Beitragvon Ulrich Roth » 21. April 2004, 03:33
Hallo Erhard,
> nachdem wir heute abend zu zweit je eine Runde "Einfach
> genial" (Kosmos) und "Nuggets" (Winning Moves) hintereinander
> gespielt haben, stellten wir uns die Frage, welches der
> beiden Spiele den größeren Spielreiz hat. Obwohl wir "Einfach
> genial" durchaus sehr gerne spielen und es "einfach schön"
> finden, fanden wir, dass das kleine "Nuggets" hinsichtlich
> des Spielreizes die Nase vorn hat. Wie seht ihr das?
nach je einem guten Dutzend Partien in beiden Spielen (mit wechselnden Besetzungen, nur "Nuggets" zu viert fehlt mir noch) kann ich euren Eindruck nur nachdrücklich bestätigen, und glaube auch nicht, dass weitere Partien daran groß was ändern werden.
"Einfach genial" heißt bei uns mittlerweile nur noch "Einfach nett". Die Spieltiefe, die einige Kommentatoren (auch hier im Forum) da geortet haben wollen, kann ich nirgends entdecken. Man hat zwar etwas Einfluss auf sein Schicksal, aber wenn alle halbwegs vernünftig spielen, gewinnt das Nachziehen günstiger Teile (zu) große Bedeutung, und wenn es dann eng wird, entscheidet oft (bei mehr als zwei Spielern) über die Platzierung oder gar den Sieg, wer gerade - zufällig - wem welche Farbe blockieren kann. Ist manchmal ziemlich frustrierend. Aber na ja, es geht ja schnell, und der Reiz zu einer Revanche ist schon da, zugegeben.
"Nuggets" ist da schon ein ganz anderes Kaliber. Auch wenn ich mit dieser Meinung womöglich ziemlich einsam dastehe: Für mich ist das ein Spitzenspiel!
Es gibt keinen Glücksfaktor, aber jede Menge Unbekannte, über die man - und da ist der gedanklichen Tiefe gar keine Grenze gesetzt - so seine Spekulationen anstellen kann. (Zum Vergleich: Bei "Einfach Nett" wäre ein Nachgrübeln darüber, welche Teile meine Mitspieler womöglich zur Verfügung haben und demnächst legen werden, ziemlich sinnlos und steril.)
Zu zweit ist es ein messerscharfes Duell mit einem Anforderungsmix (Positionsspiel, Bluff), wie ich ihn so eigentlich aus keinem anderen Spiel kenne, und besonders mag. Zu dritt ist es insofern etwas lockerer, als der "beste" Spieler schon mal zwischen den beiden anderen zerrieben werden kann.
Ich freue mich auf die Vierer-Variante, die wir aber keinesfalls mit freier Absprache der Partner spielen werden (das finde ich ätzend, weil da oftmals der vermeintlich stärkere Spieler seinen Partner rumkommandiert), sondern so, dass vor der Partie beide Teams einen internen Geheimcode vereinbaren dürfen.
(Ich habe da schon einige Ideen, z.B.: Alles was ich mit der rechten Hand lege, sind 1er. Wenn ich die linke nehme, entscheidet über ihren Wert, wie viele Finger meiner rechten Hand in diesem Moment die Tischplatte berühren. Oder: Der Wert des gelegten Teils entspricht der Zahl der Worte, mit denen ich meinen eigenen Zug kommentiere. Etc. etc.. ...)
Bleibt zu hoffen, dass der Verlag "Nuggets" tatsächlich bald ein inspirierteres (und inspirierenderes) Design spendiert. Dieses feine kleine Spiel - zusammen mit "Santiago" bisher mein persönliches SdJ - hätte es unbedingt verdient!
Viele Grüße aus Barcelona,
Ulrich