Beitragvon Steffen S. » 16. April 2005, 17:59
Hallo hannes,
vielen Dank für diese interessante Analyse, das war uns gar nicht so aufgefallen. Mag Zufall sein, aber wir haben bisher hier drei Partien gespielt. Ich habe dreimal gewonnen - und ich war immer weiß. Das mag den Umstand jetzt nicht beweisen, und ihn vielleicht auch überbewerten (vielleicht war ich ausnahmsweise auch mal raffinierter als meine Mitspieler), trotzdem hat mich das jetzt irgendwie "amüsiert".
Nach den tollen Ersteindrücken zu Amazonas, und meiner hohen Wertschätzung für Stefan Dorra, habe ich das Spiel blind gekauft. Ich muss gestehen, dass ich das nach drei Partien etwas bereue.
Ich finde das Spiel keinesfalls schlecht, aber eben auch nur "nett". Was mir am Spiel fehlt, ist ein Überraschungsmoment. Das einzig wirklich Spannende (im Sinne von unerwartete) passiert beim Aufdecken der Ereigniskarten. Alles andere kann ich am vorhandenen Kapital und den bereits gespielten Karten mehr oder minder ablesen. Überraschungszüge gibt es kaum, da es keinen Sinn macht, Kapital zu bunkern. Wer bauen kann, baut auch - und wer das in dieser Runde tut, sehe ich an den Münzen.
Der Verlust eines Zweitbauers gegenüber dem Erstbauer in einem Dorf (1 Gold) - im relativen Direktvergleich (2-3 statt 3-2) sogar 2 Gold - ist so deutlich, dass es den Boni-Vorteil über die Plättchen über große Teile des Spiels überwiegt. Zumal ein früheres Bauen auch kummulativ die Chance auf neue (bzw. höhere) Boni duech das neue Plätchen birgt. Also gilt: Frühes bauen über alles.
Ich bin daher ab meiner zweiten Partie dazu übergegangen, weitgehend stur die hohen Handkarten rauszubolzen - je früher ich Kapital anhäufe, desto bälder kann ich bauen. In der Summe gibt sich das kaum etwas (die Grundsumme der Karten ist ja stets gleich) - besonders zu Spielbeginn, wenn man eh wenig Plättchen hat (und die erste Spielhälfte ist in Amazonas sehr bedeutsam). Ich habe in Einzelfällen 1 höhere Karte in Reserve gehalten, und das auch auf keinen Fall bis zum letzten Zug, um nicht von einem Waldbrandereignis geschröpft zu werden.
Diese simple Taktik erwies sich (s.o.) als höchst erfolgreich. Klar gibt es Nuancen: Ich beachte, welche Forscherkarten noch kommen können, und der Häuptlings-Joker ist ein gern genommenes Objekt. Aber die kommen über das Phänomen der Randerscheinung nicht hinaus.
Mir fehlt dem Spiel die Abwechslung, der "Pfiff", das "gewisse etwas". Ich würde gerne etwas überrschendes tun, jemanden verblüffen, ärgern, einen Zwischenspurt einlegen, mal einen "größeren" Zug machen - irgendwas, mit dem nicht jeder mehr ode rminder gerechnet hat. Aber irgendwie ist das ganze doch arg Schema-F: Ereigniskarte aufdecken, und dann werden eben die Kärtchen gewählt/gespielt. Sobald ich bauen kann, baue ich auch. So lange ich keine direkte Konkurrenz um einen Bauplatz hege, sind mir die Spielzüge der Mitspieler dabei ziemlich egal. Und wie gesagt: Nachhalten bringt nix, also raus mit einer einträglichen Karte, und bald gebaut. Das ist die beste Vorsorge.
Bis zum Ende spielt sich die ganze Runde nach dem gleichen Schema herunter. Und mit der letzten Ereigniskarte ist´s dann eben vorbei. Der Sieger steht da meist schon fest, wozu auch die ebenso üppigen wie notwendigen Boni für "5 verschiedene (Zeitpunkt)" ihr übriges dazutun.
Ich weiß auch nicht so recht. Irgendwie fehlt mir bei dem Spiel das Feuer - trotz Waldbrand.
Grüße,
Steffen (versucht sich jetzt an "Kreta")