Beitragvon Günter Cornett » 27. Mai 2004, 15:22
Ralf Arnemann schrieb:
>
> > Hans im Glück wurde mit dieser Liste sicherlich nicht
> bestraft,
> Natürlich ist auch jetzt der Verlag gut plaziert.
> Aber wenn tatsächlich gelten würde "100% gibts nicht", dann
> wäre das in der Tat eine Bestrafung des Verlags, wenn ihm
> dadurch ein Teil seiner preiswürdigen Arbeit aberkannt würde.
Bei '100% gibts nicht' hätten Verlage, die nur ein Spiel rausbringen null Chance ;-)
> > Die Liste soll in erster Linie dem Käufer dienen, nicht den Verlagen.
> Eben!
> Und den Käufer interessiert nur der Spielspaß.
> Wenn mal zufällig in einem Jahr nur ein Verlag gute Spiele
> bringen würde, und die übrigen nur Schrott - dann erwartet
> der Käufer doch, daß auch genau diese Spiele auf der Liste
> erscheinen.
Ja, klar. Dieser Fall wird aber sicherlich nicht auftreten.
> > und es in einer Kategorie genug Empfehlungen vergleichbarer Qualität gibt
> > (diese Einschränkung hast hast du leider überlesen),
> Nein, habe ich nicht.
> Ich befürchte halt nur, daß die
> Verlags-/Autoren-Proporzüberlegungen durchaus wichtiger
> genommen werden als die reine Qualität. "Vergleichbar" kann
> da ziemlich dehnbar werden ...
Ja, die Frage ist: in wiefern ist es Geschmackssache oder objektiv messbar?
> > Ist die Frage, ob die Empfehlungsliste im Gegensatz zur Auswahlliste die
> > besten Spiele enthalten soll.
> Das ist in der Tat mein intuitives Verständnis (und so sehen
> das wohl auch die meisten Käufer).
Dann wäre es in der Tat eine Sche...liste.
> Ich halte es schon für sinnvoll, für verschiedene Bereiche
> und Geschmäcker etwas zu empfehlen.
> Aber ansonsten sollte alleine Qualität das Kriterium sein,
> das ist bei Tests/Empfehlungen dieser Art eigentlich generell
> der Anspruch.
Die Qualität von Spielen ist aber nicht so ohne weiteres messbar.
Es ist zum großen Teil Geschmacksache. Und da muss man der Jury schon zubilligen, eigene Geschmäcker zu haben.
> Nehmen wir doch mal Stiftung Warentest als Beispiel: Die
> sagen doch auch nicht "Wir empfehlen diese Waschmaschine,
> weil es die beste von AEG ist und Miele schon mit drei
> besseren Maschinen empfohlen wird".
Bei Waschmaschinen gibt es klare Qualitätskriterien (Handhabung, Verbrauch, Haltbarkeit, Umweltschutz,...), bei Spielen ist das eben nicht so einfach.
> > Wenn man sieht, dass der Preis eine hohe wirtschaftliche
> Bedeutung hat, ... Gerade wenn der Preis hohe Bedeutung hat,
> zeigt das m. E. doch, daß die Leute ihn als Kaufentscheidung
> wichtig nehmen.
Naja, der Hauptpreis war bisher vor allem wichtig. Und ich glaube, dass manche Käufer sich manchmal auch verarscht gefühlt haben, wenn sie ein für eine andere Zielgruppe sehr gutes Spiel gekauft haben.
Was nützt mir die tollste Hose aus dem besten Material, wenn sie für dreijährige geschneidert ist?
> D.h. sie vertrauen darauf, daß da auch die besten Spiele drauf stehen.
Das ist die falsche Einstellung. Und ich denke, gerade bei dem Titel 'Empfehlungsliste' sollte die Jury nicht nur uns sondern vor allem nach aussen deutlich mitteilen, wie das gemeint ist.
> > dann sollte das bei Spielen ähnlicher Qualität IMHO schon
> berücksichtigt
> > werden.
> Wie oben gesagt: Das mit der "ähnlichen Qualität" ist halt
> dehnbar und ich befürchte halt (sind alles hier nur
> Befürchtungen, belegen kann ich die Intentionen der Jury ja
> nicht), daß die Proporzüberlegungen offenbar auch bei
> schwächerer Qualität Priorität bekommen.
Eine Befürchtung. die Jury schreibt dazu auf http://www.spiel-des-jahres.com/faq.html#16 :
|: [i]Gibt es Entscheidungskriterien, die nichts mit den Spielen selbst zu tun haben?[/i]
|: Grundsätzlich: nein. Die Jury beurteilt ausschließlich die Qualität der Spiele;
|: dabei ist es egal, ob es sich um ein kleines Kartenspiel oder ein großes
|: Brettspiel handelt, und es spielt auch keine Rolle, um welchen Verlag oder Autor
|: es sich handelt oder wer in der Vergangenheit wann schon welche Preise
|: bekommen hat. Höchstens im ausgesprochen seltenen Fall, dass es zwischen
|: zwei gleichwertigen Spielen keine weiteren Unterscheidungsmerkmale mehr gibt,
|: könnten weniger zentrale Fragen von Bedeutung sein - aber nicht im Sinne
|: fester Regelungen, sondern bei den individuellen Erwägungen der Jury-Mitglieder.
|: Erst und nur dann kann sich beispielsweise die Frage stellen, ob ein Verlag
|: viermal auf der Auswahlliste vertreten sein soll und ein anderer überhaupt nicht.
|: [i]Zeichnet die Jury mit dem Titel "Spiel des Jahres" das "beste" Spiel des Jahres aus?[/i]
|: Nein - aus zwei Gründen. Zum einen ist die Qualität von Spielen über äußere
|: Merkmale hinaus nicht objektiv messbar, was ja auch für andere Kulturprodukte
|: wie Bücher oder Filme gilt; die Wertung "bestes" bliebe am Ende immer
|: subjektiv. Zum anderen muss die Jury die Qualität stets im Hinblick auf die
|: Zielgruppe beurteilen, also ein sehr heterogenes Publikum, das nur zu einem
|: geringen Teil aus Spiele-Spezialisten besteht.
Etwas mehr Heterogenietät hätte der Empfehlungsliste sicherlich nicht geschadet.
|: [i]Welche spielerischen Kriterien muss ein "Spiel des Jahres" erfüllen?[/i]
|: Am Ende zählt immer der Gesamteindruck, das Spielgefühl, das kaum zerlegt
|: werden kann in einzelne, messbare Teile. Trotzdem gibt es Kriterien, die bei der
|: Beurteilung eines Spiels helfen: Hat es eine neue Idee oder verknüpft es
|: wenigstens vorhandene Elemente zu einem neuen Erlebnis? Wurde die Idee so
|: umgesetzt, dass das Spiel fesseln kann? Wirkt es organisch, rund, oder
|: künstlich und konstruiert? Ist die Regel sinnvoll aufgebaut, übersichtlich,
|: verständlich, ohne Lücken, Widersprüche und Fehler? Entspricht das Material
|: seiner Funktion, ist es solide und haltbar? Spricht die Gestaltung an, sind
|: Schachtel, Spielplan, Regel und Material aufeinander abgestimmt?
Kann es sein, dass bei Goa die Gestaltung den Auschlag gegeben hat ?
> Um nochmal aufs Thema zurückzukommen: Ich selber habe bisher
> nur einen Teil der 29 Titel gespielt. Ich kann also nicht
> definitiv behaupten, dieses oder jenes Spiel wäre schlechter
> als GOA (mal abgesehen von der Unvergleichbarkeit mit
> Kinderspielen oder anderen Bereichen).
Eben, das ist das Problem.
> Aber nach 30 Jahren Erfahrung glaube ich die Qualität von GOA
> halbwegs ordentlich einschätzen zu können.
> Und daß nun wirklich all' die anderen Spiele der Liste gleich
> gut oder gar besser sein sollen - das halte ich für extrem
> unglaubhaft, so gut kann kein Jahrgang sein.
Sicherlich. Die Frage ist dann aber, wie groß sollte der Anteil der Spiele sein, die sich mehr an Vielspieler richten. Von den Spielen auf der Liste brauchtest du Goa allenfalls mit Petersburg, Attika und Raja vergleichen. Mit den Spielen des Jahrgangs, die nicht auf der Liste gehören, kämen dann in dieser Kategorie sicherlich noch Santiago, Kanaloa und vermutlich noch einige andere dazu, die auch nicht messbar schlechter sind (behaupte ich mal), ebenso wie gute Spiele anderer Kategorien fehlen.
Wenn du das Fehlen von Goa kritisierst, solltest du uns dann schon mitteilen, wie groß die Liste sein sollte, bzw. was du stattdessen runter nehmen würdest (Attika, Raja, Petersburg,...?).
Gruß, Günter