Beitragvon Frank » 4. April 2005, 11:40
andreas schrieb:
> mittlerweile langweilt mich der "German Game Style" ziemlich.
> Die aufgesetzten Themen, die sich ewig wiederholenden
> Mechanismen
> (Siegpunkte sammeln, Gewürze tauschen, Mehrheiten
> bilden...etc.)
willkommen bruder im geiste, denn das geht mir oft nicht soooo viel anders :smile:
und da kann ich mich sogar endlich selbst zitieren, was ich immer schon mal tun wollte, weil das einen so weisen eindruck macht :cool: :grin:
[...]
aber auf längere ansicht befriedigender, empinde ich mittlerweile eben wieder spiele, die nicht nur von einem abstrakten mechanismus ausgehen, auf den dann ein x-beliebiges thema draufgeditscht wurde, wie dies insbesondere bei den meisten deutschen spielen der fall ist. da sind mir doch ein wings of war, manifest destiny, republic of rome, 18xx, der ringkrieg, dune, civilization oder age of steam (um nur einige wenige zu nennen, die mir spontan durch den kopf gehen...) deutlich lieber, weil dem geschehen anzumerken ist, daß der designer ein ganz bestimmtes thema umsetzen wollte. diese art von spielen ist deshalb auch langfristig haltbarer, nicht so staubtrocken, etwas komplexer und thematisch *deutlich* stimmiger.
[...]
...und hier zum thema loius xiv vs el grande...
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das thema wirkt bei beiden sowas von aufgesetzt, daß es staubt und schon fast peinlich ist, denn es könnte durchaus auch um den mehrheitenkampf im gummibärtütchen gehen und das würde spielerisch 0 g unterschied bedeuten
[...]
> Wo sind die Spiele, die ein Thema wirklich gut umsetzen???
die rückkehr der helden vielleicht (auch wenn es leider eher ein solitärspiel ist) ? oder einige der 2f-spiele, denn die wirken wenigstens erfrischend anders und irgendwie auch lockerer und "undeutscher" ?
> Wem geht's ähnlich? (Das grauenhafteste Spiel der letzten
> Zeit war für mich Goa)
mir und einem guten dutzemd leute, die ich kenne :smile:
deutsche spiele sind eben etwas zu oft wie ganz, ganz viel sahne mit ein bischen kuchen unten drunter. sicherlich lecker und reizvoll, aber auf dauer eben etwas zu fade, weil man eigentlich gerne auch mal wieder mehr vom kuchen schmecken möchte, was aber bei dem eingestellten mischungsverhältnis nur schwer möglich ist.
aber auch deutsche spiele haben selbstverständlich ihre berechtigung, weil eines ihrer (oft durchaus positiven) markenzeichen eine im überschaubaren rahmen befindliche spieldauer ist und man hat ja nicht immer zeit, sich ein 5+ stunden teil reinzutun oder kinder/fämilie sitzen mit am tisch, deren aufnahme- und konzentrationsfähigkeit nach spätestens 90 minuten rapide abnimt. mutmaßlich ist das sogar genau der grund für den kommerziellen siegeszug der "german games" im internationalen bereich, der wohl nicht zu bestreiten ist, denn auch andere völkchen haben scheinbar probleme mit ständig schrumpfenden zeitreserven, allgemeinem gefühl des gehetztseins und abnehmender konzentrationsfähigkeit. so könnte sich, was den letzten punkt betrifft, die deutsche brettspielindustrie für international gestiegene verkaufszahlen sozusagen fast schon direkt bei mtv/privatfernsehen für deren dauerberieselung bedanken, denn eine schnelle zeit braucht halt schnelle spiele, wenn man es zynisch sehen mag :grin: und was das betrifft, kommen deutsche spiele, dank ihrer meist kurzen spieldauer, oft eher unkreativen und leider manchmal zu simplen und mechanismusbasierten, reißbrettartigen konstruktion gerade recht.
wie schon gesagt, mittel- und langfristig landen sie dann bei mir eher in der ecke, aber eine daseinsberechtigung haben sie durchaus und für ein paar ironische seitenhiebe in richtung "deutscher un-kreativität" sind sie auch später allemale gut :grin:
frank