Beitragvon Stefan Brück » 3. Mai 2004, 12:48
Hartmut schrieb:
> Kernaussage A: wer nach nur wenigen Spielen öfters die
> Zunfthalle siegen sieht, macht sich so seine Gedanken.
Das darf natürl. jeder halten wie er will.
Die Zunfthalle dann aber gleich zu ändern, ist m.E. ein (gefährlicher) Eingriff in das Spiel (lediglich entstanden aufgrund früher und damit möglicherweise nicht alle Aspekte beinhaltende Erkenntnisse). Durch diesen Eingriff verändert sich nämlich die gesamte Qualität des Spiels - und ihr werdet dadurch (vielleicht [i]nie[/i]) "auf den richtigen Dreh" kommen, die Zunfthalle so zu besiegen wie es jederzeit möglich ist.
Solltet ihr weiterhin mit der kraftlosen Zunfthalle spielen wollen, kann ich also nur empfehlen, dann wenigstens auch das Rathaus (das so oder so beste 6-er-Gebäude im Spiel!!) dergestalt zu schwächen, dass man hier die 3 Denkmäler nicht mehr mit je 1 SP dazuzählen darf.
> <<< ich habe San Juan - neben all den vielen früheren
> Testspielen - nun bereits knapp /200/-mal auf der
> Brettspielwelt gespielt (sehr sehr empfehlenswert,
> übrigens!!) - und ich darf dir versichern, die Zunfthalle ist
> /genau so richtig/, wie sie ist. Man kann mit ihr gewinnen
> (zu zweit, zu dritt, zu viert), aber man kann damit auch
> /dramatisch/ baden gehen (zu 2t, zu 3t, zu 4t)! Ich habe in
> diesen 200 Partien jedenfalls /deutlich häufiger/ gegen sie
> gewonnen bzw. mit ihr verloren als umgekehrt! >>>
>
> Kenraussage B: mit viel (sehr viel!) Erfahrung merkt man,
Nein!!! Falsche Interpretation meiner Aussage!
Nirgends in meinem posting steht, dass man mehrere 100-mal gespielt haben muss, um zu verstehen, wie man gegen de Zunfthalle gewinnen kann. Die Angabe "200-mal" diente lediglich als Untermauerung der Aussage, dass man deutlich häufiger gegen die Zunfthalle gewinnt als gegen sie zu verlieren. Bei mehr als 200 Partien (mit über 40 verschiedenen Spielern!!) kann man schon eine (gewisse) statistische Relevanz seiner Aussage in Anspruch nehmen; nur dazu diente diese "Mengenangabe"!
> dass andere Strategien gleichwertig und auch spielbar (->
> Wahrscheinlichkeit der zu erreichenden Kartenkombi) sind.
>
> und dann
>
> <<< Wie gesagt: Eine der obersten Devisen bei der Entwicklung
> von SJ war "keep it simple". Oder mit anderen Worten: Das
> Spiel ist in erster Linie nicht für unsereins, also die
> Freaks, konzipiert, die ein Spiel mehrere hundertmal spielen,
> sondern für Otto Normalspieler und seine Freundin Dunja
> Durchschnitt - und die werden sicher längere Zeit nicht zu
> solchen tieferen Erkenntnissen gelangen.>>>
>
> Kernaussage C: man soll schon nach wenigen Spielen Spaß
> dran finden und (wichtig!) auch behalten.
Diese meine Aussage hat/te ja schon mal [i]nichts[/i] mit der Zunfthalle zu tun.
Wenn du das posting aufmerksam liest, wirst du feststellen, dass es hier um die Präfektur und die Bibliothek ging, wozu man tatsächlich tief[i]er[/i]e Spielerfahrung
braucht, um deren (Über?)Power zu realisieren.
Doch auch um die (behauptete, aber faktisch eben nicht bestehende) Überstärke der Zunfthalle zu bemerken, muss man das Spiel mehrfach gespielt haben. Ein völliger "beginner" wird mit ihr 6 - 8 Siegpunkte machen. Erst danach setzt normalerweise die Erkenntnis ein, dass man mit ihr ja auch durchaus 16 oder mehr SP generieren kann. Schön und gut!
Nur sollte man dann eigentlich auch nicht mehr sehr weit entfernt davon sein, zu merken, welche enorme Kraft z.B. die Kombi Präfektur, Steinbruch, Schreinerei hat...
> Geht's nur mir so, oder sieht da noch jemand den Widerspruch?
> Wer A erlebt, wird C nur schwer realisieren, da hilft auch
> Ratschlag B nur wenig.
Wer A erlebt und aufgrund dieses (scheinbaren!!) Spielfehlers nicht zu B gelangt, ist voreilig und geht davon aus, dass [i]er[/i] alles richtig macht und das Spiel falsch ist.
Nun könnte es aber doch auch sein, dass es gerade umgekehrt ist: man selber liegt falsch und das Spiel ist durchaus richtig (austariert)!
> Mein Tenor betreffend Zunfthalle war doch eben die simple,
> offenliegende Strategie dahinter (weil einziges 6er Gebäude,
> dass deutlich mehr SP als die anderen ermöglicht).
Naja, aber nun könnte man sich ja auch aufgefordert fühlen, nicht die Zunfthalle, sondern die eigene Denkweise zu ändern. Ist das nicht eine der Hauptfreuden eines Spieles: immer wieder neue Wege und Strategien zu entdecken, scheinbar todsichere Gewinnstrategien zu knacken, sich an den verschiedenen Herausforderungen zu messen, die einem ein Spiel bietet!?
> Eine "Hausregel" (und von mehr ist hier nicht die Rede) hat dann
> auch nur den Zweck, nach gemachter Erfahrung (wenige Spiele
> -> Zunfthalle siegt übermäßig oft) andere - vielleicht nicht
> so klar erkennbare Wege - leichter beschreitbar zu machen.
Nein, dies kann ich so nicht unterschreiben. Durch Hausregeln verändert man (möglicherw.) Mechanismen und Abläufe derart, dass man eventuell nie wieder auf "den rechten Weg" zurückfindet!
> Oder nochmal zurück zu Chris: lass mich doch spielen, wie ich
> gerade drauf bin.
Das Recht kann und will dir hier sicher keiner nehmen.
Der Punkt aber ist, dass du und die vielen anderen, die beim Kennenlernen des Spiels das gleiche Falsche zur Zunfthalle geäußert haben (und für die musst du hier sicher gerade etwas stellvertretend den Kopf hinhalten), dem Spiel - direkt oder indirekt - den Vorwurf machen, im Zusammenhang mit der Zunfthalle nicht stimmig oder ausgewogen oder zu Ende gedacht zu sein. Und das ist nunmal falsch! Das Spiel stimmt so wie es ist.
Es hat nur scheinbar ein Problem (?) mit Anfängern (nicht negativ gemeint!), die das Spiel noch nicht genügend kennen und so eine, zugegeben offensichtlichere, Strategie entdecken und für die Allheilwissendgewinnende halten, weil sie zu den vielen anderen, etwas "tiefer liegenden" noch nicht vorgedrungen sind.
Ob dies aber wirklich dem Spiel (und nicht den Spielern) vorzuwerfen ist?
vG
Stefan