Beitragvon Günter Cornett » 31. Dezember 2004, 00:46
Wolfram Püchert alias WeePee schrieb:
>
> Alllllllllso:
>
> Ein Spiel ist gut, mittel oder schlecht - und zwar unabhängig
> vom Preis. Insofern gebe ich Deinem Freund Recht.
>
> Nun komme ich zum monetären "Wert" eines Spieles:
>
> 1) (Spiele-)Ideen sind in Deutschland (und wohl in vielen
> anderen Ländern ebenfalls) nicht patentierbar oder schützbar.
> Somit stellt die IDEE eines Spieles keinen
> (betriebswirtschaftlichen) Wert dar.
Was willst du uns damit sagen?
Ideen sind nicht schützbar, klar, Ideen zu einem Spiel ebenso wenig wie die Idee eines Autos, die Idee ein Bild zu malen, die Idee auf den Mond zu fliegen oder die Idee, ein Harry-Potter-Buch zu schreiben. Verwirklicht man die Ideen in einem Werk ist dieses aber je nach Art patentierbar, schützbar oder bereits urheberechtlich geschützt. Letzteres ist bei Spielen und Büchern grundsätzlich der Fall, sofern die üblichen Voraussetzungen vorliegen (Werk ausreichender Schöpfungshöhe, Autor lebend oder weniger als 70 Jahre tot).
Das Immaterielle an einem Spiel (oftmals Spielidee genannt, aber weit mehr als nur Idee) ist urheberechtlich schutzfähig und hat materiellen Wert.
> 2) Da aber Arbeit (und evtl. Kosten) angefallen ist, um die
> IDEE in ein Spiel umzusetzen, hat das Ganze für die Verlage
> schon einen Wert (allerdings nur, wenn sich das Spiel dann
> auch verkauft).
Zunächstmal hat das Ganze einen Wert für den Autor, der seine Ideen in ein Spiel umsetzt, das er dann dem Verlag verkauft (oder - in den meisten Fällen - eben nicht).
Die Arbeit des Verlages besteht im Wesentlichen darin, die richtigen Spiele aus den vielen Angeboten herauszusuchen und sie dann in eine marktfähige Fassung zu bringen. Dazu gehören auch Regelveränderungen in Abstimmung mit dem Autor bzw. durch diesen nach Wunsch des Verlages.
> 3) Also muss eine Spielidee so in ein Spiel umgesetzt werden,
In einem Spiel sind gewöhnlich mehrere Ideen verarbeitet, gestaltet und aufeinander abgestimmt. Was du Spielidee nennst, ist wesentlich mehr als nur (nicht schützbare) Idee sondern wichtigster Bestandteil des Spieles.
> dass sich das Spiel GEWINNBRINGEND verkauft. Dabei sind große
> Absatzzahlen manchmal gar nicht der Fokus eines Unternehmens.
>
>
> Und nun komme ich zur Widerrede Dir gegenüber.
>
> Nimm einmal das Schachspiel als Beispiel: Es gibt es für 2
> Euro (als Taschenschach) oder auch für 2000 Euro (vergoldete
> Figuren) zu kaufen. Wie würdest Du das Spiel nun einstufen?
> Als gut oder schlecht?
In Bezug auf das, was du Spielidee nennst, ist Schach ein schlechtes Beispiel, weil der Autor schon länger als 70 Jahre tot ist, das Spiel also frei ist. Jeder darf es veröffentlichen.
Allerdings würde der den Preis, der dem Autor für die 'Spielidee' gezahlt würde, bei einem Vergleich keine Rolle spielen, da der Autor i.d.R. Prozente bekommt, die sich am Abgabepreis an den Handel orientieren (und damit indirekt am Materialpreis - jedenfalls in den meisten Fällen).
Von daher ist es verständlich, das die Frage, ob ein Spiel billig oder teuer ist, am zunächst einmal am Materialwert festgemacht wird.
Wenn ich nun zwei ähnlich ausgestattete Spiele zu einem ähnlichen Preis kaufe, das eine nach einmaligem Spielen verstaubt, das andere hundertmal auf den Tisch kommt, dann war das eine Spiel schweineteuer, das andere saubillig.
> Siehst Du, es geht nicht!
>
> Der Spielspaß hängt natürlich auch von der "Wertigkeit" des
> Spieles ab, ist aber im Wesentlichen (wenn man ihn beurteilen
> will) unabhängig vom Preis.
>
> Was ich damit sagen will:
> Der Preis eines Spieles und der Spielspaß sind orthogonale
> Dinge und können nicht oder nur sehr schwer in Beziehung
> gebracht werden.
>
> ---------------------------------------------------------------------------------------------
>
> Wenn ich mir ein Spiel kaufe, schaue ich als Erstes:
>
> 1) Könnte mir das Spiel Spaß machen?
> Wenn ich das mit JA beantworte, dann schaue ich als Zweites:
>
> 2) Gefällt mir das Spielmaterial?
> Wenn ich das mit JA beantworte, dann schaue ich als Drittes:
>
> 3) Ist der monetäre Preis für das gebotene Material
> gerechtfertigt?
> Wenn ich das auch mit JA beantworte, dann kaufe ich mir das
> Spiel.
>
> Ansonsten lasse ich es sein!
>
Wenn ich 1 und 2 mit Ja beantworte, prüfe ich, ob mir das Spiel wirklich Spass macht. Denn auch wenn mir das Spiel rein materialmässig zu teuer erscheint, macht es mir u.U. dreimal soviel Spass wie ein anderes Spiel, dessen Preis materialmässig angemessen ist. Vielleicht warte ich auch noch ein paar Monate, ob es nicht doch billiger wird, aber ich kaufe es auch zum scheinbar überhöhten Preis. Denn die Frage, wie oft ich es spiele, bestimmt den tatsächlichen Wert viel stärker als das Material es tut.
Allerdings haben gute Spiele auch ohne Discounter die Tendenz im Preis günstiger zu werden, wenn sie wegen ihrer Qaulität in größerer Stückzahl hergestellt werden.
Gruß, Günter