Beitragvon Michael Weber » 6. Januar 2005, 09:59
Ich finde diese Diskussion wichtig, da man hier zu einer echten Qualitätsverbesserung beitragen kann. Während man bei Zitronen oder Himbeeren für Spiele immer sehr auf die eigenen Spielvorlieben und -kompetenzen verwiesen werden kann, ist es bei Spielanleitungen in der Tat etwas einfacher. Auch wenn es hier - wie die Diskusion zeigt - ebenfalls sich widersprechende Meinungen geben wird.
Was aber sehr, sehr wichtig ist, ist das Erklären, warum man eine Spielanleitunmg schelcht findet. Denn nur, was konkret kritisiert wird, kann auch verbessert werden und im Idealfall ein Lernprozess für alle Verlage in Gang bringen.
Ich behaupte jetzt mal, dass Spielanleitungen häufig zu lang sind, um überhaupt gerne in die Hand genommen zu werden. Bei einigen unnötig lang. So finde ich die Spielregeln von Amigo mit Beispielen überfrachtet, was nach meiner Beobachtung vom Lesen zunächst abschreckt, da man viele Seiten Regeln vermutet werden. Diese lassen sich jedoch häufiger komprimiert auf ein oder zwei Seiten zusammenfassen. Der Rest sind Beispiele, die auch "für die ganz Dummen" die letzten Fragen klären sollen. Ist das wirklich notwendig? Ist so eine Anleitung besser als eine kürzere, die das Loslesen erleichtert? Auch vor dem Hintergrund angesprochener Käuferschichten? Ich denke nein. Alea hat oft die Goldene Feder gewonnen. Sicherlich verdeint. Aber auch hier ist für ungeübte Regelleser die Anleitung zunächst wegen der Länge erschlagend.
Ein anderes Beispiel ist u.a. die Anleitungen zu Old Town oder dem Eishockeyspiel (beides Spiel, bei denen ich die Autoren kontaktiert habe, um das Spiel überhaupt zu begreifen), die zwar viele Beispiele enthalten, den Spielablauf aber ansonsten nur schlecht erklären. Diese stammen aus Kleinverlagen und zeigen, dass mitunter ein unbeteiligter geübter Regelschreiber oder zumindest -leser zu Rate gezogen werden sollte. Was nicht heißt, dass es bei mittleren oder größeren Verlagen keine Probleme in der Hinsicht geben würde.
Natürlich kommt es immer auf die Komplexität und den Umfang der Regeln an, wie man Anleitungen verfassen muss. Das ist klar.
Was mir allgemein häufig fehlt und ein bisschen aus der Mode gekommen zu sein scheint, ist die Kurzübersicht über Rundenverläufe und wesentliche Regeln, die an alle Spieler verteilt werden kann. Natürlich sind hier in diesem Fall Regeln für komplexere - wo immer dias auch anfängt - Spiele gemeint. Für ein simples Kartenspiel ist das in der Regel nicht nötig. Oder wie wäre es, Beispiel erst nach der eigentlichen Anleitung zu platzieren, um die Kürze von Regeltexten zu verdeutlichen? Und wenn Beispiele, dann bitte verständliche. Schön sind hier immer Beispielrunden.
Also, ich fordere hiermit kürzere Anleitungen mit mehr Beispielen im Anschluss und - soweit sinnvoll - mit einer guten Rundenübersichten für die Spieler. Auch Fettdruck an der einen oder anderen Stelle kann eine Anleitung verbessern.
Michael
(heute wohl wieder anleitend)