Beitragvon Roman Pelek » 12. November 2004, 02:19
Hi Atti,
Attila schrieb:
> Dann sollten die Kleinverlage vieleicht eine Spendenaktion
> auf der Messe starten! - "Bitte spendet 10 Euro, damit wir
> unser Abendessen bezahlen können" - aber aktionen das Spiel
> auf der Messe für 40 Euro zu verkaufen und im Versand bekommt
> man es dann für 32 Euro find ich schon sehr seltsam.
Naja, Andrea hat es eigentlich schon auf den Punkt gebracht: Wer als Eigenverlag auf der Messe seine Spiele nicht teurer anbietet, als es dann z. B. Versandhändler tun, wird sich auf der nächsten Messe wundern, warum der Versandhandel teilweise nur geringes Interesse verspürt, weiterhin als Geschäftspartner zu fungieren. Die Diskussion hier trägt also wohl eher dazu bei, dass einige Kleinverleger beim Durchlesen dieses Threads zu Recht vor Ärger in ihre Tastatur beißen als dass sie wirklich irgendwen weiterbringt.
> Ich meine, ich komme darüber weg und es ist mir persönlich auch
> schnuppe ob ich jetzt 732 oder 740 Euro auf der Messe
> gelassen habe, aber ich kann schon verstehen das man darüber
> verärgert ist.
> > Geiz ist nicht Geil.
> Natürlich ist es das! Wieso auch nicht?
Sicherlich hat es einen gewissen Reiz, stundenlang ohne andere Ziele auf der Messe herumzurennen oder den ganzen Feierabend vor'm Rechner zu sitzen, um im Versandhandel und auf eBay nach dem besten Schnäppchen zu jagen. Es mag auch durchaus befriedigend sein, "selbst wieder Geld gespart" zu haben, während "die anderen Idioten" ja manchmal mehr bezahlen - und manch einer kann dann ruhig schlafen. Das ist nix Verwerfliches, nur: ist es ganz egoistisch betrachtet - langfristige hehre und manchmal auch fragwürdige Ziele bzgl. der Spieleszene mal ganz außen vor gelassen - auch wirklich besser oder vielleicht einfach nur eine individuelle Neigung des Jagen und Sammelns, die nicht rationaler ist als andere Herangehensweisen?
Mal überspitzt gefragt: Hat eigentlich jemand der verbrieften Schnäppchenjäger mal gegengerechnet, ob die Suche nach dem besten Angebot inklusive der Recherche, ob ein Produkt für einen selbst attraktiv ist, lukrativer ist, als in der gleichen Zeit bei Aldi aushilfsweise Tütensuppen einzusortieren (ich nehme bewusst nicht die Gehaltskategorie der meisten hier) und den Höchstpreis mit Beratung für ein Produkt zu bezahlen?
Kann es eigentlich nicht auch an sich rational lohnend sein, bewusst nicht geizig zu sein? Ist das Erlebnis, z. B. an einem Kleinverlagsstand mit dem oder den Autoren zu spielen und dann das Spiel für ein paar Euro mehr zu kaufen auch kalkulatorisch (vom Lustgewinn mal ganz zu schweigen) nicht mindestens genauso lohnend, als dem billigsten Angebot nachzurennen und in dieser Zeit gar nichts gespielt oder wenigstens für (mehr) Geld gearbeitet zu haben? Und um gleich der offenkundigen Antithese "Ich lass mich beraten und kauf dann woanders billiger" entgegenzuwirken: das ist letztlich erneut aufgewendete Zeit, in der man woanders wieder hätte spielen können ;-)
Nun denn, so oder so erscheint mir beides ein Spiel zu sein, nur dass ich persönlich das subjektive Erlebnis des Brettspielens mit Freunden (wahlweise auch guten Bekannten oder noch-nicht-guten Bekannten) in meiner Freizeit dem vordergründig rationalistischen Metaspiel des Schnäppchenjagens vorziehe, auch wenn diese Vorgehensweise scheinbar teurer ist. Sei's drum, letztlich landen wir so oder so bei den selben Grundbedürfnissen, die bedient werden - der eine auf dem einen, der andere auf dem anderen Umweg. Nur das "Geiler is' schon" (um mal Westernhagen in der Blüte seiner Jugend zu zitieren), fehlt mir irgendwie bei beiden Extremen.
Ciao,
Roman
P.S.: Wer satirische, augenzwinkernde oder ironische Elemente in obigem Posting auch nur vermuten sollte oder jemanden kennt, der diese ansatzweise vermutet, wird mit Verbissenheit nicht unter fünf neu angefangenen Threads zum Thema "Dieses Forum wird von allen gelesen aber von vielen verflucht" verdonnert.