Beitragvon Anton M. » 27. November 2004, 13:10
TRH schrieb:
> Wie ja des öfteren hier zu lesen war, gab es ja seitens DoW
> das Bemühen die "Verramschung", d.h. den starken Preissturz
> bis zum Weihnachtsgeschäft zu unterbinden.
> Das Projekt scheint mir gründlich gescheitert [...]
Der Verlag hat keinen direkten Einfluß auf den Preis, den der Endverbraucher letztlich zahlt. Days of Wonder hat aber angekündigt, dass sie auch Großabnehmern keinen Mengenrabatt beim Händlereinkaufspreis gewähren. Dadurch wird gewährleistet, dass der kleine Fachhändler mit vieleicht drei, vier "Zug um Zug" im Regal für jedes einzelne Spiel genauso viel bezahlt hat, wie die große Kette, die sich für ganz Deutschland hunderte von "Zug um Zug" angeschafft hat. Wenn du durch die Überschrift suggerierst, dass der Verlag seine Verkaufspolitik geändert hat, würde das bedeuten, dass Days of Wonder den großen Ketten doch Mengenrabatte eingeräumt hat. Hast du dafür irgendwelche Belege oder Indizien? Wenn dem so wäre, dass DoW eingeknickt wäre, würde ich das auch als gescheitert bezeichnen.
Ansonsten würde ich erstmal vermuten, dass die große Kette das Spiel ohne Gewinn oder sogar unter Einkaufspreis verkauft, um Werbung für sich zu betreiben und Kunden in den Laden zu locken, um auch andere Waren zu kaufen. In diesem Fall ist es jedoch m.E. zu früh, von gescheitert zu sprechen. Bilanz kann man wohl erst nach dem Weihnachtsgeschäft ziehen, vieleicht sogar erst nach Weihnachten 2005. Denn im Gegensatz zu früheren Jahren, wo die großen Ketten dank Mengenrabatt vieleicht sogar noch gut Gewinn gemacht haben, gehen die Ketten diesmal beim Verkaufen wohl mehr oder weniger ohne Gewinne - ja vieleicht sogar mit Verlust hervor. Ob sich diese Strategie der großen Ketten auf Dauer rechnet, ist noch nicht raus. Entscheidend könnte auch sein, ob der Verlag, der die nächste Spiel des Jahres Auszeichnung gewinnt, die von DoW vorgemachte Preispolitik übernimmt oder aber Mengenrabatte gibt.
Wird es nächstes Jahr wieder Mengenrabette geben, dann war DoW aus Sicht der großen Verlage nur ein "kleiner, unbedeutender Querulant". Übernehmen aber andere Verlage diese Preispolitik, dann werden sich die großen Ketten vieleicht mittel- oder langfristig doch noch umstellen. Schliesslich kann sich kein Unternehmen leisten, auf Dauer Verluste einzufahren. Entscheidend hierbei kann die Frage sein, in wie weit ein niedriger Preis beim Spiel des Jahres durch zusätzlichen Umsatz bei anderen Waren quersubventioniert werden kann. Also warten wir es vieleicht noch ein wenig ab, bevor wir ein entgültiges Urteil über den Versuch von DoW, sich selbst die Preise nicht kaputtzumachen, erlauben.