Beitragvon Guido » 13. März 2004, 14:48
Hallo Ihr,
ich moechte mich, im Gegensatz zu den meisten hier, der Kritik von Wolfgang Ditt anschliesse.
Ich habe die Spielbox erst seit einem Jahr abonniert. Ich kann nicht den Vergleich zu "ganz fr¨¹her" ziehen, aber mir faellt auch auf, dass die Spielbox sehr stark dazu tendiert, Spiele mit Gluecksfaktor eher schlecht zu bewerten. Nun gut, jedem das Seine, koennte man sagen, schliesslich sind, wie hier im Forum zu Hauf erwaehnt, persoenliche Geschmaecker entscheident. Aber so einfach moechte ich es der Redaktion nicht machen. Die Spielbox hat doch, soweit ich ihre Ideologie verstehe, den Anspruch, einer breiten Leserschaft Auswahlkriterien zum Kauf von Spielen an die Hand zu geben. Als Rezensent muss da dann schon versucht werden, trotz aller Unwaegbarkeiten einen gewissen Grad an Objektivitaet zu wahren. Aber den vermisse ich stellenweise schon. Es kann nicht geleugnet werden, dass im Allgemeinen die Gruppe der "Vielspieler " angesprochen wird, die so wenig Glueck im Spiel haben wollen, wie irgend moeglich. Auch die Tipps (am Ende) gehen tatsaechlich in die Richtung, den Gluecksanteil zu reduzieren.
Das finde ich Schade. Denn so geht doch, wie auch Wolfgang Ditt bemerkt, wirklich ein wenig vom Sinn des Spiels verloren, vom unbeschwerten miteinander. Oft arten Spiele ohne Gluecksfaktor zu einem Wettkampf aus, zur Beantwortung der Frage, wer den mehr auf dem Kasten hat, oder nicht. Meist nicht so offensichtlich, aber der Nachgeschmack ist da. In einer Familie kann sowas durchaus den Frieden stoeren...
Besteht die Zielgruppe der Spielbox-Leserschaft nur aus Leuten, die "harte" Spiele moegen? Ich glaube nicht, denn sonst haetten sich damals nicht so viele ihr Unverstaendnis ueber die "schlechte" Wertung zu "Guillotine" von Amigo geaeussert. Das Spiel ist ein Aergerspiel, bei dem eher nebenbei versucht, wird Punkte zu machen. In erster Linie geht es darum, den anderen eines auszuwischen bzw, zu verhindern, dass diese viele Punkte bekommen.
Ich streite gar nicht ab, dass "gluecklose" Spiele ihren Reiz gerade deshalb haben und daher Spass machen. Nicht so dolle ist, wenn sog. "Familienspiele" unter diesem Kriterium bewertet werden. Ich meine nicht, dass Familienspiele kein Konfliktpotenital haben duerfen, doch sollten ein Gewinn nicht vom wirklich Kluegeren abhaengen. Sowas macht ein Spiel fuer die anderen uninteressant, da sie keine Chance auf Gewinn haben. Und genaus dies ist auch das Dilemma, wenn die Jury fuer das "SdJ" eben Spiele auswaehlt, die einfach und zwangloser sind und eben der "Familie" Spass bringen sollen. Insofern sollte sich die Spielbox nicht aufregen oder polemisch werden, wenn die Jury mal wieder ein Spiel waehlt, dass in ihren Augen "zu gluecksbetont" ist.
Unter diesem Aspekt sehe ich auch die Anmerkung von Hardel zu SJ, als er so nebenbei fragt, warum ein Spiel, also PR, dass sich doch so schoen ohne Gluecksanteil spielt, in ein Spiel "gewandelt" wird, dass dann doch wieder diese "doofe" Glueckskomponente hat - eben nur um SdJ zu werden.??...
Schade, wenn ein Chefredakteur seine Meinung so zum Leitthema einer Zeitschrift macht, die doch eigentlich den Anspruch von gewisser Objektivitaet hat - Geschmack hin oder her.
Einige Leser verweisen darauf, dass jeder fuer sich Statements solcher Kritiker lesen, ueberlegen und nach Geschmack verdauen sollte. Aber dann kann ich es auch eigenlich gleich lassen, die Spielbox zu lesen. Wenn ich mir ohnehin nix aus den Kritiken mache und alle Spiele nochmal so ausprobiere und selbst entscheide...
Rezensionen sollen Information sein, anhand der ich schon mal eine Vorauswahl treffen kann. Fuer mich soll und gibt eine Rezension einen ersten Eindruck von Spielen wieder. Danach entscheide ich mich, was ich in meiner nicht allzu umfangreichen Freizeit ausprobieren und im Endeffekt dann auch kaufen will und es ist durchaus so, dass ich aufgrund einer Kritik ein Spiel erst gar nicht zur Hand nehme. Kurz: die Spielbox soll mir helfen, nicht unn0‹2tig Zeit zu vergeuden. Der Genuss beim Lesen ist eher zweitrangig. Bin ich der einzige, der diese Meinung hat?
Und zum Schluss muss ich auch sagen, dass die Meinungen zu den Spielen im Textteil gegenueber der letztlichen "Spielreiz"-Bewertung doch unterschiedlich sind. Manchmal liesst man ein Spiel und denkt, oh, hoert sich gut an und sieht dann eine Bewertung, die dem Leseeindruck nicht so ganz passend erscheint oder umgekeht, man verlaesst den Text mit Skepsis und sieht dann eine gute Bewertung (z.B. die Bewertung zu Carcassonne-die Burg; eigentlich zu hoher Gluecksanteil (siehe oben :-) ) und dann doch eine 8 am Ende...)
Nein, ich werde mein Abo erstmal nicht kuendigen. Insgesamt gibt mir die Spielbox viele Informationen, mit denen ich was anfangen kann.
Ich hoffe aber, die Spielboxredaktion kann auch mit den geausserten Kritiken (nicht nur von mir) mehr anfangen, als Polemik draus zu machen.
Gru0‰8
Guido