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Spieleabend zum Thema "Strategie- und Kriegsspiel"

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Michael-spielbox

Spieleabend zum Thema "Strategie- und Kriegsspiel"

Beitragvon Michael-spielbox » 14. November 2003, 14:16

Hallo

nach langer Zeit eifriger und interessierter aber passiver Teilnahme in den Foren
würde ich mich über ein paar Anregungen von Euch freuen.

Wozu?

Im rahmen einer Veranstaltungsreihe zum Thema "Krieg und Frieden" in unserer Kirchengemeinde ist nach mehreren aus Vorträgen mit anschließenden Diskussionrunden besthenden Veranstaltungsabenden jetzt für Anfang 2004 eine mehr künstlerische Herangehensweise an das Thema geplant. Dabei ist auch an einen Spieleabend mit dem Thema "Strategie- und Kriegsspiele" gedacht.

Habt Ihr außer den üblichen Verdächtigen
Schach
Go
Risiko
noch weitere Vorschläge?

Wie sieht´s da mit
Cosim´s und Table-Top´s aus

Krieg und Frieden von TM-Spiele passt vom Titel her wie die Faust auf´s Auge, aber es als Kriegsspiel zu bezeichnen?

Vielen Dank im Voraus

Michael

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Michael Andersch

RE: Spieleabend zum Thema "Strategie- und Kriegsspiel"

Beitragvon Michael Andersch » 14. November 2003, 14:41

Hallo und willkommen!

> Im rahmen einer Veranstaltungsreihe zum Thema "Krieg und
> Frieden" in unserer Kirchengemeinde ist nach mehreren aus
> Vorträgen mit anschließenden Diskussionrunden besthenden
> Veranstaltungsabenden jetzt für Anfang 2004 eine mehr
> künstlerische Herangehensweise an das Thema geplant. Dabei
> ist auch an einen Spieleabend mit dem Thema "Strategie- und
> Kriegsspiele" gedacht.

Sehr gut! Ein Spieleabend ist nie verkehrt ;-)


> Habt Ihr außer den üblichen Verdächtigen
> Schach
> Go
> Risiko
> noch weitere Vorschläge?

Also, da gibt's so viele, dass ich mal sagen würde das geht locker in die hunderte...
Aber: Nicht jedes Strategiespiel ist ein Kriegsspiel, und "Kriegsspiel" ist halt auch immer so eine Definitionssache. Ist z.B. Schach ein Kriegsspiel? Ich finde nicht, dafür ist es mir zu abstrakt. Aber das ist durchaus Ansichtssache. Zählen auch im Fantasygenre beheimatete Themen dazu, oder Spiele, deren Hauptelement der Handel ist, die aber auch ein kleines kriegerisches Element aufweisen?

Nachfolgend mal eine Liste möglicher Kandidaten, aber besser kann Dir sicherlich geholfen werden, wenn Du Deine Vorstellungen etwas konkreter fasst:

Diplomacy
Vinci
Mare Nostrum (jaja, Jost, ich weiss: Es ist eigentlich kein Eroberungsspiel ;-) )
Cry Havoc + Erweiterungen
BattleCards: World Conflict
Bohnanza + Bohnaparte oder Dschingisbohn ;-)
Diskwars
Advanced Squad Leader
Norden & Süden
Waterloo
Stratego
Shogun
Axis & Allies
Wallenstein


> Krieg und Frieden von TM-Spiele passt vom Titel her wie die
> Faust auf´s Auge, aber es als Kriegsspiel zu bezeichnen?

Nicht unbedingt. Es geht darum, eine Kathedrale zu bauen (und dies so zu tun, dass für einen selber die meisten Prestigepunkte abfallen). Der Kriegsaspekt kommt eigentlich nur dadurch in's Spiel, dass man die Arbeiter- und Bauhütten der Mitspieler zerstören kann.
Es ist also kein Kriegsspiel, wenn man darunter in irgendeiner Form den Mechanismus "Gebietseroberung" versteht.
Als Strategiespiel kann man es m.E. aber schon bezeichnen. Wenn es auch einen deutlichen Glücksanteil hat.

Friedliche Grüße,
Micha

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Mike

Re: Spieleabend zum Thema "Strategie- und Kriegsspiel"

Beitragvon Mike » 14. November 2003, 15:06

Hallo Michael
Da passt Diplomacy doch wie die Faust auf's Auge. Dauert mit Verhandlungen nur so seine Zeit.
Mike

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Martin Ebel

Re: Spieleabend zum Thema "Strategie- und Kriegsspiel"

Beitragvon Martin Ebel » 14. November 2003, 15:28

Die vielen Spiele aus den "Strategy & Taktic" Heften eines verlages, der der US Army nahesteht. Berühmtestes Spiel "fifth corps", das es dann auch als Schachtelspiel "Fulda gap" traurige berühmtheit ende der 70er erlangte, als man es menschen aus der nordhessischen Gegend vorlegte, die spielerisch den ansturm der roten Panzerarmeen durch taktische Atombomben auf das eigene Land abwehren sollte.
Man sollte nie vergessen: Nicht das strategische Spiel ist der Schuldige an den kriegerischen Konflikten, sondern die Gedanken der Menschen, die immer noch glauben, es gäbe gerechte Kriege oder Konflikte wären mit kriegerischen Mitteln lösbar oder gar gut für einen humanen Zweck. Natürlich muß sich auch ein Spieleautoroder Verlag fragen lassen, warum er gerade für sein Spiel ein solches und nicht ein unbelasteteres Thema gewählt hat.
am liebsten wären mir Spiele, bei denen die Spieler die Wahl zwischen kriegerischen und friedlichen Konfliktlösungen. Bei "Brot für die Welt" hat man mal in den 70er Jahren eine Reihe solcher Spiele herausgebracht. Auch christwart Konrad beschäftigt sich mit seinen Großgruppenspielangeboten mit diesen Gewissensentscheidungen. Ich hätte noch einiges dazu zu sagen, aber hier am Platz habe ich nicht die Möglichkeit, dazu material zu sammeln.

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Steffen S.

Re: Spieleabend zum Thema "Strategie- und Kriegsspiel"

Beitragvon Steffen S. » 15. November 2003, 01:17

Hallo Michael,

wie bereits von M. Andersch geschrieben, gibt es dazu hunderte Beispiele, insbesondere dann, wenn man i.S:v. Schach und Go jedes Spiel als "kriegerisch" einstufen möchte, das den Aspekt des "Figuren schlagens" in irgend einer Form verarbeitet.
KoSims sind sicher die idealen Vertreter für die Thematik, allerdings eignen sie sich wohl im Rahmen eines Spieleabends eher als Vorführobjekt (v.a. Spiele, die direkt Kriegsschiffe, Kanonen und/oder Soldaten als Figuren verwenden, s. Attack!, Axis&Allies, History of the World u.v.a.), denn als Spielmöglichkeit, insbes. für Leute, die mit diesen Spielen nicht vertrauet sind, dauern sie im allgemeinen zu lange und sind z.T. regeltechnisch zu kompliziert, als dass eine "spontane Runde" an einem Spieleabend wirklich Sinn machen.

Ich beschränke mich in meiner Liste mal auf einige Titel, die relativ schnell erklärt und in max. 1 Stunde gespielt sind:

Attila (Gebietseroberung mit "Kampf" wenn ein Gebiet zu voll wird)
Alexandros (Gebietsabgrenzung und Besetzung)
Bosworth (ein lustiges 4-Personen-Schach auf einem 4*4-Feld)
Condottiere (i.w.S. eine Art "Risiko mit Karten (statt Wüfeln)", aber abwechslungsreicher und kürzer)
Krone&Schwert (Burgen- und Städtebau und "Kriege" durch Handkarten mit Parteienbildung)
Vinci (wurde bereits genannt)

bei etwas mehr Spielzeit und Regelleserei vielleicht auch
Serenissima
Wallenstein (wurde auch bereits genannt)


Bei Tabletops kenne ich mich leider gar nicht aus.

Gruß,
Steffen

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Lothar Kothe
Kennerspieler
Beiträge: 185

Re: Spieleabend zum Thema "Strategie- und Kriegsspiel"

Beitragvon Lothar Kothe » 15. November 2003, 08:34

Hallo Michael,

ich würde an Deiner Stelle die Finger davon lassen. Spielt - aber unter dem Gesichtspunkt, das Spielen Spaß macht. Welches Spiel auch immer.

Cosims in so einem Forum dazustellen ist auf Grund ihrer Komplexität nicht möglich. Außerdem sind es in der Regel Zwei-Personen-Spiel. Je nachdem, was Du für Leute am Tisch hast, kannst Du höchstens einen "Igitt Bäh Bäh" Effekt erzielen. Dies würde diesen Spielen (und denen, die diese spielen) aber nicht gerecht werden.

Über Schach darf man nicht streiten.

Am besten suchst Du ein paar "Herder-Spiele" aus. Ansonsten würde ich den "Herrn der Ringe" empfehlen. Der funktioniert dann wenigsten.

Wenn ich mich recht erinnere, ist in den 80er Jahren ein ähnlicher Versuch an der Uni Marburg auch gescheitert.

Viele Grüße
Lothar Kothe

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Peter Gustav Bartschat

Bärentipps zu einem "Krieg und Frieden"-Sortiment

Beitragvon Peter Gustav Bartschat » 15. November 2003, 11:43

Die große Frage ist, lieber Michael: Mit welcher Zielsetzung soll dieser Spieleabend stattfinden?

Die übliche Zielsetzung bei Veranstaltungen dieser Art ist ja, durch eine tendenziöse Auswahl in Verbindung mit ohne jede Sachkenntnis verbundenen Vorträgen Gefahren für die Jugend durch Spiele mit Kriegs-Thematik herbeizubescwören und dann im Abschluss gemeinschaftlich nach Verboten zu schreien.

Wenn ihr aber einen unüblichen Weg gehen und euch ernsthaft mit der Frage "Darstellung von Krieg und Frieden im Spiel" beschäftigen wollt (und das glaube ich zumindest bei dir ohne weiteres, weil du sonst kaum hier recherchieren würdest), dann ist mein erster Tipp:

Klammert den Oberbegriff "Strategiespiel" aus eurer Suche aus. Ein Strategiespiel ist ein Spiel, das von den Spielern langfristige Planung ihrer Spielzüge und selbst formulierbare Zielsetzungen erfordert - mit "Krieg" hat das nicht unbedingt etwas zu tun. (Ein Strategiespiel kann auch ein Kriegsspiel sein, in dem Sinne, wie ein Katholik auch ein Brillenträger sein kann.)

Tipp Nummer zwei: Euer Thema ist ja nicht "Krieg", sondern "Krieg UND Frieden". Verzichtet also auf reine Kampf-Simulationen. Besser passen Spiele, die den Spielern die Wahl zwischen Krieg und Frieden auf Spielbrett und Tisch lassen, und die im besten Fall sowohl auf diplomatischen wie auf militärischen Wege gewinnbar sind, mindestens aber Chancen und Risiken des Krieg-Führens abzuwägen zwingen.

Manche wurden hier schon genannt; speziell unter diesem "dualistischen" Aspekt empfehle ich:
- Wallenstein
- Anno 1452
- Krone und Schwert
- Ehre der Samurai
- Mare Nostrum
- Euphrat und Tigris
- Das Tal der Mammuts
- Knatsch

In nicht allen diesen Spielen wird im eigentlichen Sinne des Wortes "Krieg" geführt, sie alle aber lassen den Spielern die Wahl, ob sie gegen ihre Mitspieler vorgehen oder mit ihnen co-existieren wollen, ob sie nach einem erfolgten Angriff einen Vergeltungsschlag ausführen oder sich zurückziehen wollen. In wie weit sie tatsächlich für einen eingefleischten Pazifisten, der beim leisesten Anzeichen eines Konfliktes das Hasenpanier ergreift, gewinnbar sind, ist eine andere Frage: Entscheidend ist, dass das Regelwerk den Spielern die Wahl lässt.

Dazu kommt, dass die Spiele von "strategisch anspruchsvoll" (Euphrat und Tigris) bis "Zufalls- und Würfelgesteuert" (Knatsch) eine ziemliche Bandbreite abdecken; zum einen also zeigen, was "spielerisch möglich" ist, zum anderen auch (wenn denn tatsächlich gespielt wird) für jeden Geschmack etwas anbieten.

Auch "Princes of the Rennaissance" könnte man noch dazu nehmen: Der Anteil "Krieg" nimmt zwar in der Summe all dessen, was die Spieler im Verlauf des Spiels tun, einen recht geringen Platz ein, kann aber, wenn sich jemand darauf spezialisiert, den Spielverlauf nachhaltig beeinflussen - auch das ist ein Aspekt des Krieges im "Zusammenspiel der Nationen".

Und zum Spiel "Krieg und Frieden": Ja, auch das solltet ihr zeigen; weil es des Titels wegen zur Veranstaltung passt und weil es ein hübsches Beispiel ist, wie Titel und Spielmechanik sich zueinander verhalten können.

So oder so: Ich wünsche euch viel Spaß und Erfolg bei der Veranstaltung; vielleicht erlebt ihr ja tatsächlich die erste Diskussionsrunde seit Erschaffung des Universums, bei der die Begriffe "Krieg" und "Spiel" gemeinsam ohne Panikmache und dem Aufbau von Spielen und Spielern zu persönlichen Feindbildern der Teilnehmer behandelt werden.

Auf Xuntheit!
Gustav der Bär


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