Beitragvon Rolf Mihm » 9. Juni 2003, 08:19
Mifu schrieb:
> Mit /Aufhängen/ ist wohl eine Situation geschaffen, die es nicht
> ermöglicht das Spiel regulär zu Ende zu führen.
Es wurde hier ja bereits verschiedentlich und nachhaltig erwähnt, daß es sich bei dem "Aufhängen" einer Partie "Ballon Cup" um eine doch eher selten auftretende Spielsituation handelt. Wenn du dazu allerdings das Posting von Thomas Hittmeyer liest, wirst du feststellen, daß diese Ansicht durchaus durch andere Spielerfahrungen konterkariert wird. Thomas schreibt:
"Es gibt in jedem 2. Spiel Probleme mit den grauen Karten."
Damit legen die Spielerfahrungen von Thomas nahe, daß es zu Problemen kommen kann, bei ihm sogar in jedem zweiten Spiel, wenn ich diese Ansicht auch nicht wirklich teilen kann. Bei uns ist es bisher noch nicht vorgekommen, aber bei erst unter 10 Partien erachte ich meine Spielerfahrungen nun eindeutig als nicht repräsentativ.
> Da darf ich einmal an Schach erinnern, das mit der
> 3 - Zuge Remis Regel und dem Patt
> ebenfalls eine nicht gültige Spielsutation reguliert.
Das stimmt so doch gar nicht, und ich denke, das weißt du auch. Ein Patt beim Schach, ob nun in der von dir beschriebenen Situation oder als Ergebnis einer Vereinbarung der beiden Spieler, sich auf ein Patt zu verständigen, entsteht auf jeden Fall aus einer gültigen Spielsituation, weil es sich hierbei um reguläre Züge handelt, die gewollt (und darauf kommt es in deinem Schachbeispiel an) auf dem Brett getätigt werden. Ein Patt beim Schach entsteht somit aus einer planbaren Spielsituation, die von beiden Spielern voraussehbar ist und auf die man sich einstellen kann, eine nicht gültige Spielsituation gibt es also gar nicht.
Bei den beschriebenen Beispielen zu "Ballon Cup" ist das nun absolut nicht der Fall, denn die Karten, die man bekommt bzw. die Steine, die es auf den Flugkarten zu gewinnen gibt, lassen sich nicht gewollt beinflussen - man hat, was man bekommt, und man kann nur bekommen, was bereits ausliegt. Imho vergleichst du hier Äpfel mit Birnen oder ein Appel und ein Ei oder Schach mit Ballon Cup... ;-)
> Aus diesem Grund würde ich vorschlagen, dass, wenn in 45 Jahren
> Ballon - Cup einmal so eine Situation auftreten sollte, mit einem
> Unentschieden die Situation zu klären ist.
Ein Unentschieden bedeutet nichts anderes, als die Partie zu einem bestimmten Zeitpunkt abzubrechen, und das kann nicht wirklich eine Lösung sein. Es ist eine Lösung, sich aus dem Spiel zu befreien, nicht jedoch, um die Spielsituation als solche zu lösen. Um zu deinem Schachbeispiel zurückzukehren: ein Untentschieden, also ein Patt, ist von der Regelauslegung her durchaus vorgesehen, es handelt sich damit hier um eine Spielsituation, die bewußt herbeigeführt werden kann und auch als Spiellösung akzeptiert wird - ich meine einfach, dein Vergleich hinkt doch sehr stark, denn ein Unentschieden ist von der Regel von Ballon-Cup nicht als Lösung einer Spielsituation aufgelistet.
Es gab an anderer Stelle hier im Forum schon die Frage, ob bei folgender Situation ein Untentschieden entsteht: ein Spieler besitzt bereits zwei Trophäen, der andere erst eine; nun kommt es zu der Situation, daß der zweite Spieler seine zweite Trophäe erwerben kann und gleichzeitig dadurch, daß nun Steine zum Tausch für andersfarbige Steine zur Verfügung stehen, seine dritte Trophäe einstreichen könnte, der erste Spieler hat mit der Vergabe der vierten Trophäe nun aber die gleiche Möglichkeit - Frage: gewinnt der zweite Spieler, weil er an der Reihe ist und als erster tauschen kann oder gibt es ein Unentschieden? Nein, es gibt kein Unentschieden - aber wie ich an anderer Stelle schon geschrieben habe, leichte Regelmodifikationen halte ich für durchaus zulässig, aber nicht wirklich sonderlich sinnvoll. Wenn beide Spieler sich in der oben beschriebenen Situation einig sind, ein Unentschiede zu akzeptieren, ist das in Ordnung - aber wie gesagt, ein Untenschieden ist von der Regel nicht vorgesehen.
Wolfgang Ditt beschreibt in einem seiner Postings den Eindruck, daß er sich "gespielt fühlt", weil eine Spielsituation möglich ist, an der vielleicht nur wenige der Handkarten tatsächlich als reguläre Karten zur Verfügung stehen und gespielt werden können. Ich habe darauf geantwortet, daß imho diese Situation absolut gewollt ist, durch Verknappen der regulär spielbaren Karten den Gegner in Zugzwang zu bringen. Trotzdem muß ich seine Meinung an dieser Stelle akzeptieren, denn er vertieft diese Aussage noch einmal in seinem Posting mit dem Titel "Spielgefühl" - das Spielgefühl ist eben für jeden bei jedem Spiel anders, und das ist doch auch gut so...
> Allerdings biete ich auch noch eine andere Regel an, um eine solche
> Situation zu beseitigen. Am Anfang werden die Prämiensteine wie gewohnt
> aus dem Beutel gezogen. Danach werden alle Prämiensteine offen ausgelegt.
> Wer eine Zieltafel gewinnt, kann sich die Prämiensteine aussuchen, die
> er darauf legen will. Außer bei der 1er Zieltafel müssen immer verschiedene
> Farben gewählt werden.
Diese Lösung ist imho keine der von mir angesprochenen "leichten" Regelmodifikation - der Reiz besteht ja gerade darin, daß auf den Flugtafeln in Ausnahmefällen nur einfarbige Steine liegen bzw. eben sehr viel öfter mehrere und man sich von dieser Situation ausgehend eben entscheiden muß, an welcher Flugtafeln man seine eigenen Prioritäten setzt. Außerdem müssen an jeder Flugtafel genau so viele Karten liegen wie Steine der darauf befindlichen Farben. Wenn ich dich richtig verstehe, liegen die Steine in deinem Vorschlag zwar offen aus, sind aber keiner bestimmten Flugtafel zugeordnet - das würde die Regel auf den Kopf stellen, denn damit würde einfach irgendeine Karte an eine beliebige Flugtafel angelegt, wobei es doch gerade darum geht, durch Anlegen der Karten, ausgehend von den auf den Flugtafeln liegenden Steinen, seinen eigenen Zug sorgfältig zu planen. Ich glaube deshalb nicht, daß du das wirklich gemeint haben könntest und ich dich hier falsch verstanden habe.
Wie dem auch sei -
Schöne Grüße und schönes Spiel...