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1861 erste und zweite Eindrücke ?

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Bodo Zentner

1861 erste und zweite Eindrücke ?

Beitragvon Bodo Zentner » 19. Januar 2007, 13:10

Hi,

zu 1861 wurden ja schon mehrere threads begonnen, aber bis jetzt gab es noch keine (oder nur wenige) Spielberichte. Wir haben das Spiel bis jetzt 2x zu Viert und einmal zu Dritt gespielt. Ich würde gerne meine Eindrücke mit anderen teilen und andere Eindrücke kennenlernen.

Zunächst halte ich 1861 einmal für einen eher untypischen 18xx Vertreter. Ich wage dieses Statement obwohl ich lediglich die Spiele 1830, 1835, 1825, 1844 und 1895 mehr als einmal gespielt habe und von 1856 und 1870 jeweils nur eine Partie hinter mir habe. Das ist also mein 18xx Horizont.

Das seltsamste an diesem Spiel: unsere AG's ertranken zum Ende der Partie förmlich in Geld, da erst sehr spät, also zu hohen Kursen die Papiere aus den Gesellschaften gekauft wurden.
Sobald 3er Loks zur Verfügung standen wurden ca. die Hälfte der kleinen Gesellschaften fusioniert, um sie vor der drohenden Verstaatlichung zu retten und eine "fette" große Gesellschaft zu gründen (mit dem Betriebskapital der kleinen Gesellschaften).
Keiner der Spieler kaufte im Moment der Fusion Aktien bei dem fusionierenden Spieler, da zu diesem Zeitpunkt noch zu wenig Geld im Spiel war und jeder Rubel gebraucht wurde, um die eigene große Gesellschaft zu gründen.

Die Aktien in diesem Spiel steigen in einem irrwitzigen Tempo. In der 3er Partie haben zwei Spieler sich die Aktien zu 2 oder 3 großen Gesellschaften geteilt. Es trat ein echter Mitkoppel Effekt auf: da die gesellschaften ausverkauft waren und reichlich Kapital besaßen konnten sie mit 2 permanenten Zügen fahren und unglaubliche Erträge einfahren. Die beiden Spieler lagen am Ende sehr dicht zusammen (ca.50Rubel) und ich war mit fast 2000 Rubel abgeschlagen.

In mehreren Situationen hatten die Gesellschaften sogar so große Züge, daß sie diese noch nicht sinnvoll fahren konnten.

Morgen folgt unsere vierte Partie und die werde ich ganz anders angehen. Die kleinen Gesellschaften werden stark unterschätzt. Ich denke das große Ziel ist es 2 von den 3-4 kleinen Gesellschaften die man hat mit 4er Loks auszustatten und möglichst lange zu fahren.
Auch wenn die Partien bis jetzt recht interessant waren gefällt mir der Aktienmarkt in dieser Variante nicht. Der Aktienmarkt ist ja quasi nicht vorhanden, da nur der Direktor Einfluss auf den Kurs hat.

Was für Eindrücke habt ihr ?
Gruß,
Bodo

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Christian B.

Re: 1861 erste und zweite Eindrücke ?

Beitragvon Christian B. » 19. Januar 2007, 15:51

Hallo Bodo,

ich habe bis jetzt drei 4er-Spiele hinter mir und in keiner der Partien hat ein Spieler sein Papierlimit erreicht. Wir haben aber auch Gesellschaften zu zu
sehr Kursen aufgemacht und entsprechend wenig Papiere kaufen können.
In der letzten Partie habe ich es geschafft, insgesamt drei 3er Loks in meine
vier kleinen Gesellschaften (von denen zwei direkt fusionierten) zu bekommen.
Die kleinen Gesellschaften auch mit 4er Loks fahren zu lassen, halte ich für
nicht sinnvoll, weil ich mit den 3er Loks schon das Problem hatte, dass ich
mit den Gesellschaften ab einem Zeitpunkt keine Kursgewinne mehr machen konnte.
Bei einem Spiel, bei dem die Kurse recht schnell steigen, ist das ein wichtiger Aspekt, den auch ein gutes Einfahrergebnis m.E. nicht aufwiegen kann. Aber da fehlt mir auch noch ein bisschen die Erfahrung, um mir ein abschließendes Urteil zu erlauben.

Die fehlenden Bewegungen am Aktienmarkt finde ich okay, es handelt sich bei 1861 halt mehr um ein Bau- als um ein Aktienmanipulationsspiel. Das muss man nicht mögen, mir gefällt's aber.

Neben 18Mex halte ich 1861 für eine der gelungeneren 18xx-Varianten der letzten Jahre.

Spiele Grüße
Christian

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Bodo Zentner

Re: 1861 erste und zweite Eindrücke ?

Beitragvon Bodo Zentner » 19. Januar 2007, 16:13

Hallo Christian,
Danke für dein Feedback !
Stimmt: das Papierlimit ist auch so ein Thema. Während man es in anderen Spielen oftmals sehr schnell erreicht, scheint es hier nahezu unmöglich.

Die kleinen gesellschaften kann man natürlich nur solange fahren, bis man Sie umwandeln/fusionieren muß, weil man keine Kursgewinne mehr macht. Da gebe ich dir Recht. Allerdings denke ich, daß es schon Sinn macht eine kleine Gesellschaft mit einer 4er Lok auszustatten (und vielleicht noch einer 3er) und diese zu fahren solange es geht, denn es ist sehr schwer mit einer großen AG 50% des Einfahrergebnisses abzugreifen.

Vielleicht bin ich morgen schlauer ;)

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Droegi
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Re: 1861 erste und zweite Eindrücke ?

Beitragvon Droegi » 20. Januar 2007, 00:42

Vielleicht sogar heute schon.

Das Loklimit der kleinen Gesellschaften sinkt recht früh, so daß Du nur eine Lok irgendwann haben darfst. (ich meine mit der 4er)

Ich wollte im Zugzwang demnächst eine 1861-Partie als pbm starten. Mal schauen, was sich die Spieler einfallen lassen, um einen möglichst optimalen Weg zu gehen.

Schöne Grüße
Droegi

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Bodo Zentner

Re: 1861 erste und zweite Eindrücke ?

Beitragvon Bodo Zentner » 21. Januar 2007, 13:21

Hallo,

jetzt bin ich ein wenig schlauer :)

Unsere gestrige 4er Partie verlief zunächst nicht so gut für mich. Mein Plan mit den 315 Rubel Startkapital gleich zu Beginn 3 kleine Gesellschaften an den Start zu bringen ging nicht auf, da ich die Nikolaev nicht zu billig abgeben wollte. Ich erteigerte Sie für 130 Rubel und bekam noch die KK hinzu (keine Privatbahnen). Mein ursprünglicher Plan bestand darin die These meiner Mitspieler zu widerlegen, daß der Verlust einer kleinen Gesellschaft an die Staatsbahn unwiderrufliche Nachteile bringt. Ich wollte also so viele kleine Gesellschaften wie möglich so lange wie möglich fahren, also mit hohen (maximal 4er Loks) Loks austatten und Aktien fremder großer gesellschaften kaufen (Trittbrettfahren).

Leider sahen meine Einfahrergebnisse nicht sehr gut aus, da wir diesmal etwas agressiver spielten und gezielt versuchten den Mitspielern die Wege zu verbauen (was sich für mich im Nachhinein als unkonstruktiv und als Zeitverschwendung herausgestellt hat). So kam die gefährliche Phase der Fusionen durch einen drohenden 4er Lokkauf etwas zu früh und ich sah mich gezwungen drei der kleinen Gesellschaften zu fusionieren. Die neue große Gesellschaft ging mit 150 Kurswert und drei 2er Loks und einer 3er Lok an den Start. Durch Zukauf hielt ich 40% der Gesellschaft; eine weitere Aktie wurde von einem Mitspieler gekauft. Meine vierte kleine Gesellschaft, die "Donetsk", konnte durch eine gefährliche Transaktion (ich sah bereits meine Felle wegschwimmen) im Verlauf der folgenden OR, die letzte 4er Lok ergattern. Es war dann auch die einzige kleine Gesellschaft, die bis kurz vor dem Kauf der 8er Lok als solche existierte und dann in eine große Gesellschaft mit Startwert 100Rubel umgewandelt wurde.

6 große Aktiengesellschaften existierten zum Ende des Spieles, wobei eine wie gesagt erst kurz vorher gegründet wurde. Zu meiner persönlichen Freude habe ich dieses Spiel zum ersten Mal gewonnen und besaß zu Spielende ein Gesamtvermögen von 10100 Rubeln. Der Zweite ging mit 8000, der Dritte mit 7000 und der Vierte mit 6500 Rubeln aus dem Rennen. Ich war in dieser Partie der einzige, der an sein Papierlimit stieß, und das wohl auch nur wegen der spät gegründeten großen Gesellschaft (100Rubel Startkurs).

Mein Fazit zu diesem Spiel (nach 4 gespielten Partien):

a) das Spiel wird eindeutig über den Aktienbesitz gewonnen. Und zwar ist es IMO absolut notwendig Aktien der führenden Gesellschaften zu besitzen. Darum hieß mein ursprünglicher Plan auch "Trittbrettfahren", was sich in abgemilderter Form auch rentierte: ich besaß Aktien von den drei führenden Gesellschaften. Meine eigene Gesellschaft hatte den zweithöchsten Kurswert (gemeinsam mit der dritten Gesellschaft).

b) entgegen meiner ursprünglichen Auffassung halte ich es für elementar in Moskau mit einem Bahnhof vertreten zu sein. Das Spielbrett lässt sich in den Bereich links und rechts von Moskau aufteilen. Die Bahnhöfe unterhalb Moskaus ermöglichen zwar die lukrative Verbindung Katarinenburg-Moskau, jedoch muß man durch Moskau hindurch fahren können, um auch noch St.Petersburg und Polen zu erreichen (beide 70Rubel).

c) es gibt zwei sehr spannende Phasen im Spiel. Die erste beginnt, wenn der erste Kauf einer 4er Lok ansteht und jeder versucht, seine kleinen Gesellschaften zu retten. Dies hat einen Lawineneffekt, da die übrigen kleinen Gesellschaften durch das gesammelte Kapital in den enstandenen großen Gesellschaften bedroht werden. Die zweite Phase beginnt kurze Zeit später, sobald die Spieler über genug Eigenkapital verfügen, um Aktien zu kaufen. zunächst sind dies meistens die Aktien der eigenen Gesellschaft, um den nächsten oder zweiten Lokkauf gewährleisten zu können. Ist dieser Lokkauf gesichert investiert der Spieler in die zu dieser zeit vermeindlich lukrativste große Gesellschaft. Und so tritt hier ein starker Mitkoppeleffekt auf, denn diese gesellschaft wird enorm geboostet. Wer hier nicht rechtzeitig auf den Zug mitaufspringt liegt hinten. Nach der ersten großen Kaufrunde scheinen die karten verteilt und unausweichlich auf ein nun vorherbestimmtes Ende zuzulaufen. Hat man "richtig" investiert kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. So zumindest unser Eindruck. Danach zieht sich das Spiel in die Länge...

d) Privatbahnen sind in diesem Spiel sehr viel interessanter als in anderen 18xx varianten. Sie dienen nicht dazu das Geld aus den Gesellschaften in das Privatvermögen zu transferieren, sondern sind als Geldlieferant interessant, da sie bei ungefähr gleicher Investitionshöhe eine Rendite wie eine kleine Gesellschaft abwerfen und zwar ab der ersten OR, was einen interessanten Vorteil für die zweite Aktienrunde bringt.

Die Schwierigkeit in diesem Spiel besteht darin abzuwägen in welche fremde Gesellschaft man investiert: kauft man keine Aktien gut gehender Gesellschaften gerät man schnell ins Hintertreffen, andererseits gerät dieses Sponsoring schnell zu einer "Königsmacherei".
Im Vergleich würde ich persönlich 1844 (mein Favorit) oder 1830 vorziehen.
Euer Feedback würde mich sehr freuen !
Gruß,
Bodo

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Bodo Zentner

Re: 1861 erste und zweite Eindrücke ?

Beitragvon Bodo Zentner » 21. Januar 2007, 13:26

Hast du Recht. Das Loklimit hatte ich beim Schreiben ignoriert (nicht im Spiel ;) )


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