Hallo!
Letzten Sonntag war es mal wieder soweit: Civilization TBG mit 4 Spielern. Nach gut 7 Stunden reiner Spielzeit haben wir dann kurz nach dem Beginn der zweiten Epoche wegen fortgeschrittener Uhrzeit abgebrochen. Bis dahin sind ungefaehr 9 komplette Runden vergangen. Von den Hausregeln (siehe http://www.spielbox.de/phorum4/read.php4?f=1&i=60655&t=60655) haben wir etliches nach langer Diskussion wieder über Board geworfen, weil es spielerisch keinen direkten Sinn gemacht hat:
- Handelsrouten durch Flotten blockieren : Kam bei uns nicht vor, weil bis zu den ersten Flotten jeder mindestens eine Siedlung direkt neben einem anderen Spieler gebaut hatte und Flotten zu teuer sind, um damit gezielt alle moeglichen Handelsrouten unterbrechen zu können.
- Rückzug im Kampf : Kam bei uns auch nicht vor, da nur um Siedlungen gekämpf wurde und dort sich ein Rückzug nicht lohnt. Als Verteidiger gibt man eine Siedlung sowieso nicht kampflos auf, da das Würfelglück in jeder Kampfrunde mitspielt und die Chance auf eine erfolgreiche Verteidigung bleibt.
- Einkaufsphase reihum bis zum passen : Viel zu zeitaufwendig, wenn Jeder immer nur genau eine Sache kaufen kann und dann der nächste dran ist. Ausserdem kann man keine Überraschungsaufrüstrunden durchführen, da die Anderen immer direkt reagieren können auf den verstärkten Armeenkauf.
Bewährt hat sich hingegen die gesteuerte Verteilung der Startrohstoffe. So war das Spielgeschehen weitaus ausgeglichener als in den Partien davor. Weil der Unterschied zwischen einem Spieler mit 2 kritischen Rohstoffen und Einer mit überhaupt nichts ist einfach zu gross und spielentscheidend.
Das ganze Spiel arg verzögert hat aber ein frühzeitiges Aufrüsten und niemand wollte zunächst Alphabet kaufen, da es nur den Weg zu weiteren militärischen Fortschritten für die folgenden Spieler freigemacht hätte und wir uns insgesamt einig waren, dass wir die vierte Epoche friedlich nie erreichen werden. Bei einer solchen Spielweise hat sich dann auch schnell gezeigt, dass man keine Städte mit Fronten zu allen restlichen Mitspielern haben sollte - weil Einer haut drauf und ein Anderer sammelt die Reste ein, während sich der vierte Spieler taktisch klug aus allen Konflikten herausgehalten hat.
Mein abschliessendes Fazit:
Das Spiel bietet für die zu lange Spieldauer einfach zu wenig Kontrolle. Entscheidende Spielaspekte sind zu stark vom Würfelglück dominiert: Welche Civ-Marker entdecke ich, Wein und Edelsteine oder doch nur Wüste? Ist der Würfel bei kritischen Ressourcen auf meiner Seite oder muss ich wieder auf 15 Gold pro Runde verzichten? In Kämpfen entscheidet sowieso nur Würfelglück, weil man Modifikatoren durch geschickte Armeeverteilung ausgleichen kann. Am Ende gewinnt derjenige mit einer konfliktärmsten Startposition, weil er sein gesamtes Gold in Technologie und Ausbauten stecken kann, während sich Andere gegenseitig die Armeebestände reduzieren.
Teilweise fühlte ich mich schon fast gespielt, weil man zu wenig sinnvolle Optionen hat, eher auf die Situation am Spielbrett reagiert als agiert und in kriegerischen Phasen nur ebenfalls mit Aufrüstung antworten kann, um kein einfaches Opfer zu werden. Man kann natürlich auch komplett friedlich spielen, wenn sich Alle einig sind, aber dann reduziert sich das Spiel noch weiter auf die Glückskomponente der verdeckten Civ-Marker.
Für den nächsten Spielenachmittag packe ich lieber wieder Puerto Rico oder La Citta (sind nur Beispiele weil die gerade in Sichtweite stehen) aus. Da ist eine Partie in 90 Minuten vorbei und es bleibt noch ausreichend Zeit für weitere Partien oder andere Spiele. Dabei ist der mögliche Spielfrust auch geringer, wenn man mal hoffnungslos hinten liegt, denn das nächste Spiel bietet dann schon wieder eine neue Chance. Aber History of the World werde ich zumindestens mal antesten - scheint durchdachter und kompakter als Civilization TBG zu sein, das erstmal weit hinten im Schrank verschwinden wird.
Bye
Ralf R