Beitragvon Gustav der Bär » 4. März 2003, 09:51
Dass Spiele mir trotz (ich verstehe "trotz" hier im Sinne von "ungeachtet") schlechter Kritiken gefallen, ist für mich eine alltägliche Erfahrung; und die gilt im selben Maße und im selben Umfang auch für Bücher und Filme.
Für mich hat "Carcassonne" durch seine Erweiterung _sehr_ gewonnen, und das vor allem durch einen Aspekt, der in der Kritik nicht berücksichtigt wurde (und auch nicht werden musste, weil er für _mich_ gilt): Wir spielen meist in einer Sechser-Runde und somit eben auch meist Spiele, die man zu sechst spielen kann. Erhält also ein Fünf-Personen-Spiel eine Sechs-Personen-Erweiterung, so steigt sein Spielreiz für mich und meinen Freundeskreis ganz erheblich an. Dabei ist es völlig schnurz, ob ein Spielekritiker das nun genau so sieht oder nicht.
Auch "Guillotine", das in der neuen spielbox schlecht weg kommt, spiele ich gern und oft - wieder aus einem Aspekt, der in der Kritik nicht berücksichtigt wurde (obwohl die entsprechende Frage darin durchaus gestellt wird, nämlich "Wer, um alles in der Welt, soll dieses Spiel kaufen?"). "Guillotine" gehört zu den Spielen mit ausgesprochener Weltbildplusmittagspausenspieleignung: Schnell erklärt, in einer halben Stunde gespielt, für Seltenspieler geeignet, passt komplett auf einen Bistro-Tisch und läßt noch Platz für Kaffeetassen und Aschenbecher übrig. Es befindet sich derzeit in der Gruppe der "häufigen vier", nämlich der Spiele, die ich am häufigsten spiele (und zwar allesamt deswegen, weil in jeder Mittagspause eins davon dabei ist): "Guillotine", "Knatsch", "TransAmerica" und - nach ein paar Anlaufschwierigkeiten - "Res Publica".
Aber dass Publikumsgeschmack und Kritikergeschmack zwei paar Schuhe sind, ist ja eine Binsenweisheit.
Natürlich gibt´s auch Spiele, die ich mag, aber in meinem Bekanntenkreis kaum jemand. "Anno 1452" fällt mir dazu ein, das "Alexander"-Szenario der Siedler von Catan und "Turf Master". Trotzdem findet sich immer mal wieder ein Grüppchen, mit dem man auch diese persönlichen Favoriten spielen kann - und im Gegenzug gibt es ja auch den umgekehrten Effekt: Fast jeder, mit dem ich spiele, mag "Tichu" und ich find´s stinklangweilig.
Auf Xuntheit!
Gustav der Bär
(Peter Gustav Bartschat)