Beitragvon Eva » 7. April 2005, 17:21
Hallo Zusammen,
Spannendes Thema: Schummeln zu gunsten des Kindes, Kinder gewinnen lassen...
Da stoße ich oft auf Unverständnis unter Verwandten und Bekannten.
Ich lassen nämlich keine Kinder gewinnen. Zumindest nicht, indem ich „schlecht“ spiele, so tue, als habe ich beim Memory spielen vergessen, wo eine Karte liegt, wenn das nicht stimmt. Oder beim Mensch ärger dich nicht eine Figur setze, mit dem das Kind nicht geschlagen wird, obwohl ich es raus werfen könnte.
Das fühlt sich für mich total falsch an. Kinder sind doch nicht blöde. Wenn sie es heute nicht merken, dann vielleicht morgen oder übermorgen, dass ich sie gewinnen lasse…. Und zu gewinnen, weil ein anderen absichtlich schlecht spielt, das ist ein total blödes Gefühl.
Ich baue ja auch nicht nur zweidimensionale Türme, weil meine Tochter auch noch nicht dreidimensional bauen kann aus Sorge sie zu frustrieren.
Ich passe die Gegebenheiten so an, dass das Kind auch so wie sie es zu diesem Zeitpunkt, zur aktuellen Tagesverfassung kann gut zurechtkommt, ohne „scheitern zu müssen“.
Und genau das mache ich auch beim Spielen. Wenn ich merke, dass unsere Tochter keine Chance hat zu gewinnen, weil ich noch die besser Übersicht habe, dann ändere ich die Regel für sie, und nur für sie!! Zu ihren Gunsten.
Damit ist dann nämlich ein spannendes Spiel für sie und mich möglich. Denn ich muss mich dann wirklich anstrengen zu gewinnen.
Zum Beispiel Memory:
Das Kind darf immer drei Karten umdrehen, es darf sich einmal verbessern, es darf immer eine karten offen liegen lassen, es darf immer vier karten umdrehen…
Zum Beispiel Mensch ärgere dich nicht:
Das Kind darf immer zweimal Würfel: mit einem normalen Würfel, und einem blanko Würfel, auf den wir Augen von 1 – 3 gemalt haben, es darf einen Pöpel zurücksetzen, wenn es feststellt, dass es doch jemanden rauswerfen kann. Das Kind bekommt von mir die verschiedenen Zugmöglichkeiten gesagt und darf sich dann entscheiden, welche es wählt, es startet nur mit drei (zwei) Figuren, ich mit allen…. Und so weiter… (natürlich nicht alle „Vorteile“ zusammen… sonst hätte man es wohl wirklich schwer…. *grins*)
Zum Beispiel: Ringel Rangel von Haba: Das Kind darf eben mit zwei oder drei Fingern die Schildkröte führen, ich nur mit einem, nur mit einem der linken (wenn ich rechtshänder bin) nur mit dem kleinen Finger...
Und wenn das Kind jedes Mal gewinnt, dann werden die Regeln neu ausgehandelt.
Du siehst, die Möglichkeiten sind total vielfältig, wenn man sich davon freigemacht hat, dass die regeln für alle gleich sein müssen.
Am Spiel noch wichtig für mich ist:
- alle werden Regeln unterworfen, Eltern wie Kinder, aber die Regeln müssen eben _nicht_ die gleichen sein.
- die Regeln sollten jedem _vor_ dem Spiel klar sein.
- jeder ist Gleichberechtigt! dabei heißt gleichberechtigt NICHT, dass die Regeln für alle gleich sein müssen, sondern sie sollten dem jeweiligen Können entsprechen!
Und wenn ich merke, sie gewinnt jedes Mal, ich kann machen was ich will… dann verhandeln wir die Regel wieder neu.
Auf diese Weise spiele ich hervorragend mit altersgemischen Kindergruppen. Und entgegen aller Vorurteile habe ich noch keine Probleme gehabt mit den Kindern, wenn die Regen für die jüngeren vereinfacht werden. Mit einer Erklärung war das kein Problem.
Im Moment spiele ich mit meiner Tochter (gerade 3 geworden) und einer Nachbarstochter (gerade 6 Jahre) oft Au Backe. Sie lieben das Spiel... ich mag es auch... und muss mich echt anstrengen zu gewinnen. Ich ergänze meine Kartenhand am Ende meines Zuges auf 3 (ich spiele mit 3 Handkarten) das Nachbarskind auf 5 Karten und meine Tochter darf sich sofort eine neue Karte nehmen... so lange, bis sie eine falsche aufdeckt. Unsere Gewinnbilanz absolut ausgeglichen.
Sobald sich das ändert, werden wir die Regeln wieder ändern.
Viele Grüße
Eva (die beim Spielen während der Arbeit die ersten Regel-Änderungs-Erfahrungen sammeln durfte)