Beitragvon Michael Reitz » 17. Dezember 2003, 00:26
[... Startspieler kann im ersten Zug verlieren ...]
> Wieso gilt das dann nur für den Startspieler und nicht für
> beide Spieler gleichermassen? Wieso kann nur der nachziehende
> Spieler, eine solche Position herbeiführen und ausnutzen,
> nicht aber der Startspieler?
>
Der Startspieler verliert nach seinem (ersten) Zug auf jeden Fall die Initiative; der zweite Spieler kann aber (ab seinem ersten Zug) durch Schlagzwang die Initiative behalten bis er (durch Isolation) "Profit" gemacht hat.
> Den Aufbau der Gewinnposition können IMHO beide gleichermaßen
> be- oder hintertreiben. Gewinnen tut der, der zuerst bemerkt,
> dass eine solche Gewinnposition erreicht ist. Das kann
> genauso gut der Startspieler sein.
>
Nein, siehe unten.
> Gerade durch die Vielzahl der Zugmöglichkeiten - durch
> Wegnehmen des Rings entstehen ja unterschiedliche
> Spielfeldformen - lässt sich das Spiel meiner Meinung nach
> nicht so durchrechnen, dass nur der Nachziehende eine
> Gewinnstellung erreichen kann.
>
Doch. Das "Lost Opening" wurde für das Brett mit 37 Ringen und 6+8+10 Kugeln (d.h. man gewinnt mit 4 weißen, 5 grauen, 6 schwarzen Kugeln oder 3 von jeder Farbe) analysiert. Auf das auf 48 Ringe vergrößerte Brett ist es (bei gleicher Kugel-Konstellation) nicht übertragbar, und wenn man auf dem Brett mit 37 Ringen mit jeweils einer Kugel weniger spielt, funktioniert es auch nicht mehr, weil man 3 Kugeln weniger opfern kann (obwohl man eine Kugel weniger zum Sieg braucht).
Beispiel:
1. Wa1,g4 (Spieler 1 setzt eine weiße Kugel auf a1 und entfernt den Ring g4)
2. Bb1,a2 (Spieler 2 setzt eine schwarze Kugel auf b1 und entfernt Ring a2)
3. x a1Bc1 (Schlagzwang: Spieler 1 schlägt die schwarze Kugel)
4. Gd1,a3 (Spieler 2 setzt eine graue Kugel auf d1 und entfernt Ring a3)
5. x d1Wb1 (Schlagzwang: Spieler 1 schlägt die weiße Kugel)
6. Ba1,b3 (Spieler 2 opfert weiter um die Initiative zu behalten)
7. x a1Gc1 (Schlagzwang)
8. Gd1,b2 (...)
9. x d1Bb1 (Schlagzwang)
10. Ba1,c3 (...)
11. x a1Gc1 (Schlagzwang)
12. Wd1,c2 (...)
13. x d1Bb1 (Schlagzwang)
Jetzt hat Spieler 1 eine weiße, zwei graue und drei schwarze Kugeln.
14. Wa1,c1 x Wa1Wb1 (Spieler 2 isoliert 2 weiße Kugeln und hinterlässt ein leeres Brett)
In der jetzt entstandenen Situation kann Spieler 1 wieder nur - wie zu Beginn des Spieles - eine Kugel einsetzen und einen Ring entfernen, aber egal welchen Zug er macht, Spieler 2 kann noch 5 Kugeln (1 weiße, 2 graue, 2 schwarze) opfern, um wieder 2 weiße Kugeln zu isolieren und damit das Spiel zu gewinnen.
Noch ein paar Bemerkungen:
- die Farbe der Kugel im ersten Zug ist egal, und welcher Ring entfernt auch (sofern die Kugel auf den Rand gesetzt wird)
- je weiter die Kugel nach innen ins Feld gesetzt wird desto mehr kommt es darauf an welcher Ring entfernt wird
- wenn man die Symmetrie berücksichtigt, dann bleiben wirklich nur relativ wenige Eröffnungszüge übrig, bei denen man nicht direkt verloren hat; und selbst wenn man mit einem "sicheren" Zug eröffnet, ist man als Startspieler trotzdem im Nachteil, weil der zweite Spieler normalerweise in Zug 4 (also wenn 3 Kugeln auf dem Brett sind) als Erster die Möglichkeit hat einen Profit zu machen
Wer das obige Beispiel nachvollziehen möchte kann das mit ZF1 (http://zf1.webhop.org) machen.
Michael