Anzeige

Spielethemen-Einheitsbrei???

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
Benutzeravatar
Michael Andersch

Spielethemen-Einheitsbrei???

Beitragvon Michael Andersch » 1. Oktober 2003, 08:08

Geht’s Euch auch so: Zum fünften Mal Mehrheiten in Spanien erobert, zum dritten Mal Stadtrat in irgendeiner italienischen Stadt geworden, mit allen historischen Fürsten, Feldherren, Dogen, etc. auf Du und Du?

Warum kreisen eigentlich so viele Spielethemen um irgendwas im weitesten Sinne „historisches“?

Versteht mich nicht falsch: Solange der Mechanismus was taugt ist es mir eigentlich egal, welches Thema drauf sitzt. Ich schippere dann auch gerne zum zehnten Mal durch’s Mittelmehr und gründe durchaus fleissig Siedlungen in der Steinzeit.

Aber:
Warum gibt es so wenige schräge Themen aus dem Alltag? Es muss ja nicht gleich „Frischfleisch“ sein (obwohl ich mehr Spiele mit etwas morbiden und abgefahrenen Themen echt begrüssen würde), ein Alltagsthema wie z.B. bei „Poolposition“ finde ich z.B. auch mal ganz erfrischend.
Oder fällt die Oma beim weihnachtlichen Spieleeinkauf für den Enkel vor versammelter Kundschaft in Ohnmacht, wenn Sie plötzlich und unerwartet ein Friseurspiel um misslungene Dauerwellen in der Hand hält?

Wie seht Ihr das?

Schräge Grüße,
Micha

Benutzeravatar
Carsten Wesel

Re: Spielethemen-Einheitsbrei???

Beitragvon Carsten Wesel » 1. Oktober 2003, 08:37

Michael Andersch schrieb:
>
> Geht’s Euch auch so: Zum fünften Mal Mehrheiten in Spanien
> erobert, zum dritten Mal Stadtrat in irgendeiner
> italienischen Stadt geworden, mit allen historischen Fürsten,
> Feldherren, Dogen, etc. auf Du und Du?

Nö, Du!


> Warum kreisen eigentlich so viele Spielethemen um irgendwas
> im weitesten Sinne „historisches“?

Weil womöglich viele Menschen beim Spiel in eine andere Wirklichkeit schlüpfen wollen, um den Alltag hinter sich zu lassen. Es ist ein Unterschied, ob ich von einem hohen Felsen über die weite Landschaft schaue und Wildtiere beobachten oder vom Fernsehturm über den Marktplatz schaue und Falschparker beobachte.


> Versteht mich nicht falsch:

Das schaffe ich schon - keine Angst ;-)

Gruß Carsten (ziemlich gegenwärtig nach seinem gestrigen Geburtstag, an dem keine spanischen Entdecker vorbei kamen)
--
Heute schon geklickt auf www.fairspielt.de ?

Benutzeravatar
Thomas Rosanski

Re: Spielethemen-Einheitsbrei???

Beitragvon Thomas Rosanski » 1. Oktober 2003, 08:51

Michael Andersch schrieb:
> Geht’s Euch auch so: Zum fünften Mal Mehrheiten in Spanien
> erobert, zum dritten Mal Stadtrat in irgendeiner
> italienischen Stadt geworden, mit allen historischen Fürsten,
> Feldherren, Dogen, etc. auf Du und Du?

Geht es dir auch so: Zum x-ten Mal ein Kriminalfilm mit einen Mordopfer, zum y-ten Mal eine Teenager-Liebesschnulze im Kino, zum z-ten Mal eine Quizsendung im Fernsehen und auf jeder Kirmes die gleichen Fahrgeschäfte, etc. und mit den spielbox-Forumschreibern auf Du und Du? :-)

SCNR.

Wiederholte Grüße,

Thomas.

Benutzeravatar
Michael Andersch

Re: Spielethemen-Einheitsbrei???

Beitragvon Michael Andersch » 1. Oktober 2003, 09:13

Thomas Rosanski schrieb:

> Geht es dir auch so: Zum x-ten Mal ein Kriminalfilm mit einen
> Mordopfer, zum y-ten Mal eine Teenager-Liebesschnulze im
> Kino, zum z-ten Mal eine Quizsendung im Fernsehen und auf
> jeder Kirmes die gleichen Fahrgeschäfte, etc. und mit den
> spielbox-Forumschreibern auf Du und Du? :-)

Ich nehme Dein Posting jetzt mal ernst und gebe zu, dass es mir mit Ausnahme des letzten Punktes bei allen Sachverhalten geht wie von Dir beschrieben. Von daher
- sehe ich nur wenig fern
- war ich das letzte mal vor etwa 3 Jahren im Kino
- und wann ich zum letzten mal auf einer "Kirmes" war weiss ich gar nicht.

Und wenn Du möchtest dass ich Dich sieze lässt sich das durchaus auch einrichten ;-) ...

Sehr geehrte Grüße,
Micha

Benutzeravatar
Marc W.

Re: Spielethemen-Einheitsbrei???

Beitragvon Marc W. » 1. Oktober 2003, 09:16

Abstrakte Spiele verkaufen sich schlechter. Jedes Spiel kann zwar auf einen abstrkten Mechanismus heruntergebrochen werden, aber die Erfahrung zeigt, dass dieses Spiele nicht so gut laufen.

Das letzte Spiel des Jahres aus dieser Kategorie war "Focus", damals von Parker. Und ob sich "Blokus" ausserhalb unserers kleinen Kreises :) durchsetzen kann, wage ich zu bezweifeln.

Marc, der inzwischen keine "Mehrheiten-in-Gebieten-Spiele" mehr mag

Benutzeravatar
Thomas O.

Re: Spielethemen-Einheitsbrei???

Beitragvon Thomas O. » 1. Oktober 2003, 09:29

Hallo Micha,

ich empfinde es genauso wie Du und vermisse hin und wieder auch ausgefallenere Themen. Aber ich bin mir (fast) sicher, dass die Spieleproduzenten den Markt und die Nachfrage genau beobachten und das anbieten, was nachgefragt wird. Geschichtliche Themen haben nun mal einen ganz speziellen Reiz für die meisten (mich ausgeschlossen) und lassen sich grafisch meist ansprechender umsetzen. Und da es außer Mittelalter, Antike und Urzeit nicht mehr so viele der breiten Masse gängige Epochen gibt, wiederholen sich leider die Szenarian bisweilen.
Ich persönlich bin kein Geschichts-Fan und kann den Themen der Gegenwart mehr Interesse abgewinnen, da sie mir näher sind. Und für abgefahrene Themen der Gegenwart haben wir ja zum Glück die Kleinverlage, die auch schon mal Akten durch die Luft wirbeln lassen ;-)

Gruß, Thomas (der heute bei geschlossenem Fenster im Büro sitzt)

Benutzeravatar
Thomas Rosanski

Re: Spielethemen-Einheitsbrei???

Beitragvon Thomas Rosanski » 1. Oktober 2003, 09:35

Hallo Michael, du hast u.a. folgendes geschrieben:

> Ich nehme Dein Posting jetzt mal ernst

da machst du einen Fehler

> Von daher
> - sehe ich nur wenig fern
> - war ich das letzte mal vor etwa 3 Jahren im Kino
> - und wann ich zum letzten mal auf einer "Kirmes" war weiss
> ich gar nicht.

Und hast in den letzten 3 Jahren sehr wenig Brettspiele gespielt? ;-) Nein, worauf ich hinaus wollte: Wenn die Kunden mehr "Abwechslung" wollten, würde die Industrie das sicherlich bieten, denn sonst blieben ihnen die Kunden weg. Anscheinend sind manche Themen ("Liebesfilm", "Länder erobern spielen", "Autoscooter fahren") aber so beliebt, dass sie immer wieder gerne genommen werden.

> Und wenn Du möchtest dass ich Dich sieze lässt sich das
> durchaus auch einrichten ;-) ...

nein, aber du darfst bei mir ruhig ein kleines "du" schreiben, das grosse "Du" ist doch viel zu förmlich und ausserdem veraltert. :-)

Abwechslungsreiche Grüße,

Thomas.

Benutzeravatar
Ralf Arnemann
Kennerspieler
Beiträge: 2447

Re: Spielethemen-Einheitsbrei???

Beitragvon Ralf Arnemann » 1. Oktober 2003, 09:40

> Es ist ein Unterschied, ob ich von einem hohen Felsen über die weite
> Landschaft schaue und Wildtiere beobachten oder vom Fernsehturm über den
> Marktplatz schaue und Falschparker beobachte.
Das ist wirklich gut und einer Wiederholung wert!

Ansonsten bliebe von Michaels durchaus berechtigter Frage, warum nun von den verschiedenen Möglichkeiten für "andere Wirklichkeiten jenseits des Alltags" so überdurchschnittlich häufig historische Themen (vor allem in schönen Mittelmeerländern) auftauchen.

Meine private Vermutung ist, daß da sowohl an positive Urlaubserinnerungen angeknüpft wird wie auch das Image von Geschichtshintergründen als "kulturell hochstehend" genutzt werden soll.

Science Fiction gilt als kalt und nicht Familiengeeignet, Tierthemen umgekehrt als Kinderkram, Sport und Wirtschaft spricht nur bestimmte Zielgruppen an - dagegen sind Fantasy und Geschichte (durchaus verwandte Themen) für sehr viele Leute ansprechend.

Benutzeravatar
Michael Andersch

Re: Spielethemen-Einheitsbrei???

Beitragvon Michael Andersch » 1. Oktober 2003, 09:47

Von abstrakten Spielen spreche ich ja gar nicht. Ich will ja gerade ein Thema.

Ich dachte eher in die Richtung von Carstens Posting ("Es ist ein Unterschied, ob ich von einem hohen Felsen über die weite Landschaft schaue und Wildtiere beobachten oder vom Fernsehturm über den Marktplatz schaue und Falschparker beobachte"). Wobei ich mit dem Beobachten und vielleicht strafrechtlichen Verfolgen der Falschparker thematisch kein Problem hätte, wenn der Mechanismus gut ist.

Micha

Benutzeravatar
Marc MF

Die Lücke ist bereits entdeckt!

Beitragvon Marc MF » 1. Oktober 2003, 09:50

Einige Verlage haben dieses Problem bzw. diese Nische imho schon erkannt.
Aktuelles Beispiel:

Fliegen.

Im Grunde ein biederes Biet- und Bluffspiel, aber in sehr witzigem Gewand!

Grüßle,
Marc
MF

Benutzeravatar
Heinrich Glumpler

Re: Spielethemen-Einheitsbrei???

Beitragvon Heinrich Glumpler » 1. Oktober 2003, 10:02

Hi,

mit Einheitsbrei ist man auf der sicheren Seite - aus diesem Grund kann ich zumindest recht gut verstehen, warum große Verlage sich da nur langsam bewegen.

Auf der anderen Seite hat Ravensburger auf dem Goettinger Autorentreffen in diesem Jahr angedeutet, das man auch mal an etwas anderem interessiert sei als immer nur ein Spielbrett mit Poeppeln drauf und Karten auf der Hand.
Das zeugt zwar nicht gerade vom Umdenken bezueglich des Themas, aber ich denke, bei Mechanismen will man ein biszchen weg vom Einheitsbrei.

Und das find' ich gut.

Außerdem - wie es bereits jemand sagte - gibt es noch die Kleinverlage...

...*unser* diesjaehriges Thema war den Verlagen uebrigens nicht "massentauglich" genug, wenn ich das hier mal anmerken darf ;-)

Gruesze
Heinrich
( www.erlkoenig.net )

Benutzeravatar
cristinus

[OT]: Kinobesuche

Beitragvon cristinus » 1. Oktober 2003, 10:52

Hallo,

> - war ich das letzte mal vor etwa 3 Jahren im Kino

Ui, da hast Du aber einige herausragende Filme verpasst, die
durchaus innovativ waren und nicht der X. Wiederaufguss eines alten Themas.

Ich empfehle dringendsten einen selektiven Kinobesuch, um die
wirklich guten Filme nicht zu verpassen.
Es lohnt sich auch für Nicht-Cineasten!!

Spiele Gruesse
Christian

(Der derzeit einmal die Woche ins Kino geht und sich ueber die staendig gleiche Werbung aergert. Der einzige Lichtblick ist die aktuelle Nike-Reise-nach-Jerusalem-Werbung.)

Benutzeravatar
Michael Andersch

Re: [OT]: Kinobesuche

Beitragvon Michael Andersch » 1. Oktober 2003, 10:57

christian schrieb:
>
> Ui, da hast Du aber einige herausragende Filme verpasst, die
> durchaus innovativ waren und nicht der X. Wiederaufguss eines
> alten Themas.

Och naja.
Vieles was immer so gehyped wird ist dann doch nicht so was besonderes (z.B. fand ich den ersten Teil vom Herrn der Ringe schlichtweg voll langweilig - wie das Buch übrigens auch). Und nach 2 Jahren kommt's eh im Fernsehen.

Viele Grüße,
Micha

Benutzeravatar
Markus N.

Einheitsbrei ist notwendig

Beitragvon Markus N. » 1. Oktober 2003, 11:34

Hallo,

ich denke, das es der Industrie in erster Linie auf den Marktauftritt ankommt! Mit dem Layout, dem Thema und mit dem Autor muss die Zielgruppe angesprochen werden. Die wenigsten Spiele verkaufen sich über den Mechanismus.

Und wenn wir das Friseur-Dauerwellen-Thema mal aufgreifen wollen:

Stellen wir uns doch nur mal vor, im Spielwarenregal liegt ein Spiel über "Kleidung verkaufen in einem Kaufhaus", erschienen bei XY-Games von mir als Autor, Kostenpunkt 25,00 Euro.
Daneben liegt ein Dauerwellen-Frisier-Spiel von Ravensburger, Autor Reiner Knizia und Kostenpunkt ebenfalls 25,00 Euro.
Weiter daneben liegt ein Entdeckungsspiel mit dem Titel "Die ganz neuen Entdecker" von Klaus Teuber (mit dem Zusatz: Der Erfolgsautor von DSvC), erschienen bei Kosmos und ebenfalls 25,00 Euro.
Als Zielgruppe ist auf allen drei Verpackungen ab 12 Jahre angegeben (was für mich heißt, es fällt in die Kategorie Erwachsenenspiele!)
Welches Spiel verkauft sich nun wohl am besten?

Das von mir kaufen sich wahrscheinlich nur Freaks, wie wir hier im Forum. Weil sie der Mechanismus interessiert, der neue Verlag, der neue Autor. Wenn ich Glück habe bekomme ich es damit deutschlandweit 250-500 mal verkauft. (siehe Ad acta, nenne mir einen 0815-Spieler, der dieses Spiel besitzt! Ähm hm...weiß nicht...! Und jetzt nenne mir drei Freaks, die es sich gekauft haben.... Klaus, Peter, Thomas...)

Das Friseur-Spiel kaufen sich die 250-500 eben erwähnten Freaks, weil sie darauf bauen, das ein Knizia gut sein muss, und weil es ein Thema ist, was nicht in diesem Einheitsbrei mitschwimmt. Außerdem kaufen es noch 3000 Omas, Tanten oder Mütter für Ihre 12-14 jährigen Töchter, sofern die sich ein Spiel gewünscht haben. Macht ca. 3500 verkaufte Exemplare. (siehe Punk sucht Lady...)

Das Entdeckerspiel (Einheitsbrei-Thema) bei bekanntem Verlag von bekanntem Autor mit nettem Layout wird sich wahrscheinlich in 4 bis 5-facher Menge verkaufen. Das nämlich kaufen die Freaks, die Omas, Mütter und Tanten und alle die, die gerne mal ab und an einen Spieleabend machen und vermutlich schon die SvC im Regal stehen haben - also ca. 12-20 Tausend Menschen.

Und wenn wir ganz ehrlich sind, ist es so und nicht anders... Die Verlage sind Unternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht, ganz normaler Lauf der Dinge eben, nichts verwerfliches ... und da müssen Produkte her, die die breite Masse ansprechen.

Und wenn der 0815-Spieler (drei bis 10 Spieleabende im Jahr - ich hoffe ich greife jetzt niemanden an!) vor einem Regal steht mit "Der Friseur hat´s schwör" oder "Die neuen Entdecker"... dann nimmt er Letzteres!
Darauf verwette ich mein Erspartes für die Messe!

Nichts desto trotz würde ich auch mal wieder was "Neues" begrüßen...
Neues modernes Thema und neue Autoren!

Analysierende Grüße
Markus

Benutzeravatar
Michael Andersch

Re: Einheitsbrei ist notwendig

Beitragvon Michael Andersch » 1. Oktober 2003, 11:52

Hallo Markus,

sehr guter Beitrag!

In Deiner Gegenüberstellung hast Du allerdings einen Fall ausgespart, der z.B. lauten könnte:

"Weiter daneben liegt ein Friseurspiel mit dem Titel "Die
Coiffeure von Ravensburg" von Klaus Teuber (mit dem Zusatz: Der
Erfolgsautor von DSvC), erschienen bei Hans im Glück und ebenfalls
25,00 Euro UND IN STILVOLLER AUFMACHUNG (nicht in irgendwelchen Neonpop-Teenie-Farben)"

Denkst Du nicht, dass der Zusatz "...Catan..." in so einem Fall auch ziehen müsste?
Wollen die Leute wirklich unbedingt in Mittelalterthemen abtauchen? Ich habe keine Ahnung. Ich persönlich mache es gerne, aber ebenso gerne würde ich mal wa anderes spielen (ok, ich male jetzt zugegebenermassen ein wenig schwarz weiss. Es gibt jede Menge Spiele, die nicht im Italien des 16. Jahrhunderts angesiedelt sind).


> ich denke, das es der Industrie in erster Linie auf den
> Marktauftritt ankommt! Mit dem Layout, dem Thema und mit dem
> Autor muss die Zielgruppe angesprochen werden. Die wenigsten
> Spiele verkaufen sich über den Mechanismus.

Ohne Frage. Volle Zustimmung.


> Und wenn wir ganz ehrlich sind, ist es so und nicht anders...
> Die Verlage sind Unternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht,
> ganz normaler Lauf der Dinge eben, nichts verwerfliches ...
> und da müssen Produkte her, die die breite Masse ansprechen.

Ja. Stimmt. Aber - und das ist vielleicht meine eigentliche Frage:
Wird die breite Masse tatsächlich nur über Historienschinken angesprochen? Sollte sich z.B. "Auf Achse", das ich jetzt einfach mal als ein Spiel mit modernem Thema aufgreifen möchte, tatsächlich nochmals besser verkauft haben, wenn ich mit dem gleichen Spielmechanismus Waren zwischen irgendwelchen italienischen Städten herumtransportieren hätte müssen?

Wie rum läuft der Hase? Verkaufen sich Spiele mit aktuelleren Themen so schlecht (wenn dem so sein sollte) weil sie tatsächlich keiner will?
Oder verkaufen sie sich ggf. schlecht, weil die Verlage denken dass sie sich schlecht verkaufen werden und somit es eher wenige Spiele mit solchen Themen gibt, die Marktdurchdringung also eher gering ist?

Viele Grüße,
Micha

Benutzeravatar
RoGo

Re: Spielethemen-Einheitsbrei???

Beitragvon RoGo » 1. Oktober 2003, 12:01

Hallo Michael,
wir machen gerade den ultimativen Test:
Ein Spiel mit zwei Gesichtern.
Einmal mittelalterliche Stadt, einmal moderne Südseeinsel.
Ich selber würde sofort die Insel schnappen, Händlervorbestellung sehen aber in etwa 2/3 zu 1/3 für die alte Stadt aus. Und das obwohl gerade HiG einen Kniziaschen Carcassonne Verschnitt mit gleichem Thema und gleicher Kramerleiste angekündigt hat.
Mal sehen wie die Zahlen in Essen aussehen.
Marktforscherische Grüße
Roland

Benutzeravatar
Dirk T.

Re: [OT]: Kinobesuche

Beitragvon Dirk T. » 1. Oktober 2003, 12:07

... und wie schön ist es da doch, dass viele Menschen viele unterschiedliche Ansichten haben. Ich jedenfalls freue mich tierisch auf "Die Rückkehr des Königs".

Davor werde ich mich noch ein paar mal mit HdR 1+2 langweilen.

Dirk (der das Buch schon vor 15 Jahren verschlungen hat, ohne danach aufzustossen)

Benutzeravatar
Thomas O.

Re: Einheitsbrei ist notwendig

Beitragvon Thomas O. » 1. Oktober 2003, 13:16

Michael Andersch schrieb:
>
> Sollte sich z.B. "Auf Achse", das ich jetzt einfach mal als ein Spiel mit
> modernem Thema aufgreifen
> möchte, tatsächlich nochmals besser verkauft haben, wenn ich
> mit dem gleichen Spielmechanismus Waren zwischen
> irgendwelchen italienischen Städten herumtransportieren hätte
> müssen?


Hallo Micha,

Du unterschlägst, dass "Auf Achse" bereits über 16 Jahre alt ist und auch die Fachpresse es als ein "in die Jahre gekommenes Spiel" bezeichnet. In den 70ern, 80ern und den beginnenden 90ern war der Trend zu historischen Spielthemen noch nicht so ausgeprägt wie heute, man denke an all die "Hase und Igels", "Scotland Yards", diverse Börsenspiele, "Manhatten" und andere Städtebauspiel und wie sie alle heißen. Würde ein Autor heute ein Spiel wie "Auf Achse" einem Verlag anbieten, würde der Reakteur (vermutlich) ein historisch oder zumindest geographisch exotisches Thema um den Mechanismus basteln.
Somit kann zumindest für die heutige Zeit gesagt werden, dass sich ein "Waren-zwischen-italienischen-Städten-herumtransportier-Spiel" besser verkaufen würde als ein "Kies-von-der Sandgrube-zur-Baustelle-bring-Spiel".
Ich vermute, die Menschen haben ein verstärktes Bedürfnis, in exotische Welten abseits des Alltags abzutauchen (über Kieslaster auf der Straße ärgert man sich doch nur...)
Für mich trifft das nicht zu, ich entsorge auch schon mal gerne Giftfässer in die Lager meiner Mitspieler ;-)

> Viele Grüße,
> Micha

Viele Grüße zurück, Thomas

Benutzeravatar
cristinus

Re: [OT]: Kinobesuche

Beitragvon cristinus » 1. Oktober 2003, 13:22

> Och naja.
> Vieles was immer so gehyped wird ist dann doch nicht so was
> besonderes (z.B. fand ich den ersten Teil vom Herrn der Ringe
> schlichtweg voll langweilig - wie das Buch übrigens auch).

Natürlich wird um Filme mit guter Idee ein Hype gemacht, da eine gute Idee natürlich auch gesehen werden will.
DHdR ist da aber ein schlechtes Beispiel, weil es sich dabei ja nicht um eine neue Geschichte, sondern um eine - sehr gelungene - Literaturverfilmung.
An innovativen Filmen der letzten Jahre fallen mir spontan The 6th Sense, The Others, Mullholland Drive und - aktuell - Identität ein. Alles Filme, bei denen ich es nicht bereue, sie auf der grossen Leinwand gesehen zu haben.

> Und nach 2 Jahren kommt's eh im Fernsehen.

Was Du ja nach eigener Aussage auch nur selten siehst.
Ausserdem könnten wir da jetzt eine Diskussion starten, ob es nicht Filme gibt, die man besser nicht auf 72cm Diagonale sieht.

Spiele Gruesse
Christian

Benutzeravatar
Michael Andersch

Re: Einheitsbrei ist notwendig

Beitragvon Michael Andersch » 1. Oktober 2003, 14:07

Thomas O. schrieb:
>
> Du unterschlägst, dass "Auf Achse" bereits über 16 Jahre alt ist

Naja, "unterschlagen". Was für ein hartes Wort ;-) - Ist mir halt grade so eingefallen.
Dann nehmen wir halt ein anderes Spiel, das sich gut verkauft und keinen historischen Background hat, z.B. Bohnanza. Obwohl - das hat eigentlich überhaupt keinen Background, (zumindest keinen zeitlichen).
Aber bist Du der Meinung, mit einem historischen Thema hätte es sich besser verkauft?
Mag durchaus sein, aber es hat gute Verkaufszahlen auch mit einem anderen Thema. Und gäbe es das Spiel noch nicht und ich würde jetzt sagen, dass ein Spiel über Bohnenhandel doch mal eine schicke Sache wäre würden vermutlich viele die Nase rümpfen und bei gleichem Mechanismus ein Spiel über Weinhandel im Italien des 16. Jh. bevorzugen.

> Ich vermute, die Menschen haben ein verstärktes Bedürfnis, in
> exotische Welten abseits des Alltags abzutauchen

Also, mir ist mein Alltag exotisch genug ;-)
Aber ich verstehe das Argument schon.

> Für mich trifft das nicht zu, ich entsorge auch schon mal
> gerne Giftfässer in die Lager meiner Mitspieler ;-)

Oh ja, ich auch. Und wehe, der "Atomfred" kommt und die Lager sind voller als erlaubt - hässlich, hässlich...hähähähähä... :D

Viele Grüße,
Micha

Benutzeravatar
Michael Andersch

Re: Spielethemen-Einheitsbrei???

Beitragvon Michael Andersch » 1. Oktober 2003, 14:18

RoGo schrieb:
>
> wir machen gerade den ultimativen Test:
> Ein Spiel mit zwei Gesichtern.
> Einmal mittelalterliche Stadt, einmal moderne Südseeinsel.

Sehr gute Initiative, die Herren Goslar. Weiter so!!!!

> Ich selber würde sofort die Insel schnappen,

Ich auch. Von der Optik her zumindest gefällt sie mir viel besser.

> Händlervorbestellung sehen aber in etwa 2/3 zu 1/3 für die
> alte Stadt aus. Und das obwohl gerade HiG einen Kniziaschen
> Carcassonne Verschnitt mit gleichem Thema und gleicher
> Kramerleiste angekündigt hat.

Obwohl? Oder grade weil?

Viele Grüße,
Micha

Benutzeravatar
Thomas O.

Re: Einheitsbrei ist notwendig

Beitragvon Thomas O. » 1. Oktober 2003, 14:24

Michael Andersch schrieb:
>
> Naja, "unterschlagen". Was für ein hartes Wort ;-)

Harte Zeiten erfordern ebensolche Worte - und die Zeit bis zum 23. Oktober sind defintiv harte Zeiten ;-)

> Dann nehmen wir halt ein anderes Spiel, das sich gut verkauft
> und keinen historischen Background hat, z.B. Bohnanza. Obwohl
> - das hat eigentlich überhaupt keinen Background, (zumindest
> keinen zeitlichen).
> Aber bist Du der Meinung, mit einem historischen Thema hätte
> es sich besser verkauft?
> Mag durchaus sein, aber es hat gute Verkaufszahlen auch mit
> einem anderen Thema. Und gäbe es das Spiel noch nicht und ich
> würde jetzt sagen, dass ein Spiel über Bohnenhandel doch mal
> eine schicke Sache wäre würden vermutlich viele die Nase
> rümpfen und bei gleichem Mechanismus ein Spiel über
> Weinhandel im Italien des 16. Jh. bevorzugen.

Bohnanza ist ein gutes Beispiel, zugegeben. Aber bei Kartenspielen habe ich das Gefühl, dass der Trend zu historischen Themen (noch) nicht so ausgeprägt ist, was eventuell damit zusammenhängt, dass wir keinen Spielplan vor uns haben, der uns das Agieren in einer fremden, historischen Welt suggeriert. Auch die Schachtel bietet ob ihrer Größe nicht so viel Platz für eine episch Grafik. Aber Du hast schon Recht, der Markterfolg ist überraschend groß.
Aber denk mal andererseits an die thematische Einbettung des Brettspiels Bohnhansa...

Gruß, Thomas (müsste heute mal wieder Personal rationalisieren ;-) )

Benutzeravatar
Michael Andersch

Re: Einheitsbrei ist notwendig

Beitragvon Michael Andersch » 1. Oktober 2003, 15:10

Thomas O. schrieb:
>
> Harte Zeiten erfordern ebensolche Worte - und die Zeit bis
> zum 23. Oktober sind defintiv harte Zeiten ;-)

Du hast recht. Aber das habe ich von einem pickelharten Müllentsorger auch nicht anders erwartet ;-) !

> Bohnanza ist ein gutes Beispiel, zugegeben. Aber bei
> Kartenspielen habe ich das Gefühl, dass der Trend zu
> historischen Themen (noch) nicht so ausgeprägt ist, was
> eventuell damit zusammenhängt, dass wir keinen Spielplan vor
> uns haben, der uns das Agieren in einer fremden, historischen
> Welt suggeriert. Auch die Schachtel bietet ob ihrer Größe
> nicht so viel Platz für eine episch Grafik.

Das sehe ich jetzt nicht so. Nimm beispielsweise Meuterer, Verräter, Am Rande des Gletschers oder meinetwegen auch Magic. Ich finde, auf den Karten lässt sich mit entsprechender Grafik schon einiges an Stimmung und Ambiente rüberbringen.

> Aber denk mal andererseits an die thematische Einbettung des
> Brettspiels Bohnhansa...

Ja. Aber das wurde den Verbrauchern von Verlagsseite ja quasi "aufoktroiert" (welch ein Wort! Hätte damals in Geschichte nicht gedacht, dass ich es jemals wieder würde einsetzen können!). Da stehen ja keine Erfahrungswerte dahinter (z.B. eine Verbraucherumfrage: "Welche Themen hätten Sie bei Spielen gerne?"), noch ist der Nachweis erbracht, dass sich das Spiel besonders gut verkauft (und wenn, ob dies aufgrund des Themas der Fall ist oder weil der Mechanismus oberprimstens ist oder weil es einfach im Windschatten von Bohnanza mitschwimmt).

> Gruß, Thomas (müsste heute mal wieder Personal
> rationalisieren ;-) )

Da ich aus Erfahrung weiß dass es in der Müllbranche nicht ganz einfach ist mehrere Dinge gleichzeitig zu optimieren schliesse ich daraus, dass Du nicht daran denkst, den Müllausstoss zu reduzieren? Schäm' Dich!

Tsss,tsss,tsss!!!!!
Micha

Benutzeravatar
Thomas O.

Re: Einheitsbrei ist notwendig

Beitragvon Thomas O. » 1. Oktober 2003, 15:33

Michael Andersch schrieb:
>
> Das sehe ich jetzt nicht so. Nimm beispielsweise Meuterer,
> Verräter, Am Rande des Gletschers oder meinetwegen auch
> Magic. Ich finde, auf den Karten lässt sich mit
> entsprechender Grafik schon einiges an Stimmung und Ambiente
> rüberbringen.

OK, Deine Erfahrung als Kartenspiel-Profi spricht Bände, denen ich nichts entgegen setzen möchte. Was Bohnhansa angeht, wird die Sogwirkung des Kartenspiels einiges ausmachen, ohne das Spiel schlecht machen zu wollen (obwohl es nichts für Logistik-Optimierer ist).

> Da ich aus Erfahrung weiß dass es in der Müllbranche nicht
> ganz einfach ist mehrere Dinge gleichzeitig zu optimieren
> schliesse ich daraus, dass Du nicht daran denkst, den
> Müllausstoss zu reduzieren?

Brauch ich auch nícht, wofür gibt es den guten alten Mülltourismus? :-)

Schmutzige Grüße, Thomas

Benutzeravatar
Michael Andersch

Re: Einheitsbrei ist notwendig

Beitragvon Michael Andersch » 1. Oktober 2003, 15:45

Thomas O. schrieb:
>
> OK, Deine Erfahrung als Kartenspiel-Profi spricht Bände,
> denen ich nichts entgegen setzen möchte.

Entdecke ich hier einen leichten Anflug von Ironie?

> Brauch ich auch nícht, wofür gibt es den guten alten
> Mülltourismus? :-)

Ja, der war schon so manches mal die Rettung, hähähähäh!

Sich nur nach außen hin sozial gebende Grüße,
Micha


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 35 Gäste