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"Euphrat & Tigris" - das beste Brettspiel aller Zeiten

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Jan Mirko Lüder

"Euphrat & Tigris" - das beste Brettspiel aller Zeiten

Beitragvon Jan Mirko Lüder » 29. Mai 2006, 14:51

Hallo ihr Spielwütigen,

anlässlich des Frauen/Männer Threads (weiter unten) und meiner vergangenen zwei Spielenächte möchte ich, bevor ich das Forum verlasse, noch folgende Position zur Diskussion freigeben:

In den Nächten von Samstag zu Sonntag zu Montag haben wir mal wieder lang und viel gespielt. Ich habe alle nominierten Spiele mitgebracht ("Seeräuber" und "Aqua Romana" wollte aber niemand spielen), natürlich(!) einschließlich "Packeis am Pol" sowie "Euphrat & Tigris". Dabei kam es zu gemischten Runden, die die im genannten Thread aufgeführten Beobachtungen mal wieder zementieren:

"Packeis", "Just 4 Fun" und "Thurn & Taxis" spielten immer auch weibliche Spielerinnen mit, "Blue Moon City" und "Euphrat & Tigris" waren ausschließlich männlich besetzt. Typisch, oder (nicht)?

"Euphrat & Tigris" halte ich übrigens für ein ausgemachtes Männerspiel. Es ist hyperkomplex, sehr strategisch, sehr destruktiv und lebt von einer Athmosphäre der Angst, Niedertracht und Indoktrination. Ich als "Mann" finde das natürlich toll!!! :-D
Ich [b]liebe[/b] dieses Spiel einfach ob des extrem eleganten Gamedesigns und der Vielzahl an relevanten Möglichkeiten bei gleichzeitig nervenzerfetzender Athmosphäre.

Die enorme Varianz des Spiels ist einzigartig: In der ersten Partie gewann ich sehr früh durch das Heben des letzten notwendigen Schatzes mit nur 7-7-6-6 Punkten. In der zweiten verlor ich dann haushoch, weil ich Landwirtschaft nie entwickeln konnte, da ich in der gesamten Partie insgesamt nur vier blaue Plättchen (trotz Tauschen) nachgezogen hatte. :-( Es gewannen zwei Spieler gemeinsam, die beide 12-11-11-11 Punkte gesammelt hatten. In der dritten Partie konnte ich dann wieder haushoch gewinnen, weil ich mit einer neuen, "antizyklischen" Strategie offenbar nicht durchschaubar spielen konnte mit sagenhaften 25-25-23-22 Punkten. Man, war das geil!!!

Nun noch meine sicherlich kontrovers zu diskutierende Meinung:
Einem "Euphrat & Tigris" können weder ein "Caylus, ein "Puerto Rico" oder ein "Antike" das Wasser reichen. Im Gegensatz zu den erstgenannten werden eingefahrene Siegstrategien von guten Mitspielern gnadenlos abgestraft!

Provokante Grüße,
ludosophicus alias Mirko

http://www.boardgamegeek.com/user/ludosophicus

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Hendrik

Re: "Euphrat & Tigris" - das beste Brettspiel aller Zeiten

Beitragvon Hendrik » 29. Mai 2006, 15:32

Hallo Mirko,

ich will Dir gar nicht widersprechen, dass "Euphrat & Tigris" ein gutes Spiel ist, auch wenn ich persönlich nicht so euphorisch darauf reagiere wie Du.
Widersprechen muss ich nur bei der Bezeichnung "hyperkomplex". So schwierig ist dieses Spiel nun auch nicht zu erlernen. Als hyperkomplex würde ich allenfalls ASL (Advanced Squad Leader) oder so bezeichnen.

In Deinem Schlusssatz ist Dir leider noch ein Logikdreher passiert. Du wolltest sicher folgendes ausdrücken:
"Beim erstgenannten (E&T) werden eingefahrene Siegstrategien von guten Mitspielern gnadenlos abgestraft!"

Grundsätzlich gilt diese Aussage aber für jedes Spiel, dass Du mit erfahrenen und aufmerksamen Mitspielern spielst.

Aufmerksame Grüße
Hendrik

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Christian Daus
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Beiträge: 116

Re: "Euphrat & Tigris" - das beste Brettspiel aller Zeiten

Beitragvon Christian Daus » 29. Mai 2006, 15:51

Hendrik schrieb:
>
> Hallo Mirko,
> In Deinem Schlusssatz ist Dir leider noch ein Logikdreher
> passiert. Du wolltest sicher folgendes ausdrücken:
> "Beim erstgenannten (E&T) werden eingefahrene Siegstrategien
> von guten Mitspielern gnadenlos abgestraft!"
> Hendrik

Hallo,
ich hatte Mirko so verstanden, dass bei den anderen Spielen die Siegstrategien abgestraft werden, bei E+T nicht. Deshalb findet er es so gut.
Vielleicht kann Mirko das ja aufklären.
Gruß Christian (E+T habe ich schon ewig nicht mehr gespielt)

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Tim-spielbox

Re: "Euphrat & Tigris" - das beste Brettspiel aller Zeiten

Beitragvon Tim-spielbox » 29. Mai 2006, 15:57

> "Euphrat & Tigris" halte ich übrigens für ein ausgemachtes
> Männerspiel. Es ist hyperkomplex, sehr strategisch, sehr
> destruktiv und lebt von einer Athmosphäre der Angst,
> Niedertracht und Indoktrination.

E&T ist sicher ein hervorragendes Spiel, aber "hyperkomplex" ist es nun wirklich nicht. Ich stelle bei modernen Strategiespiele ganz gern Vergleiche mit Go an, und in dieser Hinsicht ist E&T geradezu ein lockeres Spiel fürs Kaffeekränzchen. ;)


Tim

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Tyrfing

Go ist sehr komplex und andersrum wieder nicht

Beitragvon Tyrfing » 29. Mai 2006, 16:31

Nun, das kann man so oder so sehen. Go hat wirklich triviale Zugregeln. Ich denke, du kannst auf einer halben Seite Papier sämtliche Regeln aufschreiben.
Das nennst du komplex? Das ist ein Witz!

Andererseits sind das nur die Regeln die du fürs Spielen brauchst. Du solltest nebenbei noch gewisse Muster kennen, Eröffnungen (mir fällt der korrektere Japanische Begriff gerade nicht ein) usw.
Mit diesen "Regeln" zusammen, hast du sicherlich ein sehr kompliziertes Spiel!

War das nicht immer so bei guten Spielen?
"Einfach zu lernen, schwierig zu meistern." obwohl ich eigentlich auch mit etwas schwerer erlernbaren Spielen kein Problem habe.

>Einem "Euphrat & Tigris" können weder ein "Caylus, ein "Puerto Rico" oder ein >"Antike" das Wasser reichen. Im Gegensatz zu den erstgenannten werden >eingefahrene Siegstrategien von guten Mitspielern gnadenlos abgestraft!
Nun habe ich schon 2 Interpretationen gehört, meine eigene war indes noch nicht dabei:

Ich verstehe ihn so, dass er sagen will dass es bei vielen Spielen "Siegstrategien" gibt, die eben immer "gut" funktionieren. Klar können die Mitspieler darauf Einfluß nehmen, aber im groben sind das immer gute Ideen.
Diese soll es in E&T (ich kenne das Spiel wohlgesagt nicht) eben nicht geben. Es sei da wesentlich flexibler und wenn jemand immer mit derselben Strategie an das Spiel geht, wird er in Schimpf und Schande untergehen ;)

Als Beispiel: Schach
Man legt sich beim Schach typischerweise auf eine Eröffnung fest und spielt diese dann recht gut. Ich habe immer Spanisch eröffnet und bin damit immer gut gefahren. Auch wenn meine Gegenspieler wussten, ich eröffne spanisch, hat ihnen das nicht so sehr geholfen.

Sofern ich ihn richtig verstanden habe, wäre es bei E&T keine gute Idee wenn mein Mitspieler damit rechnet, so anzufangen wie er es eben erwartet (und sich drauf eingestellt hat).

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Tim-spielbox

Re: Go ist sehr komplex und andersrum wieder nicht

Beitragvon Tim-spielbox » 29. Mai 2006, 16:35

> Nun, das kann man so oder so sehen. Go hat wirklich triviale
> Zugregeln. Ich denke, du kannst auf einer halben Seite Papier
> sämtliche Regeln aufschreiben.
> Das nennst du komplex? Das ist ein Witz!

Daß es eine Unterscheidung zwischen "komplex" und "kompliziert" gibt, hatten wir hier schon mehrfach und müssen wir daher sicher nicht mehr diskutieren. Go ist außerordentlich komplex, aber einfach zu erlernen. Noch krasser finde ich diesen Gegensatz übrigens bei Hex!


Tim

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Droegi
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"Euphrat & Tigris" - in meinen Augen: ...

Beitragvon Droegi » 29. Mai 2006, 17:25

In meinen Augen ist E&T ein Taktik-Spiel, welches nicht sehr viele strategische Elemente besitzt, da man auf das glückliche Händchen beim Nachziehen angewiesen ist (hat schon fast etwas von Siedler, wenn die eigenen Zahlen nicht kommen wollen).

Und da man nie weiß, was die Gegner auf der Hand halten, ist es in meinen Augen auch ein recht großes Glückspiel. Da hat Siedler die wesentlich bessere Atmosphäre.

Man mag mir widersprechen, aber ich bin der Meinung, daß man nicht vom Strategiespiel sprechen kann, wenn man beim nächsten Zug schon garnicht mehr wissen kann, ob die eigene Strategie weiterführbar ist.

Außerdem dauert mir E&T für den doch sehr begrenzten Spielspaß einfach zu lange. Und ich kenne nunmal sehr sehr viele Spieler, von denen keiner in den letzten 5 Jahren E&T zum Spielen vorgeschlagen hat. (vor 2 Jahren wollte ich den Hype noch einmal überprüfen und habe mich zu einer Stunde nervende Langeweile gezwungen). Also muß es meinem Bekanntenkreis vielleicht ähnlich gehen ?

Ich will es jetzt nicht zu schlecht reden. Ich mag Mehrheitenspiele im allgemeinen nicht. Aber es gibt auch die Spieler, die diese Spiele vergöttern. Und davon gibt es wohl nicht wenige. Und für die scheint das Spiel genau ihren Geschmack zu treffen. Jedem eben das seine.

Schöne Grüße
Droegi

btw: wirklich schönes Material - leider gibt es heute wieder mehr Plastikspiele.

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Attila
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Beiträge: 4715

Re: "Euphrat & Tigris" - in meinen Augen: ...

Beitragvon Attila » 29. Mai 2006, 17:33

Hiho,

Ich finde E&T eigentlich ganz gut gelungen - muss dir im grossen und ganzen aber zustimmen - von "Strategiespiel" kann eigentlich weniger die Rede sein.

Mir macht es aber Spass.

Atti

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Richard van Vugt | GAMEPACK.nl
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Re: "Euphrat & Tigris" - in meinen Augen: ...

Beitragvon Richard van Vugt | GAMEPACK.nl » 29. Mai 2006, 17:51

Als wir 'Euphrat & Tigris' 'damals', als es neu auf dem Markt kam, zum ersten mal gespielt haben, waren wir (eine Gruppe von 4 Spielern) begeistert, und so, daß wir es am selben Abend zum zweiten, und danach nochmals, zum dritten mal, gespielt haben. Das hat danach kein anderes Spiel in unsere Spielergruppe bewerkstelligt.

...und es dauert zu lang? Ist eine Stunde zu lang? Lang, das würde ich eher von Caylus, Das Zepter von Zavandor (Verzeihung, nicht persönlich gemeint) und Siena sagen...! Da gibt es m.E. eher harte Arbeit, und wenig Spielvergnügen. Aber da stehe ich, glaube ich, allein was dieser Ansicht betrifft, nach was ich letzterzeit so alles um Caylus gelesen habe, hier ins Forum und auf BGG.

'Euphrat & Tigris' gehört in unsere Gruppe zu den immer gerne gespielten Spiele, und jedes mal haben wir viel Spaß daran. Und ein Quäntchen Glück hat doch jedes Spiel; das macht doch Spaß, oder?

Mit freundlichen Grüßen,
Richard van Vugt

www.gamepack.nl

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Droegi
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Beiträge: 515

Re: "Euphrat & Tigris" - in meinen Augen: ...

Beitragvon Droegi » 29. Mai 2006, 18:47

Hi Richard,

kein Problem wg. dem Zepter. "Lang" ist ja auch immer ein subjektives Empfinden und von mir vielleicht auch nicht richtig gewählt. Einige Spiele kommen ein lang vor, wenn sie gerade mal eine halbe Stunde dauern. Bei anderen sagt man nach 4 Stunden, daß war jetzt aber knackig durchgespielt.
Ich denke, wenn die Leute von langer und kurzer Spieldauer sprechen, meinen sie eher, daß das Spiel für sie lang- bzw. kurzweilig war.

Schöne Grüße
Jens

PS: in Sachen Caylus stehst Du nicht alleine da.

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Jan Mirko Lüder

Euphrat & Tigris's Komplexität versus Go

Beitragvon Jan Mirko Lüder » 30. Mai 2006, 08:56

Hallo Tim,

ja, du hast Recht, eines der komplexesten Brettspiele, die es überhaupt jemals gegeben hat, ist Go. Das finde ich auch ganz hervorragend, für mich hat es nur einen entscheidenden Fehler: Es macht mir nicht sonderlich viel Spaß. Höchstens vielleicht, wenn ich nach einer sehr spannenden Partie doch mit den letzten Zügen das Spiel für mich entscheiden konnte. Dummerweise fehlen mir aber für solche Triumpferlebnisse ganz einfach die Mitspieler, die Go freiwillig mit mir spielen würden. ;-)

Was die außerordentliche Komplexität von "Euphrat & Tigris" anbelangt, so möchte ich dir im Vergleich zu dem von dir genannten Spiel einige Faktoren benennen, die du für eine erfolgreiche Spielweise [b]zwingend[/b] berechnen musst:

[*] Da es eine ganze Reihe Plättchen im Spiel gibt, sollte man immer die gespielten Plättchen beobachten, um zumindest regelmäßig treffende Spekulationen über die Verteilung der im Spiel verbliebenen Plättchen anstellen zu können. Außerdem musst du im Auge behalten, mit welcher Wahrscheinlichkeit du selbst noch welche Plättchen erhältst.

[*] Bei Euphrat & Tigris gibt es gleich mehrere Mitspieler, die du gut einschätzen musst: Wann haben sie Angst vor dir? Wann kannst du ihnen die notwendige Prise Selbstüberschätzung "einverleiben" und so zum ultimativen Angriff antreiben? Welches ist die Spielphilosophie deiner Mitspieler? Ist es opportun, sich dieser zu beugen, oder erfolgversprechender, ihnen deine eigene aufzuzwingen?

[*] Mauerst du kompakt und spielst defensiv, was dein Spiel verlangsamt? Oder bist du offensiv und verbreitest mit wenigen Feldzügen Angst und Schrecken, die dich vor fatalen Kriegen bewahren könnten?

[*] Spekulierst du auf Bürgerkriege (innere konflikte) und hortest du rote Plättchen oder spielst du lieber mit ausgewogener Farbverteilung?

[*] Spielst du auf Schätze? (Diese Frage ist natürlich bereits beantwortet, da meist Schätze über Sieg und Niederlage entscheiden. ;-) ) Baust du trotzdem kompakt oder spekulierst du darauf, dass deine Mitspieler früh Katastrophen verschwenden und du später machtlose Feinde haben könntest?

[*] Wie verhältst du dich zu Monumenten? Selber bauen? Schmarotzen? Bei anderen vor einem Angriff bauen?

[*] (...)

Diese Liste könnte ich so noch eine Weile fortfahren, aber das möchte ich allen Mitlesenden ersparen. :-)) Der gewonnene logische Schluss aus einer gelungenen Kalkulation mit den genannten Faktoren ergibt: Ich muss meine Mitspieler gut einschätzen können, denn das ist für meinen Sieg unvermeidlich. Ich muss aber gleichzeitig auch verhindern, dass diese mich einschätzen können. Damit bleibt für mich nur die Möglichkeit, meine Strategien flexibel in Abhängigkeit von den Entscheidungen meiner Mitspieler zu entwickeln.

Für meinen Geschmack ist E&T tatsächlich komplexer als Go, weil es eine soziale Dimension in diesem Spiel gibt, die Interaktion auf einer Meta-Ebene bedingt und damit zugleich einen Bezug zur Realität herstellen kann. Diese komplexe Struktur, die meine Erlebniswelt im Moment des Spiels ganz erheblich beeinflusst empfinde ich als so überaus reizvoll und herausfordernd an diesem genialen Meisterwerk. :-)

Spielerische Grüße
ludosophicus aka Mirko

http://www.ludosophicus.de/

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Jan Mirko Lüder

Ach, Quatsch: Euphrat & Tigris' (!) Komplexität (k.T.)

Beitragvon Jan Mirko Lüder » 30. Mai 2006, 08:59

hier steht nichts ([b]k[/b]ein [b]T[/b]ext)

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Jan Mirko Lüder

Re: Go ist sehr komplex und andersrum wieder nicht

Beitragvon Jan Mirko Lüder » 30. Mai 2006, 09:14

Hallo Tyrfing,

> Ich verstehe ihn so, dass er sagen will dass es bei vielen
> Spielen "Siegstrategien" gibt, die eben immer "gut"
> funktionieren. Klar können die Mitspieler darauf Einfluß
> nehmen, aber im groben sind das immer gute Ideen.
> Diese soll es in E&T (ich kenne das Spiel wohlgesagt nicht)
> eben nicht geben. Es sei da wesentlich flexibler und wenn
> jemand immer mit derselben Strategie an das Spiel geht, wird
> er in Schimpf und Schande untergehen ;)

Dankeschön :-), exakt so habe ich das gemeint. Für meine unpräzise (weil fehlerhafte :-( ) Formulierung muss ich mich bei allen entschuldigen, die mich anders verstanden haben.

Natürlich lässt sich diese (oben stehende) Chrakterisierung auch auf Caylus übertragen, doch entwickeln sich mit der Zeit klar strukturierte Prioritäten und es ist z.B. immer klar, dass alle auf's Gold spielen müssen, weil meist die letzten fertiggestellten Prestigegebäude spielentscheidend sind...

> Als Beispiel: Schach
> Man legt sich beim Schach typischerweise auf eine Eröffnung
> fest und spielt diese dann recht gut. Ich habe immer Spanisch
> eröffnet und bin damit immer gut gefahren. Auch wenn meine
> Gegenspieler wussten, ich eröffne spanisch, hat ihnen das
> nicht so sehr geholfen.

Genau [b]das[/b] ist es, was ich an fast allen konventionellen Strategiespielen gelegentlich kritisiere.

> Sofern ich ihn richtig verstanden habe, wäre es bei E&T keine
> gute Idee wenn mein Mitspieler damit rechnet, so anzufangen
> wie er es eben erwartet (und sich drauf eingestellt hat).

Manchmal können schon die ersten Züge entscheidend sein, in der Regel kommt es zu diesen Umstruktierungen aber bereits unwesentlich später.

Spielerische Grüße
Mirko

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Jan Mirko Lüder

Re: "Euphrat & Tigris" - in meinen Augen: ...

Beitragvon Jan Mirko Lüder » 30. Mai 2006, 13:40

Hallo Droegi,

> In meinen Augen ist E&T ein Taktik-Spiel, welches nicht sehr
> viele strategische Elemente besitzt, da man auf das
> glückliche Händchen beim Nachziehen angewiesen ist (hat schon
> fast etwas von Siedler, wenn die eigenen Zahlen nicht kommen
> wollen).

Diese Kritik (E&T sei ein glücksabhängiges Taktikspiel) äußert einer unserer Mitspieler auch regelmäßig und vermutlich ist das auch der Grund, dafür dass er [b]immer[/b] verliert. ;-) :lol:

> Und da man nie weiß, was die Gegner auf der Hand halten, ist
> es in meinen Augen auch ein recht großes Glückspiel. Da hat
> Siedler die wesentlich bessere Atmosphäre.

Falsch: Das Spiel ist mathematisch konstruiert. Du [b]musst[/b] die Wahrscheinlichkeiten [b]berechnen[/b] oder zumindest im Auge behalten.

> Man mag mir widersprechen, aber ich bin der Meinung, daß man
> nicht vom Strategiespiel sprechen kann, wenn man beim
> nächsten Zug schon garnicht mehr wissen kann, ob die eigene
> Strategie weiterführbar ist.

Das ist - Entschuldigung - doch Quatsch: Wenn ich nicht einen Zug voraus planen kann oder meine Strategie mir das nicht ermöglicht, dann [b]ist[/b] es keine "Strategie". Wer die folgenden Züge nicht vorhersehen kann, hat das Spiel noch nicht erfasst oder sollte tatsächlich etwas anderes spielen. ;-)

> Außerdem dauert mir E&T für den doch sehr begrenzten
> Spielspaß einfach zu lange. Und ich kenne nunmal sehr sehr
> viele Spieler, von denen keiner in den letzten 5 Jahren E&T
> zum Spielen vorgeschlagen hat. (vor 2 Jahren wollte ich den
> Hype noch einmal überprüfen und habe mich zu einer Stunde
> nervende Langeweile gezwungen). Also muß es meinem
> Bekanntenkreis vielleicht ähnlich gehen ?

Wir brauchen in einer versierten Runde etwa 50 Minuten, mit Anfängern (die allerdings dann immer verlieren) kann das Spiel schon mal zwei Stunden brauchen.

> Ich will es jetzt nicht zu schlecht reden. Ich mag
> Mehrheitenspiele im allgemeinen nicht. Aber es gibt auch die
> Spieler, die diese Spiele vergöttern. Und davon gibt es wohl
> nicht wenige. Und für die scheint das Spiel genau ihren
> Geschmack zu treffen. Jedem eben das seine.

Euphrat & Tigris ist kein Mehrheitenspiel! Wie kommst du darauf?

> btw: wirklich schönes Material - leider gibt es heute wieder
> mehr Plastikspiele.

Jepp, das stimmt: "Euphrat & Tigris" ist eines der schönsten Spiele, die ich besitze.

Spielerische Grüße
Mirko (der einen Blick auf FAIRspielt empfiehlt) :-)

http://sunsite.informatik.rwth-aachen.de/fairspielt/Spiele/euphratundtigris.php
http://sunsite.informatik.rwth-aachen.de/fairspielt/Spiele/bluemooncity.php

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Volker L.

Re: "E & T" - das ungefähr achtbeste Brettspiel aller Zeiten

Beitragvon Volker L. » 30. Mai 2006, 14:59

na dann will ich mal gegen-provozieren ;-)

Für mich ist Puerto Rico das beste Spiel aller Zeiten, um Haaresbreite
gefolgt von Caylus. Danach kommt ein kleiner Abstand und dahinter
ein Verfolgerfeld von grob geschätzt einem dutzend sehr guter Spiele.

In diesem Verfolgerfeld stecken El Grande, E & T, Ursuppe, Funkenschlag,
Siedler-Städte & Ritter und noch ein paar andere.

Gruß, Volker (der jetzt weder Zeit noch Lust hat, die komplette
Teilnehmerzahl des oder gar die Reihenfolge innerhalb dieses
Verfolgerfeldes auszubaldowern)

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Jan Mirko Lüder

Re: "E & T" - das ungefähr achtbeste Brettspiel aller Zeiten

Beitragvon Jan Mirko Lüder » 30. Mai 2006, 18:37

Hallo Volker,

ich stimme dir bei allen Spielen zu, nur natürlich nicht in dieser Reihenfolge. :-)
Eine gewichtete Auflistung der genannten Spiele findest du, wenn du folgendem Link folgst und im oberen Achtel der Liste bleibst: http://tinyurl.com/lll8f

Klar, was man nun als "das beste aller Zeiten" betrachtet, ist natürlich subjektiv: für mich ist es eben "Euphrat & Tigris". ;-)

Spielerische Grüße
Mirko

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Volker L.

Re: "E & T" - das ungefähr achtbeste Brettspiel aller Zeiten

Beitragvon Volker L. » 30. Mai 2006, 20:08

Jan Mirko Lüder schrieb:
>
> Hallo Volker,
>
> ich stimme dir bei allen Spielen zu, nur natürlich nicht in
> dieser Reihenfolge. :-)

Schade - ich hatte gehofft, etwas provozieren zu können :-))

> Eine gewichtete Auflistung der genannten Spiele findest du,
> wenn du folgendem Link folgst und im oberen Achtel der Liste
> bleibst: http://tinyurl.com/lll8f

Um was genau handelt es sich bei dieser Liste?
Deine persönlichen Favoriten oder eine Mehrheitsmeinung?

> Klar, was man nun als "das beste aller Zeiten" betrachtet,
> ist natürlich subjektiv: für mich ist es eben "Euphrat &
> Tigris". ;-)
>
> Spielerische Grüße
> Mirko

Gruß aus Lankwitz nach Steglitz,
Volker

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Tim-spielbox

Re: Euphrat & Tigris's Komplexität versus Go

Beitragvon Tim-spielbox » 30. Mai 2006, 21:35

> ja, du hast Recht, eines der komplexesten Brettspiele, die es
> überhaupt jemals gegeben hat, ist Go. Das finde ich auch ganz
> hervorragend, für mich hat es nur einen entscheidenden
> Fehler: Es macht mir nicht sonderlich viel Spaß.

Ui ... Das ist ja schon fast Häresie! ;)

> Dummerweise fehlen mir aber für solche Triumpferlebnisse ganz
> einfach die Mitspieler, die Go freiwillig mit mir spielen
> würden. ;-)

Schau doch ab und zu mal auf kgs.kiseido.com vorbei, ich heiße dort "Twixtim". Bin immer für eine Partie zu haben und spiele schlecht genug, um Dir hinreichend oft Triumpferlebnisse verschaffen zu können. ;)

> Was die außerordentliche Komplexität von "Euphrat & Tigris"
> anbelangt, so möchte ich dir im Vergleich zu dem von dir
> genannten Spiel einige Faktoren benennen, die du für eine
> erfolgreiche Spielweise [b]zwingend[/b] berechnen musst:

Du mußt mich doch gar nicht überzeugen, ich halte E&T ja ebenfalls für eines der besten Brettspiele überhaupt! Neulich habe ich allerdings eine E&T-Partie gegen einen Spieler gewonnen, der eigentlich viel besser ist als ich. Das würde in Go +niemals+ vorkommen. Ein weiterer Unterschied: Ich kann mir kaum vorstellen, daß ich jeden Abend eine Partie E&T spiele und nach 10 Jahren immer noch Fan bin.

> Für meinen Geschmack ist E&T tatsächlich komplexer als Go,
> weil es eine soziale Dimension in diesem Spiel gibt, die
> Interaktion auf einer Meta-Ebene bedingt und damit zugleich
> einen Bezug zur Realität herstellen kann.

Das gibt es in Go doch aber auch. Wenn man öfter gegen denselben Gegner spielt, spürt man auch, ob er heute besonders aggressiv oder unkonzentriert ist. Dieses Wissen kann man dann für so manche Attacke ausnutzen. :))


Tim

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Jan Mirko Lüder

Re: "E & T" - das ungefähr achtbeste Brettspiel aller Zeiten

Beitragvon Jan Mirko Lüder » 31. Mai 2006, 13:34

Hallo Volker,

> Um was genau handelt es sich bei dieser Liste?
> Deine persönlichen Favoriten oder eine Mehrheitsmeinung?

Ersteres trifft zu. ;-)
Da ich aber Mitspieler habe, die meine Präferenzen teilen, stehen die Noten nicht nur für sich alleine da.

> Gruß aus Lankwitz nach Steglitz,
> Volker

Gruß aus Steglitz nach Lankwitz,
Mirko

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Patrick

Re: Euphrat & Tigris's Komplexität versus Go

Beitragvon Patrick » 19. Juni 2006, 19:58

> Du mußt mich doch gar nicht überzeugen, ich halte E&T ja ebenfalls
> für eines der besten Brettspiele überhaupt! Neulich habe ich allerdings
> eine E&T-Partie gegen einen Spieler gewonnen, der eigentlich viel
> besser ist als ich.

Da kann ich Dir nur zustimmen, Tim. Mir gefällt E&T auch sehr gut. Ich habe neulich auch haushoch gegen jemanden verloren, der eigentlich sonst viel schlechter spielt als ich. Da fragt man sich dann wirklich, ob's am Glücksfaktor "Karten nachziehen" liegt oder ob der andere Spieler wirklich so viel besser gespielt hat. Wahrscheinlich lag's aber an dem hohen Glücksfaktor :-)

Gruß, Patrick


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