Beitragvon erik » 20. November 2003, 23:07
(ich hatte zunächst das Wort "Tatsache" an Stelle von "Einzelbeobachtung"
gewählt, es dann aber ersetzt, da Tatsache wieder zu stark absolut
erscheinen mag. Wer wissen will, was ich meine, mag weiterlesen, sei
aber gewarnt: es wird lang)
Hallo Frank,
ich weiss zwar nicht, warum Du meine Tatsachenbeobachtung mit der
recht derben, wenn auch verlaubten, Bezeichnung "Quatsch" abqualifizierst,
aber seis drum, der Rest war ja sachlich :-)
Nun, zunächst einmal habe ich nicht behauptet, wie Du nahelegst, dass
es in den "USA normalerweise billiger" sei. Der erste Absatz meines
Eintrags (von Dir nicht zitiert) zielt ganz klar auf ein Beispiel ab. In dem
Fall scheint es auch tatsächlich preiswerter zu gehen, und zwar um
beispielsweise 25 % unter dem mir bekannten Preis meines
Lieblingsversenders-und noch mehr Prozente als bei meinem
Lieblings-Vor-Ort-Händler. Das ist eben ganz einfach Tatsache, eine
Schuldzuweisung kann ich darin nicht erkennen.
Warum ich dieses überhaupt erwähnte, lag sozusagen an meiner
persönlichen Lebensgeschichte (ok, das ist jetzt natürlich völlig
übertrieben, in Wirklichkeit beruht es auf einer Begebenheit
aus dieser), die ich zunächst für nicht notwendig erachtete zu
zitieren. Nun aber doch: da komme ich also in meinen schon
erwähnten Lieblingsspieleladen, nach etwas längerer Zeit mal
wieder, und besichtige so, was denn an Neuheiten aufgeschlagen
ist. Unter anderem eben Shangri La. Betrachte dieses, und sehe
unter anderem auch ein Preisschild. Dieses hielt mich in weiterer
Unkenntnis des Spiels zunächst auch erst einmal vom Kauf ab,
auch wenn es Pluspunkte gibt: Schönes Aussehen, der Autor,
und nicht zuletzt auch der Verlag (der uns in den letzten Jahren
mit einer Reihe schöner Spiele erfreut hat und das auch hoffentlich
noch lange tun wird). Eine Kaufentscheidung ist immer multidimensional.
Der Preis ist eines, aber nicht das alleinige Kriterium. Es wäre jetzt
müssig, meine Kriterien aufzuzählen, es wäre mir unmöglich, die
einzelnen Abhängigkeiten allein für meine Entscheidung in einem
formalen Modell darzulegen (was zu so obskuren Konstrukten
führen würde, ich kaufs, wenns 1 Euro weniger kostet und die
Schachtel blau ist wenn der Strategiefaktor mit 7 angegeben ist).
Meine Bewertung war: beobachten, sprich (bei nächster Gelegenheit)
probespielen und dann wahrscheinlich sowieso kaufen.
Soweit war ich also gekommen. Dann komme ich nach Hause,
und surfe so ein wenig durch die Weiten des Online-Dschungels.
Und was finde ich da *zufällig*? Einen Flyer eines amerikanischen
Versenders, der das Spiel deutlich günstiger anbot. Und war darob
ein wenig irritiert, dass das *in der Deutlichkeit* möglich ist.
Und dann sehe ich in das Forum: aha, wird genau um dieses Spiel
und dessen Preiswürdigkeit diskutiert. Nanu, denke ich mir, zu
dem Thema weisst du einen Aspekt, der noch nicht genannt wurde.
Uiuiui, Absicherung, schauen also, ob das systematisch ist. Den
zweiten US-online-Versender angesurft, und siehe: wiederum günstiger
(wenn nicht ganz so extrem). Nanu, wie kann das gehen? Vielleicht
nur voneinander abgeschrieben. Surfen wir doch mal weiter zu
Überplay. Siehe da, Listenpreis wie in Deutschland. Konsternation.
Als Endkunde sind mir die betrieblichen Abläufe des Spieleverkaufs
zunächst einmal herzlich egal. Ich beobachte das Endresultat, und
poste dann diese Feststellung. Schlussfolgerungen ziehe ich erst
mal nicht, Implikationen kann man da en masse reinbringen. Fritz
war so freundlich, das Zustandekommen aus Sicht des Verlags zu
erläutern, und das war gut so.
Ausserdem fand ich die Aufhängung in diesem Diskussionsfaden
sehr treffend. Mit Grausen stelle ich mir die Reaktionen vor,
die aufgekommen wären, hätte ich einen neuen aufgemacht
unter der Überschrift (Achtung, Satire): "Wahnsinn: Shangri La in
den USA billiger als in Deutschland" (Untertitel: geldgieriger
Grossverlag schröpft unmündige deutsche Kunden-Fritz,
bitte nicht schlagen :-)
> das ist als Schlussfolgerung so leider voellig falsch. Ein
> Verlag, und der ist ja hier das Ziel der Kritik, hat einen
> Einkaufspreis und bestimmt einen Abgabepreis an den Haendler.
Sorry, jetzt hast Du mich abgehängt: Ich kritisierte, dass der Verlag
einen Einkaufspreis hat und den Abgabepreis an die Händler bestimmt?
Ich dachte, dass wäre so üblich!? (Und noch einmal welche Kritik, ich
bleibe immer noch dabei, dass ich eine Tatsache beobachtet habe, aber
da das mit Dir schon beim zweiten falsch angekommen ist, muss ich
mich schon mal wieder missverständlich formuliert haben.)
> Da es in Deutschland keine
> Preisbindung auf Spiele gibt (der Schutz des Kulturgutes
> bezieht sich nur auf Buecher, Spiele sind kein Kulturgut,
> wohl aber Dungeons And Dragons Regelbücher ;-) ), macht sich
> also der Markt seinen Preis selbst.
Preisbindung wäre vielleicht eine Lösung, zumindestens für ein Jahr
oder so, gerade auch zum Schutz der kleinen Händler. Das ist aber
ein ganz anderes Theme, ich fänds beachtenswert.
> [Preissenkung zu Spiel des Jahresende durch Händler getragen]
war mir klar. Worauf ich eigentlich hinaus wollte, und das an einem
Beispiel zitierte, ohne bis ins letzte Detail klitzeklein zu formulieren,
hat sich auf die (eindimensionale) Kategorie Endkundenpreis reduziert.
Da ich eh gerade den langen Riemen aufgelegt habe, und mein
Kurzbeitrag von gestern zu Fehlinterpretationen führte:
> Und in den USA ist es mitnichten normalerweise billiger:
> Munchkin hat einen empfohlenen VK von 24,95 USD (vom Inhalt
> her bei Amigo so wie Sieben Siegel)
> Lunch Money von 18,95 USD (das waere unsere kleine 6 Euro
> Verkaufs-Schachtel)
> Union Pacific war 39,95 USD. (das war bei uns der Preis in DM)
> Once Upon a Time ist 24,95 (bei uns als Es War Einmal etwa 9
> Euro).
Bestreite ich ja gar nicht. Würde ich jetzt in die selbe Logikfalle
tappen wie Du, würde ich behaupten, Du hättest behauptet,
Spiele in den USA sind grundsätzlich teurer. Hast Du nicht.
Du hast dargelegt, es gibt Spiele, die sind in den USA teurer.
Ich habe dargelegt, es gibt mindestens ein Spiel in den USA,
dass, obwohl in Deutschland produziert, nach USA verschickt
und in den USA vom Verlag mit dem selben Endkundenpreis
angegeben, als Strassenpreis an mindestens zwei Stellen
preiswerter zu haben ist als an jeder mir bekannten
Strassenabgabestelle. So, dass war jetzt ziemlich lang. Und
da die deutsche Sprache nicht per se widerspruchsfrei ist,
würde eine logische Analyse wahrscheinlich darin auch noch
Lücken entdecken, wodurch sich wiederum jemand auf den
Schlips getreten fühlt. Will ich immer so kompliziert und umständlich
schreiben? Sicherlich nicht, da ich hier keine wissenschaftlich
fundierte Analyse betreibe. Will ich immer dazu sagen müssen,
dass das meine subjektive Einzelmeinung ist? Nö, geht ja aus
dem Namen des Forums hervor. Will ich jetzt eine allgemeine
Marktforschung betreiben, um festzustellen, ob es das von
mir als Beispiel herangezogene Spiel in Deutschland in irgend
eine Laden in Hinterposemuckel noch billiger gibt? Habe ich
nicht die Zeit zu. Im übrigen ist bis jetzt auch noch kein
anderer in die Bresche gesprungen, so dass die Tatsache,
dass das Spiel auf (allgemein zugänglichen) Wegen in den
USA als Abgabepreis vor Endkunden (vor eventuellen
Versandkosten) preiswerter zu haben ist als in DLand, immer
noch Bestand hat. Und das völlig wertungsfrei. (Ich habe in
meiner Bewertung von preiswerter auch darauf verzichtet,
die Einkommenssituation einzubeziehen, die dieses Spiel
auch in den USA wiederum für Otto-Normaleinkommer in
Prozent seines verfügbaren Haushaltsnettoeinkommens
tatsächlich teurer werden lassen mag als in DLand)
Aber zurück zum Thema: noch vor ein paar Jahren hätte ich der
These: deutsche Importspiele sind in den USA grundsätzlich
teurer als das entsprechende Spiel in DLand zugestimmt. Das
wäre aus meiner damaligen Perspektive auf Grund der von mir
betätigten Beobachtungen richtig. Vielleicht war diese These
damals schon falsch, meine Beobachtung beruht auf Erinnerungen,
vielleicht hat ja jemand die (alle) Preislisten sämtlicher möglicher
Einkaufsquellen, sowohl in den USA als auch in DLand aus einem
beliebig lang zurückreichenden Zeitraum, um diese These zu
verifizieren oder zu falsifizieren. Ich habs nicht und kanns
daher nicht, muss also mit meiner vagen Erinnerung leben.
Nun zeigt aber ein Blick in aktuell zugängliches (und da wir
nicht in einer idealen Marktwitschaft leben wohl wahrscheinlich
immer unvollständiges Material), dass diese These jetzt nicht
mehr gilt. Ist mir in letzter Zeit schon ab und an mal aufgefallen.
Ein Blick auf die Funagain-Essen-Liste zeigt mindestens
ein weiteres Beispiel. Und bleiben wir nich abstrakt, werden wir
konkret. Global Powers. $45, ca. 37,80 Euro. Der einzige mir
bekannte Preis in DLand ist der von mir in Essen bezahlte von
44 Euro. Bin ich sauer, dass ich den Preis bezahlt habe? Nö,
würde ich ja sonst nicht gemacht haben. Hier kommen viele
Faktoren des oben angesprochenen subjektiven Wertungsmodells
zum Tragen: der (Co-?)Autor und Verleger hat mir das Spiel
selbst erklärt, es wird mir hoffentlich noch viel Freude bereiten
und eggertspiele wird mit dem Geld hoffentlich in die Lage
versetzt, neue schöne Spiele zu machen (oder auch alte wieder
aufzulegen, nachdem mir durch letztjährige Essenabstinenz
die Flößerei entschlüpft ist und so vielleicht noch mal wiederkommen
kann). Bin ich sauer, dass er es funagain offensichtlich billiger
verkauft hat als mir (da die ja kein Wohltätigkeitsunternehmen sind,
werden sie wohl an dem Preis auch noch verdienen): nö, da mir
einsichtig ist, dass funagain als Kunde ökonomisch betrachtet
interessanter ist als ich (gemessen an Umsatz pro Verkaufsvorgang).
Bin ich sauer, weil es jemand anders anderso billiger zur Verfügung
steht als mir? Herrje, nein: würde ich das sein, müsste ich ja mich
nur vor Gram zerfetzen: ich bin mir *absolut* sicher (bleibe aber
den Beweis daran mal schuldig), dass für jedes Spiel meiner
Sammlung (das ich selbst gekauft habe) gilt: es gibt jemanden,
der für das selbe Spiel weniger Geld ausgegeben hat als ich.
Und wiederum, sehr viele Worte sind notwendig, um einen an
sich klitzekleinen Tatsachenbestand (es gibt Spiele, die man
dort preiswerter kriegt als da [Achtung, noch mal Satire: ich
empfehle, nicht ins Schäppchenforum zu schauen, das ist
voll von solchen Feststellungen]) so verbal abzusichern, dass
man vermuten kann, dass sich keiner davon betroffen fühlt.
Ich bin herzlich davon überzeugt, es kann wieder fehlschlagen.
Aber so ist halt das Leben, man kann eben etwas plakativ
darstellen (im Extremfall schimpft sich das "Bild dir Deine
Meinung") oder bis zum Exzess ausformulieren (das nennt
man dann wohl "Dissertation"). Irgendwo dazwischen bewegt
sich die Diskussion hier in dem Forum wohl.
War mein erster Beitrag eher am "Bild"-Ende (ohne, wie ich
meine, da zu landen), geht dieser hier eher in Richtung des
anderen Endes (und versagt dabei sicher auf einem Bruchteil
der Strecke. Das sage ich, um von vorneherein zu vermeiden,
dass promovierte Mitleser ihre wissenschaftliche Leistung
mit dem Anspruch dieses Beitrags gleichgesetzt und damit
gegebenenfalls herabqualifiziert sehen).
Nach all dem langen Erguss, den ich hier nun wirklich beenden
möchte, danke ich Dir nochmals, Frank, explizit und
uneingeschränkt für Deinen Diskussionsbeitrag. Das einzige,
was mich zu dieser langen Reaktion verleitet hat, war die
Tatsache, dass ich heute viel mehr Zeit als sonst dazu
habe (nicht Langeweile, ich finde das Thema schon spannend.
Die Zeitverfügbarkeit heute ist nur ein anderer Teil meiner
Lebensgeschichte, mit dem ich jetzt wirklich aber nicht mehr
langweilen will) und mir die Bezeichnung "Quatsch" als absolut
erscheinende Feststellung doch ein wenig unpassend schien.
Ich bin völlig überzeugt, dass letzteres auf einem Missverständnis
meinerseits beruht.
Viele Grüsse,
Erik
PS: liebe Forumssoftware, kannst Du dafür sorgen, dass dieser
doch recht lang geratene Eintrag für die Top-Autoren-Statistik
als mindestens 2 Einträge gewertet wird? Danke!