Review – Rise of Queensdale

Im Namen des Königs Nepomuk II. sind wir als Spieler aufgerufen, für seine Königin das Tal von Queensdale zu besiedeln. Dies geschieht über mindestens 9 Partien, in deren Verlauf sich das Spiel immer wieder verändert. Denn Rise of Queensdale (RoQ) ist ein sogenanntes Legacyspiel. Das bedeutet, dass verschiedene Entscheidungen der Spieler das Spiel und die Spielwelt für alle zukünftigen Partien verändern. In jeder Partie setzen wir Würfel auf Aktionsfelder, um verschiedene Aktionen auszuführen. Eine Mechanik, die ihr möglichweise schon aus anderen Dice- bzw. Workerplacement-Spielen kennt.

 

Kurze Vorstellung

Bevor ich in die eigentliche Beschreibung und Bewertung des Spiels einsteige möchte ich noch ein paar Worte zu meinen Spielepräferenzen und Gewohnheiten loswerden, damit ihr meine Aussagen in diesem Kontext einordnen und für euch bewerten könnt. Ich bin regelmäßiger Spieler mit einem Faible für strategische Spiele. Bei kompetitiven Spielen dieser Art besteht oft die Herausforderung, dass neue Spieler die erste Partie benötigen, um erstmal ins Spiel zu finden. Das ist dann insbesondere bei Spielrunden mit wechselnden Teilnehmern ein Problem, so wie ich sie oft habe. In den letzten Jahren sind deshalb für mich insbesondere kooperative Spiele immer interessanter geworden, da diese Spielspaßbei unterschiedlichem Erfahrungsstand gewährleisten.

 

 

Die Story

Als ergebene Untertan des Königs seid ihr auserkoren, eines der Stadtviertel mit verschiedenen Gebäuden aufzubauen und später am Bau des Schlosses mitzuwirken. Euer Fokus liegt darauf, am meisten Ruhm einzuheimsen. Ohne zu spoilern ist damit auch schon fast alles gesagt, denn über den Verlauf der Kampagne entfaltet sich die Story weiter und beeinflusst damit auch zukünftige Partien. An verschiedenen Stellen können hier auch die Handlungen der Spieler zu unterschiedlichen Entwicklungen führen. Eine schöne zusätzliche Komponente ist dabei Thilo, der Bote des Königs, der während des Spielverlaufs immer wieder Nachrichten überbringt und damit (in geringem Maße) auch in das laufende Spielgeschehen eingreift. Weitere nützliche Hinweise erhaltet ihr von der Wahrsagerin, auf welche ihr hin und wieder im Spiel stoßt. Die Story ließ sich gut lesen und untermalte die Szenarien passend, ohne zu aufdringlich oder umfangreich zu sein.

 

Ein Blick in die Schachtel

Die Box beinhaltet einen vierteiligen Spielplan, einen großen Aktionsspielplan und einen weiteren Übersichtsplan mit Hinweisen und der Siegpunkteleiste. Daneben hat jeder Spieler eine Charaktertafel und einen Satz Holzwürfel in der jeweiligen Farbe. Es gibt einen Stoffbeutel mit Personenfiguren aus Holz, Rohstoffe (auch Holz) sowie diverse Plättchen, Sticker und weitere Items, die ihr während des Spieles freischalten könnt. Als lustiges Gimmick ist der königliche Pömpel zu nennen, mit dessen Saugfunktion ihr Plättchen in eurem Spielerviertel austauschen könnt. Zusammenfassend war ich mit der Ausstattung sehr zufrieden. Man bekommt einiges an Komponenten für sein Geld und auch die Wertigkeit stimmt.

 

Die Mechanik

RoQ wird in mehreren Partien gespielt. Jede Partie verläuft über mehrere Runden, bis ein Spieler sein Siegpunktziel erreicht hat. Der Ablauf der Runden ist immer ähnlich. Zunächst würfeln alle Spieler ihre Würfel. Anschließend kann jeder reihum einen Würfel auf passende Felder des Spielplans setzen, um so die zusammenhängende Aktion auszuführen. Sind alle Würfel gesetzt, geht es wieder von vorne los. Zu Beginn der Kampagne sind alle Würfel identisch, jeder hat Symbole für Ressourcen (Geld, Holz, Lehm und Stein), sowie zwei Flächen für Aktionsfelder.

Bei der Platzierung erhält man nun die entsprechenden Ressourcen oder kann mit den Aktionssymbolen auf dem Aktionstableau verschiedene Aktivitäten auslösen. Neben einfacheren Aktionen, wie dem Erwerb/Handel von Rohstoffen, ist hier natürlich der Bau von Gebäuden zu nennen. Damit verändern die Spieler ihr Tableau für den Rest der Kampagne. Nun kann mittels des königlichen Pömpels ein Feld des eigenen Spielplans durch das neue Gebäude ersetzt werden, welches nun einen permanenten Vorteil bietet.

Eine weitere Aktion ist das Anwerben von Personen. Hier zieht man aus dem Stoffbeutel blind eine Holzfigur, die als eine Art Joker mit besonderen Fähigkeiten funktioniert und zusätzlich zur eigenen Aktion eingesetzt werden kann. Zieht man dabei eine weiße Figur (den Boten), wird zudem sofort eine Botenkarte vorgelesen, die Einfluss auf das Spielgeschehen nimmt. Als letzte Aktion sei hier noch der Kundschafter erwähnt. Eine Figur, die mittels Aktionsfeld auf dem regulären Spielplan umherwandert und dort Kräuterplättchen einsammelt, sofern man passende Kräuterhütten in seinem Besitz hat. Diese Plättchen bringen zufällige Dinge wie z.B. Siegpunkte, Ressourcen oder in seltenen Fällen auch eine Vorhersagung der Wahrsagerin. Neben etwas Erzählungstext erhält damit der jeweilige Spieler einen geheimen Hinweis auf das Spielgeschehen in zukünftigen Partien.

Zu den Mechaniken bleibt zu sagen, dass diese sehr flüssig ineinander greifen. Das Platzieren der Würfel geht schnell von der Hand und es gab, zumindest in unseren Spielen, selten lange Denkpausen. Die Wahrsagerin und der Bote halten auch während der Partien die Geschichte lebendig und die Möglichkeit, mittels Personen im eigenen Zug zusätzliche Effekte auszulösen, erhöht die Spannung. Innerhalb der Partien spielt sich Queensdale wie ein sehr gelungenes Worker Placement / Dice Placement Spiel.

 

Legacy & Kampagne

Was bedeutet die Legacy Komponente bei RoQ? Zunächst sind da die Gebäude zu nennen. Diese sind begrenzt vorhanden, es kann also nicht jeder jedes Gebäude errichten. Einmal gebaut stehen sie im eigenen Viertel und bleiben dort für den Rest des Spiels, sofern man sie nicht durch andere Gebäude ersetzt. Ohne viel zu verraten kommen hier später noch weitere Legacy-Effekte hinzu. Dann gibt es die Kampagne, die immer weiter voranschreitet, so dass immer auch neue Aufgaben auf euch warten. Nach jeder Partie erwarten euch die Belohnungen, für die Sieger der Partie in Form von bestimmten Verbesserungen, aber auch für die Verlierer in Form von Marken. Diese Marken könnt ihr vor neuen Partien beim Krämerladen einlösen, um dort die eigenen Würfel permanent zu verbessern.

Die Ideen zum Legacysystem und der Kampagne selbst sind in Summe interessant und motivierend. Es macht Spaß, zu sehen wie das eigene Viertel besser wird und die Würfel nach und nach stärker werden. Parallel dazu bettet die Hintergrundgeschichte die Veränderungen gut ein. Im Legacysystem liegt allerdings auch Queensdales größte Schwäche, denn einige der permanenten Verbesserungen sind überdurchschnittlich stark und können das Gleichgewicht für zukünftige Partien signifikant kippen.

 

Spielerzahl und Spieldauer

Wir haben die Kampagne zu zweit durchgespielt und ich habe mich mit einigen anderen Gruppen ausgetauscht, die zum Beispiel zu viert gespielt haben. Queensdale scheint unabhängig von der Spielerzahl gut zu funktionieren. Es ist nur wichtig zu bedenken, dass die Spielrunde durchgehend konstant sein sollte, da man sein Viertel ständig weiterentwickelt. Angenehm ist, dass eine Spielrunde zu zweit meist unter einer Stunde  dauert. In der Regel spielt man über 10 Partien.

 

Fazit

Queensdale hat uns durch die cleveren Legacyaspekte und die zügigen und eleganten Mechanismen im Dice-/Workerplacement in seinen Bann gezogen. Dank der begleitenden Story wird mir das Spiel auch noch länger im Gedächtnis bleiben. Allein im Punkt Balance gibt es ein Minus, was aber in Summe trotzdem eine positive Spielerfahrung ergab.

 

Habt ihr nun auch Lust das Spiel zu testen? Dann findet Ihr Queensdale hier.

 

Doch nicht das Richtige? Dann schau dir doch mal unsere Brettspielsammlung an.