Beitragvon Steffen S. » 8. Mai 2005, 22:15
Hi Helmut,
das ist sicher nicht ganz von der Hand zu weisen, wenn auch etwas "radikal" ausgelegt. Sagen wir einfach: Was nicht aufgeführt ist, kippt in eine ignoranzgefährdete Grauzone.
Du sprichst auf das Problem an, dass Lieschen Müller beim sachverstandskeuschen Spielekauf kaum wagen wird, jenseits der Liste zu investieren. Das ist so weit richtig.
Bloß: Ich frage mich nach dem Gesamtnutzen. Wäre es nicht vielleicht so, dass Lieschen Müller sich ohne diese Hilfe GAR KEIN Spiel kaufen würde? Oder womöglich die dritte Siedler-Erweiterung (sicher ist sicher)? Oder das "neue" Monopoly?
Würde Lieschen Müller ohne die Liste BESSER einkaufen? Oder wäre die Gefahr da, dass sie zu einem Spiel greift, das ihr (im wahrsten Sinne des Wortes) AUGENSCHEINlich gut gefällt, sich aber als spielerische Krücke entpuppt - provokant konkretisiert: Würde Lieschen ihren Lieben mit "Käse Mäuse Chaos" eine größere Freude bereiten, als mit Niagara?
Die Liste ist ein Sprungtuch für diejenigen, die sie brauchen. Wir Spielboxer sind das wohl kaum. Die wachsende Zahl an "Nichtkennern", die das Internet als Informations- und Einkaufsmedium nutzen bereits AUCH nicht mehr. Google linkt auf alle großen Rezi-Seiten, wenn man nur den Spielenamen eingibt.
Letztendlich bin ich froh drum, wenn mehr Menschen zum Spiel kommen. Dazu muss die Liste helfen, Fehlgriffe zu vermeiden. Das war in der Vergangenheit nicht immer so, für diesen Jahrgang würde ich es zu behaupten wagen.
Vielleicht sollte man die Liste SO lesen, also "von unten", "Fehlervermeidung" statt portfoliose "Einkaufsoptimierung". Nichabschreckung, sondern Kaufeinladung.
Welche Kriterien gelten dann? In erster Linie, dass "für jeden etwas dabei sein muss". Sie suchen ein 2er-Spiel - hier, nehmen sie Jambo. Steht auch auf der Liste (puh, da ist Lieschen aber beruhigt, und kauft). "Sie suchen ein Würfelspiel, ja verflixxt, da haben wir genaus das richtige - steht auch auf der Liste." usw. usw. usw.
Sehe ich die Liste mit diesem Anspruch, muss sie ein weites Anspruchsfeld "kaufberuhigend" abdecken. Das heißt: Die Genres an Spielen, die in einem Jahrgang überbetont gut bedient wurden, da fällt einiges "hinten runter", weil schon 1-2 andere Spiele diese Schublade abdecken.
2004 war für mich das Jahr des "taktisch anspruchsvollen Familienspiels" - RAJA machte das Rennen, und die Meute beklagte das Fehlen der Brücken von Shangrila, Attika etc. etc..
2005 scheint das Jahr des "einfach-foltten Familienspiels" (Ubongo, Niagara, Manila u.a.) zu sein, dementsprechend entstanden die vielbeklagten Kollateral-Listenschäden dieses Jahr in diesem Gebiet.
Vielleicht ist es an der Zeit, nicht die Einzelzusammensetzung der Liste zu berachten, sondern das Gesamtbild - und die Lesart im obigen Sinne anzupassen.
Just my 2 cents,
Steffen