Beitragvon Roman Pelek » 11. Februar 2001, 14:40
Hi Günter,
[Big Shot, was stört]
>a) äußerst schlappe und zähe Eröffnungsphase! Gestaltet sich mehr oder
minder beliebig.<
Richtig, der Anfang ist zu beliebig. Dem hätte man durch ein Verteilen von Klötzchen in Regionen zu Anfang (analog zu San Marco z.B.) etwas auf die Sprünge helfen können.
>b) die Pattregel! Äußerst ärgerlich, wenn es jemandem gelingt eine 3/3/1
Steine-Situation zu schaffen. Womöglich hat der jemand vorher überhaupt
keinen eigenen Stein im Viertel und schafft es dann aber im Handumdrehen
einen Stein einzusetzen und die anderen beiden zu patten.<
Ja, richtig, aber das ist doch genau das Salz in der Suppe! Man muss beim Ersteigern ständig im Auge behalten, wer was wo machen kann - und im Zweifelsfall auch mal ein "Paket" teuer ersteigern, mit dem man nicht viel anfangen kann AUSSER zu verhindern, dass ein Gegenspieler bewusst ein Patt provoziert.
Und genau das finde ich spannend an Big Shot, und deswegen mag ich es. Spielt man mit ausgebufften Gegnern, die das Spielfeld im Blick haben, muss man sehr stark abwägen, wann man wo wie hoch mitsteigert. E s ist ja nicht so, dass man reihum Klötzchen verteilt und nix gegen "Pattmacher" (schönes Wort) tun könnte.
>c) Das Königsmachersyndrom! Oft genug ist das Angebot nur für einen
einzigen Spieler interessant und schafft die Situation, dass jemand gegen
diesen einen in die Bresche springen muss. Dieses Opferlamm entscheidet
zwar dann darüber, dass Ersterer zwar nicht mehr gewinnen kann, aber auch
gleichzeit darüber, dass für ihn selbst nichts mehr drin ist. Sehr
unersprießlich.<
Bei uns war oftmals "jemanden am Sieg hindern" gleichbedeutend mit "selbst einen besseren Platz" ergattern.
Ausserdem waren am Ende eines Spieles ob vieler freier Plätze eigentlich alle am Mitsteigern interessiert, selbst wenn von deren Farbe keine Klötzchen drinlagen. Schliesslich konnten sie durch Patts vieles noch für sich entscheiden.
>Aus diesen Gründen glaube ich nicht daran, dass bei uns Big Shot jemals
wieder auf den Tisch kommen wird.<
Bis auf die zähe Eröffnung, die de facto da ist, finde ich alle bisher genannten Kritikpunkte bei taktischem Klötzchenverteilen und geschickten Spiel Vorzüge.
Big Shot ist eines der wenigen Versteigerungsspiele, wo die Überlegungen, wie hoch man wann steigert, wirklich anspruchsvoll sind. So kann man z.B. auch die sinnvolle Höhe des eigenen Mitsteigerns daran abschätzen, indem man sich ausrechnet, welchen monetären Nutzen ein Gegenspieler bei welcher Steigerunssumme erhält. Zudem sind die Angebote durch die möglichen Pattsituationen nicht immer nur klar für den Spieler mit den meisten Klötzchen interessant.
Aber man kann sich natürlich nicht auf einem "Vorsprung" in einer Region ausruhen, wenn ein Angebot daliegt, dass einem anderen Spieler ein vorteilhaftes Patt eröffnet.
Ciao,
Roman