Beitragvon Heinrich Tegethoff » 6. Januar 2005, 20:57
Michael Weber schrieb:
> Ich behaupte jetzt mal, dass Spielanleitungen häufig zu lang
> sind, um überhaupt gerne in die Hand genommen zu werden. Bei
> einigen unnötig lang. So finde ich die Spielregeln von Amigo
> mit Beispielen überfrachtet, was nach meiner Beobachtung vom
> Lesen zunächst abschreckt, da man viele Seiten Regeln
> vermutet werden.
Hallo Michael,
volle Zustimmung, wollte ich doch in den letzten Monaten genau dazu immer
wieder einen Thread starten und tat's dann doch nicht.
Mein Beispiel par excellence dazu ist "Einfach Genial": auf den ersten Blick
nur ein Blatt mit Regeln, auf den zweiten eine (umgerechnet) 3-seitige A4
Anleitung - engbedruckt und abschreckend. Das Spiel lebt aber von der sehr
geringen Zahl an Regeln, was neue Mitspieler aber beim Blick auf die Regeln
nicht glauben wollten. Auch Amigo's Tanz der Hornochsen kann ich um eine
Größenordnung schneller erklären als lesen - selten.
Ursprünglich ging ich davon aus, das bei einer modisch langen Regel der
Regelautor perfekte Anleitungen schreiben wollte: alles drin, alles erklärt,
schön zu lesen. Gut, und stimmt wohl auch. Aber irgendwie kommt weder das
"Spion & Spion"-Feeling bei der Regel durch (Goldene Feder 1987) noch
erhöht sich dadurch die Verständlichkeit (zuviel zwischen den Kernregeln)
oder erleichtert es das Auffinden von Regelfragen: 8 oder 12 A4-Seiten = viel
suchen. Denn jede Regel hat eine andere Struktur.
Manchmal glaube ich, eine Kurzübersicht sollte auch gleich eine Seitennummer-
Referenz aufweisen, damit man Details schneller finden kann.
Und nicht zu guter letzt hat wohl der "ZDF vernichtet San Juan" Thread gezeigt,
dass Gelegenheitsspieler sich von einer Regel abschrecken lassen, daß ich
zwar nach 10 Minuten erklären starten kann, aber bei aller guten Regelform
von alea sinkt die Motivation bei Normalos von Seite zu Seite (während meine
von Seite zu Seite stieg, aber das zählt hier nicht).
Bei trüber Stimmung (heut am Feiertag weit und breit keine Mitspieler, auch
wenn noch bis 1:40 gespielt wurde) frage ich mich, wieweit moderne Anleitungen
zu einem Marketinginstrument verkommen: schön bunt, viel drin, man soll wohl
ein Erlebnis bekommen und den Verlag loben - bevor das Spiel anfängt.
Servus,
Heinz