Beitragvon Markus N. » 1. Oktober 2003, 11:34
Hallo,
ich denke, das es der Industrie in erster Linie auf den Marktauftritt ankommt! Mit dem Layout, dem Thema und mit dem Autor muss die Zielgruppe angesprochen werden. Die wenigsten Spiele verkaufen sich über den Mechanismus.
Und wenn wir das Friseur-Dauerwellen-Thema mal aufgreifen wollen:
Stellen wir uns doch nur mal vor, im Spielwarenregal liegt ein Spiel über "Kleidung verkaufen in einem Kaufhaus", erschienen bei XY-Games von mir als Autor, Kostenpunkt 25,00 Euro.
Daneben liegt ein Dauerwellen-Frisier-Spiel von Ravensburger, Autor Reiner Knizia und Kostenpunkt ebenfalls 25,00 Euro.
Weiter daneben liegt ein Entdeckungsspiel mit dem Titel "Die ganz neuen Entdecker" von Klaus Teuber (mit dem Zusatz: Der Erfolgsautor von DSvC), erschienen bei Kosmos und ebenfalls 25,00 Euro.
Als Zielgruppe ist auf allen drei Verpackungen ab 12 Jahre angegeben (was für mich heißt, es fällt in die Kategorie Erwachsenenspiele!)
Welches Spiel verkauft sich nun wohl am besten?
Das von mir kaufen sich wahrscheinlich nur Freaks, wie wir hier im Forum. Weil sie der Mechanismus interessiert, der neue Verlag, der neue Autor. Wenn ich Glück habe bekomme ich es damit deutschlandweit 250-500 mal verkauft. (siehe Ad acta, nenne mir einen 0815-Spieler, der dieses Spiel besitzt! Ähm hm...weiß nicht...! Und jetzt nenne mir drei Freaks, die es sich gekauft haben.... Klaus, Peter, Thomas...)
Das Friseur-Spiel kaufen sich die 250-500 eben erwähnten Freaks, weil sie darauf bauen, das ein Knizia gut sein muss, und weil es ein Thema ist, was nicht in diesem Einheitsbrei mitschwimmt. Außerdem kaufen es noch 3000 Omas, Tanten oder Mütter für Ihre 12-14 jährigen Töchter, sofern die sich ein Spiel gewünscht haben. Macht ca. 3500 verkaufte Exemplare. (siehe Punk sucht Lady...)
Das Entdeckerspiel (Einheitsbrei-Thema) bei bekanntem Verlag von bekanntem Autor mit nettem Layout wird sich wahrscheinlich in 4 bis 5-facher Menge verkaufen. Das nämlich kaufen die Freaks, die Omas, Mütter und Tanten und alle die, die gerne mal ab und an einen Spieleabend machen und vermutlich schon die SvC im Regal stehen haben - also ca. 12-20 Tausend Menschen.
Und wenn wir ganz ehrlich sind, ist es so und nicht anders... Die Verlage sind Unternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht, ganz normaler Lauf der Dinge eben, nichts verwerfliches ... und da müssen Produkte her, die die breite Masse ansprechen.
Und wenn der 0815-Spieler (drei bis 10 Spieleabende im Jahr - ich hoffe ich greife jetzt niemanden an!) vor einem Regal steht mit "Der Friseur hat´s schwör" oder "Die neuen Entdecker"... dann nimmt er Letzteres!
Darauf verwette ich mein Erspartes für die Messe!
Nichts desto trotz würde ich auch mal wieder was "Neues" begrüßen...
Neues modernes Thema und neue Autoren!
Analysierende Grüße
Markus