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Sind Spieler lesefaul?

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Brigitte und Wolfgang Ditt

Sind Spieler lesefaul?

Beitragvon Brigitte und Wolfgang Ditt » 17. April 2003, 12:22

Liebe Spieler,

zu Spielen gehören Regeln. Ohne sie funktioniert das Spiel nicht bzw. kann nicht richtig "bedient" werden. Regeln müssen präzise sein, damit korrekt gespielt wird und daher sind Regeln nicht immer leicht zu lesen.

In der letzten Zeit häufen sich hier die Regelfragen. Viele dieser Fragen können durch aufmerksames Lesen der Regel beantwortet werden. Manche Fragen werden gestellt, noch bevor das erste Spiel gespielt wird, also bevor es überhaupt Detailkenntnisse zu einem Spiel gibt.
Nun kamen die Postings zur BSW und auch da hieß es, zuviel zu lesen bzw. das ist mir alles zu komplex.
Und im Spielekreis haben wir auch festgestellt, dass die Tendenz, sich selbst Regeln zu "erarbeiten" nachlässt. Man lässt sich lieber erklären.

Sind Spieler bequem oder lesefaul oder verwöhnt oder woran liegt es, dass diese Art des Erlernens immer mehr abnimmt?

Brigitte und Wolfgang (empfanden Magic als das am schwersten nach den beiliegenden Regeln zu erlernende Spiel)

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Heinrich Glumpler

Re: Sind Spieler lesefaul?

Beitragvon Heinrich Glumpler » 17. April 2003, 12:35

Hi,

ich bin zwar nicht sicher, ob man von "Lesefaulheit" sprechen kann - aber ich schätze mal, dass habt ihr bewusst leicht provozierend formuliert - aber generell bin ich der Meinung, dass Regeln heutzutage sehr einfach sein müssen, damit sie gelesen werden, bzw. dass man sich sehr viel Mühe geben muss, wenn man ein Spiel erfolgreich "rüberbringen" will.

Normalerweise würde ich annehmen, dass Angebot und Nachfrage dafür verantwortlich zeichnen - sprich: wenn es viele gute, einfach zu verstehende Spiele gibt, haben es weniger geschickt formulierte Spielregeln schwer.

Ist das so?

Vielleicht muss man über den Tellerrand der Spiele rausgucken. Ich kenne viele Computerspieler, die noch nie ein Handbuch in die Hand genommen haben, sondern bei jedem Spiel erst mal reinspringen. So manches Computer-Rollenspiel-Adventure wurde erfolgreich bewältigt ... und erst anschlieszend stellte sich heraus, welche Optionen der Spieler nie genutzt hatte (was ihm das Leben eventuell erleichtert .. oder ermöglicht ;-) hätte ).

Mit anderen Worten: sind Spieler (und vielleicht nicht nur diese) (und vielleicht auch von anderer Seite als dem Spielen) so sehr verwöhnt, dass sie vielleicht auch nicht mehr bereit sind, in eine neues Brettspiel zu investieren?

Verinnerlicht hab' ich das schon - heute heisst es bei mir nicht mehr *nur* aus Kostengründen: die Spielregel muss so kurz, präzise, verständlich wie nur irgend möglich sein - keine Frage, dass das ein frustiges Optimierungsproblem ist...

Gruesze
Heinrich

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peer

Re: Sind Spieler lesefaul?

Beitragvon peer » 17. April 2003, 12:39

Hi,
Ich denke man muss unterscheiden zwischen
-Regeln lernen
und
- Brettspielwelt

Denn das sind zwei völlig verschiedene Dinge! Ich z.B. lese gerne Regeln, aber mit der BSW bin ich aufgrund des Handling nicht so warm geworden. Vielleicht liegt es daran, dass ich ein Spiel bei der Regellektüre direkt ausprobieren kann. Zudem ist es keine Bildschirmleserei und vor allem keiner kriegt erst einmal mit, wenn ich mich dumm anstelle. Hinzu kommt, dass es mir persöhnlich einfach schwerer fällt mir Befehle wie //tutorbraz (oder wie auch immer) zu merken - Ich benuitze janicht mal im Forum Fettschrift. Es liegt mir einfach nicht, während ich mir Regeldetails gut merken kann (und auch Spielverläufe...) Ich könnte das jetzt lerntheoretisch analysieren... :-D

Die vielen Regelfragen würde ich dagegen auf andere Dinge zurückführen:
- Es sinds einfach mehr Leute als früher, daher auch mehr Regelfragen.
- Da es eben so ein Forum gibt, bei dem Regelfragen beantwortet werden, neigt man dazu im Zweifelsfalle eher nochmal nachzufragen, als sich irgendwas auszudenken (wie früher). Hinzu kommt der immer grössere unsch ein Spiel "autentisch" zu spielen, also tatsächlich so wie es gemeint ist. Im MäDN - Thread wurde ja bereits über Hausregeln gesprochen und auch Mare Nostrum (Vergleich mit allen Regelausgaben, um ja die richtge Interpretation hinzubekommen) zeigt, dass immer mehr Spieler angst haben, etwas nicht ganz richtig zu machen (auch wenns spielerisch keine grosse Bedeutung hat). Das mag am Zusammenrücken der Szene zu tun haben, bei der man mmer öfter die offiziellen Regeln kennen muss (z.B. Brettspielmeisterschaften oder eben Brettspielwelt).
Und aus dieser Verunsicherheit heraus fragt man immer mehr nach, denn je öfter man die Regeln liest, je mehr Interpretationsmöglichkeiten fallen einem auf...

ciao
Peer (der bei seinen ersten drei PR-Partíen den Kolonistennachschub falsch berechnet hat)

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Ralf Arnemann
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Beiträge: 2447

Vielleicht ...

Beitragvon Ralf Arnemann » 17. April 2003, 12:39

> In der letzten Zeit häufen sich hier die Regelfragen.
Das kann auch einfach damit zusammenhängen, daß dieses Forum immer bekannter wird und als Problemlösungsmöglichkeit empfohlen wird.

> Nun kamen die Postings zur BSW und auch da hieß es, zuviel zu lesen bzw. das
> ist mir alles zu komplex.
Das ist aber nun ein spezielles Problem der BSW. Die Regelteile sind von sehr unterschiedlicher Qualität (zu manchen Spielen unvollständig), chaotisch sortiert und über die verschiedensten Zugangswege verstreut. Bis man da mal als Einsteiger die Grundbegriffe der Navigation errät und mal ganz simpel eine Partie mitmachen kann - das ist viel Arbeit. Und nicht nur mit Regelstudium zu lösen, da braucht man auch Grundkenntnisse über Chats und Online-Verhalten und/oder Expertenrat.

> Und im Spielekreis haben wir auch festgestellt, dass die Tendenz, sich selbst
> Regeln zu "erarbeiten" nachlässt. Man lässt sich lieber erklären.
Ich bin bestimmt NICHT lesefaul. Aber eine gut sortierte Einführung ist fast immer deutlich besser als Regelstudium. Man kann sich auf die wesentlichen Sachen beschränken und diese dafür auch in ihren Wirkungen etwas erläutern, d.h. man kommt nicht nur schneller in die Gänge, sondern durchblickt auch schneller, was passiert - damit wird das erste Spiel befriedigender.

Fazit: Ich weiß nicht, ob Spieler lesefaul sind (bzw. lesefauler als der Schnitt der Bevölkerung). Ich sehe bei den angeführten Beispielen auch keine Möglichkeit, das festzustellen.
Und einen Trend in Richtung "weniger lesen wollen" habe ich persönlich in den letzten Jahren nicht feststellen können.

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Holger Janssen

Re: Sind Spieler lesefaul?

Beitragvon Holger Janssen » 17. April 2003, 13:23

Ich denke, lesefaul ist etwas übertrieben.
Andererseits scheint nicht mehr so aufmerksam gelesen zu werden. Wer kann schon gehaupten nach der ersten Lektüre Spielregeln vollständig verstanden und verinnerlich zu haben. Da muss man halt nochmal nachlesen und auch wären des Spiels besondes am Anfang nochmal nachblättern. Und hier fangen anscheinend die Probleme an.
Erstens sind wohl einige zu faul genauer zu lesen und fragen der Einfachheit halber mal nachen.
Dann gibt es noch die Spieler, die einfach nicht glauben wollen, was da steht. Das gibt es in mehreren Ausprägungen, läuft aber meist darauf hinaus, dass man eine eigene Vorstellung hat, wie es laufen sollte und dann nur schwer oder gar nicht akzeptiert, was dort steht. Oder in den geschrieben Text einfach die eigene Vorstellung reininterpretiert.

Insgesamt ist es natürlich deutlich einfach, sich ein Spiel erklären zu lassen. Dann kann man nämlich immer ohne Problem dumm nachfragen und bekommt auch im Laufe des Spiels Korrekturen angeboten. :)

Holger

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Braz
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Beiträge: 6431

Re: Sind Spieler lesefaul?

Beitragvon Braz » 17. April 2003, 13:38

Hallo Ihr beiden,

also ich denke nicht, daß Spieler i.A. lesefaul sind. Es ist halt nur so, daß das Lesen eines Regelwerkes auch an manchmal an Erfahrung braucht, denn es kommt schon oft auf jedes Wort vor. Da kann schon sein, daß "Nicht-Vielspieler" leicht überfordert sind. Aus diesem Grund bevorzuge ich eh i.A. die neuere Art Regeln mittels "Einmal-Zusammen-Duchspielen" quasi "Easy-Proof" (oder wie dat sich nu`wieder schnell nennt ;) ) zu vermitteln.
Mit Hilfe dieser Methode wurden doch einige Unklarheiten zu Beginn der "Stereneschiff v. Catan" - Partie geklärt.
Ich denke, daß man schon an das Lesen von Regeln gewöhnt sein muß. Aus diesem Grund lese ich immer bevor ich mit anderen spiele neue Regeln für mich durch und versuche dann -während des Regelvorlesens- dementsprechende Brettsituationen zu simulieren -> optisch verstehen es einige viel Besser.
Zur Sache mit BSW: Hmm..also selber spiele ich auch Multiplayer-Online-Games (Dark Age of Camelot, welches ebenfalls für Einsteiger nicht ganz ohne ist), aber mit BSW habe ich auch schon so meine Probleme, denn es steht viel zu viel drin und das was auch noch drinnen steht teilweise sehr unübersichtlich (mE jedenfalls). Da braucht man schon einmal ordentlich Zeit, um sich durch alle kommandos durchzuquälen.....und ob die jeder gerade hat, wenn er nur mal schnell auf BSW etwas spielen möchte.........

Gruß
Braz

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Stephan Zimmermann

Re: Sind Spieler lesefaul?

Beitragvon Stephan Zimmermann » 17. April 2003, 13:52

Brigitte und Wolfgang Ditt schrieb:

> Sind Spieler lesefaul?

Kurz und knapp: JA :-)


In meinem Freundeskreis bin ich automatisch immer dazu
erwählt Spiele zu erklären (und damit muss ich auch bei neuen Spielen
durch die Regeln...).

Würde ich das nicht machen, würden wir wohl nur alte Spiele spielen...

Das liegt nicht an der komplexität der Regeln - auch Spiele mit komplexen
Regeln kommen gut an.
Nur ... Regeln erarbeiten ist eben ARBEIT :-) ... und genau das wollen viele
nicht - sie wollen SPIELEN nicht arbeiten - Arbeiten tun sie eh schon den
ganzen Tag.

Viele Grüße, Stephan

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peer

Re: Sind Spieler lesefaul?

Beitragvon peer » 17. April 2003, 14:12

Hi,
Holger Janssen schrieb:
> Dann gibt es noch die Spieler, die einfach nicht glauben
> wollen, was da steht. Das gibt es in mehreren Ausprägungen,
> läuft aber meist darauf hinaus, dass man eine eigene
> Vorstellung hat, wie es laufen sollte und dann nur schwer
> oder gar nicht akzeptiert, was dort steht. Oder in den
> geschrieben Text einfach die eigene Vorstellung
> reininterpretiert.

Stimmt, das ist auch so ein kleines Problem... Vor allem, wenn das Spiel vor dem Fragen nicht gespielt wird. Dann werden auch ganz gerne Situationen konstruiert, die im Spiel nicht vorkommen...
Und dann liest man sicherheitshalber einen Passus, der ganz anderes gemeint ist, falsch....

ciao
Peer

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Tobias / Glomeor

Re: Sind Spieler lesefaul?

Beitragvon Tobias / Glomeor » 17. April 2003, 14:19

> Nur ... Regeln erarbeiten ist eben ARBEIT :-) ... und genau
> das wollen viele
> nicht - sie wollen SPIELEN nicht arbeiten - Arbeiten tun sie
> eh schon den
> ganzen Tag.

Hi Stephan,

ich persönlich muß mich dabei aber ausschließen, auch wenn ich genügend Leute kenne, die dem entsprechen. Ich lese gern Spielregeln. Es macht mir einfach Spaß zu sehen, wie sich vor mir ein Mechanismus entwickelt, wie die vielen Symbole, Materialen und Texte zu einem Spiel werden, belebt werden. Besonders interessant finde ich immer, wie Regeln intuitiv schlüssig dargestellt werden, d.h. Mechanismen reale (oder historische) Gegebenheiten simulieren. (z.B. Heere greifen an, Mit Rohstoffen wird gebaut, Mit Geld wird bezahlt, ...)

Tobias (will Lehrer werden ;-) )

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Thomas Tillich

Re: Sind Spieler lesefaul?

Beitragvon Thomas Tillich » 17. April 2003, 14:53

Ich stelle hier auch erst seit kurzem Regelfragen, aber das liegt nicht daran, daß ich lesefauler als früher bin. Wenn ich ein neues Spiel auspacke, dann schaue ich mir zuerst den Packungsinhalt an, lese aufmerksam die komplette Spielregel und spiele (bzw. simuliere) dann ein Spiel gegen mich selbst.

In letzter Zeit habe ich aber 3 Spiele gekauft, die bezüglich der Spielanleitung nicht optimal waren: Moderne Zeiten, Mare Nostrum und Waterloo. Während ich mir bei letzterem das meiste (aber nicht alles) noch selber zusammenreimen konnte, war bei Moderne Zeiten und Mare Nostrum einfach zuviel unklar. Und ich möchte ein Spiel richtig spielen (so wie es der Autor sich gedacht hat). Deshalb frage ich lieber nach und kläre die Regelfragen, bevor ich das Spiel zum ersten Mal erkläre.

Also liegt es wohl weniger an der Lesefaulheit sondern mehr an den schlechteren Anleitungen heutzutage. Das möchte ich aber nicht pauschalisieren, denn Puerto Rico hatte z.B. eine äußerst vorbildliche Anleitung.

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Niccolo
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Beiträge: 1333

Re: Sind Spieler lesefaul?

Beitragvon Niccolo » 17. April 2003, 15:18

Stephan Zimmermann schrieb:

> Kurz und knapp: JA :-)
> Nur ... Regeln erarbeiten ist eben ARBEIT :-) ... und genau
> das wollen viele nicht - sie wollen SPIELEN nicht arbeiten -
> Arbeiten tun sie eh schon den ganzen Tag.

Naja.

Das ist genauso, wie ein Buch lesen - warum nicht gleich den Film?

Ich denk eher, dass das "Zeitgeistig" ist. So wie es bei Filmen keinen Nachspann mehr gibt ;)
Schnell und leicht muss es entgegenkommen, sonst schaltet man ab, legt beiseite...


Der andere Punkt:

peer schrieb:

> früher). Hinzu kommt der immer grössere unsch ein Spiel
> "autentisch" zu spielen, also tatsächlich so wie es gemeint
> ist. Im MäDN - Thread wurde ja bereits über Hausregeln
> gesprochen und auch Mare Nostrum (Vergleich mit allen
> Regelausgaben, um ja die richtge Interpretation
> hinzubekommen) zeigt, dass immer mehr Spieler angst haben,
> etwas nicht ganz richtig zu machen

Das erinnert mich an div. lustige Verpackungsaufschriften: "Tiefkühlkost erst auftauen vor dem Essen!"

Ich muss sagen - umsomehr ich darüber nachdenke, umsomehr stell ich fest, dass du den Begriff "Angst" wohl vollkommen richtig gewählt hast.

Vorgekautes mit gekreuztem Sicherheitsgurt und Fallschirm wird erwartet. Glasklar wie bei einem Computerspiel - 0 oder 1 - was nicht geht, geht nicht. Das kann schade sein, aber es ist klar.
Jetzt müssten die dummen Brettspiele es halt auch noch schaffen, dass verhindert wird, dass ich meine Spielfigur nicht irgendwohin stelle, sondern ein schnarrendes 'MÖÖÖP' die Verweigerung begleitet ;)

Bis dahin fragt man halt nach: "In der Spielregel steht nicht, dass ich die Spielfigur genau dorthin stellen muss, was........"

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Lukas Merlach
Kennerspieler
Beiträge: 193

RE: Sind Spieler lesefaul?

Beitragvon Lukas Merlach » 17. April 2003, 15:41

> Vielleicht muss man über den Tellerrand der Spiele
> rausgucken. Ich kenne viele Computerspieler, die noch nie
> ein Handbuch in die Hand genommen haben, sondern bei jedem
> Spiel erst mal reinspringen.

hat leider letzte Woche bei AMUN RE nicht geklappt. War ohne Spielregel nicht zu spielen...

(war aber ein lustiges Experiment!)

Gruss Lukas

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Marten Holst

RE: Sind Spieler lesefaul?

Beitragvon Marten Holst » 17. April 2003, 17:18

Moin,

> In der letzten Zeit häufen sich hier die Regelfragen. Viele
> dieser Fragen können durch aufmerksames Lesen der Regel
> beantwortet werden.

Frage: sind alle Fragensteller Besitzer des Spieles, oder gibt es auch solche, die es "erklärt" bekommen und dann (vermeintliche) Unklarheiten entdeckten?

Ansonsten bin ich immer wieder der Regelleser, wenn Spieleabende anstehen und keiner das Spiel kennt, habe aber ein wenig das Gefühl, dass das nicht an der Faulheit der anderen liegt, sondern daran, dass die meine Stimme so gerne hören. Und gerade gestern abend hatte ich diverse Male die mir nur zu bekannte Situation, dass die Regel noch einmal verlangt wurde, um etwas nachzulesen, anstatt nachzufragen (natürlich auch, um taktische Ideen nicht zu verraten - den taktischen Schweinkram, den ich machen wollte, ließen die Regeln nicht zu, aber wenn ich gefragt hätte, dann hätte ihn ansonsten bestimmt ein Mitspieler nicht zugelassen...).

Ansonsten kenne ich bei einigen Spielen auch noch das Problem, dass sich kleine, aber nicht egale, Details ändern und Leute irritiert sind (darf man beim Tichu eigene Stiche übernehmen? 1.Auflage: ja; 2.Auflage: nein), dass die Regeln vielleicht mal verloren gegangen sind (ist ja nicht jeder so ordentlich wie ich, *hüstel*), und die "immer bekannten" Regeln eben doch nicht klar waren, oder dass irgendwelche von den Normalregeln abweichenden Turnierregeln entstehen (beim Tichu der letzte Stich mit Drachen z.B.).

(Ansonsten beginne ich zu viele Absätze mit "ansonsten").

Schließlich ist es auch so, dass man manchmal ein Brett vor dem Kopf hat, und Dinge, die einfach sind und vielleicht auch klar in den Regeln stehen, irgendwie nicht begreift - ich denke da nur an die Punktewertung von "Paris Paris", die mir im fünfzehnten Anlauf dann im Kanon vorgesungen wurde, bis ich sie endlich begriff...

> Nun kamen die Postings zur BSW und auch da hieß es, zuviel
> zu lesen bzw. das ist mir alles zu komplex.

Warum mich die BSW mehr stört, kann ich genauer sagen.

Onlinehilfen auf vielen kleinen Seiten kann ich schlecht "ausdrucken", muss ich also online lesen, was diverse Nachteile hat. Zum einen liest es sich am Bildschirm schlechter, zum zweiten sind meine bevorzugten Lesepositionen (in der Badewanne, im Bett, in der Bahn) ausgeschlossen, zum dritten kostet es mich Geld (keine Flachrate, kein Arbeitgeber, kein Studentenwohnhem...), zum vierten zappeln der Bildschirm mit Animationen oder Chats, die einen irritieren und ablenken.

> Und im Spielekreis haben wir auch festgestellt, dass die
> Tendenz, sich selbst Regeln zu "erarbeiten" nachlässt. Man
> lässt sich lieber erklären.

Was mich persönlich betrifft, eher umgekehrt: die meisten Mitspieler sind didaktisch weniger genial, als die meisten Regelschreiber... ;-)

Grüße vom Marten

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Roland G. Hülsmann
Kennerspieler
Beiträge: 2598

Re: Sind Spieler lesefaul?

Beitragvon Roland G. Hülsmann » 17. April 2003, 17:52

Brigitte und Wolfgang Ditt schrieb:

> (empfanden Magic als das am schwersten
> nach den beiliegenden Regeln zu erlernende Spiel)

... und dabei sind die Grundregeln recht einfach. Nur schade, daß die Regrelautoren manchmal nicht in der Lage sind, das auch in schriftlichrer Form zu verdeutlichen. Erst als es mit "Die Zusammenkunft" eine Einsteigerversion gab, die mit einem geführten Spiel (wie es später auch Prof.. Easy tun sollte) in das Spiel einführte, erschloß sich mir und meiner Frau der Mechanismus dieses Spieles.

Ich denke es ist nicht nur die Faulheit der Spieler, eine Regel zu lesen, sondern auch die Regel selbst oft ein erhebliches Problem. Wenn so eine Regel dann schon kleingedruckt ohne optisch erkennbare Formatierung, dafür aber mit hierarchischer Numerierung daherkommt und aus Platzgründen auf einen Überblick über das Spiel verzichtet ... dann wird selbst ein gurmütiger und williger Leser oft schon recht heftig abgeschreckt!

Roland (dem z.B. auch bei Nautilus die vom Prototyp her bekannte geführte Einweisung ins Spiel gefehlt hatte. Die fand ich gelungen: Sie führte so weit, daß man die Regeln beherrschte, aber nicht so weit, daß der Spielausgang festlegt war. Auch das Einführungsspiel konnte daher mit Spaß zu Ende gespielt werden.)

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Jost Schwider

RE: Sind Spieler lesefaul?

Beitragvon Jost Schwider » 17. April 2003, 18:39

"Thomas Tillich" hat am 17.04.2003 geschrieben:

> In letzter Zeit habe ich aber 3 Spiele gekauft, die
> bezüglich der Spielanleitung nicht optimal waren: Moderne
> Zeiten, Mare Nostrum und Waterloo. Während ich mir bei
> letzterem das meiste (aber nicht alles) noch selber
> zusammenreimen konnte, war bei Moderne Zeiten und Mare
> Nostrum einfach zuviel unklar. Und ich möchte ein Spiel
> richtig spielen (so wie es der Autor sich gedacht hat).

Hier gibt es schon ein Problem: Der Autor von Mare Nostrum wußte teilweise selbst nicht, wie er es eigentlich wollte... :-D ;-)

> Also liegt es wohl weniger an der Lesefaulheit sondern mehr
> an den schlechteren Anleitungen heutzutage.

Das würde ich so nicht behaupten. Ist es nicht eher so, dass die interessanten Spiele immer komplexer werden?

> Das möchte ich aber nicht pauschalisieren,

Das ist gut!

> denn Puerto Rico hatte z.B. eine äußerst vorbildliche Anleitung.

Trotzdem würden die meisten Spieler (d.h. "normale" ;-) ) alleine mit der Regel nicht zurecht kommen. Wird das Spiel erklärt, können es aber sogar "Wenig-Spieler" spielen.

Ansonsten: [b]Ich liebe es, Spielregeln zu lesen.[/b] Schließlich stellt diese die Essenz des gesamten Spiels dar!

Viele Grüße
Jost aus Soest (Regel-gern-Leser)
http://www.schwider.de/vietnam.htm - Gedenket Vietnam!

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Helmut Lehr

Re: Sind Spieler lesefaul?

Beitragvon Helmut Lehr » 17. April 2003, 19:31

Stephan Zimmermann schrieb:
>
> Brigitte und Wolfgang Ditt schrieb:
>
> > Sind Spieler lesefaul?
>
> Kurz und knapp: JA :-)
>
>
> In meinem Freundeskreis bin ich automatisch immer dazu
> erwählt Spiele zu erklären (und damit muss ich auch bei neuen
> Spielen
> durch die Regeln...).
>
> Würde ich das nicht machen, würden wir wohl nur alte Spiele
> spielen...
>
> Das liegt nicht an der komplexität der Regeln - auch Spiele
> mit komplexen
> Regeln kommen gut an.
> Nur ... Regeln erarbeiten ist eben ARBEIT :-) ... und genau
> das wollen viele
> nicht - sie wollen SPIELEN nicht arbeiten - Arbeiten tun sie
> eh schon den
> ganzen Tag.
>
Ja, genau das ist es! Selbst in unserem Spielekreis kommen die Leute zum Teil stöhnend ins Spiel-Zimmer: "Nix Komplexes bitte! etwas ganz Leichtes! Ich bin total abgespannt!"
Weil Spielen oder etwas Neues Spielen erst mal Arbeit ist, spielen auch nicht so viele sondern lassen sich lieber "berieseln".
VG
Helmut (der gleich noch Spielregeln erlesen will, während seine Frau sich vor dem Fernseher entspannt und einschläft)

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Michael Andersch

Re: Sind Spieler lesefaul?

Beitragvon Michael Andersch » 17. April 2003, 20:42

Brigitte und Wolfgang Ditt schrieben:
>
> In der letzten Zeit häufen sich hier die Regelfragen. Viele
> dieser Fragen können durch aufmerksames Lesen der Regel
> beantwortet werden. Manche Fragen werden gestellt, noch bevor
> das erste Spiel gespielt wird, also bevor es überhaupt
> Detailkenntnisse zu einem Spiel gibt.

Die Häufung ist mir auch schon aufgefallen. Vor allem die Häufung von Fällen, wo ich den Eindruck hatte jemand hatte vor dem Spiel eine bestimmte Vorstellung vom Spiel und versucht eher die Regel damit in Einklang zu bringen als umgekehrt.

Es sind auch einige "banale" Fragen dabei - viel mehr als früher. Andererseits hat aber auch die Menge der Forumsteilnehmer stark zugenommen.
Und noch mehr andererseits: Wer ohne Fehler ist, der werfe den ersten Stein ;-) - ich bin's nicht (erinnere mich da an eine Frage zu Medina, die mir nach Beantwortung fast peinlich war).


> Nun kamen die Postings zur BSW und auch da hieß es, zuviel zu
> lesen bzw. das ist mir alles zu komplex.

Dazu kann ich mich nicht äußern. Ich hab's einmal versucht, war relativ verwirrt, aber da ich weder online noch so auf dem PC häufig spiele war's mir auch egal.
Seitdem lasse ich's halt einfach - wobei ich aber überrascht bin, wie viele Forumsschreiber auch nicht in der BSW vertreten sind.
Ich dachte immer, ich wäre einer von sehr wenigen...

> Und im Spielekreis haben wir auch festgestellt, dass die
> Tendenz, sich selbst Regeln zu "erarbeiten" nachlässt. Man
> lässt sich lieber erklären.

Ja. Ich lasse mir auch lieber erklären, v.a. wenn
- Der Erklärer bekanntermassen kompetent ist
- Die Umgebungsgeräusche u.U. so sind, dass die zum Erarbeiten nötige Konzentration etwas schwierig ist


> Sind Spieler bequem oder lesefaul oder verwöhnt oder woran
> liegt es, dass diese Art des Erlernens immer mehr abnimmt?

Ich denke weder noch - aber ich denke auch nicht, dass das Erlernen durch Erarbeiten auf dem abnehmenden Ast ist.

Viele Grüße,
Micha

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Jürgen Karla
Kennerspieler
Beiträge: 725
Kontakt:

Re: Sind Spieler lesefaul?

Beitragvon Jürgen Karla » 17. April 2003, 23:00

> Ja, genau das ist es! Selbst in unserem Spielekreis kommen
> die Leute zum Teil stöhnend ins Spiel-Zimmer: "Nix Komplexes
> bitte! etwas ganz Leichtes! Ich bin total abgespannt!"
> Weil Spielen oder etwas Neues Spielen erst mal Arbeit ist,
> spielen auch nicht so viele sondern lassen sich lieber
> "berieseln".



Psst, nicht so laut!
Wenn die Jury DAS hört ... ;-)

Viele Grüße
Jürgen Karla
http.//www.spielbar.com
http://www.spielbar.com und vieles mehr...

:at: Wer weiß heute schon noch, dass KMWs Spielplatz seinerzeit für das Ende von de.rec.spiele.brett+karten (hierarchisch) verantwortlich war... :at:

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erik

RE: Sind Spieler lesefaul?

Beitragvon erik » 17. April 2003, 23:51

Das ist einfach: nein, nicht alle.

Erik-immer wieder gerne hilfreich.

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Markus Barnick

Re: Sind Spieler lesefaul?

Beitragvon Markus Barnick » 18. April 2003, 00:39

Eindeutig "ja". Zumindest in letzter Zeit, also im Jahre 3 NT (= nach Torres)

- in meinem Freundeskreis muss ich immer die Regeln erklären. Liegt aber auch daran, dass ich fast der einzige bin, der überhautp Spiele, die komplexer als MÄDN sind, hat
- wenn ich in den Spielekreis an der Uni nicht immer Spiele mitbringen würde, würde dort nur Canasta, HDR und Mercant of Venus gespielt - also was man schon kennt.
- Es ist dasselbe Problem wie das, wo Spiele wie PR kaum verkauft werden obwohl sie toll sind und einfachere Spiele das Rennen machen (Carcassonne - obwohl da die Regel auch studiert werden muss): Der Vater, der abends heimkommt, hat anscheinend keine Lust mehr, sein Gehirn dahingehend anzustrengen, als wie weit er mit einem Würfelwurf auf dem MÄDN-Brett gehen kann (Pisa-Studie?) und die Kinder verblöden, weil sie eher wissen was ein Joystick, ein Gameboy als ein Pöppel oder ein SDJ ist...

aber auch mir gehts oft so, dass ich bei Regeln nicht durchblicke, obwohl es klar dasteht - oder dass ich was falsch verstehe. Dass wir den Dieb bei OFUA völlig falsch gespielt haben, hab ich auch erst durch ein Posting hier bemerkt

Andererseits versteh ich ein Spiel oft erst, wenn ich die Regeln gelesen habe. PR hab ich fast überhaupt nicht kapiert, als man es mir erklärt hat. Erst nach dem Regelstudium sah ich Licht! Liegt wahrscheinlich daran, dass man im EIGENEN Tempo sich in die Regel einfinden kann und immer wieder nachschauen kann. Oft hilft es auch, wenn man den Spielplan mal aufbaut, damit man das Material in Kombination mit der Regel mal sieht.

Siehe auch den Beitrag über Spielregeln auf http://www.Barnick.de/spiele-faq.htm

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indigoküper

Re: Sind Spieler lesefaul?

Beitragvon indigoküper » 18. April 2003, 01:53

Hallo!

Ich denke allgemein, dass es durchaus legitim ist, die eine oder andere Regel falsch oder gar nicht zu verstehen. Oft genug treten Fälle auf, bei denen eine Absprache innerhalb der Spielrunde unumgänglich ist...

In letzter Zeit habe ich allerdings den Eindruck, dass es innerhalb des Forums hier nicht darum geht, Fragen bezüglich der missverständlichen Regel zu stellen, sondern darum, dem versammelten Netz-Volk überdeutlich zu zeigen: Hallo - ICH bin bereits in BESITZ dieser Neuheit...& das kann auf die Dauer unangenehm wirken...

Es sollte nicht darum gehen, die meisten, die seltesten oder wertvollsten, die importiertesten oder ausgestattesten Spiele möglichst vor allen anderen als in seinem Besitz befindlich anzuzeigen. Wünschenswerter wäre allgemein ein eitelkeitsärmerer Umgang mit dem Sujet

Grüße vom indigoküper

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die kleine Hexe

OT Warum werden Regelfragen gepostet!

Beitragvon die kleine Hexe » 18. April 2003, 12:15

Hallo,
da könntest du Recht haben.
Aber wäre diese Eitelkeit nicht da, würden die Spiele in Ebay auch nicht mehr zu so hohen Kursen verkauft. Keewood ist als Morgenland neu erschienen, wenn mich mein Gedächtnis nicht im Stich läßt, wer braucht also ein Keewood für 251Euro?
Frohe Ostern, viele Eier und Einigkeit unter den Spielern
die kleine Hexe, die morgen brav an ihr Osterfeuer geht :-)

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Gustav der Bär

"regel"mäßige Symbiose

Beitragvon Gustav der Bär » 18. April 2003, 13:02

indigoküper schrieb:
> (...) In letzter Zeit habe ich allerdings den Eindruck, dass es
> innerhalb des Forums hier nicht darum geht, Fragen bezüglich
> der missverständlichen Regel zu stellen, sondern darum, dem
> versammelten Netz-Volk überdeutlich zu zeigen: Hallo - ICH
> bin bereits in BESITZ dieser Neuheit...& das kann auf die
> Dauer unangenehm wirken (...)

Oh nein! Oh nein! Ich finde das völlig in Ordnung, denn _mir_ gibt das die Chance, dem versammelten Netz-Volk zu zeigen: "Hallo - ICH habe die Regeln schon verstanden!"

Wenn also jemand Interesse hat, da eine Posting-Symbiose mit mir einzugehen (Er fragt nach den Regeln, ich erkläre sie ihm: So haben wir beide gezeigt, was wir gern zeigen), bin ich an einer entsprechenden Vereinbarung durchaus interessiert - so lange nichts komplizierteres als "Knatsch" kommt, jedenfalls. :-)

(Allerdings schließe ich meinen Beitrag mit dem Geständnis, dass ich bisher außer Stande bin, die Regeln zu "Das Zeitalter der Renaissance" zu begreifen - und zwar in solchem Ausmaß außer Stande, dass ich nicht mal weiß, wonach ich fragen sollte.)

Auf Xuntheit!
Gustav der Bär
(Peter Gustav Bartschat)

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Niccolo
Kennerspieler
Beiträge: 1333

Re: NT

Beitragvon Niccolo » 18. April 2003, 13:51

*LOL* GdB :)

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erik

RE: OT Warum werden Regelfragen gepostet!

Beitragvon erik » 18. April 2003, 20:39

"die kleine Hexe" hat am 18.04.2003 geschrieben:
> Keewood
> ist als Morgenland neu erschienen, wenn mich mein
> Gedächtnis nicht im Stich läßt, wer braucht also ein
> Keewood für 251Euro?

Es läßt. Keywood ist (momentan noch?) nicht in anderer
Form erschienen. Es ist zudem das erste in einer Serie
von Spielen (aus deren welchiger das 2., Keydom, als
Morgenland erschienen ist). Es ist meines Wissens nach
das in der kleinsten Auflage der vier erschienene. Und
die Suche nach Keywood liefert nicht oft Erfolge auf ebay
oder sonstwo. Also vielleicht für einige, deren Schmerzgrenze
höher liegt als die anderer Grund genug, 251 Euro
auszugeben. Ausserdem hat dann der Verkäufer wieder
Geld zur Ankurbelung des Spielemarktes. Und der
Käufer ist vielleicht glücklich über die Komplettierung der
Sammlung.

Übrigens war ich nicht der Käufer. Da das Teil in meiner
Key*-Sammlung auch noch fehlt, ermutige ich hiermit zum
Niederreissen aller Eitelkeitsschranken und daher zur
mir selbstlos zum Selbstkostenpreis überlassenden
Handlung auf :-P

> Frohe Ostern, viele Eier und Einigkeit unter den Spielern
> die kleine Hexe, die morgen brav an ihr Osterfeuer geht :-)

dem schliesse ich mich glatt an, viel Spass dabei.

Erik


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