Beitragvon Rolf Mihm » 17. September 2003, 10:57
Hallo peer,
ehrlich gesagt verstehe ich die ganze Aufregung nicht; mir hat die Kritik gefallen, anderen eben nicht - gerade so eine Kritik wird ja geschrieben, um nicht jedem zu gefallen.
Marion schreibt z.B., daß sie eine solche Kritik in einer Tageszeitung durchaus gut aufgehoben findet, aber eben nicht in einer Spezialzeitschrift wie der spielbox, da erwartet sie profunde Kenntnisse und das Bemühen des Kritikers sich so weit mit dem Spiel auseinander zu setzen, bis es auch vom Regelverständnis und der Spielbarkeit her passt. - Das hat sicherlich seine Berechtigung - ich meine aber, was macht denn Knopf? Er beschreibt das Spiel nun mal nicht in erster Linie in seiner Funktion als Kritiker, sondern imho eher aus der Sicht eines Spielers, der sich ein neues Spiel kauft und dann über kurz oder lang nicht über das Reglstudium hinauskommt, weil die Regel einfach so umständlich formuliert zu sein scheint, daß ein Scheitern vorausprogrammiert ist. Das ist eine Erfahrung, die bestimmt nicht nur Knopf gemacht hat, sondern wohl auch Spieler, die man als erfahren bezeichnen kann (jetzt nicht unbedingt nur auf dieses Spiel hier bezogen).
Vielleicht ist es ja das, was so störend auf einige wirkt - nicht der Kritiker, der über ein Spiel zu informieren hat, wird hier von Knopf gegeben, sondern ein ganz normaler Spieler, der schon beim Regelstudium (hat nichts mit Regelstudienzeit zu tun :-) ) scheitert.
Ich habe ja schon zugegeben, daß ich das Spiel auch wegen all der negativen Kritik hier im Forum noch nicht gespielt habe - ich sollte aber eher sagen, ich habe es mir aufgrund der negativen Kritik noch nicht gekauft. Vom Spielen würde mich eine solche Kritik nicht abhalten, nur vom Kauf - und das ist ein Unterschied. Bei uns gibt es z.B. auch die Möglichkeit, sich ein Spiel zu leihen und es auf diesem Wege auszuprobieren - aber auch diese Möglichkeit würde mich aufgrund der massiven Regelprobleme doch eher abschrecken, aber nicht abhalten. Da aber in meinem Bekanntenkreis niemand dieses Spiel besitzt (und übrigens auch nicht die spielbox liest oder hier im Forum postet, sich also von negativer Kritik nicht abgeschreckt fühlen muß), bin ich einfach noch nicht dazu gekommen, das Spiel auszuprobieren. Mich aber hat diese Kritik neugierig gemacht, ich bin vorsichtig, was dieses Spiel betrifft, aber ich bin neugierig - imho ist das die Aufgabe einer Kritik, nicht umfassende und erschöpfende Information, sondern Neugier.
Aber das ist ja auch gar nicht der Punkt - was ich nämlich nicht verstehen kann, ist folgendes: Marion kann sich die Kritik von Knopf in einer Tageszeitung gut vorstellen, nur in der spielbox ist sie fehl am Platze - warum?
Auf der einen Seite steht die Behauptung im Raum, ein Kritiker, der für die spielbox schreibt, muß sich alle erdenkliche Mühe geben, sich so lange auf ein Spiel einzulassen, bis alle Unklarheiten beseitigt sind, das ist seine Verpflichtung als Kritiker nicht nur dem Leser gegenüber, sondern auch gegenüber dem Verlag und dem Erfinder eines Spieles - also eine Forderung nach Objektivität, die es noch in keiner Kritik gab. Kritiken sind subjektive Äußerungen eines Einzelnen, die überhaupt nicht jedermanns Geschmack treffen sollen und wollen - und was die Kritik an Knopf hinsichtlich seiner Kaptitulation vor den Regeln anbelangt, das finde ich ehrlich gesagt nicht schlimm, denn in dieser Hinsicht finde ich mich als Leser seiner Kritik nicht nur gut unterhalten, sondern auch gut informiert.
Auf der anderen Seite muß doch allerdings die Forderung an den Leser stehen, sich nicht auf die Kritik eines Einzigen zu verlassen. Da muß man doch klipp und klar sagen, daß ein Leser gerade der spielbox damit umgehen können muß, wenn ein Spiel vom wem auch immer einen Verriß erhält - und sich dann über andere Quellen zu informieren versucht. Die Forderung hat eine Tür nach beiden Seiten - wer in der spielbox schreibt, muß anders schreiben als in einer Tageszeitung, wer die spielbox liest, muß sie anders lesen als eine Tageszeitung. Ich glaube allerdings, beide Aussagen sind nicht wirklich zutreffend.
Ich habe eher den Eindruck, daß in der ganzen Diskussion ein ganz anderes Thema wieder hochkocht - nämlich das zwischen den so genannten "Vielspielern" und den so genannten "Wenig- oder Normalspielern" - beides Begriffe, mit denen ich mich nicht so recht anfreunden kann. Wer die spielbox liest ist also automatisch ein "Vielspieler", verstehe ich das richtig? Das sollte doch dann aber auch die Fähigkeit einbeziehen, sich anders zu informieren als nur über die spielbox (natürlich ist jeder, der sich nicht ausschließlich und ekluxsiv über die spielbox informiert ein ketzerischer Heide und daher zu verdammen :-D ).
Wie dem auch sei -
Schöne Grüße noch...