Beitragvon Stefan Drawert » 2. Dezember 2003, 14:35
Hallo Peer,
ist zwar schon eine Weile her, dass ich TI spielen konnte, aber mal sehen, ob ich dir ein paar kurze Einblicke geben kann:
Ersteinmal solltest du nur mit der zweiten Auflage [ die mit den Plastikfiguren] liebäugeln - die Regeln und der Spielverlauf sind gradliniger, bzw kürzer.
Nichtsdestotrotz dauert eine Partie gut und gerne 6-7+ Stunden, je nachdem mit wie vielen Mitspielern man zugange ist, wie kommunikationfreudig diese sind und wie sehr man Diskussionen zeitlich zB. per Sanduhr begrenzt oder eben auch nicht.
Als Spielerzahl hat sich 5+ bewährt, so dass die klassische 2 gegen 3 [oder 3 gegen 3]-Situation für Spannung sorgen kann. Mit weniger geht es zwar auch, ist aber entsprechend unausgewogener - "leader-bashing".
Das Spiel selbst ist [ganz grob] eine Mischung aus Risiko [im Weltall], Civilization, Diplomacy und [aufgrund der variablen Karte] ein kleines bißchen Siedler von Catan.
Das Spielbrett ist wie gesagt variabel, was den Replay-Faktor beträchtlich erhöht.
Das Spielmaterial ist sehr üppig und schön anzusehen, wenngleich im späteren Spielverlauf manchmal unübersichtlich, besonders bei großen Flttenverbänden.
Jeder Spieler beginnt mit einer Rasse, die sich jeweils durch Startbedingungen [Geld, Resourcen, etc] und ein oder mehrere Spezialeigenschaften voneinander unterscheiden, so dass man die eigene Taktik stark auf die jeweilig zu spielende Rasse abstimmen ist - mit einigen ist ein militärischer Sieg kaum möglich, usw...
Ausgehend vom Hexagon mit dem Heimatsystem breitet man sich dann Runde für Runde weiter in die Galaxie hinein aus, kolonisiert neutrale Planeten, baut Truppen auf und ersteht sogenannte Fortschritte [hier die Analogie zu Civ], die jeweils Vergünstigungen oder Boni bei bestimmten Situation [zB Kampf] bedeuten.
Abgerundet wird das Ganze durch Ereigniskarten, die jede Runde für nette Zufälle sorgen, und eine politische Phase, in der über ebenfalls zufällig gezogene Gesetze, Edikte, etc abgestimmt werden muß.
Besonders letzteres kann sehr spaßig und spannend sein, allerdings haben wir auch schon Spielabende erlebt, bei denen der Zufall nicht so recht wollte und uns konsequent nur in der Situation langweilige oder für den Spielverlauf irrelevante Karten zur Abstimmung gab.
Trifft man auf Gegner, so kommt es zum würfellastigen Kampf, in der die Anzahl und Qualität der eigenen Truppen ebenso entscheidend sein kann, wie sponatn gespielt Sonderkarten, die unter Umständen das Zünglein an der Waage sein können.
Gewonnen hat derjenige, der eine bestimmte Anzahl von Planeten, Fortschritten, Resource- und Einflußpunkten angesammelt hat und sie eine Runde lang halten kann.
Zu Beginn war TI bei uns immer ein munteres und richtig spaßiges "sich-ausbreiten-und tolle-Sachen-aufrüsten"-Spiel, dass aber recht schnell, nämlich bei dem Erstkontakt mit den Gegnern, in einen ziemlichen "Nagelbeißer" ausartet :), soll heißen, dass man recht schnell und vor allem immer wieder in Situationen gerät, in denen man kurz vor dem Aus steht und sich nur mit geschickter Zunge oder dem nötigen Kleingeld [das man nie hat] aus heiklen Konflikten herausziehen kann.
TI hat durchaus seine, wenngleich nicht allzu hohe, Komplexität, die ein bis zwei Spiele nötig macht, um sich wirklich auszukennen, besonders die Vorteile der einzelnen Fortschritte und deren Bedeutung im Spielverlauf führen oftmals zu diesen berüchtigten "hätte ich das vorher gewußt, hätte ich alles ganz anders gemacht"-Erlebnissen, die aber nie so tragisch ins Gewicht fallen, dass der positive Gesamteindruck darunter leiden würde.
Ich habe es mit einer großen Zahl von Leuten mit ganz unterschiedlichen Brettspielvorkenntnissen sehr erfolgreich spielen können. Nur die Dauer ist halt für einige nicht akzeptabel, wie auch das Problem, dass ein Spieler auch mal frühzeitig ausscheiden kann.
[Würfel-]Glück spielt eine nicht zu vernachlässigende Rolle, ebenso wie Verhandlungsgeschick. Es ist zwar nicht so zufallslastig wie Risiko, wer aber mit Würfeleien grundsätzliche Probleme hat, der sollte vorher besser Probe spielen.
Insgesamt zählt Twilight Imperium[2nd Edition] zu meinen ganz großen Favoriten und liegt bei mir noch vor ähnlichen Spielen wie History Of The World, das vom Umfang [zeitlich, Komplexität] und Spielmaterial durchaus vergleichbar ist. Besonders der nie gleiche Spielverlauf sorgt immer wieder für Spannung.
Nichts für jeden Abend, aber eines der Besten in seinem Feld.
Übrigens, es gibt eine Erweiterung namens "Hope's End", die nicht notwändig und zudem recht teuer ist - ich habe sie und spiele nicht mehr ohne gewisse Zusatzregeln daraus, aber würde vom Blindkauf, ohne das "Mutterspiel" zu kennen erst einmal abraten.
Ich hoffe, meine Übersicht kann dir etwas weiterhelfen,
beste Grüße,
Stefan