Wolfenstein: Youngblood - Eindrücke, Tipps & Probleme

Wolfenstein: Youngblood – Eindrücke, Tipps & Probleme

Mit den Entwicklerstudios Machine Games und Arkane veröffentlichte Bethesda zum 26.07.2019 den Nachfolger Wolfenstein: Youngblood der bekannten Shooter-Reihe. Wie immer könnt ihr auch hier mit allerlei bekannten und futuristischen Waffen Nazis abschießen. In diesem Teil ist der bekannte Held der Serie B.J. Blazkowicz allerdings verschwunden und ihr schlüpft in die Rolle seiner Zwillingstöchter Jessica und Sophia, die sich im besetzten Paris auf die Suche nach ihrem Vater begeben.

Einsame Rächerin oder Zwillings-Action?

Da ihr natürlich nicht beide Schwestern gleichzeitig spielen könnt, ist Wolfenstein: Youngblood im Koop-Modus spielbar oder auch alleine mit einer KI-Schwester. Zu empfehlen ist Letzteres allerdings nicht, denn wie so häufig scheint die KI nicht der hellste Stern am Himmel zu sein, sodass ihr taktisches Vorgehen und ein kluges Timing von eurer KI-Schwester nicht erwarten solltet. Genau das ist für viele Gegner und Situationen in diesem Teil der Reihe jedoch ganz entscheidend.

So könnt ihr die mechanischen, feuerspeienden Hunde nur an ihrer Schwachstelle am hinteren Seitenbereich ernsthaft verletzten. Diesen Teil des Körpers wird euch der Robo-Hund nur selten zuwenden, solange ihn niemand ablenkt. Ebenso sieht es bei den Riesenkolossen aus, die ihr mit gezielten Schüssen auf Schultern und Arme erledigen könnt. Ebenso könnt ihr euch im Koop-Modus gegenseitig zurück ins Gefecht holen, solltet ihr einmal verwundet sein. Doch hilft es natürlich wenig, wenn fünf schwer bewaffnete und gepanzerte Regime-Soldaten um euch stehen und eure angeschlagene KI-Schwester euch trotzdem kamikazeartig zur Hilfe eilt, bevor ihr euch in einem sicheren Bereich befindet.

Die anderen koop-bedingten Elemente wie das Öffnen von Kisten und Türen, das gleichzeitige Umlegen von Hebeln oder Anfordern und Eingeben von Zugangscodes funktioniert dagegen problemlos.

Wolfenstein: Youngblood - Eindrücke, Tipps & Probleme

Die riesigen Kolosse tötet ihr am schnellsten, wenn ihn einer von euch ablenkt und der andere auf die Arme schießt.

Freunde kostenlos einladen mit dem Buddy-Pass

Mit dem Buddy-Pass, der in der Deluxe-Edition enthalten ist, könnt ihr einen Freund dazu einladen euren Koop-Partner zu spielen, ohne dass dieser das Spiel selbst kaufen muss. Eure Freunde das Spiel dann nicht alleine spielen, wohingegen ihr als Buddy-Pass-Inhaber auch immer wieder andere Freunde einladen könnt. Dazu muss sich dieser zunächst die „Demoversion“ von Wolfenstein: Youngblood herunterladen. Auch als Besitzer der Deluxe-Edition wird im Startbildschirm davon die Rede sein, dass ihr einen Freund dazu einladen könnt mit euch die „Demoversion“ zu spielen. Das ist sehr missverständlich ausgedrückt und bezieht sich auf den Namen der zweiten Steam-Version, die euer Freund herunterladen muss. Es ist also bis auf die Einschränkung, dass euer Freund nicht ohne euch als Buddy-Pass-Inhaber spielen kann, vollständig spielbar.

Die empfehlenswerten Waffen im Spiel

Wolfenstein: Youngblood hat sich von der Art und Vielfalt der Waffen zum Vorgänger „The New Colossus“ nicht spürbar verändert. Auch mit einer gut ausgearbeiteten und mitreißenden Story kann dieser Teil nicht überzeugen. Die Geschichte zeichnet sich vor allem durch viele humoristische oder gar absurde Szenen aus, die das Spielgeschehen auflockern. Im Großen und Ganzen ist das Spiel viel mehr durch die actionhaltigen Kämpfe geprägt und vom Waffengefühl erst einmal ein gelungener Action-Shooter, auch wenn die gewöhnlicheren Waffen für welche wir die meiste Munition finden schnell monoton werden.

Mit den „schweren Waffen“ dagegen verbraucht ihr so schnell die seltene Munition, dass sich der Einsatz nur gegen wirklich starke Gegner lohnt. Im Test haben sich unter den gewöhnlicheren Waffen vor allem das Sturmgewehr und die Maschinenpistole mit der Fertigkeit „Akimbo“ als sehr starke Begleiter erwiesen. Besonders stark sind auch die Wurfwaffen bzw. die Nahkampfwaffe. Gerade gegen stark gepanzerte Gegner ist die Wurfwaffe häufig die bessere Alternative zu den einfachen Gewehren und Handfeuerwaffen.

Wolfenstein: Youngblood - Eindrücke, Tipps & Probleme

Die „Festungen“ des Regimes fordern euch in Wolfenstein: Youngblood alles ab.

Fertigkeitspunkte und Waffen-Upgrades mit Silbermünzen

Verschiedene Fertigkeiten helfen euch Stück für Stück euren Charakter zu verstärken. Mit jedem Level verursacht ihr zwei Prozent mehr Schaden und erhaltet einen Fertigkeitspunkt. Wie stark die einzelnen Waffen sind, hängt auch von eurer eigenen Spielweise ab. Tötet ihr eine bestimmte Anzahl von Gegnern mit einer Waffe steigt euer Waffenlevel und ihr verursacht mit der jeweiligen Waffe mehr Schaden.

Weiterhin könnt ihr die Waffen dann mit gefundenen und verdienten Silbermünzen ganz nach eurem Geschmack mit verschiedenen Upgrades verbessern. Ihr entscheidet so, ob ihr lieber mehr Schaden verursachen oder beispielsweise ein größeres Magazin haben wollt. Außerdem ist es danach noch möglich diese Upgrades erneut aufzuwerten, was euch allerdings sehr viele Silbermünzen kostet. Demnach solltet ihr vorerst alle Hauptwaffen verbessern bevor ihr diese zusätzlich aufwertet. Silbermünzen findet ihr überall in der Welt, bei Gegnern, in Kisten und ihr erhaltet sie für abgeschlossene Missionen.

Diese Fertigkeiten erleichtern euch das Spiel

Wolfenstein: Youngblood ermöglicht euch stetig eure Fähigkeiten zu verbessern oder ganze neue zu erlernen. Bei der Charaktererstellung könnt ihr zunächst zwischen der Fähigkeit „Rammbock“ und „Tarnung“ wählen, je nachdem, ob ihr lieber eure Gegner umrennen oder sie mit einem Schleichangriff ausschalten wollt. Die jeweils andere Fähigkeit kann für 5 Fertigkeitspunkte auch später noch erlernt werden. Ebenso könnt ihr eine Geste wählen, mit der ihr regelmäßig euch und eure Schwester stärken könnt. Später habt ihr auch hier die Möglichkeit andere Gesten mit Silbermünzen freizuschalten.

Eine gute Kombination kann hier beispielsweise „Kampfkunst“ und „Cyborg 1980“ sein. Diese füllen euer Leben bzw. eure Rüstung vollständig auf. Gerade, wenn ihr im späteren Spielverlauf bereits die vollen 200 Lebens- und 200 Rüstungspunkte freigeschalten, lohnt sich diese Kombination sehr.

Wie ihr die Fähigkeitspunkte verteilt, hängt vor allem von eurem eigenen Spielstil ab. Anfangs ist es jedoch ratsam möglichst Lebens- und Rüstungspunkte zu erweitern, da diese günstig und hilfreich sind. Aber auch mehr Leben, Rüstung und Munition in Leichen zu finden, erleichtert euch das Spiel. Da Nahkampf- und Wurfwaffen in Wolfenstein: Youngblood sehr stark sind, lohnt es sich auch diese früh zu verbessern.

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Im Hauptquartier könnt ihr in die Retro-Welt von Wolfenstein 3D abtauchen.

Game-breaking Bugs sorgen für Frust

Bugs sind in frisch erschienenen Spielen natürlich keine Seltenheit und können euch witzige Anekdoten liefern. So sind wir auf Leichen gestoßen, dessen Hände wild rotieren oder auf eine unsichtbare Tür vor welcher ein Vorhängeschloss hing.

Anders sieht es dann bei den sogenannten „game-breaking Bugs“ aus, die das Spielen erheblich beeinträchtigen oder gar unmöglich machen. So kam es immer wieder vor, dass wir im Test plötzlich im Boden feststeckten, uns eingeschränkt bewegen und nichts mehr angreifen konnten. Es war dann nur noch möglich die Mission neu zu starten. Auch das Feststecken in Wänden und Gegenständen ist hin und wieder vorgekommen. Eine zusätzliche halbe Stunde Frust brachte eine unsichtbare Brücke, die bei einem von uns sichtbar und begehbar war, beim anderen jedoch unsichtbar und nicht begehbar. Das Ergebnis: Ein langer Umweg, um die Mission zu verlassen und ins Hauptquartier zurückzukehren. Insgesamt war das Zurückkehren von Missionen recht zeitaufwändig und hat die gesamte Spielzeit unnötig gestreckt.

Probleme mit Hitboxen und Spawn-Mechanik

Kleinere Bugs traten immer wieder bei den Ziel-Markierungen auf. Diese aktualisierten sich häufig nicht oder verschwanden plötzlich. Die Mission neu auszuwählen, löst dieses Problem allerdings. Schwieriger sieht es bei den Jägern aus: Diese Gegner sind auf hoher Entfernung fast nicht auszuschalten, da die Hitbox scheinbar sehr klein ausfällt. Trefft ihr den Jäger mit der Rammbockfähigkeit nicht exakt mittig, lauft ihr einfach durch ihn durch. Ähnlich sieht es im Nahkampf oder mit Wurfwaffen aus. Eine der besten Methoden war es allerdings dennoch den Jäger durch die Rammbock-Fähigkeit umzuwerfen und mit der Nahkampfwaffe zu erledigen. Aber auch fast regungslos am Boden liegend ging so mancher Schlag trotzdem daneben.

Bugs waren dabei nicht die einzigen Frustelemente: So haben die Entwickler das undurchschaubare Spawn-System vom Vorgänger „The New Colossus“ übernommen. Gegner erscheinen plötzlich hinter uns und während wir uns schnell umdrehen, greifen wiederum neue Gegner von hinten an, sodass wir von mehreren Seiten unter Beschuss stehen. Die Logik des Systems scheint es zu sein, dass ihr nicht sehen sollt, wie die Gegner aus dem Nichts erscheinen und sie daher in der Regel hinter euch auftauchen.

Wolfenstein: Youngblood - Eindrücke, Tipps & Probleme

Die „unsichtbare Brücke“ hat im Test für Frust gesorgt.

Symbolik und Versionen bereiten noch immer Schwierigkeiten

In Deutschland dürfen Symbole des Nationalsozialismus wie das Hakenkreuz nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen verwendet werden. Bislang hatte die USK Spiele mit dieser Symbolik prinzipiell abgelehnt, hat dies 2018 allerdings grundlegend geändert. Dennoch hat sich Bethesda entschlossen eine deutsche zensierte Version und eine internationale Version mit entsprechender Symbolik zu veröffentlichen. Aus technischer Sicht ist dabei problematisch, dass Spieler der deutschen Version keine Spieler mit der internationalen Version einladen können. Umgekehrt funktioniert das jedoch ohne Schwierigkeiten.

Problematisch scheint die Symbolik weiterhin für Let’s Plays zu sein. So haben die beiden bekannten Let’s Player Gronkh und Tobinator aufgrund rechtlicher Bedenken ihre bereits auf YouTube veröffentlichten Folgen der internationalen Version wieder gelöscht und das Let’s Play vorzeitig abgebrochen. Grund dafür sei, dass die USK zwar Wolfenstein: Youngblood freigegeben hat, Spielevideos aber möglicherweise doch unter die FSK fallen und damit unklar ist, ob auch diese das Video mit der Symbolik freigeben würden. Das Netzwerk „Studio 71“ prüfe den Fall derzeit anwaltlich.

Fazit

Wolfenstein: Youngblood ist im Koop-Modus mit Freunden ein grafisch und spielerisch ansprechender Action-Shooter und wird den eingefleischten Wolfenstein-Fans mit allen Haupt- und Nebenmissionen etwa gute 20 Stunden Spielspaß bescheren. Doch wo Licht ist, ist oft auch Schatten: Die verschiedenen Bugs und die eigenwillige Spawn-Mechanik machen Wolfenstein: Youngblood eher zu einer Achterbahn der Gefühle. Viele der Schwierigkeiten sind vor allem auf die kurze Entwicklungszeit zurückzuführen. Da es sich nicht um einen Vollpreistitel handelt, kann sich der Nachfolger von „The New Colossus“ für die Fans der Reihe und den Actions-Shooter-Lieberhabern unter euch dennoch lohnen, sofern ihr einen Koop-Partner habt.

Ihr könnt Wolfenstein: Youngblood hier kaufen.