Beitragvon Matthias Staber » 17. Juni 2004, 09:30
Steffen S. schrieb:
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> Hallo Matthias,
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> könntest du einige Erfahrungen und Eindrücke zu Runebound
> wiedergeben?
>
> Dankbare Grüße,
> Steffen (hat Runebound seit heute im Regal stehen)
Erster Eindruck: Hole dir sofort die advanced rules aus dem Netz (www.fantasyflightgames.com) und spiele ausschließlich nach diesen. Entgegen der Nomenklatur "advanced" machen diese Regeln das Spiel nicht komplizierter, sondern interessanter und beschleunigen das Ganze, was dem Spiel sehr gut tut: Rechne dann immer noch mit einer Spieldauer von 2 bis 3 Stunden, was ich bei einem Spiel dieser Sorte bereits grenzwertig finde. Hole dir bei dieser Gelegenheit gleich die FAQ und verzweifle dennoch nicht, wenn einige Punkte der Regel erst einmal schwammig bleiben: Der Regeltext ist suboptimal. Hier wurde der Kardinalfehler gemacht, Ausdrücke in mehreren verschiedenen Bedeutungen zu verwenden. So sind Ausdrücke wie "attack" "defend" "Attacker" "defender" "Atacker" usw. nicht eindeutig verwendet, was insbesondere das Verstehen des player vs. player combat zu einer kniffligen Sache macht (Frage: wie darf der Angegriffene seine allies einsetzen?) Noch ein bisschen Gemecker: Das Grafik-Recycling von Fantasy Flight nimmt bei Runebound freche Ausmaße an! Vortex-Spieler kennen bereits zwei Drittel der verwendeten Bildchen, was ich bei einem 50-Euro-Spiel nicht in Ordnung finde, hier hätte gerne ein Zeichner in Lohn und Brot gesetzt werden können.
Schluss mit Meckern: Trotz allem hat mir meine zweite Runebound-Partie (die erste lief nach den Grundregeln und mit zahlreichen Regelunklarheiten und war also Käse) großen Spaß gemacht. Runebound bietet etwas, was Rückkehr der Helden (RdH) fehlt: Der "cool, eine Zwergen-Handgranate"-Diablo-Zaubergegenstand-"wow, eine Schattenrüstung"- Sammeleffekt. Außerdem kann man Gefährten anheuern, was aus dem Abenteurer eine waschechte (Computer-)Rollenspiel-Party macht. Richtig ausgeglichen scheinen die Fähigkeiten dieser Sachen allerdings nicht zu sein - was ich aber erst nach weiteren Partien richtig beurteilen kann. Rechne damit, dass ein Mitspieler uneinholbar nach vorne preschen kann.
Insgesamt halte ich RdH für das pfiffigere, elegantere Design, auch wegen der kürzeren Spieldauer. Die Aufträge sind vielfältiger: Während es mir bei RdH auch mal Spaß macht, ein Mädchen zum weißen Dorf zu begleiten oder einen Hirsch zu Bendidas Lichtung, bin ich bei Runebound hauptsächlich damit beschäftigt, möglichts viel Aua zu machen. (immer, wenn bei uns jemand den flavourtext einer "challenge" vorlas, musste ich an diesen Rollenspiel-Comic denken, dessen Name mir nicht mehr einfällt: "GM: "you enter a large cave and you see..." Spieler unterbricht: "Cut the flavourtext! What do I have to roll to hit?" - Stichwort flavourtext: Wenn die Mitspieler nicht sehr gut Englisch können und diesen tatsächlich auch vorlesen oder gar übersetzen, geht einiges an Atmo flöten: "murmel, mumel, dann würfel ich auf die 9, grummel, grummel, jetzt auf die 12 - Mist -, mumel, murmel, jetzt ist er platt - gib mal 4 Gold her...")
Fazit trotz aller Einwände: Mit den advanced rules macht Runebound durchaus Spaß, ich freue mich aufs nächste Partie.
Matthias