 20 Seiten Aleitung abschrecken)

> Was ist zu begrüßen? Dass einem seit ein paar Jahren seitens
> der Jury hysterisch dieser widerliche Hass-Satz um die Ohren
> gebretzelt wird? Und seither die meisten Spiele-Diskussionen
> sich besinnungslos taumelnd um das Mantra "hm, dieses oder
> jenes Spiel ist ja schon irgendwie toll, ob es aber auch für
> Wenigspieler..., und nicht zu komplex oder so..." drehen?


Nein, es ist zu begrüßen, dass der Einstieg in ein Spiel leicht fällt. Das hängt unter anderem mit guten Anleitungen zusammen, die auch Dank der Jury seit Jahren besser geworden sind. Und klare Strukturen haben nichts mit einfachen Spielen zu tun! Puerto Rico hat meiner Meinung nach zum Beispiel ganz klare Strukturen.

> Die Traumvorstellung der SDJ-Jury scheint es ja zu sein, dass
> die Verlage endlich an den Kundenwünschen dieser lästigen
> Vielspieler-Freaks vorbeiproduzieren sollen, die ja ohnehin
> nur die traute Familienspiel-Idylle stören.

Ja, aber: Du hast mein Postng falsch verstanden, oder?
Die Jury begrüßt ja gerade, dass die Verlage sich nach ihr richten!
Deshalb auch meine Frage nach dem Ei.


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