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Regeländerungen

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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andreas

Regeländerungen

Beitragvon andreas » 11. Mai 2004, 10:15

Moin,

und wieder eine Frage, die mich brennend interessiert. Wie haltet ihr es mit Regeländerungen? Oft steckt in einem "schlechten" Spiel ein guter Kern, und mit ein paar kleinen Änderungen an den Regeln oder dem Spielmaterial macht es dann doch schließlich Spaß. Kleine Änderungen kommen bei mir so etwa bei jedem fünften gekauftem Spiel vor...größere Überarbeitungen etwa bei jedem fünfzehnten (grob geschätzt). In den meißten Fällen hat sich die Arbeit aber gelohnt...allerdings gibt es auch Spieler, die bei dem Wort Regeländerungen sofort einen grimmigen Blick bekommen...

Gruß
Andreas

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RedPiranha
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Re: Regeländerungen

Beitragvon RedPiranha » 11. Mai 2004, 10:29

Ich glaube es gibt kaum Spiele, die über Jahre/Jahrzehnte gespielt werden bei denen es keine Regeländerungen zur ursprünglichen Version gegeben hat. Wenn man seine Mitspieler davon überzeugen kann, dass es Sinn macht und dem Spaß aller dient mit modifizierten Regeln zu spielen dann steht dem mE nichts im Wege. Es gibt natürlich auch Puristen, die selbst vom Autor später vorgenommenen Regeländerungen ablehnend gegenüberstehen, aber was ist das größte Weltwunder? Die Vermehrung der Puritaner. ;-)

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Kathrin Nos
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RE: Regeländerungen

Beitragvon Kathrin Nos » 11. Mai 2004, 10:34

Hallo Andreas,

"andreas" hat am 11.05.2004 geschrieben:
> und wieder eine Frage, die mich brennend interessiert. Wie
> haltet ihr es mit Regeländerungen? Oft steckt in einem
> "schlechten" Spiel ein guter Kern, und mit ein paar kleinen
> Änderungen an den Regeln oder dem Spielmaterial macht es
> dann doch schließlich Spaß. Kleine Änderungen kommen bei
> mir so etwa bei jedem fünften gekauftem Spiel vor...größere
> Überarbeitungen etwa bei jedem fünfzehnten (grob
> geschätzt). In den meißten Fällen hat sich die Arbeit aber
> gelohnt...allerdings gibt es auch Spieler, die bei dem Wort
> Regeländerungen sofort einen grimmigen Blick bekommen...

Ich bin da anderer Meinung als Du. Da gibt es verschiedene Gründe. Ich fange einfach mal an - ohne grosse Reihenfolge.

Das Erste, was ich mache, wenn ich das Gefühl habe, ein Spiel hakt in irgendeiner Form: Die Spielregel nochmal detailliert nachlesen, und auch hier im Forum in die Regelfragen und -diskussionen schauen.

Es kommt doch häufig genug vor, dass man ein Regeldetail falsch interpretiert oder verstanden hat, das aber spieltechnisch so relevant ist, dass es das Spielgefühl beeinflusst. Und man sollte dies wirklich nicht vernachlässigen - ich schätze mal grob, dass dies bei etwa so vielen Spielen vorkommt, wie Du gleich durch Regeländerungen verbessern möchtest, also zwischen jedem fünften und jedem fünfzehnten (vielleicht sogar noch mehr)!

Zum anderen habe ich mittlerweile mit Spieleautoren über Prototypen diskutiert und an Probepartien teilgenommen und dabei die Erfahrung gemacht, welche Auswirkungen auch vermeintlich kleine Regeländerungen haben können. Es ist also durchaus nicht ganz ohne, einfach an den Regeln herumzuschrauben. Vor allem ist es meist so, dass die naheliegendsten Ideen dem Autor durchaus selbst gekommen sind und von diesem aus gutem Grund verworfen wurden!. Daher bin ich mit solchen Dingen lieber zurückhaltend.

Abschliessend geht es mir einfach so, dass ich dann lieber zu einem bewährt guten Spiel greife (und davon gibt es wirklich erfreulich viele!), als ein mittelmässiges verbessern zu wollen.

Alles Gute wünscht
Kathrin.

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Attila
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Re: Regeländerungen

Beitragvon Attila » 11. Mai 2004, 10:48

Hiho,

Kommt darauf an wer diese Regeländerungen vornimmt. Wenn es ein Spieler oder eine Spiegruppe macht, dann ist das schon meistens weniger gut. Das ist jetzt etwas mit der grossen Kelle, aber es ist nunmal so das wenn jemand nach 1 oder 2 Spielen ernsthaft irgendwelche "verbesserungen" an einem Spiel vornehmen will, dann kann ich das nicht wirklich ernst nehmen.
Gern genommen sind da zur Zeit z.B: "Die Zunfthalle ist zu stark" (SJ) :roll: ...

[OT]
Da würde ich erstmal vorschlagen das man das Spiel doch erstmal mit Leuten spielt, die es auch *können* und dann sieht man auch mal wie man mit der Zunfthalle abgeschlagen auf dem letzten Platz landet. *g*
[/OT]

Gegen Hausregeln an sich ist natürlich nichts einzuwenden, allerdings Spiele ich grundsätzlich ohne und wenn sich dann WIRKLICH herrausstellt (nach einigen Partien und mehrere Spieler haben das unabhöngig festgestellt) das was Suboptimal ist, dann kann man darüber nachdenken Hausregeln zu machen.

Natürlich hängt es auch von den Regeländerungen ab die man vornimmt. Sind die für den Spielablauf irrelevant und geben dem Spieler mehr EInfluss auf das Spiel (z.B. anstatt 1 Karte nachziehen aus 3 Karten eine aussuchen) oder ändert man an den grundlegenden Mechanismen (z.B. Zunfthalle abschwächen). Ersteres funktioniert meistens ganz gut und letzteres funktioniert meistens *absolut* nicht, da man implizit die ganze Spielbalance verschoben hat. Ganz zu schweigen davon das zwei Spielgruppen (eine mit und eine ohne Spezialregel) dann "inkompatibel" sind.

Spieler sollten beim Spielen bleiben und nicht versuchen irgendwas zu verschlimmbessern. Gegen Hausregeln in der eigenen Spielegruppe ist ja nichts einzuwenden, aber bevor man das dann als tolle Spielverbesserung propagiert, sollte man besser 3 mal nachdenken, denn ansonsten verschwendet man die Lebenszeit derer die den Beitrag im Forum lesen und die Augäpfel derer, die durch das ständige herumrollen abnutzen.

Atti

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Ralf Arnemann
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Re: Regeländerungen

Beitragvon Ralf Arnemann » 11. Mai 2004, 10:59

Grundsätzlich empfehle ich erst einmal Zurückhaltung bzw. wie von Kathrin vorgeschlagen, die sorgfältige Klärung, wenn denn nun die Originalregeln wirklich aussehen.
Bei manchen schlampig gemachten Spielen kann das durchaus schwierig sein, beim derzeitigen Standard im deutschen Spielemarkt reicht aber normal ein sorgfältiges nochmaliges Lesen.

Erst mit größerer Spielerfahrung kann man mal über eine vorsichtige Korrektur nachdenken, wenn man wirklich gravierenden Handlungsbedarf sieht.
Mein Beispiel: "Fürsten von Florenz", da braucht man eine Dämpfung gegen die schlichte "Viele-Werke-Strategie".

Wenn der Autor selber korrigiert, sollte man das durchaus übernehmen. Er hat sich in der Regel viel dabei gedacht bzw. kann auf viel Information zurückgreifen. Beispiel: Die geänderten Bauernbewertungen von "Carcasonne".

Hausregeln haben immer den Nachteil, daß man "inkompatibel" zur restlichen Spieleszene wird, d.h. sobald man mal in einer anderen Runde spielt, wird es schwierig.

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Chris

Re: Regeländerungen

Beitragvon Chris » 11. Mai 2004, 11:00

Hallo Zusammen !

Natürlich ist ein Spiel erst einige Male mit der Originalregel zu spielen - sollte dann das Spiel immer noch enttäuschen, ist gegen eine Hausregel nichts einzuwenden.

Extremes Beispiel aus letzter Zeit ist die unsägliche Regel von "Civilization - The Boardgame" von EagleGames. Aus einem fast unspielbaren Teil wurde durch (sehr umfangreiche) Hausregeln eines unserer absoluten Lieblingsspiele, was unabhängig voneinander auch div. andere Spielegruppen bestätigten.

Fazit: Bevor ich ein Spiel aus Enttäuschung übereilt veräußere, versuche ich es spielbar zu machen - gerade bei komplexen Spielen lohnt sich die Mühe.

Gruß, Chris

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Andreas

Re: Regeländerungen

Beitragvon Andreas » 11. Mai 2004, 11:14

Lieber Atti,

keiner zwingt Dich dazu, Deine wertvollen Augäpfel abzunutzen oder kostbare Lebenszeit zu verschwenden...Außerdem habe ich absolut Nichts propagiert, sondern war lediglich an der Meinung und Vorgehensweise anderer Spieler interessiert (also nächstes Mal bitte etwas genauer lesen!).
Ansonsten werden Regeländerungen nicht sofort gemacht, sondern erst nach mehreren Partien und intensiven Regelstudium. Generell bin ich auch der Meinung, daß Spiele so gelassen werden sollten, wie sie sind und es gibt viele Spiele, bei denen Änderungen=Verschlimmbesserungen sind. Manchmal dienen Änderungen aber garnicht unbedingt dazu, ein Spiel zu verbessern, sondern vielmehr, es dem eigenen Spielegeschmack anzupassen. Natürlich kann man sagen, dann spielt doch einfach was Anderes, jedoch haben die meißten (oft auch nicht so guten Spiele) halt doch einige gute Elemente... und sei es nur das Spielmaterial.

Gruß
Andreas (ich hoffe, keine Augäpfel belastet zu haben!)

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Andreas

Re: Regeländerungen

Beitragvon Andreas » 11. Mai 2004, 11:27

Es ist wohl auch etwas schwierig allgemein über Regeländerungen zu urteilen,
...ob eine Regeländerung jedoch vom Autor kommt, von einem Mitspieler, oder aus dem Internet ist mir relativ egal, solange sie gut ist.

Gruß
Andreas

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Armin

Re: Regeländerungen

Beitragvon Armin » 11. Mai 2004, 11:32

Hallo Andreas,

ich halte es mit den Regeländerungen wie mit dem Nachwürzen beim Essen. In einer billigen Kantine sind Salz, Pfeffer uns Tabasco oft die letzte Rettung, in einem guten Restaurant verbietet sich Nachwürzen von selbst, will man nicht den, vom Koch bewußt erzeugten Geschmack verderben.

Bei einem "Autoren"-Spiel würde ich, wenn es mir nicht auf Anhieb gefällt, noch ein paar Versuche wagen, bevor ich sage, daß sich hier mein, und der Geschmack des Autors einfach nicht treffen. Einige Flohmarktschätzchen konnten wir mit Hausregeln vor der Unspielbarkeit retten.

Gruß Armin

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Marc W.

Re: Regeländerungen

Beitragvon Marc W. » 11. Mai 2004, 11:43

Hi,
ich bin da inzwischen eher zurückhaltend, denn zum einen habe ich Angst am Spielgleichgewicht herumzuschrauben (z.B. Game of Thrones), zum anderen habe ich keine Lust (z.B. Nero, Die Borgia) Regeln komplett zu überarbeiten, wenn die Spiele mir missglückt erscheinen. Gibt inzwischen ausreichend gute und funktionierende Spiele.
Marc

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Heinrich Glumpler

Re: Regeländerungen

Beitragvon Heinrich Glumpler » 11. Mai 2004, 12:15

Hi,

in Kürze würde ich sagen: "Wie es Euch gefällt!" :-)

Ich hab' nicht das geringste Problem damit, wenn jemand Regeln (m)eines Spieles ändert, so lange er anschließend seinen Spass damit hat.

Problematisch wird es nur, wenn eine solche Änderung als das Non-Plus-Ultra oder "Verbesserung" des Spieles allgemein propagiert wird.

Oft wird vergessen, dass Spiele für ein spezielles Zielpublikum entworfen wurden - wenn es dann in die Hände derjeniger fällt, für die es nicht gedacht ist, kommt es - sofern sich der Betreffende die Mühe machen will - fast zwangsläufig zu Regeländerungen.

Oftmals sind das sogar Hausregeln, die in langen Tests vorher eliminiert wurden - nicht, weil sie nicht funktioniert hätten, sondern weil sie nicht zum Charakter des Spiels passten.

Natürlich kann ich nur für Erlkönig sprechen.
(Fette Autos -> Freaks)
(Feurio -> Gelegenheitsspieler)

Grüße
Heinrich

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Andreas

Re: Regeländerungen

Beitragvon Andreas » 11. Mai 2004, 12:50

Hallo Heinrich,

genauso sehe ich das auch...ich würde mir auch nicht anmaßen, schlauer zu sein als der Autor...manchmal passe ich ein Spiel lediglich meinen Vorstellungen an...
...für mich ist das übrigens ein großer Vorteil gegenüber Computerspielen, bei denen man gezwungen ist, alles so hinzunehmen, wie es ist (oder vielleicht auf Patches zu warten).

Gruß
Andreas

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Attila
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Beiträge: 4715

Re: Regeländerungen

Beitragvon Attila » 11. Mai 2004, 13:20

Andreas schrieb:

> oder kostbare Lebenszeit zu verschwenden...Außerdem habe ich
> absolut Nichts propagiert, sondern war lediglich an der
> Meinung und Vorgehensweise anderer Spieler interessiert (also
> nächstes Mal bitte etwas genauer lesen!).

Habe ich IRGENDWO geschrieben dass das auf dich gemünzt war? - War es nicht!
Das war lediglich meine Meinung/Erfahrung zu diesem Thema - gerade hier im Spielboxforum sind die Leute nach einer Partie schnell dabei gleich zu wissen wie das Spiel doch viel besser wäre. - Das führt auf dauer doch zu Abnutzungserscheinungen der Augäpfel und kann nur mit gebührendem Sarkasmus begenet werden. Ich bekomme echt Hautausschlag wenn ich div. "Verbesserungs"-Vorschläge lese ... :-)

> Spiel zu verbessern, sondern vielmehr, es dem eigenen
> Spielegeschmack anzupassen.

Das ist natürlich richtig! - Gerade den Spielern geht es ja oft nur um den Spielegeschmack!

> spielt doch einfach was Anderes, jedoch haben die meißten
> (oft auch nicht so guten Spiele) halt doch einige gute
> Elemente... und sei es nur das Spielmaterial.

Naja, das Spielmaterial durch geeigneteres auszutauschen ist ja keine Änderung am eigentlichen Spiel - das kann natürlich enorm zum ambiente beitragen und dadurch auch den Spielspass erhöhen. Das hatte ich jetzt aber nicht als Änderungen am Spiel betrachtet.

Natürlich muss man auch viel differenzierter an die Sache rangehen. denn es hängt durchaus auch von der Anlage des Spieles ab. Manche Spiele sind ja mehr ein Szenario eines Spielsystems und das schreit ja geradezu danach, das man sich eigene Varianten ausdenkt. Aber auch hier sollte man vorsichtig sein und wirklich erst das Spiel *in*und*auswenig* kennen bevor man daran rumschraubt.

Ansonsten klappen sich bei mir die Fussnägel hoch, wenn ich lese das jemand (=Spieler) ein Spiel durch Regeländerungen "verbessert"!

Anders wenn die Autoren selber soetwas propagieren: Das hat (fast immer) Hand und Fuss und ist meistens (95% der Fälle) eine Verbesserung!

Atti

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Ralf Bielenberg

Re: Regeländerungen

Beitragvon Ralf Bielenberg » 11. Mai 2004, 13:28

Hi Andreas,

auf die Gefahr hin, nun als übertrieben konservativ angesehen zu werden, aber ich halte im Allgemeinen nicht viel von Regeländerungen. Nur wenn ich ein Spiel so spiele, wie es in der Spielregel niedergeschrieben steht, kann ich erwarten, dieses Spiel in unterschiedlichen Zusammensetzungen spielen zu können. Ändere ich etwas daran, geht die Kompatibilität verloren.
Ich habe schon oft den Satzbeginn "Wir spielen das aber immer so, dass wir....." gehört und in den seltensten Fällen dabei einen höheren Spielspass rauskitzeln können, indem ich darauf einging.

Liebe Grüsse
Ralf

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Günter S.

Re: Regeländerungen

Beitragvon Günter S. » 11. Mai 2004, 13:31

Das größte Fiasko mit "Regeländerungen" habe ich mal bei einer Partie Monopoly erlebt. Anlässlich dessen 60. Geburtstags wollten wir es in der besonders schönen Geburtstagsversion spielen. Wirklich gespielt haben wir aber erst nach ausgiebiger Diskussion der Regel. Alle vier Mitspieler kannten vier unterschiedliche Regeln, aber keiner kannte mehr das Original. Als es dann endlich doch noch los ging, wurde weiter diskutiert, warum, wieso und weshalb an dieser Stelle eine Regeländerung erforderlich sei. Das war ganz und gar kein spielen mehr :-(

Ich verzichte deshalb gerne auf Regeländerungen, besonders wenn sie von unbedarften Spielern erdacht werden. Unbedarft dehalb, weil einige schon in der ersten Partie Verbesserungsvorschläge machen. So was finde ich immer ganz aufregend ;-) Man sollte doch erst den Geschmack des Originals wirken lassen. Außerdem kommt es das eine oder andere Mal vor, dass man die Regeln nicht sofort richtig anwendet oder dass es in einer anderen Guppe viel besser fluppt. Gerade unter Spielern, die immer (nur) in derselben Gruppe spielen, kommt es oft zu Fehleinschätzungen, weil Vorurteile oder spezielle Geschmäcker ein tragende Rolle spielen.

Wenn es mir dann nicht gefällt, greife ich eben zu einem anderen Spiel. Man muss ja nichts sofort kaufen, hat immer die Möglichkeit ein Spiel vor dem Kauf irgendwo bei irgendwem zu spieln, und warum soll ich Arbeit in ein Spiel investieren, wo es doch mindestens tausend bessere Spiele gibt. Schlechte Bücher lege ich auch zur Seite und schreibe sie nicht neu :-P

Gruß

Günter

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Andreas

Re: Regeländerungen

Beitragvon Andreas » 11. Mai 2004, 13:53

Hi,

ich glaube das hat auch mit der eigenen Kreativität zu tun. Da ich selbst aus dem Bereich Grafik komme, ärgern mich z.B. fisselige Counter, fehlende Übersichtsblätter (bei Spielen, die diese eigentlich bräuchten) usw.. Also setz ich mich kurz an den PC und schaffe Abhilfe. Das muß natürlich niemand machen, den schließlich ist der Käufer eines Spiels ja "Konsument", der ein Spiel schlichtweg spielen möchte. Ich denke aber, das Spieleentwickler und Autoren eher anfangen, die Regeln zu "durchleuchten" und vielleicht auf bessere Lösungen kommen (ohne diese menschliche Neugier würden wir übrigens wohl immernoch in Höhlen hausen...). Was jemand kreativ entwickelt, kann durchaus von anderen Menschen weiterentwickelt werden. Autoren sagen ja gelegentlich selbst, das es schwierig ist, ein Spiel "loszulassen"...und es als fertig anzusehen.
Mark Herman war der Meinung, ein Spiel sei nie wirklich fertig.
Im übrigen bin ich über manche "Neuauflage" froh, in der alte Schwächen aus einem Spiel beseitigt wurden...grafische und spieltechnische!
Das Gegenargument der Kompatiblität ist allerdings berechtigt.
Und generell gilt: Regeländerungen nur im absoluten "Notfall".

Gruß
Andreas

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Peter Gustav Bartschat

Re: Regeländerungen

Beitragvon Peter Gustav Bartschat » 11. Mai 2004, 14:09

Es gibt, denke ich, einige ganz unterschiedliche Arten von Regeländerungen, die man getrennt voneinander betrachten sollte.

1. Varianten

Beispiel: Die Siedler von Catan

Die Regeln geben eine Rumpf-Version vor, die zum Erfinden von Zusatzregeln gradezu herausfordert. Die große Variabilität des Materials unterstützt das noch. Ich möchte die Siedler als Spiel bezeichnen, das "lebt", und zwar durch und für seine Varianten.

Ein anderes Beispiel wäre Schach, das durch Varianten wie "Kartenschach" auch veränderbar ist.

Gemeinsam ist allen Regel-Varianten, dass sie die Existenz des Grundspiels nicht in Frage stellen: Es gibt immer eine festgeschriebene und funktionierende Regel, mit der man als Einsteiger beginnen und von der man beim Erfinden von neuen Varianten ausgehen kann.

2. Weiterentwicklungen

Mit den Erfahrungen vieler Spieler und vieler Spiele kommt man oft in Situartionen und auf Ideen, die noch so ausgiebiges Testen nicht erzeugen konnte. Das kann - oft in Zusammenarbeit von Autoren und Spielern - zu einer interessanteren oder in einzelnen Passagen ganz neuen Regel führen.

Spiele-Longseller wie Risiko haben solche Änderungen bereits mehrmals mitgemacht; auch die Weiterentwicklung von "Entdecker" zu "Die neuen Entdecker" gehört in diese Gruppe.

3. Verbesserungen

"Sid Meyers Civilization - The Board Game" wurde in diesem Zusammenhang schon genannt: Ein Spiel, in dem viel mehr an Potenzial steckt, als man der ersten Auflage der Regel ansah. Auch da spielt das Feedback der Spieler eine wichtige Rolle.

Für die, die sich an die langwierige Aufgabe machen, die Möglichkeiten eines solchen Spiels in eine nachträglich geänderte Regel umzusetzen, ist es sicher eine interessante Herausforderung.

Diesen drei Arten von Regeländerungen ist gemeinsam, dass sie alle nicht im Handumdrehen zu erledigen sind. Sie erfordern intensive Planung und intensives Testen, liegen schon nahe an der tatsächlichen Erfindung eines neuen Spiels.

Aus meiner Sicht gibt es nichts, was gegen eine solche kreative Beschäftigung mit Spielmaterial und Regeln spricht (außer, dass wahrscheinlich nicht jeder die Zeit und Lust dazu hat).

Dazu sage ich: "Weiter so, denn aus kreativem Umgang mit alten Spielen werden neue Spiele!"

Völlig anders aber sieht es mit der nächsten Art von Regeländerungen aus, nämlich der, die davon ausgeht, dass man tatsächlich "mit ein paar kleinen Änderungen" aus einem schlechten Spiel ein gutes machen könnte:

4. Verwässerungen

Die "kreativen Köpfe" dahinter sind meist Leute, die entweder die Regeln nicht verstanden haben, oder die nicht verlieren können und die Schuld für ihre Niederlagen vorschnell in "unfairem Verhalten" ihrer Mitspieler oder in "Fehlern in der Spielregel" suchen, statt in ihrer eigenen Strategie und Taktik - oder einfach zu akzeptieren, das man eben manchmal verliert.

Diese Art von Regeländerungen erkennt man daran, dass sie - oft sehr wortgewaltig - über einzelne Spielkarten aus einem umfangreichen Kartenpool oder einzelne Regelbestandteile aus einem komplexen Regelwerk schwadronieren, ohne deren Zusammenwirken mit vielen anderen Elemente zu einem "Gesamtkunstwerk Spiel" zu berücksichtigen.

Dazu sage ich: "Jeder ist seines Glückes Schmied."

Mit einem lieben Gruß
Gustav

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Andreas

Re: Regeländerungen bei Schach

Beitragvon Andreas » 11. Mai 2004, 14:34

...als weiteres Beispiel sei hier noch Schach genannt. Das Spiel wurde nicht von Herrn Schach erfunden und dann über Jahrhunderte nach diesen einmal festgelegten Regeln gespielt...genial wurde das Spiel erst durch die Regeländerung, dass Läufer, Turm und Dame mehr als 1 Feld weit ziehen dürfen...

Gruß
Andreas

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Carsten Wesel

Re: Regeländerungen

Beitragvon Carsten Wesel » 11. Mai 2004, 14:43

Ralf Bielenberg schrieb:
>
> Ich habe schon oft den Satzbeginn "Wir spielen das aber immer
> so, dass wir....." gehört und in den seltensten Fällen dabei
> einen höheren Spielspass rauskitzeln können

...[b]in den seltensten Fällen[/b]...

Es gibt also doch Gelegenheiten?

Gruß Carsten (der endlich mal wieder auf einen Ralf Beitrag geantwortet hat)

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Ralf Bielenberg

Re: Regeländerungen

Beitragvon Ralf Bielenberg » 11. Mai 2004, 16:21

Hi Carsten,

Carsten Wesel schrieb:

>Es gibt also doch Gelegenheiten?

ja, gab es. mir fällt z.B. da Carcassonne ein, bei dem ja auch hier seinerzeit einige Regeländerungen diskutiert wurden.

Gruss
Ralf (der schon lange keine Carsten-Antwort mehr bekommen hat)

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Attila
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Re: Regeländerungen bei Schach

Beitragvon Attila » 12. Mai 2004, 11:07

Hiho,

Da hast du natürlich recht - Schach wird erst seit ca. 1500 in der von uns bekannten Form gespielt. :-) :-)

Atti

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Bernd Geiges

Re: Regeländerungen bei Schach

Beitragvon Bernd Geiges » 12. Mai 2004, 13:46

...und der Springer, wie hat der sich anfangs bewegt, so wie heut` oder auch ganz anders???
Gruss, Bernd

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Günter Cornett

Re: Regeländerungen bei Schach

Beitragvon Günter Cornett » 12. Mai 2004, 14:50

Bernd Geiges schrieb:
>
> ...und der Springer, wie hat der sich anfangs bewegt, so wie
> heut` oder auch ganz anders???
> Gruss, Bernd

Der Springer ist gleich geblieben. Er war früher die stärkste Figur, die Kavallerie eben.

Bis etwa 1500 galt bei uns:

König (orthogonal) und Dame (diagonal) zogen nur ein Feld,
Turm (orthogonal) und Läufer (diagonal) genau zwei Felder
Springer springt auf das Feld, das zwischen den beiden Feldern liegt,
die vom Läufer bzw. Turm erreicht werden konnten.

Davor gab es im indischen Schach vier Parteien im Spiel und ein Würfel entschied, welche Figut gezogen wurde.Siehe auch:
http://www.ymir.de/multi/abspiel/chronik/chessd.html

Gruß, Günter

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Volker L.

Re: Regeländerungen bei Schach

Beitragvon Volker L. » 12. Mai 2004, 15:16

Günter Cornett schrieb:
>
> Bernd Geiges schrieb:
> >
> > ...und der Springer, wie hat der sich anfangs bewegt, so wie
> > heut` oder auch ganz anders???
> > Gruss, Bernd
>
> Der Springer ist gleich geblieben. Er war früher die stärkste
> Figur, die Kavallerie eben.
>
> Bis etwa 1500 galt bei uns:
>
> König (orthogonal) und Dame (diagonal) zogen nur ein Feld,
> Turm (orthogonal) und Läufer (diagonal) genau zwei Felder
> Springer springt auf das Feld, das zwischen den beiden
> Feldern liegt,
> die vom Läufer bzw. Turm erreicht werden konnten.

Genauer: der Springer erreichte alle Felder, die von den anderen
4 Figuren nicht erreicht werden konnten. In der Tat die weitaus
stärkste Figur.

Der Doppelschritt der Bauern wurde übrigens auch erst im
Laufe der Zeit eingeführt.

Gruß, Volker

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Günter Cornett

Re: Regeländerungen bei Schach

Beitragvon Günter Cornett » 12. Mai 2004, 15:52

Volker L. schrieb:
>
> Günter Cornett schrieb:
> >
> > Bernd Geiges schrieb:
> > >
> > > ...und der Springer, wie hat der sich anfangs bewegt, so
> wie
> > > heut` oder auch ganz anders???
> > > Gruss, Bernd
> >
> > Der Springer ist gleich geblieben. Er war früher die stärkste
> > Figur, die Kavallerie eben.
> >
> > Bis etwa 1500 galt bei uns:
> >
> > König (orthogonal) und Dame (diagonal) zogen nur ein Feld,
> > Turm (orthogonal) und Läufer (diagonal) genau zwei Felder
> > Springer springt auf das Feld, das zwischen den beiden
> > Feldern liegt,
> > die vom Läufer bzw. Turm erreicht werden konnten.
>
> Genauer: der Springer erreichte alle Felder, die von den anderen
> 4 Figuren nicht erreicht werden konnten.

'Genauer' ist das nicht, aber man versteht was du sagen wolltest.
Entweder: Der Springer erreicht auf einem 5x5 Brett - jeweils ausgehend vom Mittelfeld - alle Felder, die von den anderen Figuren nicht in einem Zug erreicht werden können.
Oder: Der Springer war - neben dem doch etwas behäbigen König - die einzige Figur, die alle Felder des Spielplans erreichen konnte.

Letzteres ist ein Grund für die Stärke, vor allem aber, dass der Springer springen kann.

> Der Doppelschritt der Bauern wurde übrigens auch erst im
> Laufe der Zeit eingeführt.

Und die Rochade

Gruß, Günter (wollte eigentlich heute mal ganz brav sein und nur Fragen beantworten, aber wenn der Volker [i]so[/i] daher kommt ...)

;-)


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