Beitragvon Steffen S. » 4. Juli 2004, 00:51
Hallo Helmut,
ich vermute, dass ihr bisher erst eine Partie gespielt habt. Eines vorweg: Natürlich ist der Platz im Rucksack begrenzt, doch das erscheint mir sehr realistisch, wie überhaupt das mühselige Schleppen und Schürfen recht gut getroffen wurde.
Die Kunst bei LV scheint mir, sich auf eine dem entstandenen Spielfeld und der eigens erdachten Vorgehensweise angepassten Fundus an Gegenständen zu beschränken. Dabei ist nicht nur von Nöten, sich geeignete Gegenstände einzukaufen, sondern auch deren Wechselwirkungen untereinander zu beachten. Ein Beispiel: Eine Axt ist eine feine Sache, aber ohne Karren wird ihr Vorteil nur schwer nutzbar, da die beiden auf einmal gehackten Holzbalken den Rohstoffbereich sofort zu zwei Dritteln ausfüllen, und so zu wenig Restplatz bleibt.
Axt + Karren hingegen sind sehr sinnvoll.
Allerdings muss man keinen Karren haben. Sehr nützlich ist z.B. das Boot: Hier kannst du Flusseiten wechseln, und durch die erhöhten bewegungspunkte kannst du am Fluss entlang rasend schnell wieder zum basislager zurück. Oder umgekehrt: Du kannst auch rasend schnell den Fluss entlangschippern und Flussgold einsammeln, das ja viel schneller abgebaut ist, als Minengold (der Zwitvorteil egalisiert dabei den Goldmengennachteil ca.). Da du fürs Flussgold auf Nahrung angewiesen bist, kannst du dich bei den Fischen unterwegs bedienen (quasi en passant) ODER (Achtung: Wechselwirkung, wie oben!) gleich zum Boot noch eine Angel dazupacken. Dann bist du das Problem los.
Auch das Pferd ist super, wenn du dich alleine auf Pfade jenseits des Flusses begeben willst, da du dann 2* so schnell vorankommst. Hast du ein Gewehr dabei, kannst du unterwegs zudem noch fleißig Tiere abballern, brauchst also den Fluss und seine Fische nicht mehr. Und auch mit Pferd ist man schneller wieder im Lager.
Merke: Es ist SEHR sinnvoll, als erster Einkauf ein Pferd oder Boot zu erwerben, da du dich dann von den Bewegungsengpässen etwas abkoppelst. Den Rest an Ausrüstung kannst du dir dann später umso schneller holen. Dass die Spieler nicht mehr Ausrüstung mitschleppen können, empfinde ich als gut und realistisch´. Man muss sich, je nach Lage, eben für eine bestimmte Zusammenstellung, die man für lukrativ hält, entscheiden. Kaufen die Mitspieler bestimmte Dinge auf, muss man seine Strategie eben anpassen, und einen auf Bootfahrer oder Reiter machen. Beides kann extrem erfolgreich sein. Bei uns hat übrigens (kurioserweise?) in 7 Partien noch nie ein Spieler gewonnen, der statt Pferd oder Boot zuerst den Karren genommen hat...
Zu den Dreiecken: Hier gebe ich dir Recht. Konstellationen zu schaffen, die Dreiecksablagen ermöglichen, ist extrem schwer. Auch bei uns ist immer ein riesen Stapel übrig am Ende, besonders im Spiel zu dritt, wo das noch schwerer ist (weil seltener Spieler aufeinander "zuarbeiten"). Ich hätte es besser gefunden, die Rauten wären in Stapel A und Stapel B mit je ausgeglichener Rautenkombination aufgeteilt, wobei sich im als zweites abzuarbeitendnen Stapel B eine Raute mit zweitem basislager befindet. Das hätte die Gegenständedynamik erhöht. Das Problem bei UNS war nämlich eher, dass das Spiel zu früh endete. 1-2 Spieler kauften ein Pferd und zogen abseits des Flusses in die Lande. Dadurch flogen die Rauten nur so aufs Feld, und der Fluss war ein kurzer Stummel aus 5-6 Abschnittten, wenn das letzte Rautenteil verbraucht war. Dementsprechend schnell früh fand dann der Eisblock seinen Weg zum Wasserfall, so dass oft nur 1-2 Lagerbesuche rechnerisch sinnvoll waren.
Insgesamt bin ich mir immer noch nicht ganz sicher, wie beeinflussbar der Spielausganeg wirklich ist. Man kann (s.o.) schon Ausrüstungen gezielt kaufen und kombinieren, man kann auch gezielt Standpunkte blockieren und im richtigen Moment Stollen in den Berg treiben. Aber die Rauten, die wir aufdecken, die Goldmenge, die wir bekommen, der Moment des Spielausgangs - da ist auch viel unwägbar, das die allesamt siegmöglichen Ausrüstungskombos in ihrer Effizienz doch sehr unkalkulierbar macht. Am Ende hockte meist jeder bei uns auf einer Per-pedo-Mobile-Position, die ringsrum alle Rohstoffe für die oft 2 ebenfalls angrenzenden Berge (mit Minengold) bot (Nahrung, Holz), so dass es gar nicht mehr notwendig war, diese Stelle bis Spielende zu verlassen, da der Zeitgewinn durch mitgebrachten Whisky usw. oft den Zeit- und Goldverlust zum Rückweg nicht mehr aufwog. Das letzte Spieldrittel wurde so meist seeeehr statisch.
Fazit: Ich mag Lost Valley, ich finde das Thema prima umgesetzt, ich finde die Variabilität der Vorgehensweisen durch die div. Gegestände interessant - aber umhauen tut das Spiel mich aus den o.g. Punkten nicht. Ich würde und werde es noch ab und zu spielen, mehr als ein gehobenes "nett" (oder 4 von 6 hall9000-Spielreiz-Punkten ;-)) bekommt es von mir aber nicht. Eins muss ich aber sagen: Goldland finde ich noch eindeutig schlechter.
Gruß,
Steffen